Psalm 101–150
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Gelöbnis des Königs
1011Von David. Ein Psalm.
Von Gnade und Recht will ich singen, dich, Jahwe, ehrt mein Gesang. 2Ich will einsichtig handeln auf dem richtigen Weg. Wann kommst du zu mir? Mit redlichem Herzen will ich leben in meinem Königshaus. 3Keine schandbaren Dinge fass ich ins Auge. Ich hasse es, Unrecht zu tun. Das soll nicht an mir zu finden sein. 4Falschheit sei meinem Herzen fern, ich will das Böse nicht kennen.
5Wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den mache ich stumm. Wer stolz und überheblich auf andere blickt, den dulde ich nicht. 6Ich achte auf die Treuen im Land, solche Menschen sollen um mich sein. Wer auf guten Wegen geht, der darf Diener sein bei mir. 7Wer andere betrügt, hat keinen Platz in meinem Haus. Wer Lügen verbreitet, muss mir aus den Augen gehn.
8Morgen für Morgen mach ich mich auf, um Gottlose zum Schweigen zu bringen. Jahwes Stadt befreie ich von allen, die das Böse tun.
Gebet eines Unglücklichen
1021Gebet eines tief Gebeugten, der schwach ist und vor Jahwe seine Sorge ausschüttet.
2Jahwe, hör mein Gebet! Mein Schreien dringe zu dir! 3Verbirg dein Gesicht nicht vor mir, wenn ich in Bedrängnis bin! Neige dich herab und höre mich an! Jetzt rufe ich, erhöre mich doch bald!
4Meine Tage gehen auf in Rauch, mein Körper glüht, als ob es in mir brennt. 5Wie Gras versengt und verdorrt ist mein Herz, denn das Essen habe ich vergessen. 6Mein lautes Stöhnen hat mich ausgezehrt. Nur Haut und Knochen bin ich noch.
7Ich gleiche einem Pelikan, der in der Wüste steht, der Eule, die in den Ruinen haust. 8Ich liege wach und fühle mich wie ein einsamer Vogel auf einem Dach. 9Den ganzen Tag verhöhnen meine Feinde mich. Spötter nutzen meinen Namen zum Fluch.
10Asche ist mein Brot geworden, und mein Trank ist mit Tränen gemischt, 11denn es traf mich dein furchtbarer Zorn. Du hast mich gepackt und zu Boden geschmettert. 12Wie Schatten dehnen meine Tage sich aus und ich verdorre wie Gras.
13Doch du bleibst in Ewigkeit, Jahwe, an dich denkt jede Generation. 14Du wendest dich Zion voller Barmherzigkeit zu, denn es ist Zeit, ihm gnädig zu sein, die Stunde ist da. 15Denn deine Diener haben seine Steine lieb und trauern über den Schutt.
16Dann fürchten die Völker den Namen Jahwes, die Herrscher der Erde deine Herrlichkeit, 17denn dann hat Jahwe Zion wieder aufgebaut, hat sich gezeigt in Herrlichkeit, 18hat die Gebete der Verlassenen gehört und ihre Bitten nicht verschmäht.
19Dies sei geschrieben für die kommende Generation. Dann wird Jahwe von einem Volk gelobt, das noch erschaffen wird. 20Gewiss schaute Jahwe herab aus heiliger Höhe, vom Himmel hat er auf die Erde geblickt. 21Da hört er das Stöhnen der Gefangenen und rettet sie vor dem sicheren Tod. 22So wird man in der Zionsstadt seinen Namen verkünden und in Jerusalem sein Lob. 23Völker werden sich dann versammeln, und die Königreiche kommen zum Dienst Jahwes.
24Auf dem Weg brach er meine Kraft, er hat mein Leben verkürzt. 25Ich sagte: „Mein Gott, nimm mich nicht in der Lebensmitte schon weg!“ Du überdauerst die Generationen. 26Einst hast du die Erde gegründet und der Himmel ist das Werk deiner Hand.
27Sie werden vergehen, du aber bleibst, sie werden zerfallen wie ein altes Kleid. Du wechselst sie wie ein Gewand, und sie schwinden dahin. 28Du aber bleibst wie du bist, und deine Jahre enden nie. 29Die Kinder deiner Diener werden in Sicherheit wohnen und ihre Nachkommen gedeihen vor dir.
Das große Dankgebet
1031Von David.
Auf, meine Seele, lobe Jahwe, und alles in mir seinen heiligen Namen! 2Auf, meine Seele, lobe Jahwe, und vergiss es nie, was er für dich tat! 3Er vergibt dir all deine Schuld. Er ist es, der all deine Krankheiten heilt, 4der dein Leben vom Verderben erlöst, dich mit Liebe und Erbarmen bedeckt, 5der dich mit Gutem sättigt dein Leben lang und dir wie beim Adler das Jungsein erneuert.1
6Jahwe schafft Gerechtigkeit und Recht allen Bedrängten. 7Seine Pläne gab er Mose bekannt, und Israel hat er die Taten gezeigt. 8Jahwe ist barmherzig und mit Liebe erfüllt, voller Gnade und großer Geduld. 9Er klagt uns nicht beständig an, wird nicht immer auf uns zornig sein. 10Er straft uns nicht, wie wir es verdient, zahlt uns die Verfehlungen nicht heim.
11Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so unermesslich ist seine Gnade für jeden, der ihn fürchtet und ehrt. 12So weit der Osten vom Westen entfernt ist, so weit schafft er unsere Schuld von uns weg. 13Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich Jahwe über jeden, der ihn respektvoll ehrt. 14Er weiß ja, wie vergänglich wir sind; er vergisst es nicht: Wir bestehen aus Staub.
15Das Leben des Menschen ist wie das Gras, es blüht wie eine Blume im Feld. 16Die Glut aus der Wüste fegt über sie hin. Schon ist sie weg, hinterlässt keine Spur. 17Doch die Güte Jahwes hat ewig Bestand, für immer gilt sie jedem, der ihn ehrt, und sein Erbarmen auch noch den Kindern und Enkeln, 18ja allen, die sich an seinen Bund halten und seine Weisungen bedenken, um sie zu tun.
19Im Himmel hat Jahwe seinen Thron aufgestellt und herrscht als König über alles, was ist. 20Auf, lobt Jahwe, ihr Engel vor ihm, ihr mächtigen Wesen, die ihr tut, was er sagt, und gehorsam seine Befehle ausführt! 21Ja, lobt Jahwe, ihr himmlischen Heere, ihr seine Diener, die tun, was ihm gefällt! 22Lobt Jahwe, ihr Geschöpfe des Herrn, wo immer ihr lebt und er euch regiert! Auch du, meine Seele, auf, lobe Jahwe!
Lob des Schöpfers
1041Auf, meine Seele, lobe Jahwe! Jahwe, mein Gott, du bist sehr groß, bekleidet mit Hoheit und Pracht. 2Das Licht umgibt dich wie ein Gewand, den Himmel spannst du wie ein Zeltdach aus 3und baust deine Kammern über dem Wasser dort auf. Du machst die Wolken zu deinem Wagen und schwebst auf den Schwingen des Sturms. 4Du hast die Winde zu deinen Boten erwählt, loderndes Feuer zu deinen Gehilfen gemacht.
5Er gab der Erde ein festes Fundament, dass sie durch nichts mehr zu erschüttern ist. 6Die Flut bedeckte sie wie ein Kleid, das Wasser stand über den Bergen. 7Vor deiner Zurechtweisung musste es fliehen, deine Donnerstimme trieb es fort. 8Da schoben sich die Berge auf und die Täler senkten sich an den Ort, den du ihnen bestimmt hast. 9Du hast dem Wasser Grenzen gesetzt, die es nicht überschreitet. Nicht noch einmal bedeckt es die Erde.
10Du lässt Quellen entspringen in Bäche; zwischen den Bergen eilen sie hin. 11Wilde Tiere trinken daraus, die Wildesel löschen da ihren Durst. 12An diesen Bächen wohnen die Vögel, aus dichtem Laub ertönt ihr Gesang. 13Du tränkst die Berge aus himmlischen Kammern, durch dein Wirken wird die Erde satt.
14Gras lässt du sprossen für das Vieh, Pflanzen für den Acker des Menschen, aus dem er Nahrung für sich schafft, 15und Wein, der den Menschen erfreut, Öl, mit dem er seinen Körper pflegt, und Brot, mit dem er sich stärkt. 16Die Bäume Jahwes trinken sich satt, die Zedern, die er pflanzte auf dem Libanon. 17Die Vögel bauen ihre Nester darin. Auf den Zypressen2 nistet der Storch. 18Die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs3 bieten die Felsen Schutz.
19Er hat den Mond gemacht, der die Zeiten bestimmt, die Sonne, die ihren Untergang kennt. 20Du lässt die Dunkelheit kommen, und es wird Nacht; da regen sich alle Tiere im Wald. 21Die Junglöwen brüllen nach Beute, sie fordern ihr Fressen von Gott. 22Geht die Sonne auf, ziehen sie sich zurück und legen sich nieder in ihrem Versteck. 23Dann geht der Mensch an seine Arbeit und tut bis zum Abend seine Pflicht.
24Wie zahlreich sind deine Werke, Jahwe! Du hast sie alle mit Weisheit gemacht. Von deinen Geschöpfen ist die Erde erfüllt. 25Da ist das Meer, groß und weit nach allen Seiten hin; da wimmelt es von Leben, Groß und Klein und ohne Zahl. 26Da ziehen Schiffe ihre Bahn und auch der ungeheure Leviatan, den du erschufst, um mit ihm zu spielen.
27Alle deine Geschöpfe warten auf dich, dass du ihnen Nahrung gibst zur richtigen Zeit. 28Du gibst ihnen, und sie sammeln sie ein. Du öffnest deine Hand: Sie werden an guten Dingen satt. 29Du verbirgst dein Gesicht: Sie werden verstört. Du entziehst ihnen den Atem: Sie sterben dahin und kehren wieder zum Staub zurück. 30Du sendest deinen Lebensgeist: Sie werden geboren. So erschaffst du der Erde ein neues Gesicht.
31Ewig bleibe Jahwes Herrlichkeit! Er möge sich freuen an dem, was er schuf! 32Blickt er die Erde an, so bebt sie; berührt er die Berge, speien sie Rauch. 33Mein Leben lang will ich Jahwe besingen, will meinem Gott lobsingen, solange ich bin. 34Möge ihm gefallen, was ich erdachte, denn auch ich freue mich an ihm! 35Mögen die Sünder von der Erde verschwinden und die Gottlosen nicht mehr sein! Auf, meine Seele, lobe Jahwe! Halleluja!4
Lob des Herrn der Geschichte
1051Lobt Jahwe! Ruft aus seinen Namen, macht den Völkern seine Taten bekannt! 2Singt ihm, lobsingt ihm und redet von all seinen Wundern! 3Rühmt euch seines heiligen Namens! Die nach Jahwe suchen, können sich freuen!
4Fragt nach Jahwe und seiner Macht, sucht seine Nähe zu aller Zeit! 5Denkt an die Wunder, die er tat, die Beweise seiner Macht und die Entscheide, die er traf. 6Ihr Nachkommen seines Dieners Abraham, ihr Söhne Jakobs, seine Erwählten: 7Das ist Jahwe, unser Gott! Seine Rechtsentscheide gelten in der ganzen Welt.
8Niemals vergisst er seinen Bund, sein festes Wort für tausend Generationen, 9den Bund, den er mit Abraham schloss, und den Eid, den er Isaak schwor. 10Er erklärte ihn für Jakob zum Gesetz, für Israel zum ewig gültigen Bund. 11Er sagte: Dir will ich das Land Kanaan geben als Erbland, das euch zugeteilt ist.
12Sie waren damals leicht zu zählen, nur wenig Leute und Fremde dabei. 13Sie zogen von einem Volk zum anderen, von einem Reich zu einem anderen Volk. 14Damals erlaubte er keinem, sie zu bedrücken, ihretwegen wies er Könige zurecht: 15„Tastet meine Gesalbten nicht an, tut meinen Propheten nichts Böses!“
16Dann brachte er eine Hungersnot über das Land, entzog ihnen jeden Vorrat an Brot.1 17Er schickte ihnen…
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Fußnoten
- 1erneuert. Der Adler diente sprichwörtlich als Symbol für Vitalität und Freiheit. Vielleicht ist dabei auch an die Mauser gedacht, die jährliche auffällige Erneuerung des Gefieders.
- 2Zypressen. Schlanke, kegelförmige Nadelbäume, bis zu 50 m hoch.
- 3Der Klippdachs oder Kapklippschliefer ist ein hasengroßes Säugetier und in Syrien, Israel und ganz Afrika heimisch.
- 4Halleluja. Hebräischer Jubelruf, der nur in den Psalmen und der Offenbarung vorkommt. Hallelu = lobt; Jah = poetische Kurzform für Jahwe.
- 1Vorrat an Brot. Wörtlich: zerbrach jeden Brotstab. In die Mitte der Brotfladen wurde schon vor dem Backen mit dem Finger ein Loch gebohrt, sodass sie anschließend, auf einen Stab gereiht, aufbewahrt werden konnten.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden