Logos Bible Study

Hiob 3–41

Elberfelder 1905Other versions

3

1Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.

2Und Hiob hob an und sprach:

3Es verschwinde der Tag, an dem ich geboren wurde, und die Nacht, welche sprach: Ein Knäblein ist empfangen!

4Jener Tag sei Finsternis! Nicht frage Gott nach ihm droben, und nicht erglänze über ihm das Licht!

5Finsternis und Todesschatten mögen ihn einlösen, Gewölk lagere sich über ihm, es schrecken ihn Tagesverfinsterungen!

6Jene Nacht, Dunkel ergreife sie; sie freue sich nicht unter den Tagen des Jahres, in die Zahl der Monde komme sie nicht!

7Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar, es trete kein Jubel in sie ein!

8Verwünschen mögen sie die Verflucher des Tages, die fähig sind, den Leviathan aufzureizen!

9Verfinstert seien die Sterne ihrer Dämmerung; sie harre auf Licht, und da sei keines; und nicht schaue sie die Wimpern der Morgenröte!

10Denn sie hat die Pforte meines Mutterschoßes nicht verschlossen und Mühsal nicht verborgen vor meinen Augen.

11Warum starb ich nicht von Mutterleibe an, kam aus dem Schoße hervor und verschied?

12Weshalb kamen Knie mir entgegen, und wozu Brüste, daß ich sog?

13Denn jetzt würde ich liegen und rasten, ich würde schlafen: dann hätte ich Ruhe,

14mit Königen und Räten der Erde, welche sich verödete Plätze erbauten,

15oder mit Fürsten, die Gold hatten, die ihre Häuser mit Silber füllten;

16oder, gleich einer verborgenen Fehlgeburt, wäre ich nicht da, gleich Kindern, die das Licht nicht erblickt haben.

17Dort lassen die Bösen ab vom Toben, und dort ruhen die an Kraft Erschöpften,

18rasten die Gefangenen allesamt, hören nicht die Stimme des Treibers.

19Der Kleine und der Große, dort sind sie gleich, und der Knecht ist frei von seinem Herrn.

20Warum gibt er dem Mühseligen Licht, und Leben denen, die bitterer Seele sind;

21die auf den Tod harren, und er ist nicht da, und die nach ihm graben, mehr als nach verborgenen Schätzen;

22die sich freuen bis zum Jubel, Wonne haben, wenn sie das Grab finden;

23dem Manne, dessen Weg ihm verborgen ist, und den Gott eingeschlossen hat ringsum?

24Denn gleich meinem Brote kommt mein Seufzen, und wie Wasser ergießt sich mein Gestöhn.

25Denn ich fürchtete einen Schrecken, und er traf mich, und vor dem mir bangte, das kam über mich.

26Ich war nicht ruhig, und ich rastete nicht und ruhte nicht, da kam das Toben.

4

1Und Eliphas, der Temaniter, antwortete und sprach:

2Wenn man ein Wort an dich versucht, wird es dich verdrießen? Doch die Worte zurückzuhalten, wer vermöchte es?

3Siehe, du hast viele unterwiesen, und erschlaffte Hände stärktest du;

4den Strauchelnden richteten deine Worte auf, und sinkende Knie hast du befestigt.

5Doch nun kommt es an dich, und es verdrießt dich; es erreicht dich, und du bist bestürzt.

6Ist nicht deine Gottesfurcht deine Zuversicht, die Vollkommenheit deiner Wege deine Hoffnung?

7Gedenke doch: Wer ist als Unschuldiger umgekommen, und wo sind Rechtschaffene vertilgt worden?

8So wie ich es gesehen habe: die Unheil pflügen und Mühsal säen, ernten es.

9Durch den Odem Gottes kommen sie um, und durch den Hauch seiner Nase vergehen sie.

10Das Brüllen des Löwen und des Brüllers Stimme sind verstummt, und die Zähne der jungen Löwen sind ausgebrochen;

11der Löwe kommt um aus Mangel an Raub, und die Jungen der Löwin werden zerstreut.

12Und zu mir gelangte verstohlen ein Wort, und mein Ohr vernahm ein Geflüster davon.

13In Gedanken, welche Nachtgesichte hervorrufen, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt,

14kam Schauer über mich und Beben, und durchschauerte alle meine Gebeine;

15und ein Geist zog vor meinem Angesicht vorüber, das Haar meines Leibes starrte empor.

16Es stand da, und ich erkannte sein Aussehen nicht; ein Bild war vor meinen Augen, ein Säuseln und eine Stimme hörte ich:

17Sollte ein Mensch gerechter sein als Gott, oder ein Mann reiner als der ihn gemacht hat?

18Siehe, auf seine Knechte vertraut er nicht, und seinen Engeln legt er Irrtum zur Last:

19wieviel mehr denen, die in Lehmhäusern wohnen, deren Grund im Staube ist! Wie Motten werden sie zertreten.

20Von Morgen bis Abend werden sie zerschmettert; ohne daß man’s beachtet, kommen sie um auf ewig.

21Ist es nicht so? Wird ihr Zeltstrick an ihnen weggerissen, so sterben sie, und nicht in Weisheit.

5

1Rufe doch, ob einer da ist, der dir antwortet! Und an welchen der Heiligen willst du dich wenden?

2Denn den Narren erwürgt der Gram, und den Einfältigen tötet der Eifer.

3Ich, ich sah den Narren Wurzel schlagen, und alsbald verwünschte ich seine Wohnung.

4Fern blieben seine Kinder vom Glück; und sie wurden im Tore zertreten, und kein Erretter war da.

5Seine Ernte verzehrte der Hungrige, und bis aus den Dornhecken nahm er sie weg; und nach ihrem Vermögen schnappte die Schlinge.

6Denn nicht aus dem Staube geht Unheil hervor, und nicht sproßt Mühsal aus dem Erdboden;

7sondern der Mensch ist zur Mühsal geboren, wie die Funken sich erheben im Fluge.

8Ich jedoch würde Gott suchen und Gott meine Sache darlegen,

9der Großes und Unerforschliches tut, Wunder bis zur Unzahl;

10der Regen gibt auf die Fläche der Erde, und Wasser sendet auf die Fläche der Flur;

11um Niedrige in die Höhe zu setzen, und Trauernde steigen empor zum Glück.

12Der zunichte macht die Anschläge der Listigen, und ihre Hände führen den Plan nicht aus;

13der die Weisen erhascht in ihrer List, und der Verschmitzten Rat überstürzt sich.

14Bei Tage stoßen sie auf Finsternis, und am Mittag tappen sie wie bei der Nacht.

15Und er rettet vom Schwerte, von ihrem Munde, und aus der Hand des Starken den Dürftigen.

16So wird dem Armen Hoffnung, und die Ungerechtigkeit verschließt ihren Mund.

17Siehe, glückselig der Mensch, den Gott straft! So verwirf denn nicht die Züchtigung des Allmächtigen.

18Denn er bereitet Schmerz und verbindet, er zerschlägt, und seine Hände heilen.

19In sechs Drangsalen wird er dich erretten, und in sieben wird dich kein Übel antasten.

20In Hungersnot erlöst er dich von dem Tode, und im Kriege von der Gewalt des Schwertes.

21Vor der Zunge Geißel wirst du geborgen sein, und du wirst dich nicht fürchten vor der Verwüstung, wenn sie kommt.

22Der Verwüstung und des Hungers wirst du lachen, und vor dem Getier der Erde wirst du dich nicht fürchten;

23denn dein Bund wird mit den Steinen des Feldes sein, und das Getier des Feldes wird Frieden mit dir haben.

24Und du wirst erfahren, daß dein Zelt in Frieden ist, und überschaust du deine Wohnung, so wirst du nichts vermissen;

25und du wirst erfahren, daß deine Nachkommenschaft zahlreich sein wird, und deine Sprößlinge gleich dem Kraut der Erde.

26Du wirst in Rüstigkeit in das Grab kommen, wie der Garbenhaufen eingebracht wird zu seiner Zeit.

27Siehe, dieses, wir haben es erforscht, so ist es; höre es, und du, merke es dir!

6

1Und Hiob antwortete und sprach:

2O daß mein Gram doch gewogen würde, und man mein Mißgeschick auf die Waagschale legte allzumal!

3Denn dann würde es schwerer sein als der Sand der Meere; darum sind unbesonnen meine Worte.

4Denn die Pfeile des Allmächtigen sind in mir, ihr Gift trinkt mein Geist; die Schrecken Gottes stellen sich in Schlachtordnung wider mich auf.

5Schreit ein Wildesel beim Grase, oder brüllt ein Rind bei seinem Futter?

6Wird Fades, Salzloses gegessen? Oder ist Geschmack im Eiweiß?

7Was meine Seele sich weigerte anzurühren, das ist wie meine ekle Speise.

8O daß doch meine Bitte einträfe, und Gott mein Verlangen gewährte,

9daß es Gott gefiele, mich zu zermalmen, daß er seine Hand losmachte und mich vernichtete!

10So würde noch mein Trost sein, und ich würde frohlocken in schonungsloser Pein, daß ich die Worte des Heiligen nicht verleugnet habe.

11Was ist meine Kraft, daß ich ausharren, und was mein Ende, daß ich mich gedulden sollte?

12Ist Kraft der Steine meine Kraft, oder ist mein Fleisch von Erz?

13Ist es nicht also, daß keine Hilfe in mir, und jede Kraft aus mir vertrieben ist?

14Dem Verzagten gebührt Milde von seinem Freunde, sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen.

15Meine Brüder haben sich trügerisch erwiesen wie ein Wildbach, wie das Bett der Wildbäche, welche hinschwinden,

16welche trübe sind von Eis, in die der Schnee sich birgt.

17Zur Zeit, wenn sie erwärmt werden, versiegen sie; wenn es heiß wird, sind sie von ihrer Stelle verschwunden.

18Es schlängeln sich die Pfade ihres Laufes, ziehen hinauf in die Öde und verlieren sich.

19Es blickten hin die Karawanen Temas, die Reisezüge Schebas hofften auf sie:

20sie wurden beschämt, weil sie auf sie vertraut hatten, sie kamen hin und wurden zu Schanden.

21Denn jetzt seid ihr zu nichts geworden; ihr sehet einen Schrecken und fürchtet euch.

22Habe ich etwa gesagt: Gebet mir, und machet mir ein Geschenk von eurem Vermögen;

23und befreiet mich aus der Hand des Bedrängers, und erlöset mich aus der Hand der Gewalttätigen?

24Belehret mich, und ich will schweigen; und gebet mir zu erkennen, worin ich geirrt habe.

25Wie eindringlich sind richtige Worte! Aber was tadelt der Tadel, der von euch kommt?

26Gedenket ihr Reden zu tadeln? Für den Wind sind ja die Worte eines Verzweifelnden!

27Sogar den Verwaisten würdet ihr verlosen, und über euren Freund einen Handel abschließen.

28Und nun, laßt es euch gefallen, auf mich hinzublicken: euch ins Angesicht werde ich doch wahrlich nicht lügen.

29Kehret doch um, es geschehe kein Unrecht; ja, kehret noch um, um meine Gerechtigkeit handelt es sich!

30Ist Unrecht auf meiner Zunge? Oder sollte mein Gaumen Frevelhaftes nicht unterscheiden?

7

1Hat der Mensch nicht einen harten Dienst auf Erden, und sind seine Tage nicht wie die Tage eines Tagelöhners?

2Wie ein Knecht, der sich nach dem Schatten sehnt, und wie ein Tagelöhner, der seines Lohnes harrt,

3so sind mir zuteil geworden Monde der Nichtigkeit, und Nächte der Mühsal mir zugezählt.

4Wenn ich mich niederlege, so spreche ich: Wann werde ich aufstehen? Und der Abend dehnt sich hin, und ich werde des Umherwerfens satt bis zur Dämmerung.

5Mein Fleisch ist bekleidet mit Gewürm und Erdkrusten, meine…

Read in Logos

This passage has been shortened. Keep reading Hiob 3–41 in Logos