Hiob 28–30
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- NIrV New International Reader’s Version (1998)
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28
1Denn für das Silber gibt es einen Fundort, und eine Stätte für das Gold, das man läutert.
2Eisen wird hervorgeholt aus der Erde, und Gestein schmelzt man zu Kupfer.
3Er hat der Finsternis ein Ende gesetzt, und durchforscht bis zur äußersten Grenze das Gestein der Finsternis und des Todesschattens.
4Er bricht einen Schacht fern von dem Wohnenden; die von dem Fuße Vergessenen hangen hinab, fern von den Menschen schweben sie.
5Die Erde, aus ihr kommt Brot hervor, und ihr Unteres wird zerwühlt wie vom Feuer.
6Ihr Gestein ist der Sitz des Saphirs, und Goldstufen sind darin.
7Ein Pfad, den der Raubvogel nicht kennt, und den das Auge des Habichts nicht erblickt hat;
8den die wilden Tiere nicht betreten, über den der Löwe nicht hingeschritten ist.
9Er legt seine Hand an das harte Gestein, wühlt die Berge um von der Wurzel aus.
10Kanäle haut er durch die Felsen, und allerlei Köstliches sieht sein Auge.
11Er dämmt Flüsse ein, daß sie nicht durchsickern, und Verborgenes zieht er hervor an das Licht.
12Aber die Weisheit, wo wird sie erlangt? Und welches ist die Stätte des Verstandes?
13Kein Mensch kennt ihren Wert, und im Lande der Lebendigen wird sie nicht gefunden.
14Die Tiefe spricht: Sie ist nicht in mir, und das Meer spricht: Sie ist nicht bei mir.
15Geläutertes Gold kann nicht für sie gegeben, und Silber nicht dargewogen werden als ihr Kaufpreis.
16Sie wird nicht aufgewogen mit Gold von Ophir, mit kostbarem Onyx und Saphir.
17Gold und Glas kann man ihr nicht gleichstellen, noch sie eintauschen gegen ein Gerät von gediegenem Golde.
18Korallen und Kristall kommen neben ihr nicht in Erwähnung; und der Besitz der Weisheit ist mehr wert als Perlen.
19Nicht kann man ihr gleichstellen den Topas von Äthiopien; mit feinem Golde wird sie nicht aufgewogen.
20Die Weisheit nun, woher kommt sie, und welches ist die Stätte des Verstandes?
21Denn sie ist verborgen vor den Augen aller Lebendigen, und vor den Vögeln des Himmels ist sie verhüllt.
22Der Abgrund und der Tod sagen: Mit unseren Ohren haben wir ein Gerücht von ihr gehört.
23Gott versteht ihren Weg, und er kennt ihre Stätte.
24Denn er schaut bis zu den Enden der Erde; unter dem ganzen Himmel sieht er.
25Als er dem Winde ein Gewicht bestimmte, und die Wasser mit dem Maße abwog,
26als er dem Regen ein Gesetz bestimmte und eine Bahn dem Donnerstrahl:
27da sah er sie und tat sie kund, er setzte sie ein und durchforschte sie auch.
28Und zu dem Menschen sprach er: Siehe, die Furcht des Herrn ist Weisheit, und vom Bösen weichen ist Verstand.
29
1Und Hiob fuhr fort, seinen Spruch anzuheben, und sprach:
2O daß ich wäre wie in den Monden der Vorzeit, wie in den Tagen, da Gott mich bewahrte,
3als seine Leuchte über meinem Haupte schien, und ich bei seinem Lichte durch die Finsternis wandelte;
4wie ich war in den Tagen meiner Reife, als das Vertrauen Gottes über meinem Zelte waltete,
5als der Allmächtige noch mit mir war, meine Knaben rings um mich her;
6als meine Schritte sich in Milch badeten, und der Fels neben mir Ölbäche ergoß;
7als ich durch das Tor in die Stadt hineinging, meinen Sitz auf dem Platze aufstellte:
8Die Jünglinge sahen mich und verbargen sich, und die Greise erhoben sich, blieben stehen;
9die Fürsten hielten die Worte zurück und legten die Hand auf ihren Mund;
10die Stimme der Vornehmen verstummte, und ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen.
11Denn wenn das Ohr von mir hörte, so pries es mich glücklich, und wenn das Auge mich sah, so legte es Zeugnis von mir ab.
12Denn ich befreite den Elenden, der um Hilfe rief, und die Waise, die keinen Helfer hatte.
13Der Segen des Umkommenden kam über mich, und das Herz der Witwe machte ich jubeln.
14Ich kleidete mich in Gerechtigkeit, und sie bekleidete mich, wie in Oberkleid und Kopfbund in mein Recht.
15Auge war ich dem Blinden, und Fuß dem Lahmen;
16Vater war ich den Dürftigen, und die Rechtssache dessen, den ich nicht kannte, untersuchte ich;
17und ich zerbrach das Gebiß des Ungerechten, und seinen Zähnen entriß ich die Beute.
18Und ich sprach: In meinem Neste werde ich verscheiden, und meine Tage vermehren wie der Sand;
19meine Wurzel wird ausgebreitet sein am Wasser, und der Tau wird übernachten auf meinem Gezweig;
20meine Ehre wird frisch bei mir bleiben, und mein Bogen sich in meiner Hand verjüngen.
21Sie hörten mir zu und harrten, und horchten schweigend auf meinen Rat.
22Nach meinem Worte sprachen sie nicht wieder, und auf sie träufelte meine Rede.
23Und sie harrten auf mich wie auf den Regen, und sperrten ihren Mund auf wie nach dem Spätregen.
24Ich lächelte ihnen zu, wenn sie kein Vertrauen hatten, und das Licht meines Angesichts konnten sie nicht trüben.
25Ich wählte für sie den Weg aus, und saß als Haupt, und thronte wie ein König unter der Kriegsschar, gleichwie einer, der Trauernde tröstet.
30
1Und nun lachen über mich Jüngere als ich an Jahren, deren Väter ich verschmähte, den Hunden meiner Herde beizugesellen.
2Wozu sollte mir auch die Kraft ihrer Hände nützen? Die Rüstigkeit ist bei ihnen verschwunden.
3Durch Mangel und Hunger abgezehrt, nagen sie das dürre Land ab, welches längst öde und verödet ist;
4sie pflücken Salzkraut bei den Gesträuchen, und die Wurzel der Ginster ist ihre Speise.
5Aus der Mitte der Menschen werden sie vertrieben; man schreit über sie wie über einen Dieb.
6In grausigen Klüften müssen sie wohnen, in Erdlöchern und Felsenhöhlen.
7Zwischen Gesträuchen kreischen sie, unter Dorngestrüpp sind sie hingestreckt.
8Kinder von Verworfenen, ja, Kinder von Ehrlosen, sind sie hinausgepeitscht aus dem Lande!
9Und nun bin ich ihr Spottlied geworden, und ward ihnen zum Gerede.
10Sie verabscheuen mich, treten fern von mir weg, und sie verschonen mein Angesicht nicht mit Speichel.
11Denn er hat meinen Strick gelöst und mich gebeugt: so lassen sie vor mir den Zügel schießen.
12Zu meiner Rechten erhebt sich die Brut; sie stoßen meine Füße hinweg und bahnen wider mich ihre verderblichen Wege.
13Sie zerstören meinen Pfad, befördern meinen Untergang, sie, die selbst hilflos sind.
14Sie kommen wie durch einen weiten Riß, unter Gekrach wälzen sie sich heran.
15Schrecknisse haben sich gegen mich gekehrt; sie verfolgen wie der Wind meine Würde, und mein Heil ist vorübergezogen wie eine Wolke.
16Und nun ergießt sich in mir meine Seele; Tage des Elends haben mich ergriffen.
17Die Nacht durchbohrt meine Gebeine und löst sie von mir ab, und die an mir nagenden Schmerzen ruhen nicht.
18Durch die Größe ihrer Kraft verändert sich mein Gewand, es umschließt mich wie der Halssaum meines Leibrocks.
19Er hat mich in den Kot geworfen, und ich bin dem Staube und der Asche gleich geworden.
20Ich schreie zu dir, und du antwortest mir nicht; ich stehe da, und du starrst mich an.
21In einen Grausamen verwandelst du dich mir, mit der Stärke deiner Hand befeindest du mich.
22Du hebst mich empor auf den Wind, du lässest mich dahinfahren und zerrinnen im Sturmgetöse.
23Denn ich weiß es, du willst mich in den Tod zurückführen und in das Versammlungshaus aller Lebendigen.
24Doch streckt man beim Sturze nicht die Hand aus, oder erhebt man bei seinem Untergang nicht darob ein Hilfsgeschrei?
25Weinte ich denn nicht über den, der harte Tage hatte? War meine Seele nicht um den Dürftigen bekümmert?
26Denn ich erwartete Gutes, und es kam Böses; und ich harrte auf Licht, und es kam Finsternis.
27Meine Eingeweide wallen und ruhen nicht; Tage des Elends sind mir entgegengetreten.
28Trauernd gehe ich einher, ohne Sonne; ich stehe auf in der Versammlung und schreie.
29Ich bin ein Bruder geworden den Schakalen, und ein Genosse den Straußen.
30Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich von mir ab, und mein Gebein ist brennend vor Glut.
31Und so ist meine Laute zur Trauerklage geworden, und meine Schalmei zur Stimme der Weinenden.
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