Jesaja 10–11
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101Wehe denen, die unheilvolle Gesetze erlassen, die unerträgliche Vorschriften machen, 2um die Schwachen aus dem Gericht zu drängen und die Armen um ihr Recht zu bringen, um die Witwen zu plündern und die Waisen auszurauben. 3Was werdet ihr am Tag der Heimsuchung tun, wenn das Unwetter von fern her kommt? Zu wem wollt ihr dann fliehen, um Hilfe zu finden, wo euren Reichtum hinterlassen? 4Beugt man sich dann nicht in Gefangenschaft, wird man unter den Erschlagenen sein. – Trotzdem legt sich der Zorn Gottes nicht. Seine Hand bleibt drohend ausgestreckt.
Assyrien geht zu weit
5Wehe dir Assyrien, du Rute meines Zorns! Der Stock in deiner Hand, das ist mein Grimm. 6Ich sende ihn gegen einen gottlosen Stamm, gegen ein Volk, das meinen Zorn erregt, damit er Beute erbeutet und raubt wie ein Räuber und es in den Straßendreck tritt. 7Doch er stellt sich das ganz anders vor, er verfolgt seinen eigenen Plan. Nur Vernichtung von Völkern hat er im Sinn, auslöschen will er, so viele er kann. 8„Jeder meiner Feldherrn ist ein König!“, sagt er. 9„Ging es Kalne nicht wie Karkemisch, wurde Hamat nicht wie Arpad besiegt und Samaria nicht wie Damaskus? 10Königreiche von Götzen bekam ich zu fassen, die mehr Götterbilder hatten als es in Jerusalem und Samaria gibt. 11Was ich an Samaria und seinen Göttern tat, werde ich auch an Jerusalem und seinen Götzenbildern tun.“
12Doch wenn der Herr sein Werk am Zionsberg und an Jerusalem zu Ende gebracht hat, wird er mit dem König von Assyrien abrechnen, mit seiner überheblichen Selbstherrlichkeit und dem hochmütigen Stolz, mit dem er auf andere herabsieht. 13Denn er brüstet sich und sagt:
„Aus eigener Kraft habe ich das alles getan, mit meiner Klugheit habe ich es fertiggebracht! Ich habe die Grenzen der Völker verrückt, ihre Vorräte geplündert und sie mit Macht von ihren Sitzen gestürzt. 14Wie in ein Vogelnest griff meine Hand in die Habe der Völker. Wie Eier in einem verlassenen Nest habe ich ganze Länder zusammengerafft. Keiner war da, der mit den Flügeln schlug, keiner, der den Schnabel aufriss und einen Piep von sich gab.“
15Rühmt sich die Axt gegen den, der sie gebraucht? Tut die Säge sich groß gegen den, der sie zieht? Das wäre, als ob der Stock den schwingt, der ihn hebt, als ob das tote Stück Holz den Mann bewegt. 16Darum wird der Herr, Jahwe, der Allmächtige, das fette Assyrien dürr werden lassen. Unter seiner Pracht flackert ein Brand, der alles in Flammen aufgehen lässt. 17Israels Licht wird zum Feuer, sein heiliger Gott zu einer Flamme, die seine Dornen und Disteln in Brand setzt und sie verbrennt an einem einzigen Tag. 18Mit Stumpf und Stiel werden Wälder und Gärten verbrannt. Es wird wie ein Aussterben sein. 19Ein Junge könnte die Waldbäume zählen, die ihm noch übriggeblieben sind.
Der gerettete Rest
20An dem Tag wird Israels Rest – und wer sonst vom Haus Jakobs entkommen ist – sich nicht mehr stützen auf den, der ihn schlägt, sondern ganz auf Jahwe vertrauen, den Heiligen Israels. 21Ein Rest kehrt um zum starken Gott, ein Rest von Jakobs Nachkommenschaft. 22Und wenn dein Volk so zahlreich wäre wie der Sand am Meer, Israel – nur ein Rest davon kehrt um. Die Vernichtung ist beschlossen. Die Gerechtigkeit flutet heran. 23Denn Jahwe, der Herr aller Heere, vollstreckt die Vernichtung mitten im Land. 24Darum spricht Jahwe, der Herr aller Heere: „Fürchte dich nicht, mein Volk, das in Zion wohnt! Auch wenn Assyrien den Stock über euch schwingt, wenn es den Knüppel hebt wie damals Ägypten. 25Es dauert nur noch eine ganz kurze Zeit, dann wird mein Zorn zu Ende sein und ist dann auf Assurs Vernichtung bedacht.“ 26Jahwe, der Allmächtige, wird dann über ihn die Geißel schwingen. Gegen Assur holt er dann zum Schlag aus wie er es am Rabenfels gegen Midian tat; er streckt seinen Stab aus über das Meer wie damals gegen das Ägyptervolk. 27An dem Tag wird die Last Assyriens von deiner Schulter gleiten, sein Joch von deinem Nacken weggerissen sein, durch Stärke zersprengt.
28Sie kommen auf Aja zu, ziehen durch Migron7; und in Michmas8 lassen sie ihren Tross. 29Sie marschieren durch die Schlucht. „Geba wird unser Nachtquartier sein!“ Rama9 zittert vor Angst, und Sauls Stadt Gibea10 ergreift die Flucht. 30Schrei gellend, Gallim! Lausche, Lajescha11! Armes Anatot12! 31Madmena flieht, und die Bewohner von Gebim13 rennen davon. 32Noch heute macht er Halt in Nob14 und streckt seine Hand nach dem Hügel Jerusalems aus, nach dem Berg, der den Einwohnern Zions gehört. 33Seht, wie der Herr, Jahwe, der Allmächtige, mit schrecklicher Gewalt die Äste abhaut. Die mächtigen Bäume werden gefällt, alles Hohe wird niedrig gemacht. 34Das Gestrüpp des Waldes wird mit Eisen zerfetzt, und die Pracht des Libanon fällt.
Das Reich des Messias
111Aus Isais Stumpf1 wächst ein Spross heraus, aus seinen Wurzeln schießt ein Trieb, der Früchte bringen wird. 2Auf ihm wird ruhen der Geist Jahwes, der Geist der Weisheit und des Verstands, der Geist des Rates und der Kraft, der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor Jahwe. 3Jahwe zu fürchten ist ihm eine Lust.
Er urteilt nicht nach Augenschein, verlässt sich nicht auf das, was er hört, 4sondern richtet auch die Geringen gerecht und die Gebeugten im Land erhalten ihr Teil. Seine Befehle halten das Land in Zucht, und der Hauch seines Mundes bringt den Gesetzlosen um. 5Sein Hüftschurz heißt Gerechtigkeit. Und Wahrheit ist der Gurt, der seine Lenden umschließt.
6Dann ist der Wolf beim Lamm zu Gast, und neben dem Böckchen liegt ein Leopard. Kalb und Löwenjunges wachsen miteinander auf; ein kleiner Junge hütet sie. 7Kuh und Bärin teilen eine Weide, und ihre Jungen legen sich zusammen hin. Und der Löwe frisst Stroh wie das Rind. 8Der Säugling spielt am Schlupfloch der Schlange, in die Höhle der Otter steckt das Kleinkind die Hand. 9Auf dem ganzen heiligen Berg wird niemand Böses tun, niemand stiftet Unheil, richtet Schaden an. Und wie das Wasser den Meeresgrund bedeckt, so ist das Land von der Erkenntnis Jahwes erfüllt.
10An dem Tag wird es Isais Wurzelspross sein, der als Zeichen für alle Völker dasteht; dann kommen sie und suchen Rat bei ihm. Sein Palast ist voller Herrlichkeit. 11Wenn diese Zeit gekommen ist, erhebt der Herr noch einmal die Hand. Dann wird er den Rest seines Volkes befreien, von Assyrien und Ägypten, von Nubien3 und vom Oberlauf des Nil, von Elam4, Schinar5 und Hamat6 und von jedem Küstenland7. 12Er stellt diesen Völkern ein Feldzeichen auf und sammelt Israels Verstoßene ein. Die Versprengten Judas holt er vom Ende der Welt. 13Dann verfliegt die Eifersucht auf Efraïm, dann ist die Feindschaft Judas vorbei. Efraïm wird gegen Juda nicht mehr eifersüchtig sein, und auch Juda bedrängt Efraïm nicht mehr. 14Gemeinsam stürmen sie die Hänge hinab nach Westen gegen die Philister. Und im Osten plündern sie die Wüstenstämme aus. Edom8 und Moab9 sind in ihrer Hand, und die Ammoniter10 werden ihnen hörig sein. 15Jahwe teilt den Golf am ägyptischen Meer und droht dem Euphrat mit seiner Hand. Er zerreißt den Strom in sieben Bäche durch seine Glut, dass man zu Fuß hindurchgehen kann. 16So entsteht eine Straße für den Rest seines Volkes, der in Assyrien überlebt hat, wie es damals eine Straße gab, als Israel Ägypten verließ.
Footnotes
- 7Aja … Migron. Orte etwa 16 km nördlich von Jerusalem.
- 8Michmas. 11 km nördlich von Jerusalem.
- 9Rama. Heimatstadt Samuels, 8 km nördlich von Jerusalem.
- 10Gibea. 5 km nördlich von Jerusalem.
- 11Lajescha. Unbekannte Stadt in der Nähe von Jerusalem.
- 12Anatot. Heimatstadt des Propheten Jeremia.
- 13Madmena … Gebim. Unbekannte Orte.
- 14Nob. Die Stadt lag wahrscheinlich 2,5 km nordöstlich von Jerusalem.
- 1Isais Stumpf. Isai war der Vater von König David. Gemeint ist also ein Nachkomme Davids.
- 3Nubien. Hebräisch: Kusch. Land am Oberlauf des Nil, südlich von Ägypten.
- 4Elam. Persische Provinz um die Hauptstadt Susa.
- 5Schinar. Babylonien.
- 6Hamat. Heute: Labwe, etwa 70 km nördlich vom Berg Hermon.
- 7Küstenland. Gemeint sind die Inseln und Küstenländer des Mittelmeers.
- 8Edom. Land östlich der Araba im Süden des Toten Meeres, bewohnt von den Nachkommen Esaus.
- 9Die Moabiter lebten östlich des Toten Meeres zwischen den Flüssen Arnon und Zered.
- 10Die Ammoniter waren nordöstliche Nachbarn der Moabiter.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden