Jesaja 28–30
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Nur Gott kann euch retten (28–35)
Die Herausforderung der Spötter
281Weh der stolzen Krone der Betrunkenen, dem welkenden Kranz seiner herrlichen Pracht, der Hauptstadt über dem fetten Tal1, dem Stolz aller Weinseligen von Efraïm. 2Schon hält der Herr einen Starken und Mächtigen bereit. Er kommt wie ein Hagelwetter, wie ein verheerender Sturm, wie ein Wolkenbruch mit mächtiger Wasserflut, der alles mit Wucht zu Boden reißt. 3Zertrampeln wird er die stolze Krone der Betrunkenen von Efraïm. 4Der welkenden Blüte seiner prächtigen Zier, der Hauptstadt über dem fetten Tal, wird es gehen wie der frühen Feige vor der Ernte: Der Erste, der sie erblickt, / pflückt sie schnell ab und verschlingt sie sofort. 5An dem Tag wird Jahwe, der allmächtige Gott, zu einer herrlichen Krone für den Rest seines Volks und zu einem prachtvollen Kranz. 6Er wird zum Geist des Rechts für den, der zu Gericht sitzen muss, und zur Heldenkraft für den, der den Feind aus der Stadt vertreibt.
7Doch auch diese hier schwanken, berauscht vom Wein, und taumeln, benebelt vom Bier: Priester und Propheten sind betrunken, schwanken vom Bier und sind benebelt vom Wein. Sie torkeln, wenn sie weissagen, und taumeln im Gericht. 8Ihre Tische sind von Erbrochenem voll, alles ist besudelt, kein Platz ist frei davon. 9Und dann sagen sie: „Wem will der denn Einblick geben? Wem will der erzählen, was Gott will? Sind wir denn kleine Kinder, eben von der Muttermilch entwöhnt und von den Brüsten abgesetzt? 10Was soll das Zaw-la-zaw, zaw-la-zaw und kaw-la-kaw, kaw-la-kaw2, hier ein wenig, dort ein wenig?“ 11Ja, durch Menschen mit stammelnden Lippen und fremden Sprachen sagt Gott sein Wort zu diesem Volk. 12Er hatte zu ihnen gesagt: „So findet ihr Ruhe. Gönnt doch den Müden die Rast! Ich biete euch Sicherheit!“ Aber sie wollten nicht hören. 13Darum wird Jahwe sie hören lassen: „Zaw-la-zaw, zaw-la-zaw und kaw-la-kaw, kaw-la-kaw, hier ein wenig, dort ein wenig.“ Nach hinten stürzen sie und brechen sich das Genick. Sie laufen den Feinden ins Netz, gefangen führt man sie fort.
14Darum hört das Wort Jahwes, ihr Lästermäuler, ihr Herrscher von Jerusalem! 15Ihr prahlt, mit dem Tod im Bund zu sein. Ihr habt mit dem Totenreich einen Vertrag? Ihr glaubt, wenn die Katastrophe kommt, geht sie an euch vorbei, denn ihr hättet Lügen zu eurer Zuflucht gemacht, euch abgesichert durch Betrug? 16Darum spricht Jahwe, der Herr: Seht her, ich habe auf dem Zionsberg ein festes Fundament gelegt: Es ist ein erprobter Block, ein kostbarer Eckstein, ein felsenfester Grund. Wer ihm vertraut, hält ebenso stand. 17Als Richtschnur nehme ich das Recht und als Waage die Gerechtigkeit. Der Hagelsturm fegt eure Lügenzuflucht weg, und Wasser überflutet das Versteck. 18Euer Bündnis mit dem Tod ist dann gelöst, und mit dem Totenreich ist der Vertrag gelöscht. Und wenn die Katastrophe wie eine Flut über euch kommt, seid ihr nur noch zertretenes Land. 19Sooft sie heranbraust, reißt sie euch mit, und Morgen für Morgen tobt sie heran. Selbst in der Nacht habt ihr keine Ruhe mehr. Und jedes Prophetenwort wird euch eine Schreckensnachricht sein. 20Ja, „das Bett ist zu kurz, um sich auszustrecken und die Decke zu schmal, um sich einzuwickeln.“ 21Denn Jahwe wird sich erheben wie am Berg Perazim, er wird toben wie im Tal von Gibeon. Doch was er tut, wird euch befremden, sein Werk wird euch unheimlich sein. 22Darum lasst jetzt euren Spott, damit man eure Fesseln nicht noch fester zieht! Denn ein „Zunichte!“ habe ich gehört vom Herrn der ganzen Erde, ein „Entschieden!“ von Jahwe, dem allmächtigen Gott.
23Horcht auf und hört meine Stimme! Gebt Acht und hört auf mein Wort! 24Pflügt der Bauer denn den ganzen Tag zur Vorbereitung auf die Saat? Eggt er denn jeden Tag sein Ackerland? 25Nein, wenn er die Äcker geebnet hat, streut er Dill und Kümmel aus, sät Weizen, Hirse, Gerste auf sein Feld und Dinkel an den Rand. 26So unterwies ihn sein Gott, belehrte ihn, wie er vorgehen soll. 27Dill drischt man nicht mit Dreschschlitten6 aus, und das Wagenrad wird nicht über Kümmel gerollt. Dill wird mit dem Stab geklopft und Kümmel mit dem Stock. 28Auch das Brotkorn wird nicht zermalmt, nicht dauernd drischt der Drescher darauf ein. Er sorgt dafür, dass weder Wagenräder darüber rollen noch Pferdehufe es zerstampfen. 29Auch das weiß er von Jahwe, dem allmächtigen Gott. Gottes Pläne sind zum Staunen, er führt sie immer zum Erfolg.
Letzte Gnadenfrist für „Ariël“
291Weh dir Ariël, du Gottesherd, du Stadt, die David einst belagert hat. Fügt nur Jahr an Jahr und feiert Fest um Fest! 2Ich werde Ariël bedrängen, dass es Stöhnen und Wehgeschrei gibt und es mir wie ein Gottesherd2 wird. 3Ich umlagere dich in engem Ring, ich schließe dich ein mit einem Wall und umstelle dich mit Belagerungsgeschütz. 4Dann wirst du auf dem Boden liegen und reden in den Staub gebeugt, dass deine Stimme dumpf erklingt. Wie eine Geisterstimme aus der Totenwelt wispert deine Rede aus dem Staub heraus. 5Und die Menge deiner Feinde ist wie feiner Staub, das Heer der Angreifer wie dahinfliegende Spreu. Doch dann wird es ganz plötzlich geschehen, in einem Augenblick: 6Jahwe greift ein, der allmächtige Gott, mit Donnern und Dröhnen und gewaltigem Krach, mit Wind und Wirbelsturm und wütenden Flammen und lodernder Glut. 7Und die Horde der Völker, die gegen Ariël zieht, es belagert und bestürmt, ist nur noch wie ein böser Traum, ein Bild in der Nacht. 8Es wird sein, wie wenn ein Hungriger vom Essen träumt: Wacht er auf, ist sein Magen immer noch leer. Wenn ein Durstiger vom Trinken träumt und aufwacht, ist er mit trockener Kehle völlig erschöpft. So wird es dieser Völkermenge gehen, die den Zionsberg bekriegt.
9Starrt nur hin und werdet starr! Bleibt verblendet und erblindet! Ihr seid berauscht, doch nicht von Wein, ihr taumelt hin und her, und das ganz ohne Bier. 10Denn Jahwe hat einen Geist der Ohnmacht über euch gebracht. Eure Augen – die Propheten – hat er zugedrückt und eure Häupter – die Seher – hat er verhüllt.
11Und jede Offenbarung ist für euch wie eine Schriftrolle versiegelt. Gibt man sie einem, der lesen kann, und sagt: „Hier, lies das!“, wird er antworten: „Das kann ich nicht, es ist versiegelt.“ 12Und gibt man sie mit der gleichen Bitte einem, der nicht lesen kann, wird er antworten: „Ich kann nicht lesen!“
13Weiter hat der Herr gesagt:
Dieses Volk ist nur mit dem Mund nah bei mir, es ehrt mich mit den Lippen, aber sein Herz ist weit von mir weg. Ihre Gottesfurcht ist ja nur angelerntes Menschengebot. 14Deshalb will ich auch in Zukunft seltsam handeln an diesem Volk, wunderlich und wundersam, dass die Weisheit seiner Weisen vergeht und der Verstand ihrer Verständigen verfliegt.
15Wehe denen, die ihre Pläne vor Jahwe verstecken, damit ihre Werke im Dunkeln vor sich gehen! Dann sagen sie noch: „Wer sieht uns denn? Wer merkt schon, was wir tun?“ 16Wie verdreht ihr nur seid! Ist der Töpfer denn nicht mehr wert als der Ton? Kann das Werk von seinem Schöpfer sagen: „Er hat mich ja nicht gemacht!“? Kann das Kunstwerk von dem Künstler sagen: „Er versteht doch nichts davon!“?
17Nur noch eine kurze Zeit, dann wandelt sich der Libanon in einen Garten, und der Garten wird zu einem Wald. 18An dem Tag werden selbst die Tauben hören, was aus dem Buch gelesen wird, und die Augen der Blinden werden Dunkel und Finsternis los. 19Die Erniedrigten freuen sich wieder über Jahwe, und die Armen jubeln über Israels heiligen Gott. 20Dann ist der Unterdrücker nicht mehr da, und mit dem Spötter ist es aus. Dann sind alle beseitigt, die böse Absichten hatten, 21die andere als Verbrecher verleumden, die Richtern bei der Arbeit Fallen stellen und den, der Recht sucht, aus seinem Recht verdrängen.
22Darum sagt Jahwe, der Abraham gerettet hat, zu den Nachkommen Jakobs: „Nun ist Jakob nicht mehr bloßgestellt, sein Gesicht wird nicht mehr bleich. 23Denn wenn er und seine Kinder sehen, was ich in ihrer Mitte tue, geben sie meinem Namen die Ehre, machen sie Jakobs Heiligen groß und fürchten Israels Gott. 24Und die, deren Geist im Irrtum war, bekommen Einsicht zurück, die Murrenden nehmen Belehrung an.“
Gegen Bündnis-Verhandlungen
301„Wehe den trotzigen Söhnen!“, spricht Jahwe. „Sie machen einen Plan, der nicht von mir ausgeht; sie schließen einen Bund, der gegen meinen Willen ist, und häufen Schuld auf Schuld. 2Sie ziehen nach Ägypten hinab und fragen nicht nach meinem Rat. Sie suchen Schutz beim Pharao und Zuflucht im Schatten Ägyptens. 3Doch der Schutz des Pharao wird euch zur Schande und die Zuflucht in Ägypten zur Schmach. 4Eure Oberen kamen zwar bis Zoan und eure Gesandten bis nach Hanes2, 5doch sie wurden nur enttäuscht. Dieses Volk kann niemandem nützen, es schafft weder Hilfe noch Gewinn, sondern bringt nur Schande und Hohn.“
6Das Wort, das auf dem Großtier des Südens lastet: Durch ein Land von Gefahren und Angst, von Löwinnen und Löwen, von Nattern und fliegenden Schlangen bringen sie ihren Reichtum auf dem Rücken der Esel und ihre Schätze auf den Höckern der Kamele zu einem Volk, das niemand nützen kann. 7Denn Ägyptens Hilfe ist nichts wert. Darum nenne ich es: „Das Ungetüm, das untätig ist.“
8Geh jetzt und schreibe es auf eine Tafel, verzeichne es auch in ein Buch, dass es bezeugt ist für alle Zeit! 9Denn mein Volk ist ein widerspenstiges Volk. Sie wollen meine Kinder sein, doch lügen sie dabei, denn sie hören nicht auf die Weisung Jahwes. 10Zu den Sehern sagen sie: „Seht nicht!“ und zu den Schauenden: „Ihr sollt uns nicht das Richtige schauen, sondern das, was uns gefällt! Gebt uns eure Phantasien! 11Verlasst den Weg! Weicht ab vom Pfad! Lasst uns in Ruhe mit Israels heiligem Gott!“ 12Darum spricht der Heilige Israels: „Weil ihr dieses Wort verwerft, euch auf Gewalt und Betrug verlasst, 13darum wird eure Schuld für euch sein wie ein durchgehender Riss, wie eine Beule in einer hohen Mauer, die dann plötzlich, in einem Augenblick, zusammenbricht.“ 14Er wird sie zerbrechen, wie ein Töpferkrug zerbricht, der mitleidlos…
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Footnotes
- 1Hauptstadt … Tal. Gemeint ist wahrscheinlich die Stadt Samaria, die auf einem Hügel lag.
- 2… kaw-la-kaw. Die Betrunkenen ahmen spöttisch Jesajas Rede nach. Der Sinn ist unklar, vielleicht mit M. Buber: Spurgrad in der Spur, schnurgrad an der Schnur.
- 6Ein Dreschschlitten bestand aus zwei oder mehreren miteinander verbundenen, vorn aufgebogenen Brettern, unter denen meist noch spitze Steine oder Eisenmesser befestigt waren, um die Körner herauszulösen und die Halme zu zerschneiden. Sie wurden von Tieren im Kreis über das auf der Tenne ausgebreitete Getreide gezogen.
- 2wie ein Gottesherd. Voll mit Erschlagenen, wie die Opfertiere auf dem Altar, wie ein Holocaust, ein Ganzopfer im Feuer.
- 2Hanes. Vielleicht Herakleopolis Magna, 80 km südlich von Kairo.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden