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Jeremia 5–6

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Keine Vergebung mehr!

51„Zieht durch Jerusalems Straßen, schaut euch auf allen Plätzen um, erkundigt euch genau, ob es einen dort gibt, nur einen, der nach Gottes Recht lebt, nur einen, der nach Treue strebt. Dann vergebe ich ihr! 2Doch selbst wenn sie sagen: ‚So wahr Jahwe lebt!‘, schwören sie falsch.“

3Jahwe, kommt es dir denn nicht auf Wahrhaftigkeit an? Du hast sie geschlagen, doch es schmerzte sie nicht. Du hast sie fast vernichtet, doch sie lernten nichts daraus. Ihre Stirn ist härter als Stein, sie weigerten sich umzukehren. 4Ich dachte: So sind nur die einfachen Leute. Sie wissen nichts vom Weg Jahwes, auch nichts von dem, was recht vor ihrem Gott ist. 5Ich will nun zu den Großen gehen und mit ihnen reden. Denn sie kennen den Weg Jahwes, das, was recht ist bei ihrem Gott. Doch gerade sie haben das Joch zerbrochen, sie alle haben die Fesseln gesprengt.

6„Darum schlägt sie der Löwe aus dem Wald, ein Wolf der Steppe überwältigt sie, ein Leopard lauert vor ihrer Stadt. Jeder, der herauskommt, wird zerrissen. Denn zahlreich sind ihre Verbrechen, schwer wiegt ihre Treulosigkeit. 7Weshalb sollte ich dir vergeben? Deine Kinder haben mich verlassen. Sie schwören bei Göttern, die gar keine sind. Nachdem ich sie gesättigt hatte, trieben sie nur Ehebruch und laufen scharenweise ins Bordell. 8Fette, geile Hengste sind sie geworden, jeder wiehert nach der Nachbarsfrau. 9Soll ich das noch hinnehmen?“, spricht Jahwe. „Soll ich mich an solch einem Volk nicht rächen?“

10„Hinauf also auf seine Mauern! Verwüstet den Weinberg! Doch vernichtet ihn nicht ganz! Reißt seine Ranken ab, denn Jahwe gehören sie nicht! 11Die Leute von Israel und Juda sind mir völlig untreu geworden“, spricht Jahwe. 12„Sie haben Jahwe verleugnet, sie haben gesagt: ‚Er ist nicht da. Kein Unglück wird über uns kommen, Krieg und Hunger sehen wir nicht. 13Die Propheten reden ja nur Wind, das Wort Jahwes ist nicht in ihnen, was sie sagen, soll sie selber treffen!‘ “ 14Darum spricht Jahwe, Gott, der Allmächtige: „Weil man solche Reden führt, sorge ich dafür, dass meine Worte in dir zu einem Feuersturm werden. Und dieses Volk lasse ich das Brennholz sein, das im Feuer verbrennt.“

15„Seht, ich bringe über euch ein weit entferntes Volk, ihr Israeliten“, spricht Jahwe. „Es ist ein uraltes Volk, ein unverwüstlicher Stamm, ein Volk, dessen Sprache ihr nicht kennt, mit dem ihr euch nicht verständigen könnt. 16Sein Köcher ist wie ein offenes Grab, seine Soldaten erfahrene Kämpfer. 17Es verzehrt deine Ernte und dein Brot, es frisst deine Söhne und Töchter. Es verzehrt dein Schaf und dein Rind, den Weinstock und den Feigenbaum. Es zerstört deine Festungen, auf die du vertraust, mit dem Schwert.“

18„Doch auch dann lösche ich euch nicht völlig aus“, spricht Jahwe. 19„Wenn sie dann fragen: ‚Weshalb hat uns Jahwe, unser Gott, dies alles angetan?‘, so antworte ihnen: ‚Genauso wie ihr mich verlassen und im eigenen Land fremden Göttern gedient habt, so werdet ihr Fremden dienen müssen in einem Land, das euch nicht gehört!‘ “

20„Sagt das den Nachkommen Jakobs, lasst es hören in Juda: 21Höre das, du Volk ohne Sinn und Verstand. Augen habt ihr, seht aber nicht, Ohren habt ihr, hört aber nicht. 22Solltet ihr mich nicht fürchten“, spricht Jahwe, „nicht zittern und beben vor mir? Ich habe dem Meer eine Grenze gesetzt, eine Schranke, die es nie überschreiten wird. Mag es auch toben, es richtet nichts aus, seine Wellen kommen nicht darüber hinaus.

23Aber dieses Volk hat ein störrisches, trotziges Herz. Sie wandten sich ab und gingen davon. 24Sie haben sich nicht etwa gesagt: ‚Lasst uns doch Jahwe fürchten, unseren Gott, der uns den Regen gibt im Herbst und im Frühjahr zur richtigen Zeit, der uns die Wochen der Ernte erhält.‘ 25Eure Vergehen haben das verhindert, eure Sünden haben euch das Gute verwirkt. 26Ja, es gibt Gottlose in meinem Volk. Wie Vogelsteller ducken sie sich, sie stellen Fallen auf und fangen Menschen. 27Wie Käfige voller Vögel sind ihre Häuser voller Gaunergut. So wurden sie groß und reich. 28Sie wurden fett und voll, ihre Bosheit übertrifft jedes Maß. Um das Recht kümmern sie sich nicht, für das Recht der Waisen treten sie nicht ein, den Rechtsanspruch der Armen setzen sie nicht durch. 29Sollte ich das nicht ahnden?“, spricht Jahwe. „Muss ich mich nicht an solch einem Volk rächen? 30Entsetzliches, Abscheuliches geschieht im Land: 31Die Propheten weissagen falsch, die Priester herrschen eigenmächtig, und mein Volk liebt es so. Was aber werdet ihr am Ende tun?“

Das Volk aus dem Norden

61Flieht, ihr Leute von Benjamin, flieht aus Jerusalem! Blast das Horn in Tekoa1, gebt Rauchzeichen über Bet-Kerem2! Von Norden droht Unheil, gewaltiger Zusammenbruch. 2Die verwöhnte Schöne, die Stadt, die „Tochter Zion“ heißt, vernichte ich. 3Hirten mit Herden kommen über sie und weiden sie ab, jeder seinen Bereich. Ihre Zelte stehen ringsherum. 4„Auf, zum Kampf gegen die Stadt! Noch am Mittag schlagen wir los!“ – „Zu spät, die Zeit reicht nicht aus, es wird ja schon dunkel!“ 5„Los! Greifen wir an in der Nacht, zerstören wir ihre Paläste!“

6Denn so sprach Jahwe, der allmächtige Gott: „Fällt Bäume und baut damit die Rampe gegen Jerusalem! Das ist die Stadt, die Strafe verdient, denn sie ist voll mit Bedrückung. 7Wie ein Brunnen Wasser sprudelt, so sprudelt sie die Bosheit aus. Man hört von Raub und Gewalt, man sieht nur Weh und Wunden! 8Lass dich warnen, Jerusalem, sonst trenne ich mich von dir und mache dich zur Wüste, einem unbewohnten Land!“

9So spricht Jahwe, der allmächtige Gott: / „Wie am Weinstock wird man Nachlese halten an dem, was von Israel übrig bleibt. Man legt noch einmal Hand an, wie ein Winzer, der die Reben durchgeht!“

10„Ach, mit wem soll ich noch reden, wen noch warnen, dass sie hören? Ihr Ohr ist verschlossen, sie können nicht hören. Das Wort Jahwes empfinden sie als Hohn, sie wollen es nicht haben. 11Auch ich bin nun von Jahwes Glut erfüllt und halte sie nicht mehr zurück.“ – „Sie kommt auf das Kind, das auf der Straße spielt, und auf die Runde der jungen Männer. Getroffen werden Mann und Frau, alte Menschen, Hochbetagte. 12Ihre Häuser nehmen andere in Besitz, ihre Felder und Frauen dazu, denn ich erhebe meine Hand gegen die Bewohner des Landes“, spricht Jahwe.

13„Denn vom Kleinsten bis zum Größten raffen alle Raub. Vom Propheten bis zum Priester begehen alle Betrug. 14Die schwere Wunde meines Volkes behandeln sie nur äußerlich. ‚Heile, heile, Segen‘, sagen sie, aber nichts und niemand ist heil.“

15„Schämen müssten sie sich wegen ihres schändlichen Treibens. Aber sie denken gar nicht daran. Sie kennen keine Scham. Deshalb werden sie fallen, wenn alles fällt. Und wenn ich komme, um sie zur Rechenschaft zu ziehen, werden sie stürzen“, spricht Jahwe.

16So spricht Jahwe: „Stellt euch an die Wege und schaut, fragt nach den ewigen Pfaden: ‚Wo ist hier der Weg zum Glück?‘ Dann geht ihn und findet Erfüllung!“

„Aber sie sagen: ‚Wir wollen nicht!‘ 17Ich habe Wächter für euch bestellt. Achtet auf den Hall ihres Horns! Aber sie sagen nur: ‚Das tun wir nicht!‘ 18Darum hört zu, ihr versammelten Völker, was jetzt mit ihnen geschieht! 19Die ganze Welt soll es hören: Ja, ich bringe Unheil über dieses Volk. Es ist die Folge ihres Denkens, denn sie haben nicht auf meine Worte gehört. Mein Gesetz haben sie abgelehnt.“

20„Was soll ich mit dem Weihrauch aus Saba, feinen Gewürzen aus fernem Land? Eure Brandopfer3 gefallen mir nicht, eure Freudenopfer4 sind mir nicht angenehm!“

21„Darum“, spricht Jahwe, „passt auf! Ich lege diesem Volk jetzt Hindernisse in den Weg, damit Väter und Söhne zusammen darüber stürzen. Nachbar und Freund gehen zugrunde.“

22So spricht Jahwe: „Seht, da kommt ein Volk aus seinem Land im Norden, eine große Nation macht sich auf vom äußersten Ende der Erde. 23Sie kommen mit Bogen und Wurfspieß, sind grausam und ohne Erbarmen. Ihr Lärm ist wie das tosende Meer. Auf Pferden reiten sie heran, gerüstet wie ein Mann zum Krieg. Tochter Zion, es geht gegen dich.“

24„Wir haben von ihnen gehört, unsere Arme sind niedergesunken, die Angst hat uns gepackt wie die Wehen eine Frau. 25‚Geht ja nicht aufs Feld! Nur weg von der Straße! Der Feind hat ein Schwert!‘ Schrecken lauern überall.“ 26Tochter meines Volkes, leg den Trauersack an, wälz dich in der Asche, trauere wie um den einzigen Sohn! Stimm die Totenklage an, denn der Verwüster wird plötzlich über uns sein.

27„Zum Prüfer meines Volkes habe ich dich eingesetzt. Du sollst sein Verhalten prüfen, wie man Metalle erkennt und prüft. 28Sie alle sind schlimmste Rebellen, sie laufen als Verleumder herum, hart wie Bronze und Eisen, alle zusammen Verbrecher. 29Der Blasebalg ist vom Feuer versengt, was herauskam war Blei. Umsonst hat man geschmolzen, das Böse schied sich nicht aus. 30Wertloses Silber nennt man sie nun, denn Jahwe hat sie verworfen.“

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Fußnoten

  1. 1Tekoa war der Heimatort des Propheten Amos. Das Städtchen lag 16 km südlich von Jerusalem.
  2. 2Bet-Kerem lag 5 km südlich von Jerusalem.
  3. 3Brandopfer. Bei dieser Opferart wurde das Tier mit Ausnahme der Haut vollständig auf dem Altar verbrannt.
  4. 4Beim Freudenopfer wurde im Gegensatz zum Brandopfer nur das Fett auf dem Altar verbrannt. Der größte Teil des Tieres durfte bei einer fröhlichen Opfermahlzeit gemeinsam mit Verwandten und Freunden verzehrt werden.