Jesaja 3–5
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Gericht durch Verfall
31Denn seht, Jahwe, der Herr aller Heere, nimmt weg, worauf sich Jerusalem stützt – jeden Vorrat an Wasser und Brot, 2jeden Helden und Krieger, Richter und Propheten, Wahrsager und Ältesten, 3jeden Offizier und jeden Angesehenen, jeden Ratgeber, Zauberer und Beschwörer. 4„Unreife Burschen lasse ich herrschen, Willkür regiert in der Stadt.“ 5Dann fällt einer über den anderen her, jeder gegen jedermann; der Junge wird frech gegen den Alten, der Nichtsnutz gegen den geachteten Mann. 6Dann packt einer seinen Verwandten am Arm: „Du hast noch einen Mantel“, sagt er, „du sollst unser Anführer sein! Diese Trümmer seien in deiner Gewalt!“ 7Doch der wird rufen: „Nein, ich will kein Arzt für eure Wunden sein. Auch ich habe weder Mantel noch Brot! Ich will nicht euer Anführer sein!“
8Jerusalem stürzt und Juda fällt, denn sie kränken Jahwe mit Wort und mit Tat und trotzen seiner Hoheit und Macht. 9Die Frechheit ihrer Gesichter klagt sie an. Wie Sodomiter prahlen sie mit ihrem bösen Tun und verhehlen ihre Sünden nicht. Wehe ihrer Seele! Denn sich selber tun sie Böses an! 10Sagt denen, die Gott lieben, dass es gut mit ihnen wird, denn sie werden sich freuen an der Frucht ihres Tuns. 11Wehe den Gottverächtern, ihnen geht es schlecht, denn ihre bösen Taten kommen über sie selbst!
12Ach, mein armes Volk! Ausbeuter sind bei dir an der Macht, und Frauen herrschen über dich. O mein Volk, deine Führer sind Verführer, sie zeigen dir den falschen Weg. 13Da erhebt sich Jahwe zum Gericht, um Recht zu schaffen seinem Volk. 14Ihre Ältesten und Führer lädt er sich vor: „Ihr habt den Weinberg ruiniert! In euren Häusern stapelt sich das von Armen geraubte Gut! 15Was tretet ihr mein Volk nieder, zermalmt, die ohne Hilfe sind?“, spricht Jahwe, der Herr aller Heere.
16Das hat Jahwe gesagt: „Weil die Töchter Zions hochmütig sind, weil sie mit hochgereckten Hälsen dahergehen und aufreizende Blicke um sich werfen, weil sie mit trippelnden Schritten herumstolzieren, damit man das Klirren der Fußspangen hört, 17deshalb wird der Herr ihren Scheitel schorfig werden lassen, und Jahwe wird ihre Scham entblößen. 18An diesem Tag wird der Herr ihnen den Schmuck wegnehmen: das Knöchelgeklirr, die Sönnchen und Halbmonde am Hals, 19Ohrgehänge und Armspangen, Flatterschleier 20und Kopfbunde, Schrittkettchen und Brustbänder, Parfümfläschchen und Amulette, 21Fingerringe und Nasenringe, 22Festkleider und Mäntel, Umschlagtücher, Täschchen 23und Spiegel, feinste Unterwäsche, Kopftücher und weite Schleier.“
24Dann gibt es statt des Wohlgeruchs Gestank, statt des Gürtels einen Strick, statt Lockengeringel eine Glatze, statt des Festgewandes einen umgürteten Sack, statt der Schönheit ein Brandmal. 25Deine Männer fallen durchs Schwert, deine Helden durch den Krieg. 26Von Totenklage hallen deine Tore wider. Sie ist am Ende. Leer und einsam sitzt sie da.
41An dem Tag klammern sich sieben Frauen an einen Mann. „Wir sorgen selbst für unser Essen, wir kümmern uns selbst um unsere Kleidung, wir wollen nur deine Frauen sein. Lass uns deinen Namen tragen und nimm die Schande von uns, dass wir keinen Mann und keine Kinder haben.“
Hoffnung für den Rest
2An dem Tag wird der Spross Jahwes1 zur Zierde und zur Ehre sein; ja alles, was Gott wachsen lässt, wird zur Freude und zum Stolz für die sein, die dem Untergang entkommen sind. 3Die Überlebenden in Jerusalem, alle, die in Zion übrig geblieben sind, werden als Gottgeweihte betrachtet werden, alle, deren Namen zum Leben aufgeschrieben sind. 4Wenn der Herr durch den Sturm von Gericht und Läuterung den Kot der Töchter Zions abgewaschen und die Blutschuld Jerusalems aus der Stadt weggespült hat, 5wird Jahwe über dem Zionsberg und über allen, die sich dort versammeln, tagsüber eine Wolke erscheinen lassen und Rauch – und in der Nacht ein flammendes Feuer. Wie ein Schutzdach breitet er seine Herrlichkeit über diesem Ort aus. 6Wie eine Laubhütte wird sie euch vor der Sonne schützen und eine Zuflucht sein vor Regen und Sturm.
Das Weinberglied
51Ich will singen von dem, den ich liebe, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg: / Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. 2Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edelsten Reben. Einen Turm baute er mitten darin und hieb auch eine Kelter aus. Dann wartete er auf die süße Frucht. Doch die Trauben waren sauer und schlecht.
3Nun, ihr Bürger von Jerusalem, Männer von Juda: Wie denkt ihr über meinen Weinberg und mich? 4Habe ich nicht alles an meinem Weinberg getan? Warum hoffte ich auf süße Trauben und er brachte saure Frucht? 5Jetzt sage ich euch, was ich ihm tue: Ich reiße seine Hecke aus, damit er von Herden abgeweidet wird, ich breche seine Mauer ab, dass er von allen zertrampelt wird. 6Zu einer Wüste soll er werden, nicht mehr beschnitten und behackt – und von Dornen und Disteln bedeckt. Und den Wolken will ich befehlen, dass kein Regen mehr auf ihn fällt. 7Denn der Weinberg, der Jahwe, dem Allmächtigen, gehört, ist das Volk Israel. Und die Männer von Juda sind die Pflanzung seiner Lust. Er hoffte auf Rechtsspruch und erntete Rechtsbruch, er hoffte auf Gerechtigkeit und hörte Geschrei über Schlechtigkeit.
Sechs Wehrufe über das trotzige Volk
8Wehe denen, die sich ein Haus neben das andere stellen, ein Feld nach dem anderen kaufen, bis kein Grundstück mehr da ist und ihnen alles gehört. 9Da hörte ich den Schwur Jahwes: „Die vielen Häuser werden öde und leer, so groß und schön sie auch sind: Sie werden ohne Bewohner sein. 10Denn zehn Joch1 Rebland geben einen Eimer2 Saft und ein Sack3 Saatgut nur einen Beutel4 Ertrag.“
11Wehe denen, die schon am frühen Morgen hinterm Bier her sind und sich erhitzen am Wein bis spät in die Nacht. 12Zither und Harfe, Pauke und Flöte und Wein gehören zu ihrem Gelage, doch was Jahwe tut, beachten sie nicht, vor seinem Wirken haben sie keinen Respekt. 13Weil mein Volk keine Einsicht hat, wird es gefangen weggeschleppt. Seine Edelleute werden Hungerleider sein, und seine lärmende Menge verschmachtet vor Durst. 14Das Totenreich reißt seinen Schlund weit auf, und hinab fährt seine ganze Pracht, das ganze johlende und lärmende Gewühl. 15Da werden Menschen gebeugt und Männer geduckt, da werden stolze Augen gesenkt. 16Und Jahwe, der allmächtige Gott, wird durch sein Urteil erhöht. Der heilige Gott zeigt sich heilig im gerechten Gericht. 17Lämmer weiden zwischen den Trümmern der Stadt, und Ziegen nähren sich in den Ruinen der Vertriebenen.
18Wehe denen, die die Strafe für ihre Schuld herbeiziehen an Stricken des Wahns. Das Gericht über ihre Sünde schleppen sie mit Wagenseilen herbei 19und sagen dazu: „Er soll sich beeilen, der heilige Gott Israels, wir wollen endlich sehen, was er mit uns tut!“
20Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis zum Licht erklären und Licht zur Finsternis, die das Bittere süß und das Süße bitter machen.
21Wehe denen, die sich selbst für weise halten und meinen, dass sie verständig sind.
22Wehe denen, die Helden im Weintrinken sind und tapfer im Mischen von starkem Getränk. 23Sie sprechen den Gottlosen gerecht durch ein Bestechungsgeschenk, und den Gerechten nehmen sie ihr Recht. 24Darum: Wie eine Feuerzunge Stoppeln verzehrt, wie dürres Gras in der Flamme zusammensinkt, wird ihre Wurzel wie Asche sein, ihre Blüte auffliegen wie Staub. Denn sie haben das Gesetz Jahwes, des Allmächtigen, verworfen, das Wort des Heiligen Israels verschmäht. 25Darum entflammte der Zorn Jahwes gegen sein Volk, er hob seine Hand und schlug zu, dass die Berge erbebten und Leichen wie Abfall auf den Straßen lagen. Und immer noch hat sich sein Zorn nicht gelegt, seine Hand bleibt drohend ausgestreckt.
Drohung durch ein fremdes Heer
26Er stellt ein Feldzeichen auf für ein Volk in der Ferne, er pfeift es herbei vom Ende der Welt, und schon kommen sie eilig heran. 27Keiner ist erschöpft, und keiner schleppt die Füße nach; keiner nickt ein, sie alle sind wach; keinem geht der Hüftgurt auf, und keinem löst sich ein Riemen vom Schuh. 28Ihre Pfeile sind scharf, ihre Bogen gespannt. Die Hufe ihrer Pferde sind hart wie Stein, die Räder sausen dahin wie der Sturm. 29Ihr Kriegsschrei ist wie Löwengebrüll. Wie junge Löwen brüllen sie auf. Sie knurren, packen die Beute und schleppen sie fort, und niemand reißt sie ihnen weg. 30An dem Tag wird es dröhnen über dem Land, es wird tosen wie die Brandung am Meer. Wohin man dann auf der Erde auch blickt: nur Finsternis und bedrückende Angst. Dichte Wolken verdunkeln das Licht.
Footnotes
- 1Spross Jahwes. Das meint hier alles, was Jahwe sprossen und wachsen lässt, deutet aber auch schon auf den kommenden Messias hin.
- 1Ein Joch ist die Fläche, die von einem Joch Ochsen an einem Tag gepflügt werden konnte, etwa 1600 Quadratmeter; 10 Joch waren also etwa anderthalb Hektar.
- 2Eimer. Wörtlich: ein Bat = 10 Liter.
- 3halber Sack. Wörtlich: ein Homer = 100 Liter.
- 4Beutel. Wörtlich: ein Efa = 10 Liter, also ein Zehntel des Gesäten.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden