Logos Bible Study

Hiob 3–41

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3–31: Die Reden der Freunde.

Erste Runde (3–14)

Hiob verwünscht den Tag seiner Geburt

31Dann erst begann Hiob zu sprechen und verfluchte den Tag seiner Geburt. 2Er sagte:

3„Es verschwinde der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, die sagte: ‚Ein Knabe kam zur Welt!‘ 4Finsternis sei dieser Tag! Gott da oben frage nicht nach ihm, nie scheine über ihm das Licht! 5Mögen Finsternis und Dunkel ihn besitzen, dichte Wolken über ihm stehen! Die Finsternis ersticke sein Licht! 6Jene Nacht – das Dunkel soll sie holen, damit sie nicht im Jahreslauf erscheint! Zu keinem Monat soll sie gehören! 7Unfruchtbar sei jene Nacht, kein Jubel kehre bei ihr ein! 8Verwünschen sollen sie die Tageverflucher, die fähig sind, den Leviatan2 zu reizen! 9Finster seien die Sterne ihrer Dämmerung; sie hoffe auf Licht, doch das bleibe aus, sie sehe keinen Schimmer vom Morgenrot! 10Denn sie hat mir nicht den Mutterschoß versperrt und das Unglück meinen Augen erspart.“

Hiob verwünscht sein Überleben als Säugling

11„Warum starb ich nicht bei der Geburt, als ich aus dem Mutterschoß kam? 12Weshalb kamen mir Knie entgegen, wozu Brüste, dass ich daran sog? 13Dann läge ich jetzt schon und ruhte aus, dann schliefe ich und hätte Ruh 14mit Königen und Räten des Landes, die sich verödete Grabmäler bauten; 15oder mit Fürsten, reich an Gold, die ihre Häuser mit Silber füllten. 16Oder als verscharrte Fehlgeburt wäre ich nicht da, wie ein Kind, das niemals das Licht sah. 17Dort endet das Wüten der Bösen, dort ruhen die Erschöpften aus. 18Gefangene sind frei von Sorgen, hören das Geschrei des Antreibers nicht. 19Die Kleinen sind dort wie die Großen, und der Sklave ist frei von seinem Herrn.“

Hiob verwünscht den Umstand, weiterleben zu müssen

20„Warum gibt er dem Leidenden Licht und Leben denen, die verbittert sind; 21die auf den Tod warten, doch der bleibt aus; die nach ihm scharren mehr als nach Schätzen; 22die sich freuen würden, wären sie im Grab. Sie würden jubeln und wären entzückt. 23Warum gibt er dem Mann Leben, den Gott ringsum eingezäunt hat und dessen Weg verborgen ist? 24Bevor ich noch esse, kommt mir das Seufzen, und wie Wasser ergießt sich mein Stöhnen. 25Wovor mir angst war, das hat mich getroffen, wovor mir graute, das kam über mich. 26Hatte ich nicht Frieden, nicht Ruhe, nicht Rast? Und dann kam das Toben.“

Erste Rede des Elifas: seine These

41Jetzt gab Elifas von Teman Antwort.

2„Verstimmt es dich, wenn man ein Wort an dich versucht? Aber wer könnte seine Worte noch hemmen? 3So viele hast du unterwiesen und müde Hände stark gemacht. 4Deine Worte richteten Strauchelnde auf, weichen Knien gabst du wieder Kraft. 5Doch jetzt kommt’s über dich, und du gibst auf, dich trifft es, und du bist verstört. 6Ist nicht deine Gottesfurcht dein Trost, dein tadelloses Leben deine Zuversicht? 7Bedenke doch: ‚Wer kam je als Unschuldiger um, wo sind Aufrichtige beseitigt worden?‘ 8So wie ich es sah: Die Unheil pflügen und Unrecht säen, die ernten es auch. 9Durch Gottes Atem kommen sie um, vom Hauch seines Zorns vergehen sie. 10Der Löwe brüllt nicht mehr, der Fresser verstummt, Gott bricht ihnen die Zähne aus. 11Der Löwe kommt um aus Mangel an Raub, die Jungen der Löwin werden zerstreut.“

Woher Elifas seine Erkenntnis hat

12„Zu mir aber stahl sich sein Wort, mein Ohr vernahm ein Flüstern davon. 13In Gedanken aus nächtlicher Schau, wenn Tiefschlaf über Menschen fällt, 14kam Furcht und Zittern über mich und schreckte meine Glieder auf. 15Ein kalter Hauch berührte mein Gesicht, die Haare standen mir zu Berg. 16Da stand er, den ich nicht kannte. Vor meinen Augen war eine Gestalt, ein leises Flüstern wehte mich an: 17‚Kann ein Mensch gerecht sein vor Gott, ein Mann vor seinem Schöpfer rein? 18Selbst seinen Dienern traut er nicht, wirft auch seinen Engeln Irrtum vor; 19wie viel mehr dann den Geschöpfen aus Lehm, die aus dem Staub hervorgegangen sind, die man wie Motten zerdrückt, 20die man von Morgen bis Abend erschlägt? Unbeachtet gehen sie für immer dahin. 21Gott bricht ihre Zelte ab, sie sterben und wissen nicht einmal wie.‘ “

Elifas wendet seine These auf Hiob an

51„Ruf doch! Antwortet einer? An wen von den Heiligen wendest du dich? 2Den Narren bringt der Unwille um, den Dummkopf tötet der Eifer. 3Einen Narren sah ich Wurzeln schlagen und verfluchte sogleich seinen Wohnsitz. 4Seine Kinder bleiben fern vom Glück, man zertritt sie im Tor und niemand rettet sie. 5Ein Hungriger verzehrt seine Ernte, selbst aus den Dornen holt er sie weg. Durstige lechzen nach seinem Gut. 6Nicht aus dem Staub geht das Unheil hervor, Mühsal sprosst nicht aus der Erde. 7Doch der Mensch ist zur Mühsal geboren, wie der Funkenwirbel, der aus dem Feuer fliegt.“

Hiob soll zu Gott umkehren

8„Doch ich, ich würde Gott suchen, ich brächte meine Sache vor den, 9der Großes und Unergründliches tut, Wunderbares ohne Zahl; 10der Regen auf die Erde gibt und Wasser auf die Fluren schickt, 11um Niedrige in die Höhe zu bringen, Trauernde wieder glücklich zu machen. 12Er vereitelt die Pläne der Durchtriebenen, ihre Hände schaffen keinen Erfolg. 13Er fängt die Weisen in ihrer List und lässt sie stolpern über ihren Entschluss. 14Am hellen Tag stoßen sie an wie im Dunkeln und tappen am Mittag wie in der Nacht. 15So rettet er vor dem Schwert ihres Mundes, aus der Faust des Starken den Bedürftigen. 16So kann der Schwache Hoffnung haben, und die Bosheit verschließt ihren Mund.“

Dann würde er wiederhergestellt

17„Glücklich der Mensch, den Gott bestraft! Verachte die Zucht des Allmächtigen nicht! 18Denn er fügt Schmerzen zu und verbindet, er schlägt Wunden, und er heilt sie auch. 19Aus sechs Nöten reißt er dich heraus, in sieben tastet dich kein Unglück an. 20In Hungersnot erlöst er dich vom Sterben, im Krieg vor dem gewaltsamen Tod. 21Vor der Geißel böser Zungen schützt er dich, du musst Gewalt nicht fürchten, wenn sie kommt. 22Verwüstung und Hunger wirst du verlachen, vor wilden Tieren hast du keine Angst. 23Du bist mit den Steinen des Feldes im Bund, das Raubwild ist im Frieden mit dir. 24Du wirst sehen, dass dein Zelt im Frieden ist, und wenn du deine Wohnung prüfst, so fehlt dir nichts. 25Du wirst sehen, dass deine Nachkommen zahlreich sind, deine Sprösslinge wie das Kraut auf der Erde. 26Hoch betagt gehst du ins Grab, wie reifes Korn, das eingefahren wird. 27Sieh, das haben wir erforscht, so ist es. Wir haben es gehört, nun merke es dir!“

Hiob: entschuldigt seine Worte durch sein Leid

61Da erwiderte Hiob: 2„Würde doch mein Kummer gewogen und mein Unglück dazu auf die Waage gelegt! 3Ja, es ist schwerer als der Sand aller Meere. Darum waren meine Worte unbedacht. 4Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist hat ihr Gift getrunken, die Schrecken Gottes greifen mich an. 5Schreit ein Wildesel denn über dem Gras, brüllt ein Stier denn, wenn er Futter hat? 6Isst man Fades ohne Salz, ist im Eiweiß1 denn Geschmack? 7Ich sträube mich, daran zu rühren, es ist mir wie verdorbenes Brot.“

Hiob klagt, dass Gott zu viel von ihm verlangt

8„Käme doch, was ich begehre, dass Gott mein Verlangen erfüllt, 9dass Gott sich entschließt, mich zu töten, seine Hand enthemmt und mich ums Leben bringt. 10So könnte ich mich noch trösten und jubeln in der grausamen Qual, denn die Worte des Heiligen habe ich nie überhört. 11Welche Kraft hätte ich, noch zu hoffen, was ist das Ziel, für das ich durchhalten soll? 12Ist meine Kraft denn Felsenkraft, ist mein Körper aus Eisen? 13In mir ist keine Hilfe mehr, und was ich kann, ist dahin.“

Hiob klagt, dass seine Freunde ihn enttäuschen

14„Wer seinem Freund den Beistand versagt, fürchtet den Allmächtigen nicht mehr. 15Meine Brüder enttäuschen wie ein Wildbach, wie Wasserläufe, die versickern, 16die trübe sind vom geschmolzenen Eis, mit Schneewasser gefüllt. 17In der Sommerglut sind sie verschwunden, wenn es heiß wird, versiegen sie. 18Karawanen biegen ab von ihrem Weg, folgen ihnen hinauf in die Öde – und verschwinden. 19Die Karawanen von Tema hielten Ausschau nach ihnen, die Handelszüge Sabas hofften auf sie. 20Sie wurden beschämt, weil sie vertrauten, sie kamen hin und wurden enttäuscht. 21So seid ihr für mich geworden. Ihr seht den Jammer und schreckt zurück. 22Habe ich denn gesagt: ‚Bringt her von eurem Besitz, kommt, macht mir ein Geschenk, 23befreit mich aus der Hand des Bedrängers, zahlt den Erpressern das Lösegeld!‘? 24Belehrt mich, dann werde ich schweigen, zeigt mir, wo ich mich irrte! 25Wie kränkend sind ‚richtige Sprüche‘, was tadelt euer Tadel denn? 26Wollt ihr etwa Worte tadeln? Redet der Verzweifelte in den Wind? 27Selbst um ein Waisenkind würdet ihr losen, und euren Freund verschachert ihr. 28Und jetzt entschließt euch, schaut mich an! Ich lüge euch doch nicht ins Gesicht. 29Kehrt um, damit kein Unrecht geschieht, kehrt um, noch bin ich im Recht! 30Ist denn Unrecht auf meiner Zunge? Schmeckt mein Gaumen das Böse nicht mehr?“

Hiob klagt über sein nichtiges Leben

71„Ist der Mensch auf Erden nicht immer im Dienst, so wie ein Söldner jeden Tag? 2Wie ein Sklave sich nach Schatten sehnt, wie ein Tagelöhner nach dem Lohn, 3so sind mir leere Monate beschert und Nächte voller Mühsal zugeteilt. 4Wenn ich liege, sage ich mir: ‚Wann stehe ich endlich wieder auf?‘ Doch die Nacht zieht sich dahin, und ich wälze mich herum, bis es dämmert. 5Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, meine Haut ist verschorft und eitert. 6Wie ein Weberschiffchen1 fliegen meine Tage, ganz ohne Hoffnung schwinden sie dahin.

7Bedenke, dass mein Leben ein Hauch ist, mein Auge nie mehr Gutes sehen wird.

8Wer mich sehen will, erblickt mich nicht mehr, sucht mich dein Auge, bin ich nicht da. 9Die Wolke löst sich auf und verschwindet, und wer zu den Toten fährt, steigt nicht wieder auf. 10Er kehrt nicht mehr in sein Haus zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr.“

Hiob protestiert gegen Gottes Handeln mit ihm

11„So will auch ich meinen Mund nicht halten, will reden in meiner inneren Angst, will…

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Footnotes

  1. 2Leviatan. Ein saurierähnliches Ungeheuer, hier Symbol einer gottfeindlichen Macht, die die Nacht von Hiobs Geburt hätte verschlingen können.
  2. 1Eiweiß. Wörtlich: Eibischschleim. Der Schleim der Eibischstaude wurde als Medikament gebraucht.
  3. 1Weberschiffchen. Länglicher Behälter mit Spule (auf dem der Schussfaden aufgewickelt ist), der zwischen den Kettfäden eines Webstuhls hin- und hergeschossen wird.