Sacharja 1–5
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1–6: Das Wort in Visionen
Kehrt um, denn Gott kehrt zurück (1)
Der Ruf zur Umkehr
11Es war im November1 des zweiten Regierungsjahrs von Darius, als der Prophet Sacharja Ben-Berechja, der Enkel Iddos, eine Botschaft Jahwes erhielt: 2„Jahwe ist sehr zornig über eure Vorfahren gewesen. 3Nun sollst du dem Volk aber sagen: ‚So spricht Jahwe, der Allmächtige:3 Kehrt um zu mir, dann werde auch ich zu euch umkehren! Das versichere ich, Jahwe, der allmächtige Gott! 4Folgt nicht dem Beispiel eurer Väter! Die Propheten damals hatten sie immer wieder in meinem Namen aufgefordert, ihr verkehrtes Leben zu ändern und mit ihrem bösen Tun Schluss zu machen. Aber eure Vorfahren gehorchten überhaupt nicht, sie achteten nicht einmal auf mich, spricht Jahwe. 5Wo sind nun eure Väter? Und die Propheten, leben sie vielleicht ewig? 6Doch meine Worte und meine Gebote, die ich durch meine Diener, die Propheten, verkündigen ließ – haben die sich etwa nicht an euren Vätern erfüllt? Ja, dann kehrten sie um und mussten zugeben: Jahwe, der allmächtige Gott, hat genau das kommen lassen, was er uns angedroht hatte. Unser Leben und unsere Taten haben es so verdient.‘ “
Der Reiter (1. Vision)
7Am 24. Februar des folgenden Jahres erhielt der Prophet Sacharja wieder eine Botschaft Jahwes. Er berichtet: 8Ich hatte in dieser Nacht eine Vision: Zwischen den Myrtenbüschen5, die im Talgrund wachsen, war plötzlich ein Reiter zu sehen, der sein rotes Pferd zügelte. Hinter ihm konnte man rote, fuchsige und weiße Pferde erkennen. 9„Mein Herr, was bedeutet das alles?“, fragte ich den Engel, der mir zur Seite stand. „Ich werde es dir gleich zeigen“, erwiderte er. 10Da sagte der Mann, der zwischen den Myrten gehalten hatte: „Diese Reiter hier hat Jahwe ausgeschickt, um die Erde zu erkunden.“ 11Die Reiter meldeten dem Engel Jahwes, dem, der zwischen den Myrten gehalten hatte: „Wir haben die ganze Erde durchzogen, und überall herrscht Ruhe.“ 12Da rief dieser: „Jahwe, du allmächtiger Gott, schon 70 Jahre lang lastet dein Zorn auf Jerusalem und den anderen Städten Judas. Wann wirst du dich über sie erbarmen?“ 13Jahwe gab dem Engel, der mir zur Seite stand, eine gute, tröstliche Antwort. 14Daraufhin sagte dieser zu mir: „Verkünde den Leuten: ‚So spricht Jahwe, der Allmächtige: Ich brenne vor Liebe zu Jerusalem und dem Berg Zion. 15Doch den selbstherrlichen Völkern gilt mein glühender Zorn. Sie sollten meinem Volk zwar eine Lehre erteilen, aber sie wollten es gleich ganz vernichten. 16Darum wende ich mich Jerusalem wieder liebevoll zu. Mein Haus soll in der Stadt aufgebaut werden und ganz Jerusalem wird eine große Baustelle sein. Das versichert Jahwe, der allmächtige Gott.‘ 17Und weiter sollst du verkünden: ‚So spricht Jahwe, der Allmächtige: In den Städten meines Volkes soll es wieder Überfluss an allen guten Dingen geben. Zion werde ich trösten, und Jerusalem wird wieder meine Stadt sein!‘ “
Jahwe wird wieder in Jerusalem wohnen (2)
Die Hörner (2. Vision)
21Als ich aufblickte, sah ich auf einmal vier Hörner1. 2Ich fragte den Engel, der mir zur Seite stand: „Was hat es damit auf sich?“ Er erklärte: „Das sind die Mächte, die Juda, Israel und Jerusalem ‹niedergeworfen und ihre Bewohner› zerstreut haben.“ 3Dann ließ Jahwe mich vier kräftige Handwerker sehen, 4und ich fragte: „Wozu sind die da?“ Er sagte: „Sie sollen die Hörner abschlagen, die Juda derartig zerstreut haben, dass niemand mehr den Kopf zu heben wagte. Sie sind gekommen, um die Völker, die sich gegen Juda erhoben haben, in Schrecken zu versetzen und ihre Macht zu zerschlagen.“
Die feurige Mauer (3. Vision)
5Dann sah ich einen Mann mit einem Bandmaß in der Hand 6und fragte ihn: „Wohin gehst du?“ – „Ich will Jerusalem ausmessen“, erwiderte er. „Ich will sehen, wie breit und lang die Stadt werden soll.“ 7Da trat auf einmal der Engel, der mir zur Seite stand, nach vorn und ein anderer Engel kam ihm entgegen. 8Dieser sagte zu ihm: „Lauf und sag dem jungen Mann dort2: ‚Jerusalem wird eine offene Stadt ohne Mauern sein und von Menschen und Tieren überquellen.‘ 9Jahwe sagt: ‚Ich selbst werde eine feurige Mauer rings um sie sein und mittendrin ist meine Herrlichkeit.‘ “
10„Auf, auf! Flieht aus dem Land im Norden!“, sagt Jahwe. „Denn ich habe euch nach allen vier Himmelsrichtungen hin Platz geschaffen. 11Auf, ihr Zionsleute3! Rettet euch aus Babylon!“ 12So spricht Jahwe, der Allmächtige: „Die Herrlichkeit selbst hat mich zu den fremden Völkern geschickt, die euch ausgeplündert haben. – Denn wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an! – 13Ja, ich erhebe meine Hand gegen sie. Sie sollen eine Beute ihrer eigenen Sklaven werden. Daran werdet ihr erkennen, dass Jahwe, der allmächtige Gott, mich zu euch gesandt hat.“
14„Freut euch und jubelt, ihr Bewohner der Zionsstadt!“, sagt Jahwe. „Denn ich werde kommen und mitten unter euch wohnen. 15Dann werden viele Völker sich zu Jahwe bekennen und so auch zu meinem Volk gehören. Und ich wohne mitten unter euch. Wenn das geschieht, werdet ihr erkennen, dass Jahwe, der allmächtige Gott, mich zu euch gesandt hat.“ 16Jahwe wird Juda in Besitz nehmen. Es wird sein Erbteil im Heiligen Land sein. Und Jerusalem wird wieder ganz seine Stadt. 17Seid still, ihr Menschen, vor Jahwe! Denn er kommt schon aus seiner heiligen Wohnung!
Ermutigung der beiden Führer im Volk (3–4)
Der Hohe Priester (4. Vision)
31Jetzt ließ er mich den Hohen Priester Jeschua1 sehen, der vor dem Engel Jahwes2 stand, während sich der Satan rechts neben ihn stellte, um ihn anzuklagen. 2Doch Jahwe sagte zu ihm: „Jahwe verbietet dir das Wort, Satan! Ja er, der Jerusalem erwählt hat, verbietet dir das Wort! Ist dieser Mann hier nicht ein Holzscheit, das aus dem Feuer herausgerissen wurde?“ 3Als Jeschua nämlich so vor dem Engel Jahwes stand, hatte er Gewänder an, die vor Schmutz stanken3. 4Da sagte der Engel Jahwes zu den vor ihm stehenden Engeln: „Zieht ihm die schmutzigen Gewänder aus!“ Und an Jeschua gerichtet: „Hiermit nehme ich die Schuld von dir weg und kleide dich in Festgewänder ein!“ 5Da sagte ich4: „Setzt ihm doch auch den reinen Kopfbund auf!“ Sie taten es und kleideten ihn neu ein. Der Engel Jahwes stand dabei 6und sagte feierlich zu Jeschua: 7„So spricht Jahwe, der Allmächtige: Wenn du auf meinen Wegen gehst und meine Ordnungen befolgst, dann sollst du auch mein Haus regieren und die Aufsicht über die Vorhöfe haben. Und ich gebe dir zwischen allen, die hier stehen, einen freien Zugang zu mir. 8Hör zu, Jeschua, du Hoher Priester, du und deine Mitpriester, die vor dir sitzen: Ihr seid ein lebendes Vorzeichen dafür, dass ich meinen Diener, den ‚Spross‘ kommen lassen werde. 9Seht den Stein, den ich vor Jeschua hingelegt habe: sieben Augen auf einem einzigen Stein7! Ich selbst werde die Gravur in ihn schneiden8, spricht Jahwe, der allmächtige Gott, und die Schuld dieses Landes entfernen an einem einzigen Tag. 10An jenem Tag9 werdet ihr euch gegenseitig einladen können unter den Weinstock und den Feigenbaum.“
Der Leuchter (5. Vision)
41Der Engel, der mir zur Seite stand und alles erklärt hatte, kam wieder und rüttelte mich auf wie einen, der aus dem Schlaf geweckt wird. 2Er fragte mich: „Was siehst du?“ – „Einen Leuchter“, erwiderte ich, „er ist ganz aus Gold. Über ihm ist sein Ölbehälter, von dem aus je sieben Röhren zu den Öllampen führen, die oben an dem Leuchter sind. 3Rechts und links vom Ölgefäß sehe ich je einen Ölbaum stehen. – 4Was hat das zu bedeuten, mein Herr?“, fragte ich den Engel. 5„Verstehst du das denn nicht?“, erwiderte er. „Nein, mein Herr“, sagte ich. 6Da gab er mir folgende Auskunft:
„So lautet das Wort Jahwes an Serubbabel1: ‚Nicht durch Heeresmacht und menschliche Gewalt wird es geschehen, sondern durch meinen Geist‘, spricht Jahwe, der allmächtige Gott. 7Wer bist du, großer Berg? Vor Serubbabel wirst du zur Ebene! Ja, mit lautem Jubel wird er den Schlussstein einsetzen: ‚Wie schön, wie schön ist er!‘ “ 8Ich empfing auch die folgende Botschaft Jahwes: 9„Serubbabel hat den Grund für den Bau dieses Hauses gelegt. Er wird es auch mit seinen Händen vollenden! Daran wirst du erkennen, Serubbabel, dass Jahwe, der allmächtige Gott, mich2 zu euch geschickt hat. 10Denn auch der, der den Tag geringer Anfänge verachtet, wird mit Freude diesen besonderen Stein in Serubbabels Hand sehen. –
Diese sieben Öllampen sind die Augen Jahwes, die über die ganze Erde schweifen.“ 11Ich fragte weiter: „Und was bedeuten die beiden Ölbäume rechts und links vom Leuchter?“ 12Und noch einmal: „Was haben die beiden Büschel von Ölbaumzweigen neben den zwei Goldtrichtern zu bedeuten, durch die das goldfarbene Öl fließt?“ 13„Verstehst du das nicht?“, fragte er. „Nein, mein Herr“, erwiderte ich. 14Er sagte: „Das sind die beiden Gesalbten, die bei dem Herrn der ganzen Erde stehen.“
Die Gottlosigkeit verlässt das Land (5–6)
Die fliegende Rolle (6. Vision)
51Ich blickte wieder auf und sah auf einmal eine Schriftrolle durch die Luft fliegen. 2Der Engel fragte mich: „Was siehst du?“ – „Ich sehe eine offene Schriftrolle fliegen, etwa zehn Meter lang und fünf Meter breit1.“ 3„Das ist der Fluch“, sagte er mir, „der über das ganze Land kommt. Denn nach dem, was auf der einen Seite geschrieben steht, wird jeder Dieb weggefegt werden, und nach dem, was auf der anderen Seite steht, jeder Meineidige. 4Ich habe ihn kommen lassen, spricht Jahwe, der allmächtige Gott, und schicke ihn in das Haus jedes Diebes und jedes Menschen, der in meinem Namen einen Meineid schwört. Er wird auf ihren Häusern lasten und jeden Balken und Stein darin zerfressen, bis sie zusammenbrechen.“
Die Frau in der Tonne (7. Vision)
5Dann trat der Engel, der mir zur Seite stand, wieder vor und sagte: „Schau hoch und sieh, was dort zum Vorschein kommt!“ 6„Was ist denn das?“, fragte ich. „Das ist eine Tonne“, erwiderte er, „und so sieht die Schuld des ganzen Landes aus.“ 7Auf einmal hob sich der runde Bleideckel auf der Tonne und eine Frau kam zum Vorschein. 8„Das ist die Gottlosigkeit“, sagte der Engel. Er…
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Footnotes
- 1November. Wörtlich: im 8. Monat. Zum Datum siehe unter Schaltmonat im Vorwort des Übersetzers.
- 3der Allmächtige. Hebräisch: Zebaoth, das heißt „Heere“ oder „Kriege“. In der wird der Begriff immer mit „pantokrator“ = „Allherrscher“ oder „Allmächtiger“ wiedergegeben.
- 5Myrtenbusch. Immergrüner bis zu 2 Meter hoher Busch mit duftenden Blättern, blüht im Sommer.
- 1Hörner. Symbole für Macht und Stolz.
- 2junger Mann dort. Vermutlich ist hier Sacharja gemeint, der diese Botschaft dem Volk weitergeben soll.
- 3Zionsleute. Einwohner Jerusalems, die noch in Babylon geblieben sind.
- 1Jeschua. Legitimer Nachkomme des letzten Hohen Priesters vor der Gefangenschaft.
- 2Der Engel Jahwes war kein gewöhnlicher Engel, sondern der Messias vor seiner Menschwerdung. Siehe auch bei 2,12.
- 3vor Schmutz stanken. Mit menschlichem Kot beschmutzt, was ihn absolut unrein und unfähig machte, seinen Priesterdienst auszuführen.
- 4ich. Sacharja mischt sich ins Geschehen ein.
- 7Stein. Dieser Stein ist offenbar ein Symbol für den kommenden Messias, in dem Gott gegenwärtig ist.
- 8Gravur in ihn schneiden. Vielleicht ein Hinweis auf die Wundmale des Messias bei seiner Kreuzigung.
- 9jenem Tag. Hier ist wohl die Wiederkunft des Messias gemeint und der Beginn seines Friedensreiches.
- 1Serubbabel. Nachkomme des letzten jüdischen Königs; er führte 18 Jahre vorher einen Teil des Volkes aus der Gefangenschaft zurück in die Heimat.
- 2mich. Offenbar den Engel Jahwes, der Jahwe selbst repräsentiert.
- 1fünf Meter breit. 20 × 10 Ellen, das sind die Maße der Vorhalle des Salomonischen Tempels.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden