Micha 1–3
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1–3: Warum Gott als Richter kommen muss
11Das ist die Botschaft, die Jahwe Micha aus Moreschet über Samaria und Jerusalem offenbarte, als die Könige Jotam, Ahas und Hiskija über Juda regierten.
Voraussage der Zerstörung
2Hört zu, all ihr Völker! Ihr Bewohner der Erde, gebt Acht! Jahwe, der Herr, tritt als Zeuge gegen euch auf, er tritt heraus aus seinem Heiligtum. 3Denn seht, Jahwe verlässt seine Wohnung, er steigt herab und tritt auf die Höhen1 der Erde. 4Die Berge schmelzen unter ihm und die Täler spalten sich auf. Sie sind wie Wachs vor dem Feuer und wie Wasser, ausgossen am Hang. 5Das geschieht wegen Jakobs2 Verbrechen und wegen der Sünden Israels. Wer hat Schuld am Vergehen Jakobs? Ist es nicht Samaria? Wer hat Schuld an Judas Opferhöhen? Ist es nicht Jerusalem?
6„Deshalb werde ich Samaria zum Trümmerfeld machen, zu einem Platz, wo man Weinberge anlegt. Ich stürze seine Steine ins Tal und mache es dem Erdboden gleich! 7Seine Schnitzbilder werden zerschlagen, seine Götzengaben verbrannt und alle seine Götter zerstört. Sie wurden ja vom Lohn der Huren gekauft3 und für einen Hurenlohn gibt man sie wieder weg.“
Klage des Propheten
8Darüber muss ich klagen und jammern. Ich laufe barfuß herum und bin fast nackt. Ich muss heulen wie ein Schakal und klagen wie der Vogel Strauß. 9Denn von diesem Schlag erholt sich Samaria nie. Der wird auch ganz Juda treffen und kommt bis ans Tor meines Volkes, bis nach Jerusalem. 10Berichtet es nicht in Gat, zeigt ihnen nicht eure Tränen.4 In Bet-Leafra-Staubighaus wälzt ihr euch im Staub.5 11Zieh vorbei, Bewohnerin von Schafir-Schöningen, / so schändlich entblößt! Doch die Siedlerin von Zaanan-Auszug rückt nicht aus. / Wehklagen in Bet-Ezel-Wurzelhaus, man reißt auch euch die Bleibe heraus. 12Die Bewohnerin von Marot-Bitternis, sie zittert um ihr Heil. Doch von Jahwe kommt das Unheil herab / bis hin zum Tor Jerusalems. 13Spann die Pferde an den Wagen, Siedlerin von Lachisch, deiner Festungsstadt! Mit dir fing die Sünde in Jerusalem, der Tochter Zions, an. Israels Verbrechen fanden sich in dir. 14Darum musst du die die Scheidungsgabe geben, nämlich Moreschet-Gat.6 Und die Häuser von Achsib-Trügerisch enttäuschen die Könige von Israel. 15Ich lasse den zu dir kommen, der in Besitz nimmt, Bewohnerin von Marescha, deinen Besitz. / Bis zum Schlupfwinkel Adullam7 weicht Israels Herrlichkeit dann zurück. 16Rauf dich kahl und schere dein Haar wegen deiner geliebten Kinder! Scher dir eine Glatze, so kahl wie die eines Geiers, denn deine Kinder hat man verschleppt!
Gegen die Habsucht
21Wehe denen, die Unheil ersinnen, die Böses ausbrüten auf ihrem Bett! Früh am Morgen tun sie es, denn sie haben die Macht. 2Wollen sie ein Stück Land, so rauben sie es; begehren sie ein Haus, dann nehmen sie es. Sie unterdrücken den Mann und sein Haus, den Menschen und seinen Besitz. 3Darum sagt Jahwe: „Passt auf! Dieser Sippschaft werde ich Böses antun! Aus dieser Schlinge zieht ihr den Hals nicht mehr heraus. Dann tragt ihr den Kopf nicht mehr so hoch, denn euch erwartet eine böse Zeit. 4An dem Tag singt man ein Spottlied auf euch und äfft euer Klagelied nach: ‚Unser Ende ist gekommen, Fremde haben unser Land! Alles haben sie genommen, kein Feld ist noch in unsrer Hand!‘ “ 5Darum hast du in der Gemeinde Jahwes niemand mehr, der dir noch einen Acker zuteilen wird.
Gegen falsche Propheten
6„Hört auf mit dem Gesabber!“, geifern sie. „Man soll nicht prophezeien, dass diese Schmach nie enden wird. 7So spricht man nicht zu den Nachkommen Jakobs! Hat Jahwe etwa die Geduld verloren? Das ist doch nicht seine Art!“
Verkündige ich denn nicht Gutes für den, der rechtschaffen lebt? 8Gestern noch war es mein Volk, jetzt steht es da als mein Feind. Ihr reißt den sorglos Wandernden, den Heimgekehrten vom Krieg, den Mantel vom Leib. 9Die Frauen meines Volkes jagt ihr aus ihrem gemütlichen Haus, und von ihren Kindern nehmt ihr mein schönes Land für immer weg: 10„Macht euch fort und geht! Hier habt ihr keinen Ruheort mehr.“ ‹Das geschieht,› weil das Land verunreinigt ist. / So kommt das Verderben, schlimmes Verderben.
11Wenn ich ein windiger Betrüger wäre, der dich anlügt und dir sagt: „Ich will dir sabbern von Wein und Bier!“ Das wäre ein Prophet für dieses Volk!
Die versprochene Rettung
12„Ich hole dich heran, Jakob, und sammle euch alle ein! / Ich versammle den Rest von Israel. / Ich bringe sie ein wie die Schafe in einen Pferch. Wie eine Herde auf der Weide stehen sie zusammen. Es wird ein Tosen vieler Menschen sein.“ 13Nun zieht der Durchbrecher vor ihnen her. So brechen sie aus, / ziehen durchs Tor / und zu ihm hinaus. Und ihr König zieht vor ihnen her, an ihrer Spitze Jahwe.
Gegen Führer und Propheten
31Ich sagte: „Hört doch, ihr Häupter Jakobs, ihr Mächtigen von Israel! Müsstet ihr das Recht nicht kennen, 2die ihr das Gute hasst und das Böse liebt? Ihr zieht den Leuten die Haut ab, ihr zerrt ihnen das Fleisch von den Knochen! 3Ja, ihr fresst das Fleisch meines Volkes, streift die Haut von Menschen ab und zerbrecht ihre Knochen. Ihr zerhackt sie wie für den Kessel und werft sie wie Fleisch in den Topf. 4Und dann schreit ihr Jahwe um Hilfe an! Doch er wird euch nicht antworten. Dann verbirgt er sein Gesicht vor euch, denn ihr habt eure Macht missbraucht.“
5So spricht Jahwe über die Propheten, die mein Volk verführen: „Haben sie etwas zu beißen, verkündigen sie Glück und Erfolg. Steckt man ihnen nichts ins Maul, drohen sie den Untergang an.“ 6Darum wird es Nacht für euch, und ihr bleibt ohne Vision; es wird finster für euch werden, vorbei mit Wahrsagerei. Die Sonne wird den Propheten untergehen, und der Tag wird ihnen schwarz. 7Die Seher werden enttäuscht, und die Wahrsager schämen sich. Voll Trauer verhüllen sie den Bart, denn Gottes Antwort bleibt aus.
8Doch mich hat Jahwe stark gemacht, mich mit seinem Geist erfüllt, mit einem Sinn für das Recht und mit Kraft, um Jakob seine Verbrechen zu zeigen und Israel seine Vergehen. 9Hört her, ihr Führer der Nachkommen Jakobs, ihr Mächtigen des Hauses Israel: Ihr verabscheut das Recht, macht alles, was gerade ist, krumm! 10Ihr baut Zion mit Blut, Jerusalem mit Ungerechtigkeit! 11Seine Führer richten für Geschenke, seine Priester lehren für Bezahlung und seine Propheten wahrsagen für Geld. Und dann berufen sie sich noch auf Jahwe: „Ist Jahwe denn nicht unter uns? Da trifft uns doch kein Unglück!“ 12Darum wird Zion ein Trümmerhaufen sein, wird umgepflügt wie ein Acker, und auf dem Tempelberg wächst Wald – und das alles wegen euch!
Footnotes
- 1Höhen können allgemeine Erhöhungen in einer Landschaft meinen. Sie wurden aber häufig auch für götzendienerische Kulthandlungen verwendet.
- 2Jakob, der von Gott den Namen Israel erhielt, war der Stammvater des Volkes Israel.
- 3Hurenlohn. Der Verdienst der Tempelprostituierten wurde zur Ausstattung des Heiligtums verwendet.
- 4… Tränen. Weil die Philister in Schadenfreude ausbrechen könnten.
- 5Der Prophet nutzt die Namen kleiner, kaum bekannter Orte für seine Botschaft.
- 6Die Stadt Lachisch (1,13) verliert das strategisch wichtige Moreschet-Gat (Heimatort des Propheten Micha), 12 km südlich von Gat.
Cross references
- 7Siehe 1. Samuel 22,1; 2. Samuel 23,13–14.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden