Jesaja 46–51
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Sturz der Götzen Babylons
461Bel1 hat sich gebeugt, Nebo2 krümmt sich nieder; ihre Bilder werden weggeschleppt und auf Lasttiere gepackt. Eine Last sind eure Götzenbilder für das erschöpfte Vieh. 2Sie krümmen sich, brechen in die Knie; sie können die Last nicht retten und ziehen selbst in die Gefangenschaft. 3„Ihr Nachkommen Jakobs, hört auf mich, du Überrest von Israel! Ich habe euch getragen, seit es euch gibt, ihr seid mir aufgebürdet von Mutterleib an. 4Bis in euer Greisenalter bin ich es, der euch trägt. Bis ihr alt und grau geworden seid, schleppe ich euch. Ich habe es bisher getan und werde es auch künftig tun. Ich selbst belade mich und werde euch retten. 5Mit wem wollt ihr mich vergleichen, neben wen stellt ihr mich? Wem wollt ihr mich ähnlich machen, mich anpassen zum Vergleich? 6Da schütten sie Gold aus ihrem Beutel, wiegen Silber auf der Waage ab, bezahlen einen Goldschmied, dass er einen Gott daraus macht. Vor dem bücken sie sich dann und werfen sich hin. 7Sie heben ihn auf ihre Schultern, tragen ihn umher und stellen ihn wieder an seinen Platz. Dort steht er dann und rührt sich nicht. Ruft man um Hilfe, antwortet er nicht; er rettet niemand aus der Not. 8Denkt daran und achtet darauf, besinnt euch, ihr Treulosen!
9Denkt an das, was früher war, von Urzeiten her: Ja, ich bin Gott und keiner sonst. Es gibt keinen Gott, der mir gleicht. 10Von Anfang an habe ich den Ausgang gezeigt, lange im Voraus die ferne Zukunft vorhergesagt. Meine Pläne verwirkliche ich, und was ich mir vornehme, das tue ich auch. 11Ich rufe den Adler aus dem Osten, den Mann aus dem fernen Land, der meinen Plan ausführt. Ja, ich habe es gesagt und lasse es auch so kommen. Ich habe es geplant, und ich führe es aus. 12Hört her, ihr Starrköpfe, die fern sind von dem, was recht ist vor Gott. 13Ich bringe euch die Gerechtigkeit, sie ist nicht mehr fern, meine Rettung verspätet sich nicht. Zion gebe ich meine Hilfe und Israel meine strahlende Pracht.“
Babylons Sturz
471„Herunter mit dir, Babylon! Du stolze junge Frau, setz dich in den Staub! Setz dich auf die Erde ohne Thron, du Tochter der Chaldäer! Du wirst nicht länger die verwöhnte Dame sein! 2Dreh den Mühlstein, mahle Mehl! Weg mit dem Schleier, heb die Schleppe hoch, zeig deine Schenkel und wate durch den Strom. 3Deine Blöße werde aufgedeckt, jeder sehe deine Scham. Ich werde Rache nehmen, kein Mensch hindert mich daran!“, 4spricht unser Erlöser. Das ist Jahwe, der Allmächtige,/ Israels heiliger Gott.
5„Sei still und setz dich hin, du Tochter der Chaldäer! Du musst in die Finsternis. Denn nun nennt dich niemand mehr ‚Herrin vieler Reiche‘. 6Ich war zornig über mein Volk, entweihte mein Erbe und gab es in deine Gewalt. Doch du hast kein Erbarmen gehabt, selbst auf den Greis hast du ein schweres Joch gelegt. 7Du meintest, auf ewig Herrin zu sein, hast dir nichts zu Herzen genommen und nicht an das Ende gedacht. 8So höre nun, du lüsternes Weib, das sich in Sicherheit wiegt und denkt: ‚Ich und niemand sonst! Ich sitze nie als Witwe da, Kinderlosigkeit kenne ich nicht!‘ 9Doch beides wird über dich kommen, plötzlich und am selben Tag: Kinderlosigkeit und Witwenschaft. Es trifft dich mit Wucht trotz all deiner Zauberei und der Unzahl deiner Beschwörungen. 10In deiner Bosheit hast du dich sicher geglaubt. ‚Niemand sieht mich‘, dachtest du. Deine Weisheit und dein Wissen haben dich irregeführt, sodass du dir eingeredet hast: ‚Ich – und gar nichts sonst!‘ 11So kommt Unheil über dich, gegen das du keinen Zauber kennst. Eine Katastrophe bricht herein, die du nicht abwenden kannst. Plötzlich kommt dein Untergang, und du hast nichts davon geahnt.
12Versuch es nur mit der Beschwörungskunst! Los! Wende deine Zaubereien an! Du hast dich ja von Jugend an darum gemüht. Vielleicht schaffst du Hilfe herbei, vielleicht wendest du das Unheil ja ab? 13Deine vielen Beratungen haben dich müde gemacht. Ja, ruf doch deine Astrologen, deine Himmelsversteher, die dich jeden Neumond wissen lassen, was über dich kommt. Sollen sie dich doch retten! 14Seht, wie Stroh hat sie das Feuer verbrannt! Keiner kann sein Leben retten vor dem Feuersturm. Das ist keine Glut, an der man sich wärmt, kein Feuerchen, an dem man sitzt. 15Das ist alles, was sie für dich tun – die, für die du dich gemüht, mit denen du von Jugend auf gehandelt hast. Jeder taumelt seines Weges fort, niemand rettet dich.“
Verstocktes Israel
481Hört her, ihr Nachkommen Jakobs, die ihr den Namen Israel tragt, aus Judas Stamm hervorgegangen seid! Ihr schwört beim Namen Jahwes und bekennt euch zu Israels Gott –, aber doch nicht aufrichtig und treu. 2Ihr nennt euch nach der heiligen Stadt und stützt euch auf Israels Gott, dessen Name Jahwe, der Allmächtige, ist. 3Was früher geschah, hatte ich lange vorher gesagt. Es kam aus meinem Mund, ich ließ es hören, und plötzlich tat ich es, und es trat ein. 4Weil ich wusste, dass du starrsinnig bist, dein Nacken wie aus Eisen ist und deine Stirn wie aus Erz, 5so habe ich dir alles vorher schon gesagt. Bevor es eintraf, hast du es gehört – sonst sagst du noch: ‘Mein Götze hat es getan. Das hat mein Schnitz- oder Gussbild befohlen.’ 6Du hast es gehört, nun schau dir alles an! Wollt ihr das nicht weitersagen? Von jetzt an lasse ich dich Neues hören; bisher war es verborgen, du hast nichts davon gewusst. 7Jetzt erst habe ich es geschaffen und nicht schon früher. Vor dem heutigen Tag hast du nichts davon gehört, damit du nicht sagen kannst: ‚Ich habe es ja schon lange gewusst!‘ 8Nein, du hast nichts davon gewusst und noch nie etwas davon gehört! Denn ich wusste, dass du völlig treulos bist und dass man dich nicht umsonst nennt: ‚aufsässig von Mutterleib an‘. 9Doch weil es um meinen Namen geht, bezwinge ich meinen Zorn, nur wegen meiner Ehre bezähme ich mich und vernichte dich nicht! 10Seht, ich habe euch geläutert, im Schmelzofen des Elends habe ich euch geprüft, aber ich fand kein Silber darin. 11Nur um meinetwillen handle ich jetzt, denn sonst würde mein Name entweiht. Meine Ehre gebe ich keinem anderen preis!
Israel durch Kyrus befreit
12„Jakob, hör auf mich! Höre mich, Israel, den ich berief! Ich bin es, ich, der Erste und auch der Letzte. 13Mit meiner Hand habe ich die Erde gegründet, mit meiner Rechten den Himmel ausgespannt. Ich rief ihnen zu, schon standen sie da.
14Kommt alle her und hört zu! Wer von den Göttern hat so etwas jemals gesagt? Der, den Jahwe liebt, vollstreckt seinen Willen an Babylon, die Chaldäer spüren seine Macht. 15Ich selbst, ich habe es gesagt, und ich habe ihn gerufen! Ich ließ ihn kommen, damit sein Vorhaben gelingt. 16Kommt her und hört zu! Von Anfang an habe ich dies öffentlich gesagt, und seitdem es geschieht, bin ich dabei.“ Und nun hat Jahwe, der Herr, mich gesandt und seinen Geist.
17So spricht Jahwe, dein Erlöser, Israels heiliger Gott: „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich zu deinem Nutzen belehrt, der dich auf den Weg führt, den du gehen sollst. 18Hättest du doch auf meine Gebote gehört! Dann wäre jetzt dein Frieden wie ein Strom, deine Gerechtigkeit wie die Wogen im Meer. 19Die Menge deiner Nachkommen wäre wie Sand, deine Sprösslinge wie seine Körner. Ihr Name würde nie beseitigt, nie ausgelöscht vor mir.
20Zieht aus Babel fort, rennt mit Jubel aus Chaldäa heraus! Macht es bekannt bis an das Ende der Erde: ‚Jahwe hat Jakob, seinen Diener, erlöst!‘ 21Er führt sie durch Wüsten, doch sie leiden keinen Durst. Er sorgt, dass Wasser aus dem Felsen rinnt, er spaltet Gestein, damit das Wasser fließt. 22Doch für Gottlose gibt es keinen Frieden“, spricht Jahwe.
Gottes Diener bringt die Erlösung (49–57)
Zweites Lied vom Diener Gottes
491Hört mir zu, ihr Meeresländer, horcht auf, ihr Völker in der Ferne! Schon im Mutterleib berief mich Jahwe, von Mutterschoß an hat er meinen Namen genannt. 2Er machte meinen Mund zu einem scharfen Schwert und versteckte mich im Schatten seiner Hand. Er machte mich zu einem sicher treffenden Pfeil und hat mich in seinem Köcher verwahrt. 3Er sagte zu mir: „Du bist mein Diener, Israel, an dir zeige ich meine Herrlichkeit!“ 4Ich aber dachte: „Vergeblich habe ich mich gemüht, umsonst und nutzlos meine Kraft vertan. Doch Jahwe sorgt für mein Recht, er verhilft mir zu meinem Lohn.“ 5Jetzt hat Jahwe gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Diener ausgebildet hat, damit Jakob zu ihm zurückgebracht und Israel gesammelt wird. Doch ich bin in Jahwes Augen geehrt, meine Stärke liegt in meinem Gott. 6Er sagte: „Es ist zu wenig, dass du nur mein Diener bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten, zurückzuführen die Verschonten Israels. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gemacht, dass mein Heil das Ende der Erde erreicht.“
7Das sagt Jahwe, der Befreier Israels, sein heiliger Gott, zu dem, der ganz und gar verachtet ist, der von den Völkern verabscheut wird, der auch unter Gewaltherrschern dient: „Könige erheben sich, wenn sie das sehen, und Fürsten werfen sich nieder. Das geschieht, weil Jahwe sein Wort hält, weil der Heilige Israels dich erwählt.“ 8So spricht Jahwe: „Ich habe dich rechtzeitig erhört, am Tag der Rettung habe ich dir geholfen. Ich habe dich vor Schaden bewahrt, damit du dem Volk zum Mittler meines Bundes wirst, um das Land wieder aufzurichten, das verödete Erbe neu zu verteilen, 9um den Gefangenen zu sagen: ‚Ihr seid frei!‘, denen in der Finsternis: ‚Kommt ans Licht!‘
Gleich an den Wegen grasen sie, auf kahlen Hängen finden sie Weide. 10Sie leiden weder Hunger noch Durst. Hitze und Sonnenglut schaden ihnen nicht, denn ihr Erbarmer leitet sie und führt sie immer zur Quelle. 11Alle meine Berge mache ich zum Weg, meine Straßen führen über die Höhen. 12Seht, da kommt mein Volk von ferne! Die einen kommen vom Norden her, die andern übers westliche Meer – und jene aus dem Lande Sewenim3.“
13Jubelt, ihr Himmel, jauchze, du Erde! Ihr Berge, brecht in Jubel aus! Denn Jahwe hat sein Volk getröstet, sich seiner Gebeugten erbarmt.
Trost und Hoffnung für Zion
14Zion sagt: „Jahwe hat mich verlassen,…
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Footnotes
- 1Bel ist ein anderer Name für Marduk, den Hauptgott Babylons, und entspricht dem kanaanäischen Baal (= Herr).
- 2Nebo, der Gott des Lernens und Schreibens, galt als Sohn Marduks.
- 3Mit Sewenim ist wahrscheinlich eine jüdische Kolonie bei Syene (Assuan) im südlichen Ägypten gemeint. Andere lesen Sinim und deuten es auf China.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden