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Psalm 74–76

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Klage über das zerstörte Heiligtum

741Ein Lehrgedicht. Für Asaf.

Gott, hast du uns für immer verstoßen? Warum ist dein Zorn auf deine Herde so groß? 2Denk an deine Gemeinde, die du einst erworben hast, die du als Stamm für dein Erbteil erlöstest! Denk an den Zionsberg, auf dem du wohnst! 3Komm doch und sieh dir diese ewigen Ruinen an! Alles hat der Feind im Heiligtum zerstört.

4In deiner Versammlungsstätte haben deine Feinde gebrüllt und dort ihre Siegeszeichen hingestellt. 5Sie haben sich benommen wie die Axt im Walddickicht.

6Und jetzt sind alle Schnitzereien zerschlagen mit Hacken und Beilen. 7In deinem Heiligtum haben sie Feuer gelegt, die Wohnung deines Namens bis auf den Grund entweiht. 8Sie sagten sich: „Lasst uns sie alle vernichten!“ Alle Gottesstätten im Land haben sie niedergebrannt.

9Wir sehen keine Zeichen für uns. Kein Prophet ist mehr da. Keiner weiß, wie lange das noch geht. 10Bis wann, Gott, darf der Bedränger noch höhnen, der Feind deinen Namen lästern immerfort? 11Warum hältst du deine Hand zurück und greifst nicht ein? Zieh sie doch aus deinem Gewand und mach ihnen endlich ein Ende!

12Dennoch ist Gott von alters her mein König, der Rettungstaten auf der Erde vollbringt. 13Mit deiner Macht hast du das Meer geteilt, zerschmettert die Köpfe der Seeungeheuer. 14Dem Leviatan2 hast du die Köpfe zerschlagen und gabst ihn den wilden Tieren zum Fraß.

15Du hast Quellen und Bäche sprudeln lassen und mächtige Ströme zum Versiegen gebracht. 16Dein ist der Tag, dein auch die Nacht. Mond und Sonne setztest du ein. 17Du hast die Grenzen der Erde bestimmt, Sommer und Winter hast du gemacht.

18Jahwe, denk doch daran: Der Feind hat dich verhöhnt. Ein gottloses Volk hat deinen Namen verachtet. 19Gib deine Taube doch nicht den Raubtieren preis! Vergiss dein armes Volk nicht für immer! 20Blick hin auf deinen Bund! Denn in den dunklen Winkeln im Land herrscht die rohe Gewalt.

21Lass den Bedrückten nicht beschämt weggehen! Lass den Gebeugten, lass den Armen deinen Namen loben! 22Steh auf, Gott, und verschaffe dir Recht! Bedenk, wie diese Toren dich täglich verspotten. 23Vergiss nicht das Geschrei deiner Gegner, ihr ständiges Getöse gegen dich!

Gott, der gerechte Richter

751Dem Chorleiter. Nach der Melodie: „Zerstöre nicht!“ Ein Psalmlied von Asaf.

2Wir danken dir, Gott, und loben dich sehr! Deine Wunder verkünden, dass dein Name nahe ist.

3„Zur Zeit, die ich selber bestimme, halte ich ein gerechtes Gericht. 4Mag auch die Erde wanken mit ihren Bewohnern, ich gebe ihren Grundpfeilern Halt.“ ♪

5Ich sagte zu den Großmäulern: „Haltet den Mund!“, den Gottlosen: „Brüstet euch nicht mit eurer Macht! 6Pocht nicht so auf eure Gewalt! Hört auf, so vermessen zu reden! 7Denn nicht der Osten, nicht der Westen, auch nicht die Wüste hat euch in die Stellung gebracht. 8Nein, Gott selbst ist der Richter, der den einen erniedrigt und den anderen erhöht.“

9Jahwe hält einen Becher in der Hand, gefüllt mit scharfem, gärendem Wein. Und von dem schenkt er den Gottlosen ein. Sie müssen ihn schlürfen und trinken bis zum letzten bitteren Rest.

10Ich aber will das immer verkünden. Dem Gott Jakobs lobsinge ich gern.

11„Ja, die Hörner der Gottlosen schlage ich ab, und die Kräfte der Gerechten werden gestärkt!“

Gott, der furchtbare Richter

761Dem Chorleiter. Mit Saitenspiel. Ein Psalmlied von Asaf.

2Bekannt ist Gott in Juda, sein Name ist in Israel groß. 3In Salem1 stand sein Zelt, auf dem Zion2 seine Wohnung. 4Dort zerbrach er alles Kriegsgerät: die Pfeile, Schwerter und Schilde. ♪

5Von Lichtglanz bist du umhüllt, herrlicher als Berge von Beute. 6Furchtlose Krieger sind beraubt, sie sinken in den letzten Schlaf. Allen Helden versagen die Hände. 7Wenn du drohst, Gott Jakobs, erstarren Pferde und Wagen.

8Furchtbar bist du. Wer kann vor dir bestehen, vor der Gewalt deines Zorns? 9Wenn du vom Himmel her das Urteil verkündest, erschrickt die Erde und wird ganz still. 10Dann erhebst du dich zum Gericht, um zu helfen allen Hilflosen der Welt. ♪

11Selbst das Wüten der Menschen vermehrt deinen Ruhm, mit ihrem Zorn umgürtest du dich. 12Legt Gelübde ab und erfüllt sie Jahwe, eurem Gott! Alle, die ihr um ihn seid, bringt eure Gaben dem, der zu fürchten ist! 13Er stutzt der Landesherren Übermut, ist furchtbar für die Herren der Welt.

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Fußnoten

  1. 2Leviatan. Verkörperung einer gottfeindlichen Macht, besonders des ägyptischen Heeres, das die Israeliten verfolgte und im Roten Meer umkam.
  2. ♪steht für das hebräische Sela, das vielleicht mit Empor! wiedergegeben werden kann, aber nicht sicher zu übersetzen ist. Wahrscheinlich war es ein Zeichen für die Musik.
  3. 1Salem = Jerusalem
  4. 2Zion. Hügel in Jerusalem, oft als Bezeichnung für die ganze Stadt gebraucht.