Logos Bible Study

Hiob 22–24

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Reden der Freunde. Dritte Runde (22–31)

Elifas: Du hältst Gott für parteiisch!

221Da erwiderte Elifas von Teman:

2„Kann ein Mann Gott Nutzen bringen? Der Verständige nützt nur sich selbst. 3Wenn du gerecht bist, was bringt es dem Allmächtigen? Hat er Gewinn, wenn deine Wege unschuldig sind?“

Gott straft dich wegen deiner Sünden!

4„Straft er dich, weil du ihn fürchtest, geht er deshalb mit dir ins Gericht? 5Ist nicht vielmehr deine Bosheit groß und ohne Ende deine Schuld? 6Du hast deinen Bruder grundlos gepfändet, du nahmst ihm als Pfand das einzige Gewand. 7Dem Erschöpften hast du kein Wasser gegeben, dem Hungrigen nicht ein Stück Brot. 8Denkst du, dem Mann der Faust gehört das Land und nur Angesehene wohnen dort? 9Witwen schicktest du mit leeren Händen fort, die Arme der Waisen hast du zerschlagen. 10Darum sind Schlingen rings um dich her, ein plötzlicher Schrecken macht dich bestürzt, 11eine Finsternis, in der du nichts siehst, und die Wasserflut, die dich bedeckt.“

Hältst du Gott für unwissend?

12„Ist Gott nicht so hoch wie der Himmel? Schau, wie hoch die höchsten Sterne sind! 13Du aber sagst: ‚Was weiß denn Gott? Kann er durch Wolkendunkel richten? 14Wolken umhüllen ihn, dass er nichts sieht, wenn er am Himmelsgewölbe spaziert.‘

15Willst du den Pfad der Vorwelt befolgen, den die Gottlosen gegangen sind, 16die weggerafft wurden vor der Zeit? Wie ein Strom zerfloss ihr fester Grund. 17Sie sagten zu Gott: ‚Mach dich fort!‘, und: ‚Was kann der Allmächtige uns tun?‘ 18Hatte er doch ihre Häuser mit Gutem gefüllt. Auch mir ist das Denken der Gottlosen fern! 19Die Gerechten sehen es und freuen sich, und der Schuldlose wird über sie spotten: 20‚Vernichtet sind unsere Feinde! Die letzten von ihnen sind im Feuer verbrannt.‘ “

Ändere deine Einstellung, Hiob!

21„Sei ihm doch Freund und halte Frieden! Dadurch kommt wieder Gutes zu dir. 22Nimm die Lehre aus seinem Mund an, nimm dir seine Worte zu Herzen! 23Wenn du zum Allmächtigen umkehrst, wirst du wieder aufgebaut und entfernst das Unrecht aus deinem Zelt. 24Wirf dein Gold doch in den Staub, das Ofirgold zu den Kieseln im Bach! 25Dann ist der Allmächtige dein Gold, das erlesene Silber für dich. 26Dann wirst du dich am Allmächtigen freuen und dein Gesicht zu Gott erheben. 27Du wirst zu ihm beten, und er wird dich hören. Und du erfüllst ihm, was du gelobst. 28Was du beschließt, das wird dir gelingen. Auf deinen Wegen wird es hell. 29Ja, Gott erniedrigt die, die hochmütig reden, doch wer die Augen niederschlägt, dem hilft er auf. 30Er rettet selbst den, der nicht schuldlos ist; durch die Reinheit deiner Hände wird er befreit.“

Hiob: Wenn ich Gott nur finden könnte!

231Hiob erwiderte:

2„Auch heute lehnt sich meine Klage auf, meine Hand muss mein Stöhnen bezwingen. 3Wüsste ich nur, wie ich ihn finden, zu ihm hin gelangen könnte. 4Ich würde ihm meinen Rechtsfall erläutern, meinen Mund mit Beweisgründen füllen. 5Ich würde wissen, was er mir erwidert, erfahren, was er zu mir sagt. 6Würde er in seiner Allmacht mit mir streiten? Nein, gerade er wird auf mich achten. 7Ein Aufrechter würde dort mit ihm streiten, und ich hätte mein Recht für immer gesichert.

8Geh ich nach Osten, ist er nicht da, und nach Westen, bemerke ich ihn nicht. 9Wirkt er im Norden, kann ich ihn nicht sehen, und im Süden, da erblicke ich ihn nicht. 10Er kennt doch meinen Weg. Wenn er mich prüfte, wäre ich wie Gold. 11Mein Fuß blieb in seiner Spur; ich blieb auf seinem Weg und wich nicht ab. 12Ich ließ nicht ab von dem, was er mir gebot, wich nicht von meinem Vorsatz ab und verwahrte die Worte aus seinem Mund.

13Doch er ist der Eine. Wer kann ihm wehren? Was er will, das tut er auch. 14Er vollendet, was er mir bestimmt hat, und hält davon noch mehr bereit. 15Darum bin ich so bestürzt vor ihm, ich denke daran und habe vor ihm Angst. 16Gott hat mein Herz verzagt gemacht, der Allmächtige macht mich bestürzt. 17Denn nicht wegen Finsternis vergehe ich und auch nicht, weil mich Dunkelheit bedeckt.“

Die Gottlosen haben Erfolg!

241„Warum setzt der Allmächtige keine Gerichtstage fest? Warum sehen die, die ihn kennen, seine Gerechtigkeit1 nicht? 2Da verrücken manche die Grenzen, rauben die Herde und weiden sie selbst. 3Sie treiben den Esel der Waisen weg und nehmen das Rind der Witwe zum Pfand. 4Sie stoßen die Bedürftigen vom Weg. Die Armen des Landes verkriechen sich alle.

5Wie Wildesel in der Wüste müssen sie ans Tagewerk gehen und suchen schon früh nach Nahrung. Die Steppe gibt ihnen Brot für die Kinder. 6Auf freiem Feld schneiden sie Futterkorn ab, suchen Beeren im Weinberg des Bösen. 7Nackt übernachten sie ohne Gewand und haben keine Decke im Frost. 8Vom Regen der Berge sind sie durchnässt, an den Felsen suchen sie Schutz. 9Der Witwe reißt man ihren Säugling weg; die Waise des Armen nimmt man zum Pfand. 10Nackt müssen sie gehen, ohne Gewand, und hungernd schleppen sie Garben. 11In deren Hainen pressen sie das Öl, treten die Kelter und haben doch Durst. 12In der Stadt hört man Sterbende ächzen, Verletzte schreien um Hilfe, doch Gott nimmt keinen Anstoß daran.

13Jene sind Feinde des Lichts und wissen nichts von Gottes Wegen. Sie bleiben auch nicht auf seinem Pfad. 14Bevor es hell wird, steht der Mörder auf und bringt Arme und Schutzlose um. Und der Dieb geht um in der Nacht. 15Der Ehebrecher wartet auf die Dämmerung; er sagt: ‚Kein Auge soll mich sehen!‘, und er verhüllt sein Gesicht. 16Im Dunkeln brechen sie ein in die Häuser. Am Tag, da verstecken sie sich, denn sie scheuen das Licht. 17Die Finsternis gilt ihnen als Morgen, mit ihrem Schrecken sind sie wohlvertraut.“

Erst in der Ewigkeit werden sie bestraft!

18„Schnell fahren sie dahin wie auf Wasser, verflucht ist ihr Los auf der Erde. Den Weg zu den Weinbergen gehen sie nicht mehr. 19Dürre und Hitze raffen Schneewasser weg, so schluckt die Totenwelt einen Sünder. 20Selbst der Mutterleib vergisst ihn. An ihm labt sich das Gewürm. Nie mehr wird an ihn gedacht. So zerbricht das Böse wie ein Baum. 21So auch der, der die Kinderlose beraubte und der Witwe keine Freundlichkeit erwies. 22Starke reißt Gott durch seine Kraft um. Steht er auf, sind sie des Lebens nicht sicher. 23Er wiegt sie nur in Sicherheit, doch seine Augen sind auf ihren Wegen. 24Sie kommen für kurze Zeit hoch, doch dann ist es aus; sie sinken hin, man rafft sie wie alle anderen weg; sie verwelken wie die Spitze der Ähre. 25Ist es nicht so? Wer will mich Lügen strafen? Wer kann meine Worte widerlegen?“

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Footnotes

  1. 1Gerechtigkeit. Wörtlich: Tage. Gemeint sind die Tage, an denen er Gericht hält.