Jesaja 63–64
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Gericht über Völker
631„Wer kommt da vom Edomiterland, aus Bozra mit grellrotem Gewand? Er schreitet in prächtigen Kleidern daher, stolz in seiner gewaltigen Kraft.“ „Ich bin es, der Gerechtigkeit verkündet und der die Macht zum Retten hat!“ 2„Warum ist dein Gewand so rot? Hast du Trauben in der Kelter zerstampft?“ 3„Ja, ich trat die Kelter ganz allein, von den Völkern war niemand dabei. Ich trat sie zusammen in meinem Zorn, zerstampfte sie in meinem Grimm. Ihr Saft ist an meine Kleidung gespritzt, ich besudelte mein ganzes Gewand. 4Ein Tag der Rache lag mir im Sinn, und das Jahr der Erlösung war gekommen. 5Ich blickte umher, doch niemand half. Ich wunderte mich sehr, doch keiner unterstützte mich. Da half mir mein eigener Arm, und mein Zorn gab mir die Kraft. 6Ich zertrat die Völker in meinem Zorn, zerstampfte sie in meinem Grimm und ließ ihren Saft im Boden versickern.“
Gebet und Erhörung
7Ich will daran erinnern, wie Jahwe uns seine Gnade erwies, will denken an die Ruhmestaten des Herrn, an alles, was Jahwe für uns tat, an seine große Güte, die er dem Volk Israel erwies, und zwar aus seinem Erbarmen heraus und seiner übergroßen Freundlichkeit. 8Er sagte: „Gewiss sind sie mein Volk, Kinder, die nicht enttäuschen!“ Und so wurde er ihr Befreier 9aus all ihrer Not. Kein Bote und kein Engel – er selbst hat sie befreit! Aus Liebe und Erbarmen hat er sie erlöst, sie aufgehoben und getragen in all den Tagen der frühen Zeit.
10Doch sie lehnten sich gegen ihn auf, betrübten seinen Heiligen Geist. Da wandelte er sich und wurde ihr Feind und kämpfte nun selbst gegen sie. 11Da dachten sie wieder an die vorige Zeit, als Mose noch in ihrer Mitte war: „Wo ist der Gott, der den Hirten seiner Schafe aus dem Meer herausgezogen hat? Wo ist der, der ihm den Heiligen Geist ins Innerste gab, 12der ihm beistand mit seinem gewaltigen Arm, der das Meer zerteilte vor seinem Volk und sich so einen ewigen Namen erschuf? 13Wo ist der, der sie durch die Fluten führte, wie Pferde durch die Steppe, sodass niemand ins Stolpern geriet? 14Wie das Vieh, das ins Tal hinabzieht, brachte der Geist Jahwes sie zum Ruheplatz. So hast du dein Volk geführt und dir einen ruhmvollen Namen gemacht.“
15Blick doch vom Himmel herab! Sieh her vom Wohnort deiner Majestät und Heiligkeit! Wo ist dein Liebeseifer für uns, wo deine unvergleichliche Macht? Warum hältst du dein Mitleid, dein Erbarmen gegen uns zurück? 16Du bist doch unser Vater! Abraham weiß nichts von uns, und Israel2 würde uns nicht einmal kennen. Du bist unser Vater, Jahwe! „Unser Erlöser von jeher“ wirst du genannt. 17Warum, Jahwe, hast du uns abirren lassen? Warum hast du uns so starrsinnig gemacht? Warum sind wir ohne Ehrfurcht vor dir? Kehr doch bitte wieder um! Wir sind doch deine Diener und das Volk, das dir gehört! 18Vor kurzem erst vertrieben unsere Feinde dein heiliges Volk und zertrampelten dein Heiligtum. 19Es ist, als hättest du nie über uns geherrscht, als hättest du uns nie zu deinem Eigentum gemacht!
O reiß doch den Himmel auf und komm zu uns herab, dass die Berge erbeben vor dir;
641wie das Feuer Reisig entfacht und wie es Wasser wallen macht; dass deine Feinde merken, wer du bist, dass die Völker vor Angst vergehen, 2wenn du furchterregende Taten vollbringst, die niemand von dir erwartet hat! Ja, führest du doch herab, dass die Berge erbebten vor dir! 3Noch nie hat man so etwas gehört, noch niemals so etwas erlauscht, noch nie hat ein Auge einen Gott gesehen wie dich, der an denen, die auf ihn hoffen, so gewaltige Dinge tut!
4Ach, kämst du doch dem entgegen, der freudig tut, was recht vor dir ist, und bei seinem Tun an dich denkt! Nun aber traf uns dein Zorn, denn wir haben uns versündigt an dir. Seit jeher sind wir treulos gewesen! 5Wir alle sind von Unrecht befleckt, selbst unsere gerechten Taten sind besudelt wie ein schmutziges Gewand. Wie Laub sind wir alle verwelkt, unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind. 6Es gab niemand, der deinen Namen anrief, der sich aufraffte, um festzuhalten an dir. Denn du hattest dich verborgen vor uns, uns ausgeliefert unserer Schuld.
7Trotzdem bist du unser Vater, Jahwe! Du bist der Töpfer, wir sind der Ton; wir alle sind Gefäße deiner Hand. 8O Jahwe, zürne nicht so sehr, denk nicht für immer an unsere Schuld! Schau bitte her, wir sind doch dein Volk! 9Die Städte deines heiligen Landes sind zerstört, Zion ist verwüstet, Jerusalem ein Trümmerberg. 10Unser heiliges und herrliches Haus, in dem unsere Väter dich lobten, ist ein Raub der Flammen geworden. Alles, was uns lieb und wert war, ist zerstört. 11Kannst du dabei noch an dich halten, Jahwe? Schaust du all dem schweigend zu? Erniedrigst du uns ganz und gar?
Footnotes
- 2Israel. Gemeint ist Jakob, der von Gott den Namen Israel erhielt.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden