Jesaja 16–18
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161Schickt von Moabs Felsennest1 Schafböcke durch die Wüste zum Landesherrscher auf dem Zionsberg2 2und sagt: „Wie herumflatternde Vögel, wie ein aufgescheuchtes Nest irren Moabs Frauen an den Furten des Arnon umher. 3Gib Rat und triff eine Entscheidung für uns! Mach deinen Schatten wie das Dunkel der Nacht und verbirg die Vertriebenen, verrate die Flüchtlinge nicht! 4Gib denen, die aus Moab fliehen, Gastrecht bei dir! Verstecke sie vor dem wüsten Verfolger!“ Wenn der Peiniger beseitigt ist, wenn die Zerstörung aufgehört hat, die Verwüster aus dem Land verschwunden sind, 5dann wird ein Thron der Gnade aufgerichtet sein. Auf ihm, am Wohnsitz Davids, wird in Wahrheit einer sitzen, der das Recht sucht und in Gerechtigkeit erfahren ist.
6Wir haben vom Hochmut Moabs gehört, wie überheblich, stolz und vermessen es ist. Doch sein Prahlen ist leeres Geschwätz. 7Darum wird Moab sein Schicksal beklagen, heulen werden sie allesamt. Kir-Heres’ Rosinenkuchen weinen sie nach und seufzen tiefbetrübt. 8Heschbons Terrassen sind verwelkt, verdorrt sind die Weinstöcke von Sibma3, deren Wein die Starken der Völker schwach gemacht hat. Bis nach Jaser4 reichten ihre Ranken, bis in die Wüste verliefen sie sich, überschritten selbst das Tote Meer. 9Darum weine ich mit den Leuten von Jaser um die Weinstöcke Sibmas, mit meinen Tränen tränke ich euch, Heschbon und Elale. Denn über Weinlese und allen Ertrag ist ein Jauchzen der Feinde gefallen. 10Aus allen Gärten weggerafft sind Freude und Gesang. In den Weinbergen hört man keinen Jubel mehr. Niemand stampft mehr Trauben in der Kelter aus, alle fröhlichen Rufe sind verstummt. 11Um Moab klagt mein Innerstes, über Kir-Heres erzittert mein Herz. 12Selbst wenn Moab sich um Opfer müht, zum Gebet in sein Heiligtum hochsteigt, es nützt ihm nichts.
13Diese Worte hat Jahwe einst über Moab gesagt. 14Doch jetzt spricht Jahwe so: „In drei Jahren, die ihr wie ein Tagelöhner zählen werdet, wird man über den Ruhm Moabs nur noch verächtlich lachen. Von seiner zahlreichen Menge wird nur noch ein winziger, ohnmächtiger Rest übrig sein.“
Gegen Damaskus
171Das Wort, das auf Damaskus lasten wird: Die Stadt Damaskus gibt es bald nicht mehr, dann ist sie nur noch ein Haufen Schutt. 2Verlassen wird Aroër1 samt Umgebung sein. In aller Ruhe lagern Herden dort und niemand jagt sie weg. 3Aus ist es mit dem Bollwerk Efraïms2, mit dem Damaskus-Königtum. Und was von Syrien übrig bleibt, ist nicht mehr als das von Israel. Das sagt Jahwe, der allmächtige Gott.
4An diesem Tag schrumpft Jakobs3 Pracht erbärmlich ein, das Fett seines Leibes schwindet dahin. 5Es wird wie bei einem Schnitter sein, der die Halme zusammenrafft und mit der Sichel die Ähren abmäht. Es wird sein wie beim Ährenlesen in der Ebene von Refaïm4. 6Nur eine Nachlese bleibt ihm zurück wie beim Abklopfen der Frucht vom Olivenbaum. Zwei, drei Oliven oben am Ast, vier, fünf in seinem Gezweig, sagt Jahwe, Israels Gott.
7An dem Tag schaut der Mensch zu dem, der ihn gemacht hat, und richtet seinen Blick auf den Heiligen Israels. 8Er schaut nicht mehr auf die eigenen Altäre, achtet nicht auf das Machwerk der eigenen Hand, blickt geweihte Pfähle und Sonnensäulen nicht mehr an.
9An dem Tag sind seine befestigten Städte wie verlassene Orte im Wald, sind öde wie die Berggipfel damals bei der Ankunft Israels. 10Ja, du hast vergessen den Gott deines Heils, hast nicht mehr an deine Fluchtburg gedacht. Stattdessen legst du Gärtchen für den „Lieblichen“5 an und setzt fremde Stecklinge hinein. 11Kaum hast du sie gepflanzt, schießen sie hoch, was du morgens gesät hast, sprießt noch am selben Tag. Aber es wird dir nur Schmerzen bringen, Krankheiten, gegen die es keine Heilung gibt.
12Wehe dir! Viele Völker brausen heran: ein Tosen wie das rauschende Meer. Man hört das Toben der Nationen wie das Tosen einer gewaltigen Flut. 13Völker tosen heran wie wütende Wogen, doch von Gott bedroht weichen sie weit zurück. Wie Spreu auf den Bergen, davongeblasen vom Wind, wie Raddisteln6, weggewirbelt vom Sturm. 14Am Abend brachten sie Schrecken über uns, doch am Morgen schon gibt es sie nicht mehr. Ja, unsere Räuber bekommen solchen Lohn, und die uns plündern, erhalten dieses Los.
Gegen Nubien
181Wehe dem Land des Flügelgeschwirrs, das jenseits der Ströme Nubiens liegt, 2das Boten in Papyrusbooten übers Wasser schickt, den Strom1 hinab. Kehrt zurück, ihr schnellen Boten, zu dem glänzenden2, hochgewachsenen Volk, das weit und breit gefürchtet ist, das mit angespannter Kraft alles zertritt, zurück zu dem von Strömen durchfurchten Land. 3Ihr Bewohner der Erde, ihr Bürger der Welt, seht hin, wenn auf den Bergen ein Feldzeichen steht, hört hin, wenn ins Horn gestoßen wird! 4Denn so sagte Jahwe zu mir: „Von meiner Wohnung aus schaue ich untätig zu, ruhig wie die flimmernde Mittagsglut, wie eine Dunstwolke am heißen Erntetag. 5Denn noch vor der Ernte, wenn die Blüte abfällt und der Blütenstand zur reifenden Traube wird, schneidet man mit dem Rebmesser die Ranken weg, reißt die Triebe ab und wirft sie fort. 6Sie werden alle auf den Bergen liegen, den Raubvögeln und Hyänen zum Fraß. Den Sommer über sitzen die Raubvögel darauf, und im Winter fressen die wilden Tiere daran.“ 7Dann wird Jahwe, dem allmächtigen Gott, ein Geschenk dargebracht von einem glänzenden, hochgewachsenen Volk, das weit und breit gefürchtet ist, das mit angespannter Kraft alles zertritt, dessen Land von Strömen durchschnitten wird. Sie werden zu der Stätte kommen, wo der Name Jahwes wohnt, zum Zionsberg.
Fußnoten
- 1Felsennest. Hebräisch: Sela. Hier wohl nicht als Ortsname gebraucht.
- 2… Zionsberg. Die Moabiter sollten wieder ihren Tribut zahlen.
- 3Sibma. Vielleicht 5 km westlich von Heschbon.
- 4Jaser. Vielleicht 10 km westlich von Amman.
- 1Aroër. Stadt am Arnonfluss, 23 km östlich vom Toten Meer. Südlichste Grenze des Einflussgebiets von Syrien.
- 2Bollwerk Efraïms. Spielt auf die Allianz des Nordreiches Israel (Efraïm) mit Syrien an.
- 3Jakob. Israels Stammvater, steht hier für das ganze Volk.
- 4Refaïm. Fruchtbares Gebiet westlich von Jerusalem.
- 5den „Lieblichen“. Wahrscheinlich der Frühlingsgott Adonis, der in Syrien und Phönizien verehrt wurde.
- 6Raddistel. Vertrocknete und vom Wind verwirbelte Teile der Gundelia (ein Taumelkraut), die als große Bälle weit durch die Steppe getrieben werden konnten.
- 1den Strom. Wörtlich: das Meer. Im Altertum Bezeichnung für große Ströme, hier ist der Nil gemeint.
- 2glänzenden. Meint vielleicht die mit Öl eingeriebene Haut der Nubier.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden