Hosea 4–5
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4–14: Die Tragödie eines treulosen Volkes
Israels Schuld (4–7)
Anklage gegen Israel
41Hört das Wort Jahwes, ihr Israeliten! Jahwe führt einen Prozess gegen die Bewohner des Landes, denn Wahrheit und Liebe und Gotteserkenntnis sind nicht mehr im Land. 2Nein, Fluch und Lüge, Mord und Diebstahl und Ehebruch machen sich breit. Verbrechen reiht sich an Verbrechen. 3Darum vertrocknet das Land, und jeder Bewohner welkt dahin. Auch die wilden Tiere, die Vögel und die Fische werden verenden.
4Doch niemand klage an, keiner weise zurecht! Aber mit dir, Priester, gehe ich ins Gericht: 5Am helllichten Tag kommst du zu Fall, und der Prophet mit dir in der Nacht. Und deine Mutter bringe ich um. 6Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Weil du die Erkenntnis verworfen hast, habe auch ich dich als Priester verworfen. Du hast das Gesetz deines Gottes vergessen, darum vergesse auch ich deine Kinder. 7Je mehr sie wurden, desto mehr versündigten sie sich. So vertauschte ich ihre Ehre durch Schande. 8Sie mästen sich von den Sünden meines Volkes, sind gierig nach seinen Verfehlungen. 9Darum geht es dem Priester so, wie dem Volk: Ich bestrafe ihn für sein Verhalten und zahle ihm sein böses Tun heim.
10Sie essen zwar, werden aber nicht satt; sie treiben es mit vielen, vermehren sich aber nicht, denn sie haben es aufgegeben, Jahwe zu achten. 11Geilheit und junger Wein rauben den Verstand. 12Mein Volk pflegt sein Holz zu befragen, sein Stecken soll ihm Auskunft geben. Der Geist der Hurerei hat es in die Irre geführt, sie huren sich weg von ihrem Gott. 13Opfermahle feiern sie auf den Höhen der Berge, auf den Hügeln bringen sie Rauchopfer dar unter Eichen, Styrax1, Terebinthen2. Denn deren Schatten ist so schön. Deshalb treiben es eure Töchter mit vielen, und eure Schwiegertöchter betreiben Ehebruch.
14Nicht eure Töchter ziehe ich zur Rechenschaft, dass sie es so treiben, nicht eure Schwiegertöchter, dass sie ehebrechen. Denn ihr selbst geht ja mit Huren beiseite, feiert Opfermahle mit geweihten Frauen. So kommt das Volk, das keine Einsicht hat, zu Fall.
15Auch wenn du, Israel, zur Hure wirst, soll Juda doch nicht schuldig werden. Kommt nicht nach Gilgal, zieht nicht nach Götzenhausen hinauf! Schwört auch nicht: So wahr Jahwe lebt! 16Ja, wie eine störrische Kuh ist Israel störrisch geworden. Soll Jahwe sie nun weiden lassen wie ein Lamm auf freiem Feld? 17Efraïm5 ist mit Götzen verbunden. Soll es doch machen, was es will! 18Ist ihr Saufen vorüber, huren sie maßlos herum. / Leidenschaftlich lieben sie die Schande ihrer Schamlosigkeit. 19Ein Sturm fegt sie hinweg. Mit ihren Altären ist es vorbei.
Abrechnung mit dem Volk
51Hört her, ihr Priester! Passt auf, ihr Israeliten! Und ihr vom Königshaus, nehmt es zu Ohren! Denn ihr seid die Hüter des Rechts. Doch ihr wart eine Falle für Mizpa, ein ausgespanntes Fangnetz auf dem Tabor2, 2eine tiefe Grube in Schittim3. Aber ich werde sie alle bestrafen. 3Efraïm ist mir gut bekannt, Israel kann mir nichts verbergen. Jetzt treibst du es mit vielen, Efraïm, ja, Israel besudelt sich. 4Es lassen ihre Taten sie nicht zurück zu Gott. Nur ihre Geilheit haben sie im Sinn, und Jahwe erkennen sie nicht. 5Der Hochmut Israels schlägt ihm selber ins Gesicht. Israel und Efraïm stürzen über die eigene Schuld. Auch Juda fällt mit ihnen hin.
6Mit Schafen und Rindern ziehen sie aus, um Jahwe zu suchen. Doch sie werden ihn nicht finden. Er hat sich ihnen entzogen. 7Sie haben Jahwe die Treue gebrochen und fremde Kinder hervorgebracht. Jetzt wird der Neumond sie fressen4 und ihren ganzen Besitz.
8Blast das Signalhorn5 in Gibea, in Rama die Trompete. Schlagt Lärm in Bet-Awen: Man verfolgt dich, Benjamin! 9Für Efraïm kommt jetzt die Strafe: Es wird zur Wüste werden. Ich kündige den Stämmen Israels an, was mit Sicherheit geschehen wird.
10Judas Obere sind wie Leute, die Grenzsteine verrücken. Ich gieße meinen Grimm wie Wasser über sie aus. 11Efraïm ist unterdrückt, das Recht ist zerbrochen, denn sie waren eifrig dabei, den Nichtsen6 zu folgen. 12Für Efraïm bin ich wie Eiter, für Juda wie ein böses Geschwür. 13Als Efraïm seine Krankheit sah und Juda sein Geschwür, da schickte Efraïm nach Assur, ging zu dem kampfbereiten König. Aber der kann euch nicht helfen, er kann eure Wunden nicht heilen. 14Denn ich bin für Efraïm wie ein Löwe und wie ein Junglöwe für Juda. Ich bin es, der sie zerreißt, und ich lasse sie liegen. Ich schleppe sie weg, und niemand kann retten. 15Ich ziehe mich von ihnen zurück, bis sie mich schuldbewusst suchen. Die Not wird sie lehren, das ernsthaft zu tun.
Footnotes
- 1Der Styraxbaum wird 3–6 Meter hoch, verzweigt sich stark und ist dicht belaubt.
- 2Terebinthe. Belaubter Baum mit breitem Wipfel, der nicht mehr als 7 m hoch und als Schattenspender geschätzt wird.
- 5Efraïm war der einflussreichste Stamm im Nordreich Israel. Der Name konnte deshalb auch für das ganze Nordreich stehen.
- 2Der Berg Tabor liegt 20 Kilometer südwestlich vom See Gennesaret.
- 3Schittim. Letzter Lagerplatz der Israeliten, bevor sie unter Josua den Jordan überquerten. Die Übersetzung dieses Versteils ist aber nicht sicher.
- 4Auch die Teilnahme am Neumondfest (Hosea 2,13; Amos 8,5; Kolosser 2,16) wird ihren Untergang nur noch beschleunigen.
- 5Das Signalhorn (Hebräisch: Schofar) war aus einem der gewundenen Hörner des männlichen Fettschwanzschafs hergestellt und brachte einen dumpfen, durchdringenden Ton hervor.
- 6Nichtse ist eine verächtliche Bezeichnung für Statuen von Götzen.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden