Jesaja 42–43
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Erstes Lied vom Diener Gottes
421Seht, das ist mein Diener, ich stehe zu ihm! Ich habe ihn erwählt und finde Gefallen an ihm. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt. Er bringt den Völkern das Recht. 2Er macht kein Aufheben und schreit nicht herum. Auf der Straße hört man seine Stimme nicht. 3Das geknickte Rohr bricht er nicht durch, den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Ja, er bringt wirklich das Recht. 4Er selbst verglimmt nicht und knickt auch nicht ein, bis er das Recht auf der Erde durchgesetzt hat. Die Meeresländer warten schon auf sein Gesetz.
5So spricht Jahwe, Gott, der den Himmel geschaffen und ausgespannt und die Erde und all ihr Gewächs ausgebreitet hat; der dem Volk auf ihr den Atem gab, ihren Bewohnern Leben und Geist: 6„Ich, Jahwe, ich habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich stehe dir zur Seite und rüste dich aus. Ich mache dich zum Bund2 für das Volk und für alle Völker zum Licht, 7um blinde Augen zu öffnen und Gefangene aus dem Gefängnis zu holen, um die, die im Dunkeln sitzen, aus der Haft zu befreien. 8Ich bin Jahwe, das ist mein Name! Diese Ehre überlasse ich keinem, keinem Götzen das mir gehörende Lob. 9Seht, was ich früher sagte, traf ein. Nun kündige ich Neues an. Noch ehe es aufsprosst, hört ihr es von mir.“
Gottes Sieg
10Singt Jahwe ein neues Lied! Tragt seinen Ruhm bis ans Ende der Welt, die ihr das Meer befahrt und von seiner Fülle lebt, Meeresländer und ihre Bewohner! 11Die Städte der Steppe sollen sich freuen, auch die Dörfer, die Kedar bewohnt. Jubeln sollen die Felsenbewohner, jauchzen von den Gipfeln der Berge! 12Sie sollen Jahwe die Ehre geben, seinen Ruhm verkünden den Ländern am Meer! 13Jahwe zieht aus wie ein Held, entfacht wie ein Krieger seine Leidenschaft, erhebt ein lautes Kriegsgeschrei, bezwingt seine Feinde wie ein Held. 14Lange habe ich geschwiegen, blieb still, bezähmte mich. Doch jetzt stöhne ich wie eine Frau bei der Geburt, will schnauben und schnaufen zugleich. 15Berge und Hügel dörre ich aus, dass all ihr Grün vertrocknen wird. Ströme lasse ich versiegen und Wasserbecken vertrocknen. 16Blinde führe ich auf einem Weg, den sie nicht kennen, ich lasse sie auf unbekannten Pfaden gehen. Die Finsternis vor ihnen mache ich zum Licht, holprige Stellen zur ebenen Bahn. Das werde ich ganz sicher tun, niemand bringt mich davon ab! 17Wer sich auf Götzenbilder verlässt, wird beschämt; wer Gussbilder seine Götter nennt, wird völlig zuschanden.
Israel – blind und taub
18Hört, ihr Tauben! Ihr Blinden, schaut her und seht! 19Wer ist so blind, wie mein Diener, so taub, wie mein Bote? Wer ist so blind wie mein Vertrauter, blind wie der Diener Jahwes? 20Du hast viel gesehen und doch nichts beachtet, hast offene Ohren und doch nichts gehört. 21Jahwe hat euch in diese Lage gebracht, denn er wacht über seine Gerechtigkeit und macht so sein Gesetz groß und berühmt. 22Doch jetzt sind sie ein beraubtes, ausgeplündertes Volk, in Erdlöchern gefesselt, in Gefängnissen versteckt. Sie wurden als Beute verschleppt und kein Retter war da. Sie wurden ausgeplündert und niemand sagte: „Gib wieder her!“ 23Wer von euch nimmt das zu Ohren, und wer beherzigt es für die kommende Zeit? 24Wer gab Jakob der Plünderung preis? Wer lieferte Israel den Räubern aus? War es nicht Jahwe, an dem wir uns versündigt hatten? Doch sie wollten nicht auf seinen Wegen gehen und hörten nicht auf sein Gesetz. 25Da goss er die Glut seines Zorns über sie aus und die Schrecken des Krieges. Es loderte rings um sie her, doch zur Erkenntnis kamen sie nicht, es sengte sie an, doch es hat sie nicht zur Besinnung gebracht.
Erlösung durch Gnade
431Aber jetzt sagt Jahwe, der dich geschaffen hat, Jakob, der dich bildete, Israel: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir! 2Musst du durchs Wasser gehen, bin ich bei dir, und durch reißende Ströme – sie überfluten dich nicht. Musst du durchs Feuer gehen, wirst du nicht versengt, diese Flamme verbrennt dich nicht. 3Denn ich bin Jahwe, dein Gott, ich bin Israels heiliger Gott, und ich rette dich! Ägypten gebe ich als Lösegeld für dich, Nubien und Seba1 noch dazu. 4Weil du mir wert und teuer bist, weil ich dich liebe, gebe ich Menschen an deiner Stelle hin, ganze Völker für dein Leben. 5Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir! Von dort, wo die Sonne aufgeht, hole ich deine Nachkommen zurück, und von dort, wo sie untergeht, sammle ich euch wieder ein. 6Zum Norden sage ich: ‚Gib sie heraus!‘ und zum Süden: ‚Halte sie nicht zurück!‘ Lass kommen meine Söhne von fern und meine Töchter vom Ende der Welt, 7jeden, der mein Eigentum ist, den ich zu meiner Ehre erschuf, den ich formte und machte!“
Zeugen im Prozess
8„Es soll vortreten mein blindes Volk, das doch Augen hat – und Ohren, die nicht hören! 9Alle Völker sind versammelt zum Gericht, alle Nationen herangeholt! Welcher ihrer Götter hat dies angekündigt? Welche ihrer Weissagungen trafen überhaupt ein? Mögen sie uns Zeugen dafür stellen! Die sollen es hören und sagen: ‚Es ist wahr!‘ – 10Ihr seid meine Zeugen“, spricht Jahwe, „und mein Diener, den ich erwählte, damit ihr erkennt und mir glaubt, damit ihr einseht, dass ICH es BIN! Vor mir gab es keinen Gott, und nach mir wird kein anderer sein. 11Ich bin Jahwe, einen Retter außer mir gibt es nicht! 12Ich habe es angekündigt und euch gerettet. Ich habe es euch hören lassen, als noch kein fremder Gott bei euch war. Und ihr seid meine Zeugen“, spricht Jahwe, „und ich bin Gott. 13Und auch in Zukunft bin ich noch derselbe Gott. Niemand reißt etwas aus meiner Hand! Was ich tun will, kann niemand verhindern.“
14So spricht Jahwe, euer Erlöser, Israels heiliger Gott: „Um euretwillen habe ich gegen Babel geschickt; und als Flüchtlinge treibe ich sie hinab in Schiffen, ihrem Stolz – sie und auch die Chaldäer. 15Ich bin Jahwe, euer heiliger Gott, der Schöpfer Israels und euer König! 16So spricht Jahwe, der einen Weg durchs Meer gebahnt und euch sicher durch die Fluten geführt hat, 17der ausziehen ließ Streitwagen und Pferd, Heer und Held. Nun liegen sie zusammen da und stehen nicht wieder auf, ausgelöscht wie ein verglimmender Docht.
18Denkt nicht an das, was früher war, achtet nicht auf das Vergangene! 19Seht, ich wirke Neues! Es wächst schon auf. Merkt ihr es nicht? Ich bahne einen Weg durch die Wüste, lege Ströme in der Einöde an. 20Schakale und Strauße, die Wüstentiere ehren mich, weil ich der Wüste Wasser gab und Ströme in der Öde fließen ließ, damit mein auserwähltes Volk zu trinken hat. 21Dieses Volk, das ich mir schuf, soll erzählen, was ich tat.
22Und doch hast du mich nicht gerufen, Jakob! Israel, du hast dich nicht um mich gemüht! 23Nicht mir hast du das Lamm deiner Brandopfer gebracht, nicht mich mit deinen Schlachtopfern geehrt! Mit Speisopfern habe ich dir keine Arbeit gemacht, dich auch nicht mit Weihrauch genervt! 24Du hast mir für dein Geld kein Würzrohr gekauft, mich nicht mit dem Fett deiner Opfer gelabt! Doch mit deinen Sünden hast du mir Arbeit gemacht, mich ermüdet mit deinen Vergehen! 25Ich, ich bin es doch, der deine Vergehen auslöscht. Um meinetwillen denke ich nicht mehr an deine Schuld.
26Klag mich doch an! Treten wir miteinander vor Gericht! Trag deine Sache vor und beweise dein Recht! 27Schon dein Urahn hat gesündigt, und deine Führer brachen mit mir. 28Darum habe ich die Vorsteher des Heiligtums entweiht, habe Jakob in den Bann getan und Israel Verachtung zugeteilt.“
Footnotes
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden