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Psalm 80–84

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Gebet für den verbrannten Weinstock

801Dem Chorleiter. Nach der Melodie „Lilien“. Ein Zeugnis von Asaf, ein Psalmlied.

2Hör doch, du Hirt Israels, der die Nachkommen Josefs wie eine Herde führt! Du, der über den Cherubim2 thront, erstrahle in deinem Glanz! 3Erscheine vor Efraïm, Benjamin und Manasse, entfalte deine gewaltige Macht und hilf uns! 4Stell uns wieder her, Gott; blick uns wieder freundlich an, dann sind wir gerettet!

5Jahwe, du allmächtiger Gott, wie lange noch raucht dein Zorn, obwohl dein Volk zu dir betet? 6Du hast uns Tränenbrot zu essen gegeben und becherweise Tränen zu trinken. 7Du hast uns zum Zankapfel unserer Nachbarn gemacht, und unsere Feinde verspotten uns. 8Stell uns wieder her, allmächtiger Gott; blick uns wieder freundlich an, dann sind wir gerettet!

9Einen Weinstock grubst du in Ägypten aus, vertriebst ganze Völker und pflanztest ihn ein. 10Für ihn hast du den Boden freigemacht. Er schlug Wurzeln und füllte das Land. 11Die Berge wurden von seinem Schatten bedeckt, ja selbst die mächtigen Zedern. 12Seine Ranken streckte er aus bis ans Meer, bis zum Euphrat seine Triebe.

13Warum hast du seine Mauern eingerissen, dass jeder, der vorbeikommt, ihn plündert? 14Das Wildschwein aus dem Wald verwüstet ihn, die wilden Tiere fressen ihn kahl. 15Kehr doch zurück, allmächtiger Gott! Blick vom Himmel herab und sieh, und nimm dich dieses Weinstocks an! 16Beschütze, was deine Hand pflanzte, den Sprössling, der dir seine Kraft verdankt.

17Schon haben sie ihn verstümmelt und verbrannt. Doch wenn du sie drohend anblickst, kommen sie um. 18Deine Hand sei über dem Mann an deiner Seite, dem Menschensohn, den du dir hast stark werden lassen. 19Dann werden wir uns nie mehr abwenden von dir. Schenk uns neues Leben, und wir rufen deinen Namen wieder an! 20Jahwe, Gott, Allmächtiger, stell uns doch wieder her! Blick uns wieder freundlich an, dann werden wir gerettet sein!

Eine Festrede Gottes

811Dem Chorleiter. Nach dem Kelterlied. Von Asaf.

2Freut euch über Gott, unsere Stärke! Jubelt dem Gott Jakobs zu! 3Stimmt den Lobgesang an, und lasst das Tamburin hören, die liebliche Zither und die Harfe dazu! 4Stoßt am Neumond ins Horn, am Vollmond und zum Tag unseres Festes!

5Denn das ist für Israel Vorschrift, eine Verordnung von Jakobs Gott. 6Diese Regel gab er Josefs Volk, als er gegen Ägypten kämpfte.

Nun höre ich eine Sprache, die ich nicht kenne:

7Ich habe seine Schulter von der Last befreit, seine Hände vom Tragkorb gelöst. 8Du riefst in deiner Not und ich befreite dich, ich antwortete dir im Donnergewölk. Am Wasser von Meriba prüfte ich dich. ♪

9Hör, mein Volk, ich muss dich warnen! Wenn du doch hören würdest, Israel! 10Es soll kein anderer Gott bei dir sein, bete niemals einen fremden Gott an! 11Ich bin Jahwe, dein Gott. Ich habe dich aus dem Land Ägypten befreit. Öffne deinen Mund weit, dass ich ihn füllen kann.

12Aber mein Volk hat nicht auf mich gehört, Israel wollte mich nicht. 13Da überließ ich sie ihrer Starrköpfigkeit, und sie folgten ihrem eigenen Rat. 14Wenn mein Volk doch auf mich hörte! Wenn Israel doch auf meinen Wegen blieb!

15Wie bald würde ich ihre Feinde bezwingen, und ihre Bedränger spürten meine Macht. 16Die Jahwe hassen, müssten ihm schmeicheln, und ihre Zeit wäre für immer vorbei. 17Doch euch würde ich nähren mit dem besten Korn, ja mit Honig aus dem Felsen machte ich euch satt.

Gericht über die Götter

821Ein Psalm. Von Asaf.

Gott steht auf in der Gottesversammlung, unter den Göttern hält er Gericht.

2Wie lange noch wollt ihr ungerecht richten, gottlose Verbrecher noch fördern? ♪ 3Schafft dem Geringen und dem Waisenkind Recht! Verschafft Gerechtigkeit den Gebeugten und Armen! 4Rettet den Geringen und Bedürftigen, reißt ihn aus den Klauen der gottlosen Verbrecher!

5Doch sie erkennen und verstehen nichts, sie tappen im Dunkeln umher. Das erschüttert die Fundamente der Welt. 6Ich sagte zwar: „Ihr seid Götter, Söhne des Höchsten ihr alle!“ 7Doch werdet ihr sterben wie Menschen, zugrunde gehen wie ein Tyrann.

8Erhebe dich, Gott, und richte die Welt, denn alle Völker gehören ja dir!

Gebet in Kriegsgefahr

831Ein Psalmlied von Asaf.

2Gott, bleib doch nicht stumm! Schweige nicht und tu etwas, Gott! 3Sieh doch, wie deine Feinde toben, die dich hassen, heben den Kopf! 4Gegen dein Volk heckten sie listige Pläne aus, gegen deine Schützlinge beraten sie sich. 5„Kommt!“, sagten sie, „Wir löschen Israel aus; an dieses Volk soll niemand mehr denken!“

6Ja, sie alle hielten einmütig Rat und schlossen einen Bund gegen dich: 7das ganze Edom und die Ismaëliten, Moab und die Hagariter1, 8Gebal2, Amalek und Ammon, Philistäa samt den Bewohnern von Tyrus. 9Auch Assyrien schloss sich ihnen an und verstärkte die Nachkommen Lots. ♪

10Schlage sie wie Midian und Sisera, wie Jabin am Bach Kischon. 11Sie wurden bei En-Dor5 vernichtet und blieben als Dünger auf dem Feld. 12Behandle ihre Edelleute wie Oreb und Seeb, ihre Fürsten wie Sebach und Zalmunna, 13sie alle, die beschlossen hatten: „Wir erobern Gottes Land!“

14Mein Gott, mach sie einer Raddistel8 gleich, wie Spreu vor dem Wind. 15Sei ihnen wie Feuer, das den Wald verbrennt, wie eine Flamme, die die Berge versengt! 16Verfolge sie mit deinem Sturm, erschrecke sie durch einen Orkan.

17In Schamröte glühe ihr Gesicht, damit sie nach dir fragen, Jahwe! 18Lass sie für immer beschämt und abgeschreckt sein, lass sie zugrunde gehen in Schande! 19Sie sollen erkennen, dass du allein, dessen Name Jahwe ist, der Höchste über die ganze Erde bist.

Die Freude am Haus Gottes

841Dem Chorleiter. Nach der Weise der Keltertreter. Ein Psalm der Nachkommen Korachs.

2Wie liebenswert sind deine Wohnungen, Jahwe, allmächtiger Gott! 3Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach den Höfen im Tempel Jahwes. Mein Herz und mein Leib, sie jubeln dem lebendigen Gott zu.

4Selbst der Vogel hat ein Haus gefunden, die Schwalbe fand ein Nest für sich, in das sie ihre Jungen legt: deine Altäre, Jahwe, Allmächtiger, mein König und mein Gott. 5Wie glücklich sind die, die in deinem Haus wohnen! Immerzu loben sie dich. ♪

6Wie glücklich sind die, deren Stärke in dir ist, die sich sehnen nach deiner Gegenwart! 7Wenn sie durchs Tränental ziehen, machen sie es zum Quellort, und der Herbstregen hüllt es in Segen. 8Mit jedem Schritt wächst ihre Kraft, bis ihnen Gott auf dem Zion erscheint.

9Jahwe, Gott, Allmächtiger, hör mein Gebet! Vernimm es bitte, Jakobs Gott! ♪ 10Blick freundlich auf den König, unseren Schutz, schau deinen Gesalbten wohlwollend an! 11Denn ein Tag in den Höfen des Tempels ist besser als tausend andere sonst. Lieber will ich Torwächter im Haus meines Gottes sein, als in den Zelten des Unrechts zu wohnen! 12Denn Jahwe, Gott, ist Sonne und Schild. Jahwe schenkt Gnade und Ehre. Denen, die aufrichtig sind, verweigert er das Gute nicht. 13Jahwe, Allmächtiger! Glücklich der Mensch, der dir vertraut!

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Fußnoten

  1. 2Cherub (Mehrzahl: Cherubim): Majestätisches (Engel-)Wesen, das Gottes Herrlichkeit repräsentiert. Das einzige himmlische Wesen, das nur im Tempelbereich bildlich dargestellt werden durfte.
  2. ♪steht für das hebräische Sela, das vielleicht mit Empor! wiedergegeben werden kann, aber nicht sicher zu übersetzen ist. Wahrscheinlich war es ein Zeichen für die Musik.
  3. 1Hagariter meint die Nachkommen von Abrahams Sklavin Hagar, zu denen auch die Nachkommen ihres Sohnes Ismaël (Ismaëliten) gehörten.
  4. 2Gebal meint die phönizische Stadt Byblos.
  5. 5En-Dor lag etwa 5 km südöstlich vom Berg Tabor. Heute: Endur.
  6. 8Raddistel. Vertrocknete und vom Wind verwirbelte Teile der Gundelia (ein Taumelkraut), die als große Bälle weit durch die Steppe getrieben werden konnten.