Logos Bible Study

Hiob 20–21

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Zweite Rede des Zofar: Es drängt mich zur Antwort

201Da entgegnete Zofar von Naama:

2„Darauf antworten mir meine Gedanken, und deswegen stürmt es in mir. 3Ich höre, wie man mich tadelt und schmäht, doch aus Einsicht erwidert mein Geist.“

Der Böse nimmt ein böses Ende

4„Weißt du nicht, dass immer schon, seit es Menschen auf der Erde gibt, 5der Jubel der Gottlosen kurz ist, die Freude der Bösen keinen Augenblick bleibt? 6Reicht sein Stolz auch in den Himmel, kommt er mit dem Kopf bis an die Wolken, 7wird er vergehen wie sein eigener Kot. Die ihn sahen, fragen: ‚Wo ist er?‘ 8Wie ein Traum löst er sich unauffindbar auf, wie ein weggescheuchtes Nachtgesicht. 9Das Auge sah ihn und sieht ihn nicht wieder, seine Stätte erblickt ihn nicht mehr. 10Seine Kinder müssen den Armen Entschädigung zahlen und seine Hände den Raub erstatten. 11Seine Glieder waren voll Jugendkraft, nun liegen sie mit ihm im Staub.

12Schmeckt das Böse in seinem Mund süß, wenn er es unter der Zunge verbirgt, 13es aufspart und nicht loslassen will, es im Gaumen zurückhält, 14so wird seine Speise im Leib verwandelt, in seinem Inneren zu Natterngift. 15Reichtum hat er verschlungen, nun erbricht er ihn wieder, aus seinem Bauch treibt Gott ihn heraus. 16Was er sog, ist Viperngift, die Vipernzunge tötet ihn. 17Er darf sich nicht an Bächen freuen, an Strömen von Honig und Milch. 18Das Errungene gibt er zurück, er darf es nicht verschlingen. Den Reichtum, den er erwarb, den kann er nicht genießen.

19Denn er knickte die Armen und ließ sie liegen, raubte ein Haus und baute es nicht aus. 20Weil sein Bauch ihm keine Ruhe gab, entkommt er mit seinen Schätzen nicht. 21Nichts entging seiner Fressgier, darum hat sein Gut keinen Bestand. 22Trotz großem Reichtum wird ihm Angst, die Wucht des Leidens wird über ihn kommen.

23Gott fülle ihm den Bauch mit seinem glühendem Zorn, dass er als sein Brot auf ihn regne. 24Flieht er vor den eisernen Waffen, durchbohrt ihn der eherne Bogen. 25Zieht er sich den Pfeil aus dem Rücken, aus der Galle die blitzende Klinge, kommt das Grauen über ihn. 26Nur Finsternis ist für ihn aufgespart; es frisst ihn ein Feuer, das niemand angeblasen hat; es verzehrt, was übrig blieb in seinem Zelt. 27Der Himmel enthüllt seine Schuld, die Erde steht gegen ihn auf. 28Der Wohlstand seines Hauses fährt dahin, wenn Gottes Zorn wie eine Sturzflut kommt. 29So sieht das Schicksal gottloser Menschen aus, Gott spricht ihnen dieses Erbe zu.“

Hiob: Hört mir doch zu!

211Da erwiderte Hiob:

2„Hört mir doch einmal richtig zu! Das wäre wahrer Trost von euch. 3Ertragt mich, dann will ich reden; danach kannst du spotten, wenn du es willst. 4Richte ich meine Klage an Menschen? Und warum sollte ich nicht ungeduldig sein? 5Wendet euch zu mir und erstarrt, und legt die Hand auf den Mund!“

Auch Bösen geht es manchmal gut

6„Wenn ich daran denke, bin ich bestürzt, und Zittern erfasst meinen Leib. 7Warum bleiben die Bösen am Leben, werden alt und ihre Macht wächst? 8Gesichert wachsen ihre Kinder auf, und ihre Enkel haben sie um sich. 9Keine Furcht zerstört den Frieden ihrer Häuser, die Rute Gottes trifft sie nicht. 10Sein Stier versagt nicht bei der Befruchtung, seine Kuh kalbt ohne Fehlgeburt. 11Wie Schafe lassen sie ihre Buben hinaus, ihre Kinder tanzen und springen. 12Sie singen zur Handpauke und Zither, freuen sich beim Klang der Flöte. 13Sie genießen ihre Tage im Glück und fahren im Nu zu den Toten. 14Und doch sagen sie zu Gott: ‚Bleib uns fern! Von deinen Wegen wollen wir nichts wissen. 15Was sollen wir dem Allmächtigen dienen, was nützt es uns, wenn wir ihn bitten?‘

16Doch das Glück steht nicht in ihrer Hand. Vom Denken der Bösen halt ich mich fern. 17Wie oft erlischt die Leuchte der Bösen, wie oft kommt Unglück über sie, teilt er Verderben zu im Zorn! 18Dann sind sie wie Stroh vor dem Wind, wie Spreu, die der Sturmwind entführt. 19Spart Gott das Unheil für die Kinder des Bösen auf? Ihm selbst soll er es vergelten, dass er es fühlt! 20Mit eigenen Augen soll er seinen Untergang sehen und vom Zorn des Allmächtigen trinken. 21Denn was schert ihn sein Haus nach ihm, wenn die Zahl seiner Monate schwindet?“

Ihr gebt trügerischen Trost

22„Kann man Gott Erkenntnis lehren, ihn, der die Himmlischen richtet? 23Der eine stirbt bei voller Kraft, sorglos und zufrieden. 24Voller Milch sind seine Tröge, getränkt ist das Mark seiner Knochen. 25Der andere stirbt im Herzen verbittert und hat das Glück nie geschmeckt /. 26Zusammen liegen sie im Staub, und Maden decken sie zu.

27Seht, ich kenne eure Gedanken, die Pläne, die ihr gegen mich macht. 28Ihr sagt: ‚Wo ist das Haus des Edlen und wo das Zelt, in dem die Bösen sind?‘ 29Habt ihr nie die Reisenden gefragt, ihre Berichte denn nie verfolgt? 30Am Tag des Unglücks bleibt der Böse verschont, am Tag des Zorns kommt er davon. 31Wer hält ihm seinen Lebenswandel vor, wer zahlt ihm heim, was er verbrochen hat? 32Doch er wird in Ehren bestattet, man wacht bei seinem Grab. 33Die Erde deckt ihn freundlich zu. Alle Welt zieht hinter ihm her und vor ihm die zahllose Menge. 34Euer Trost ist nichts als Dunst, eure Antworten bleiben Betrug.“

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