Logos Bible Study

Jesaja 21–23

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Die Verwüstung Babylons

211Das Wort, das über der Wüste am Meer lasten wird: Wie ein Sturm, der über den Negev1 fegt, kommt das Unheil aus der Wüste, einem schrecklichen Land. 2Furchtbare Dinge wurden mir gezeigt: „Der Verräter verrät, und der Zerstörer zerstört. Brecht auf, ihr Elamiter2! Ihr Meder3, belagert die Stadt! Mit allem Seufzen über sie mache ich Schluss.“

3Darum zittert mein Körper, von Krämpfen gepackt, von Wehen geschüttelt wie eine gebärende Frau. Von dem, was ich höre, bin ich betäubt, bestürzt von dem, was ich sehen muss. 4Mein Herz rast, ein Schauder schüttelt mich. Die mir so liebe Dämmerstunde hat er mir zum Grauen gemacht.

5Man deckt den Tisch, legt die Polster zurecht; man isst und trinkt. „Steht auf, Offiziere! Ölt eure Schilde4 ein!“ 6Denn das hat der Herr mir gesagt: „Geh und stell einen Wachtposten auf. Er soll dir melden, was er sieht. 7Sieht er einen Wagenzug, ein Pferdegespann, einen Zug Kamele oder Esel, dann passe er auf! Er passe ganz scharf auf!“ 8Da rief der Wächter:5 „Herr, den ganzen Tag steh ich bereit, bin auf dem Posten jede Nacht! 9Da, was sehe ich? Ein Zug von Männern, ein Pferdegespann! Und einer von ihnen ruft: ‚Gefallen! Gefallen ist Babylon! Alle Bilder seiner Götter sind zerstört!‘ “

10Du, mein zerschlagenes, zerdroschenes Volk! Ich verkünde euch das, was ich höre – von Jahwe, dem allmächtigen Gott.

Gegen Duma und Arabien

11Das Wort, das auf Duma6 lasten wird: Aus Seïr ruft man mir zu: „Wächter, wie lange noch dauert die Nacht? Wächter, wie lange noch dauert die Nacht?“ 12Der Wächter spricht: „Der Morgen kommt, aber noch ist es Nacht! Wenn ihr fragen wollt, kommt wieder und fragt!“

13Das Wort, das auf Arabien lasten wird: In der Steppe müsst ihr übernachten, Männer, Karawanen von Dedan7. 14Bringt dem Durstigen Wasser hin, Bewohner des Landes von Tema8, geht dem Flüchtling entgegen mit Brot! 15Denn sie sind vor den Schwertern geflohen, vor dem Ansturm des Krieges, dem gezückten Schwert und dem gespannten Bogen.

16Denn das hat der Herr mir gesagt: „In noch einem Jahr, das euch wie ein Tagelöhnerjahr erscheinen wird, ist es mit Kedars9 Herrlichkeit vorbei. 17Von seinen berühmten Bogenschützen bleiben nur ganz wenige am Leben, spricht Jahwe, der Gott Israels.“

Gegen Jerusalem

221Das Wort, das auf dem Tal der Offenbarung1 lasten wird: Was ist mit dir, dass du auf den Dachterrassen stehst, 2du lärmerfüllte tosende Stadt, du ausgelassene Burg? Deine Toten fielen nicht durchs Schwert und nicht im Kampf. 3Alle deine Führer sind geflohen, und alle sind gefangen – ohne einen Bogenschuss. So weit sie auch gelaufen waren, nun sind sie gefesselt – allesamt. 4Darum sage ich: Lasst mich allein mit meinem Schmerz! Lasst meine Tränen laufen! Tröstet mich nicht wegen der Gewalt an meinem Volk! 5Denn der Herr hat Verwirrung, Verheerung, Verstörung in das Tal der Offenbarung gebracht – Jahwe, der Allmächtige. Die Mauer ist zerbrochen. Hilfegeschrei hört man am Hang. 6Elam2 hat den Köcher umgehängt, die Streitwagen sind bespannt und bemannt, und Kir3 hat seinen Schild enthüllt. 7Deine herrlichen Täler sind mit Wagen gefüllt, und Reiter nehmen Stellung gegen das Tor. 8So nimmt man Juda jeden Schutz. An dem Tag habt ihr im Waldhaus4 nach Waffen gesucht 9und habt die Risse in der Mauer gesehen, viele Risse in der Davidsstadt.5 Im unteren Teich habt ihr das Wasser gestaut. 10Dann habt ihr Jerusalems Häuser gezählt, ganze Gebäude niedergerissen und die Mauer der Stadt damit fester gemacht. 11Zwischen den beiden Mauern habt ihr ein Sammelbecken angelegt – für das Wasser des alten Teichs.

Doch habt ihr nicht auf den geblickt, der alles bewirkt; ihr habt nicht an den gedacht, der solche Unglücke plant. 12Wohl rief Jahwe an jenem Tag, der Herr aller Heere rief euch zum Weinen und zur Wehklage auf, zum Glatzescheren und zum Trauersack. 13Doch er fand Jubel und Vergnügen bei euch, Ochsenschlachten und Schafeschächten, Fleischessen und Weintrinken. „Lasst uns essen und trinken“, habt ihr gesagt, „denn morgen sind wir tot!“ 14Doch Jahwe, der Allmächtige, hat sich mir offenbart: „Diese Schuld vergebe ich euch nicht, bis ihr sterbt!, schwört Jahwe, der Allmächtiget.“

Schebna und Eljakim

15So sprach Jahwe, der Herr aller Heere: Geh zu diesem Verwalter da, zu Schebna, dem Palastvorsteher, und sage ihm: 16„Was machst du hier eigentlich? Wer gab dir die Erlaubnis, hier oben eine Grabkammer aushauen zu lassen? Was fällt dir ein, deine letzte Wohnung in den Fels zu meißeln? 17Pass auf, Mann! Jahwe wird dich im Wind herumwirbeln und dich zusammenkneten, 18er wird dich zu einem Knäuel zusammenwickeln und wie einen Ball wegschleudern in ein Land mit großen weiten Ebenen. Dort wirst du sterben, und dorthin kommen auch die Wagen deiner Ehrsucht, du Schandfleck für das Königshaus! 19Ich werde dich aus deinem Amt verjagen und dafür sorgen, dass man dich von deinem hohen Posten holt.

20An dem Tag werde ich Eljakim Ben-Hilkija berufen, meinen Diener. 21Ich ziehe ihm dein Amtsgewand an und lege ihm deinen Gürtel um. Ich übertrage ihm alle Vollmachten, die du jetzt hast. Er wird wie ein Vater für die Bewohner Jerusalems und das Volk von Juda sein. 22Ich vertraue ihm die Schlüssel zum Palast der Nachkommen Davids an. Was er öffnet, wird kein anderer verschließen, und was er verschließt, wird keiner mehr öffnen. 23Ich werde ihn wie einen Pflock fest in die Wand einschlagen. Seine ganze Verwandtschaft wird durch ihn zu Ehren kommen. 24Doch die ganze Sippe wird sich mit Kind und Kegel an ihn hängen, wie an einen Pflock, an dem das ganze Tongeschirr mit Schüsseln und Krügen hängt. 25Dann wird der Pflock, der so fest in der Wand sitzt, abbrechen, und die Last, die er trug, geht zu Bruch und wird beseitigt. Das sagt Jahwe, der Allmächtige.“

Gegen Tyrus

231Das Wort, das auf Tyrus lasten wird: Heult, ihr Handelsschiffe, denn euer Hafen ist zerstört! Als ihr von Zypern kamt, habt ihr davon gehört. 2Werdet stumm, ihr Küstenbewohner, ihr Händler von Sidon. Eure Aufkäufer überquerten das Meer 3und führten Korn aus Ägypten ein. Die Saat am Nil und die Ernte am Strom brachten euch den Gewinn. 4Schäm dich, Sidon, und du, Festung am Meer! Nun sagt euch das Meer: „Es ist, als hätte ich nie geboren, als hätte ich niemals Wehen gehabt! Zog ich denn niemals Kinder groß?“3 5Sobald die Kunde nach Ägypten kommt, werden sie sich winden, wie es einst bei der Nachricht von Tyrus geschah. 6Fahrt doch nach Tarschisch hinüber! Heult, ihr Küstenbewohner! 7Ist das eure fröhliche, brausende Stadt, gegründet in uralter Zeit, die ihre Siedler in die Ferne schickt? 8Wer hat das Unheil gegen dieses Tyrus geplant, das Königskronen spendete, dessen Kaufleute Fürsten waren und dessen Händler die Vornehmsten der Welt? 9Das beschloss Jahwe, der allmächtige Gott, um zu entweihen die prunkende Pracht, zu erniedrigen die Großen der Welt.

10Bewässert euer Land wie die Bauern am Nil, ihr Kinder von Tarschisch! Denn es gibt keine Werft mehr bei euch. 11Jahwe hat seine Hand über das Meer ausgestreckt und Königreiche erschreckt. Er erließ den Befehl, die Burgen dieses Händlerlandes niederzureißen. 12Er sagte: Nie mehr sollst du fröhlich sein, Sidon, du vergewaltigte junge Frau! Auch wenn ihr nach Zypern flieht, findet ihr dort keine Sicherheit. 13Das ist ja ein Chaldäerland, jenes Volk, das damals noch nicht war. Nun hat Assyrien es für seine Schiffe bestimmt. Sie haben Belagerungstürme gebaut, die Burgen zerstört und zu Trümmerhaufen gemacht. 14Heult, ihr Schiffe von Tarschisch, denn euer Hafen wurde zerstört.

15Es kommt eine Zeit, wo Tyrus siebzig Jahre lang – so lange, wie ein König lebt – vergessen sein wird. Und nach diesen siebzig Jahren wird es Tyrus ergehen wie der Hure im Lied:

16Nimm die Laute, durchstreife die Stadt, du vergessene Hure! Spiel, so gut du kannst! Singe Lied um Lied, damit man wieder an dich denkt!

17Wenn die siebzig Jahre vorbei sind, wird Jahwe sich wieder um Tyrus kümmern. Die Stadt wird ihr altes Geschäft wieder aufnehmen und sich an alle Königreiche der Welt verkaufen. 18Aber ihr Handelsgewinn und Hurenlohn wird dann Jahwe gehören. Er wird nicht angesammelt und gehortet werden, sondern denen zugutekommen, die in der Nähe Jahwes wohnen, damit sie reichlich zu essen haben und Prachtgewänder tragen können.

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Footnotes

  1. 1Negev. Das heiße Südland Israels, zum Teil gebirgige Wüste.
  2. 2Elamiter. Land und Volk östlich von Babylon, Hauptstadt Susa.
  3. 3Meder. Iranischer Stamm, der das medisch-persische Hochland bewohnte.
  4. 4Die Schilde waren mit Leder überzogen.
  5. 5Wächter. So mit der und den Qumrantexten. Die meisten hebräischen Handschriften haben: „Da rief er, ein Löwe.“
  6. 6Duma. Hebräisch: Totenstille. Es gibt eine Oase dieses Namens östlich des Berglandes von Seïr (Edom).
  7. 7Dedan. Wahrscheinlich eine Wegstation auf der Weihrauchroute von Südarabien nach Syrien. Es kann auch einen arabischen Stamm meinen.
  8. 8Tema. Wüstenoase 400 km südöstlich von Elat in Saudi-Arabien.
  9. 9Kedar. Nomadenstamm in der syrisch-arabischen Wüste, bekannt durch seine Herden.
  10. 1Tal der Offenbarung. Gemeint ist Jerusalem und seine unmittelbare Umgebung.
  11. 2Elam. Persische Provinz um die Hauptstadt Susa.
  12. 3Kir. Ort in Mesopotamien, Identität unbekannt.
  13. 4Waldhaus. Halle am königlichen Palast, von Salomo mit Zedern aus dem Libanon gebaut.
  14. 5Die Davidsstadt umfasste das Gebiet des alten Jebus, das von David erobert worden war. Es bildete den Kern Jerusalems.
  15. 3… Kinder groß. Selbst das Meer hat seine Kinder verloren, wenn die Handelsschiffe ausbleiben.