Amos 5–6
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Klagelied über Israel
51(A) Hört diese Botschaft, ihr Israeliten! Ich stimme die Totenklage über euch an. 2Erschlagen liegt sie da, Israel, die junge Frau, und steht nicht wieder auf. Verlassen liegt sie auf eigenem Boden, und niemand hilft ihr hoch. 3Denn so spricht Jahwe, der Herr: „Die Stadt, die mit tausend Männern in den Kampf zieht, wird nur hundert übrigbehalten, und die mit hundert auszieht, der bleiben nur zehn. So wird es überall in Israel sein.“
4(B) Denn so spricht Jahwe, der Herr: „Sucht mich, dann werdet ihr leben! 5Sucht nicht Bet-El auf, geht nicht nach Gilgal, zieht nicht nach Beerscheba2! Denn Gilgal droht die Verbannung und das Gotteshaus von Bet-El wird zum Unheilshaus. 6Sucht Jahwe, dann werdet ihr leben! Denn sonst fällt er wie Feuer auf Josefs3 Nachkommenschaft, und niemand löscht den wütenden Brand für Bet-El aus.“
7(C) Ihr wandelt Gerechtigkeit in Bitterkeit um und tretet das Recht mit den Füßen.
8(D) Er, der das Siebengestirn und den Orion schuf, der Düsternis in Morgenlicht verwandelt und den Tag verdunkelt zur Nacht, der das Meereswasser ruft – und es flutet über die Erde.4 Sein Name ist Jahwe. 9Vernichtung lässt er über dem Starken aufblitzen, Verwüstung kommt über die befestigte Stadt.
10(C) Sie hassen den, der offen für das Recht eintritt, verabscheuen jeden, der die ganze Wahrheit sagt. 11Weil ihr vom Hilflosen Pachtgeld verlangt und Kornabgaben von ihm wollt, habt ihr zwar Häuser aus Quadern gebaut, werdet aber nicht darin wohnen, habt ihr zwar schöne Weinberge gepflanzt, werdet ihren Wein aber nicht trinken. 12Ja, ich kenne eure Vergehen und eure vielen Verbrechen. Ihr bedrängt den Gerechten und nehmt Bestechungsgelder an und verweigert den Armen das Recht. 13Darum schweigt der Kluge in dieser Zeit, denn das ist eine böse Zeit.
14(B) Sucht das Gute und nicht das Böse, dann werdet ihr leben! Und dann wird, wie ihr sagt, Jahwe, der allmächtige Gott, mit euch sein. 15Hasst das Böse und liebt das Gute! Und sorgt für das Recht bei Gericht! Vielleicht wird Jahwe, der allmächtige Gott, dem Rest der Nachkommen Josefs gnädig sein.
16(A) Darum spricht Jahwe, der Herr, der allmächtige Gott: „Auf allen Plätzen herrscht Trauer, Wehrufe hört man in allen Gassen. Man ruft die Bauern zum Trauern herbei, und zur Totenklage den, der die Klagelieder kennt. 17Selbst in den Weinbergen wird Wehklage sein, denn ich werde das Land durchziehen“, spricht Jahwe.
Frommer Selbstbetrug
18Ihr wünscht euch den Tag Jahwes herbei, doch ihr seid zu bedauern. Was bringt euch der Tag Jahwes? Er wird Finsternis sein und nicht Licht. 19Es wird euch wie dem Mann ergehen, der vor dem Löwen flieht und einem Bären in die Quere kommt. Hat er dann glücklich sein Haus erreicht und stützt sich mit der Hand an die Wand, da beißt ihn die Schlange. 20So wird der Tag Jahwes Finsternis sein und nicht Licht, schwarz wie die Nacht und ohne einen Schimmer Helligkeit.
21„Ich hasse und verwerfe eure Feste, eure Gottesdienste stinken mich an! 22Eure Brandopfer sind mir zuwider, eure Speisopfer gefallen mir nicht. Eure fetten Freudenopfer5 will ich nicht sehen! 23Hört auf mit dem Geplärr eurer Lieder! Euer Harfengeklimper ist nicht zu ertragen! 24Nur das Recht soll fließen wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein immer fließender Bach.
25Habt ihr mir vierzig Jahre Schlacht- und Speisopfer gebracht, damals in der Wüste, Haus Israel? 26Oder habt ihr nicht schon damals den Sikkut, euren Himmelskönig, getragen, und Kiun6 euren Sternengott? Götter von euch selbst gemacht! 27Darum lasse ich euch in die Gefangenschaft ziehen, noch über Damaskus hinaus. Das hat Jahwe gesagt, der nicht umsonst ‚Gott der Heerscharen‘ heißt.“
Die Selbstsicherheit der Vornehmen
61Wehe den Sorglosen in Zion, den Sicheren auf dem Berg von Samaria, weh der Elite des Ersten unter den Völkern, an die sich das Haus Israel zu wenden pflegt. 2Geht hinüber nach Kalne1 und seht euch dort um, geht von da in die große Stadt Hamat2, steigt hinab ins Gat der Philister! Seid ihr besser als diese Reiche, oder ist ihr Gebiet größer als eures? 3Ihr wollt den Tag des Unglücks verdrängen und fördert die Herrschaft der Gewalt. 4Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und räkelt euch auf Ruhepolstern. Ihr verschlingt die Lämmer von der Herde weg, die Kälber aus dem Maststall. 5Ihr grölt zum Harfengeklimper, wollt Lieder erfinden wie David. 6Aus Opferschalen schlürft ihr Wein und salbt euch mit den besten Ölen. Doch der Untergang Josefs schert euch nicht.
7Darum werden sie als Erste verschleppt, allen Verbannten voran. Dann ist es mit dem Gejohle der Hingelümmelten vorbei.
Die Zerstörung Samarias
8Jahwe, der Herr, hat bei sich selbst geschworen. Spruch Jahwes, des allmächtigen Gottes: „Ich verabscheue Jakobs Stolz, ich hasse seine Paläste. Die Stadt und alles darin liefere ich aus.“
9Und wenn irgendwo, in einem einzigen Haus, noch zehn Menschen übrig geblieben sind, müssen auch sie sterben. 10Und wenn ein Verwandter oder der Bestatter einen Toten aufhebt, um ihn aus dem Haus zu schaffen, und einen Überlebenden fragt, der im hintersten Winkel des Hauses sitzt: „Ist noch jemand bei dir?“, und er antwortet: „Niemand!“, dann wird der andere sagen: „Still! Nur nicht den Namen Jahwes nennen!“
11Denn seht: Jahwe befiehlt, da schlägt man das große Haus zu Bruch und das kleinere in Trümmer. 12Laufen Pferde denn die Felsen hoch, oder pflügt man mit Rindern das Meer? Doch ihr verwandelt das Recht in Gift und was Gerechtigkeit bewirken soll in Bitterkeit. 13Ihr freut euch über ‹die Eroberung› von Lo-Dabar5 und sagt: „Aus eigener Kraft haben wir Karnajim6 erobert!“ 14„Passt nur auf, ihr Leute vom Haus Israel, was ich gegen euch tue!“ / Das sagt Jahwe, der allmächtige Gott. „Ich werde ein Volk aufstehen lassen, das euch quält von da, wo man nach Hamat kommt, bis zum Bach, der ins Wüstental führt.“7
Footnotes
- 2Auch die Stadt Beerscheba im Süden von Juda war offenbar ein Zentrum des Götzendienstes geworden.
- 3Josef war der Vater von Efraïm und Manasse, den Stammvätern der größten Stämme des Nordreichs, deren Namen auch für das ganze Nordreich stehen konnten.
- 4es flutet über die Erde. Hier ist wohl nicht der Wasserkreislauf gemeint, sondern eher so etwas wie ein Tsunami.
- 5Beim Freudenopfer wurde im Gegensatz zum Brandopfer nur das Fett auf dem Altar verbrannt. Der größte Teil des Tieres durfte bei einer fröhlichen Opfermahlzeit gemeinsam mit Verwandten und Freunden verzehrt werden.
- 6Sikkut und Kiun (oder: Sakkut und Kewan) sind assyrisch-babylonische Götter.
- 1Kalne. Stadt in Nordsyrien, heute Kullan-Köy, 24 Kilometer nördlich von Aleppo.
- 2Hamat. Heute Labwe, etwa 70 Kilometer nördlich vom Berg Hermon.
- 5Lo-Dabar = Unding. Ort im Grenzgebiet zu den Ammonitern.
- 6Karanajim = zwei Hörner. Stadt im Ostjordanland.
- 7Hamat … Bach ins Wüstental. Gebiet das Jerobeam II. erobert hatte 2. Könige 14,25 Der Bach meint vielleicht den Grenzfluss zwischen Moab und Edom
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden