Jesaja 27–28
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271An dem Tag wird Jahwe durch sein hartes, großes, starkes Schwert abrechnen mit dem Leviatan1, der flüchtigen gewundenen Schlange, dem Ungeheuer im Meer.
Ein Volk für Gott
2An dem Tag singt ihm das Lied vom wundervollen Weinberg zu:
3Ich, Jahwe, behüte ihn, begieße ihn zu jeder Zeit, bewache ihn bei Tag und Nacht, dass niemand sich an ihm vergreift. 4Mein Zorn auf ihn ist verraucht. Doch finde ich Dornen und Disteln darin, gibt’s einen schonungslosen Krieg: Sie werden ausgerissen und verbrannt. 5So geht es dem, der nicht Schutz bei mir sucht und Frieden mit mir macht, ja, Frieden mit mir schließt. 6Jakob wird noch Wurzeln schlagen, Israel wird blühen und gedeihen und mit Früchten erfüllen die ganze Welt.
7Hat der Herr sein Volk geschlagen, wie er ihre Schläger schlug? Hat er von ihnen so viel umgebracht, wie er das bei ihren Mördern tat? 8Mit Maßen, durch Verbannung hast du es bestraft! Sein heftiger Atem trieb sie fort am Tag, als der Sturm von Osten kam. 9Dadurch wird Jakobs Schuld gesühnt. Und weil seine Sünde beseitigt ist, macht er die Götzenaltäre zerschlagenen Kalksteinen gleich. Aschera-Pfähle3 werden verschwunden sein, und Räucheraltäre nirgends mehr stehen. 10Leer ist dann die befestigte Stadt, ein verlassener Ort, einsam wie die Steppe. Kälber weiden dort, lagern sich und fressen ihre Büsche kahl. 11Wenn dann die Zweige dürr geworden sind, brechen Frauen sie ab und heizen damit. Es ist ein unverständiges Volk, deshalb hat sein Schöpfer kein Erbarmen mit ihm. Er, der es gebildet hat, begnadigt es nicht.
12Doch es kommt eine Zeit, in der Jahwe ein Dreschen anstellen wird – vom Bach Ägyptens bis zum Euphratstrom. Und euch liest man einzeln zusammen, ihr Israeliten! 13An dem Tag dröhnt das Schofar-Horn5. Dann kommen die Verirrten aus Assyrien heim, und die in Ägypten Verstreuten kehren zurück. Dann beten sie Jahwe in Jerusalem an, auf dem heiligen Berg.
Nur Gott kann euch retten (28–35)
Die Herausforderung der Spötter
281Weh der stolzen Krone der Betrunkenen, dem welkenden Kranz seiner herrlichen Pracht, der Hauptstadt über dem fetten Tal1, dem Stolz aller Weinseligen von Efraïm. 2Schon hält der Herr einen Starken und Mächtigen bereit. Er kommt wie ein Hagelwetter, wie ein verheerender Sturm, wie ein Wolkenbruch mit mächtiger Wasserflut, der alles mit Wucht zu Boden reißt. 3Zertrampeln wird er die stolze Krone der Betrunkenen von Efraïm. 4Der welkenden Blüte seiner prächtigen Zier, der Hauptstadt über dem fetten Tal, wird es gehen wie der frühen Feige vor der Ernte: Der Erste, der sie erblickt, / pflückt sie schnell ab und verschlingt sie sofort. 5An dem Tag wird Jahwe, der allmächtige Gott, zu einer herrlichen Krone für den Rest seines Volks und zu einem prachtvollen Kranz. 6Er wird zum Geist des Rechts für den, der zu Gericht sitzen muss, und zur Heldenkraft für den, der den Feind aus der Stadt vertreibt.
7Doch auch diese hier schwanken, berauscht vom Wein, und taumeln, benebelt vom Bier: Priester und Propheten sind betrunken, schwanken vom Bier und sind benebelt vom Wein. Sie torkeln, wenn sie weissagen, und taumeln im Gericht. 8Ihre Tische sind von Erbrochenem voll, alles ist besudelt, kein Platz ist frei davon. 9Und dann sagen sie: „Wem will der denn Einblick geben? Wem will der erzählen, was Gott will? Sind wir denn kleine Kinder, eben von der Muttermilch entwöhnt und von den Brüsten abgesetzt? 10Was soll das Zaw-la-zaw, zaw-la-zaw und kaw-la-kaw, kaw-la-kaw2, hier ein wenig, dort ein wenig?“ 11Ja, durch Menschen mit stammelnden Lippen und fremden Sprachen sagt Gott sein Wort zu diesem Volk. 12Er hatte zu ihnen gesagt: „So findet ihr Ruhe. Gönnt doch den Müden die Rast! Ich biete euch Sicherheit!“ Aber sie wollten nicht hören. 13Darum wird Jahwe sie hören lassen: „Zaw-la-zaw, zaw-la-zaw und kaw-la-kaw, kaw-la-kaw, hier ein wenig, dort ein wenig.“ Nach hinten stürzen sie und brechen sich das Genick. Sie laufen den Feinden ins Netz, gefangen führt man sie fort.
14Darum hört das Wort Jahwes, ihr Lästermäuler, ihr Herrscher von Jerusalem! 15Ihr prahlt, mit dem Tod im Bund zu sein. Ihr habt mit dem Totenreich einen Vertrag? Ihr glaubt, wenn die Katastrophe kommt, geht sie an euch vorbei, denn ihr hättet Lügen zu eurer Zuflucht gemacht, euch abgesichert durch Betrug? 16Darum spricht Jahwe, der Herr: Seht her, ich habe auf dem Zionsberg ein festes Fundament gelegt: Es ist ein erprobter Block, ein kostbarer Eckstein, ein felsenfester Grund. Wer ihm vertraut, hält ebenso stand. 17Als Richtschnur nehme ich das Recht und als Waage die Gerechtigkeit. Der Hagelsturm fegt eure Lügenzuflucht weg, und Wasser überflutet das Versteck. 18Euer Bündnis mit dem Tod ist dann gelöst, und mit dem Totenreich ist der Vertrag gelöscht. Und wenn die Katastrophe wie eine Flut über euch kommt, seid ihr nur noch zertretenes Land. 19Sooft sie heranbraust, reißt sie euch mit, und Morgen für Morgen tobt sie heran. Selbst in der Nacht habt ihr keine Ruhe mehr. Und jedes Prophetenwort wird euch eine Schreckensnachricht sein. 20Ja, „das Bett ist zu kurz, um sich auszustrecken und die Decke zu schmal, um sich einzuwickeln.“ 21Denn Jahwe wird sich erheben wie am Berg Perazim, er wird toben wie im Tal von Gibeon. Doch was er tut, wird euch befremden, sein Werk wird euch unheimlich sein. 22Darum lasst jetzt euren Spott, damit man eure Fesseln nicht noch fester zieht! Denn ein „Zunichte!“ habe ich gehört vom Herrn der ganzen Erde, ein „Entschieden!“ von Jahwe, dem allmächtigen Gott.
23Horcht auf und hört meine Stimme! Gebt Acht und hört auf mein Wort! 24Pflügt der Bauer denn den ganzen Tag zur Vorbereitung auf die Saat? Eggt er denn jeden Tag sein Ackerland? 25Nein, wenn er die Äcker geebnet hat, streut er Dill und Kümmel aus, sät Weizen, Hirse, Gerste auf sein Feld und Dinkel an den Rand. 26So unterwies ihn sein Gott, belehrte ihn, wie er vorgehen soll. 27Dill drischt man nicht mit Dreschschlitten6 aus, und das Wagenrad wird nicht über Kümmel gerollt. Dill wird mit dem Stab geklopft und Kümmel mit dem Stock. 28Auch das Brotkorn wird nicht zermalmt, nicht dauernd drischt der Drescher darauf ein. Er sorgt dafür, dass weder Wagenräder darüber rollen noch Pferdehufe es zerstampfen. 29Auch das weiß er von Jahwe, dem allmächtigen Gott. Gottes Pläne sind zum Staunen, er führt sie immer zum Erfolg.
Footnotes
- 1Leviatan. Verkörperung gottfeindlicher Mächte, besonders Ägypten.
- 3Die Aschera war eine Fruchtbarkeitsgöttin, die in geweihten Pfählen verehrt wurde.
- 5Das Schofar-Horn war aus einem der gewundenen Hörner des männlichen Fettschwanzschafes hergestellt und brachte einen dumpfen, durchdringenden Ton hervor.
- 1Hauptstadt … Tal. Gemeint ist wahrscheinlich die Stadt Samaria, die auf einem Hügel lag.
- 2… kaw-la-kaw. Die Betrunkenen ahmen spöttisch Jesajas Rede nach. Der Sinn ist unklar, vielleicht mit M. Buber: Spurgrad in der Spur, schnurgrad an der Schnur.
- 6Ein Dreschschlitten bestand aus zwei oder mehreren miteinander verbundenen, vorn aufgebogenen Brettern, unter denen meist noch spitze Steine oder Eisenmesser befestigt waren, um die Körner herauszulösen und die Halme zu zerschneiden. Sie wurden von Tieren im Kreis über das auf der Tenne ausgebreitete Getreide gezogen.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden