Hesekiel 30–32
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Das Strafgericht über Ägypten
301Das Wort Jahwes kam zu mir. Er sagte: 2„Du Mensch, weissage Folgendes: ‚So spricht Jahwe, der Herr:
Jammert und schreit: O, welch ein Tag! 3Denn nah ist der Tag, nah der Tag Jahwes, ein Tag dunkler Wolken. Für die Völker hat die Stunde geschlagen. 4Das Schwert dringt ein in Ägypten. Zittern überfällt die Nubier, wenn Ägypter erschlagen fallen und wenn man ihre Schätze wegschleppt und ihre Festungswerke zerstört.
5Söldner aus Nubien, Libyen und Lydien und das ganze Völkergemisch, die Männer aus Kub und die Söhne aus dem Land meines Bundes werden mit ihnen durch das Schwert niedergemacht.‘
6So spricht Jahwe: ‚Wer Ägypten unterstützt, wird fallen, und stürzen wird der Stolz seiner Macht. Von Migdol bis nach Assuan verfallen sie dem Schwert, spricht Jahwe, der Herr. 7Ägypten wird zur Wüste werden mitten in verwüsteten Ländern, und seine Städte werden Trümmerhaufen sein. 8Wenn ich Feuer an Ägypten lege und alle seine Unterstützer zerschmettert sind, wird man erkennen, dass ich Jahwe bin. 9An jenem Tag schicke ich meine Boten auf Schiffen los, um das sichere Nubien aufzuschrecken. Ein Zittern überfällt sie am Gerichtstag Ägyptens. Passt auf! Genauso wird es kommen.‘
10So spricht Jahwe, der Herr: ‚Ja, ich werde den Prunk Ägyptens wegschaffen lassen durch Nebukadnezzar, den König von Babylon. 11Die gewalttätigsten Völker wird er gegen Ägypten heranführen. Sie werden ihre Schwerter gegen Ägypten ziehen, das Land verwüsten und es mit Erschlagenen füllen. 12Ich werde den Nil und seine Arme trockenlegen und das Land in die Hand grausamer Menschen geben. Durch Fremde verwandle ich das blühende Land in eine Wüste. Das sage ich, Jahwe.‘
13So spricht Jahwe, der Herr: ‚Ja, ich werde die Götzen vernichten! Verschwinden lasse ich die Nichtse aus Memphis1! Ägypten soll keinen Herrscher mehr haben, und ich bringe Furcht in dieses Land. 14Patros2 werde ich verwüsten, und Zoan3 brenne ich nieder. Ich vollstrecke das Gericht an Theben4. 15Mein Zorn trifft Sin5, das Bollwerk Ägyptens, und den Prunk von Theben rotte ich aus. 16Ich setze ganz Ägypten in Brand. Sin wird sich in Krämpfen winden, und Theben wird aufgebrochen sein. Memphis lebt in ständiger Angst. 17Die jungen Männer aus Heliopolis und Bubastis6 werden mit dem Schwert erschlagen, und die übrigen kommen in Gefangenschaft. 18In Tachpanhes7 wird der Tag sich verfinstern, wenn ich dort die Joche Ägyptens zerbreche und seine stolze Macht ein Ende hat. Eine dunkle Wolke wird es bedecken, und seine Tochterstädte müssen in die Gefangenschaft. 19So werde ich mein Strafgericht an Ägypten vollziehen, damit man erkennt, dass ich Jahwe bin.‘ “
20Am 7. April im 11. Jahr unserer Verbannung kam das Wort Jahwes zu mir. Er sagte: 21„Du Mensch, ich habe dem Pharao, dem König von Ägypten, den Arm gebrochen. Man hat ihn nicht geschient und nicht verbunden; man hat ihm keine Heilung gegönnt, die ihn wieder zu Kräften kommen und zum Schwert greifen ließe.
22Darum spricht Jahwe, der Herr: Passt auf! Ich werde gegen den Pharao, den König von Ägypten, vorgehen. Ich breche ihm die Arme, auch den, der schon gebrochen ist, und lasse das Schwert seiner Hand entfallen. 23Ich zerstreue die Ägypter unter die Völker, versprenge sie in fremde Länder. 24Aber die Arme des Königs von Babylon mache ich stark und gebe ihm mein Schwert in die Hand. Die Arme des Pharao jedoch zerbreche ich, dass er wie ein zu Tode Getroffener sich vor ihm windet und stöhnt. 25Ja, die Arme des Königs von Babylon mache ich stark, während die Arme des Pharao kraftlos herabfallen, damit man erkennt, dass ich Jahwe bin, wenn ich mein Schwert dem König von Babylon in die Hand gebe, damit er es gegen Ägypten gebraucht. 26Ich zerstreue die Ägypter unter die Völker, versprenge sie in fremde Länder, damit man erkennt, dass ich Jahwe bin.“
Der Pharao: Gleichnis vom prächtigen Baum
311Am 1. Juni im 11. Jahr unserer Verbannung kam das Wort Jahwes zu mir. Er sagte: 2„Du Mensch, sag zum Pharao, dem König von Ägypten, und zu seiner lärmenden Menge:
‚Wem kamst du gleich in deiner Größe? 3Schau dir Assur an! Es war wie eine Zeder auf dem Libanon. Die Pracht ihrer Äste gab reichlichen Schatten. Hoch war ihr Wuchs, ihr Wipfel stieß an die Wolken. 4Das Wasser machte sie groß, das Grundwasser trieb sie hoch, Ströme flossen rings um die Pflanzen, schickten Wasser zu allen Bäumen im Feld. 5Darum wuchs sie höher als alle anderen Bäume und breitete ihre vielen Äste weit aus, denn sie hatte so viel Wasser. 6Die Vögel bauten Nester in den Zweigen, und das Wild warf seine Jungen unter ihrem Schutz. Ganze Völker wohnten in ihrem Schatten. 7Schön war sie in ihrer Größe und ihrem breiten Geäst, denn ihre Wurzeln hatten viel Wasser. 8Keine Zeder im Garten Gottes glich ihr, keine Zypresse hatte Zweige wie sie, keine Platane so mächtige Äste. Kein Baum in Gottes Garten war so schön. 9Ich hatte sie so schön gemacht mit ihren zahlreichen Zweigen, dass alle in Eden sie beneideten, alle Bäume in Gottes Paradies.‘
10Doch nun spricht Jahwe, der Herr: ‚Weil sie so hoch gewachsen ist, weil sie ihren Wipfel bis zwischen die Wolken ausstreckte und ihre Größe ihr zu Kopf gestiegen ist, 11liefere ich sie dem mächtigsten Herrscher der Völker aus. Er wird sie nach seinem Belieben behandeln. Wegen ihrer Gottlosigkeit habe ich sie verstoßen. 12Fremde werden sie umhauen, die gewalttätigsten Völker werfen sie auf die Berge hin. Ihre abgeschlagenen Zweige füllen Täler und Bachrinnen aus. Und die Völker, die in ihrem Schatten gewohnt haben, ergreifen die Flucht. 13Auf ihren umgefallenen Stamm setzen sich die Vögel, und das Wild läuft über die Äste. 14Das geschieht, damit kein Baum am Wasser sich mehr überhebt und seinen Wipfel bis zwischen die Wolken streckt. Denn alle werden dem Tod ausgeliefert und müssen unter die Erde ins Grab, wo die Menschen sind.‘
15So spricht Jahwe, der Herr: ‚An dem Tag, an dem ich die Zeder ins Totenreich stürzte, habe ich die Tiefe in Trauer versetzt; wegen ihr hielt ich die Ströme zurück und hemmte die Flüsse, wegen ihr hüllte ich den Libanon in Trauer, und wegen ihr verdorrten die Bäume im Wald. 16Als ich die Zeder mit gewaltigem Getöse in die Totenwelt stürzte – zusammen mit allen, die ins Grab müssen, – zitterten die Völker vor Angst. Und dort, im Land der Tiefe, trösteten sich die Bäume von Eden, auch die herrlichsten und besten des Libanon, und alle, die am Wasser standen. 17Auch sie waren mit ihr ins Totenreich gestürzt, zu den vom Schwert Erschlagenen. Und alle Nationen, die im Schatten der Zeder wohnten, kamen um.‘
18Welcher von den Bäumen Edens war so groß und prächtig wie du? Und doch musst du mit all den Bäumen von Eden unter die Erde. Dort wirst du liegen unter Unbeschnittenen und vom Schwert Erschlagenen. So geht es dem Pharao samt seinem lärmenden Gefolge, spricht Jahwe, der Herr.“
Ein Klagelied über den Pharao
321Am 1. März im 12. Jahr unserer Verbannung kam das Wort Jahwes zu mir. Er sagte: 2„Du Mensch, stimm folgende Totenklage über den Pharao, den König von Ägypten, an:
‚Ein Junglöwe unter den Völkern warst du, wie ein Drache in den Seen. Du sprudeltest in deinen Strömen, trübtest das Wasser mit deinen Füßen und wühltest die Ströme auf. 3So spricht Jahwe, der Herr: Durch ein Heer von vielen Völkern spanne ich mein Netz für dich auf. Sie ziehen dich in meinem Fangnetz heraus. 4Und ich werfe dich aufs Land, schleudere dich aufs freie Feld, dass sich die Vögel auf dich setzen und die Raubtiere dich fressen. 5Dein Leichnam wird die Berge bedecken, und die Täler sind mit deinem Aas gefüllt. 6Bis zu den Bergen hin tränke ich das Land mit deinem Blut, die Kanäle werden voll von dir sein.
7Wenn ich dich erlöschen lasse, bedecke ich den Himmel. Ich verdunkle seine Sterne, überziehe die Sonne mit Wolken und lasse den Mond nicht mehr leuchten. 8Alle leuchtenden Lichter am Himmel verdüstere ich wegen dir und lege Finsternis über dein Land, spricht Jahwe, der Herr.
9Ich bekümmere das Herz vieler Völker, wenn ich deinen Sturz den Nationen vermelde, selbst denen, die du nie kanntest. 10Ich flöße den Völkern Entsetzen ein. Ihren Königen stehen die Haare zu Berg, wenn sie mich das Schwert schwingen sehen. Sie zittern um ihr Leben am Tag deines Falls.
11Denn so spricht Jahwe, der Herr: Über dich kommt das Schwert des Königs von Babel. 12Deine lärmende Menge fällt durch die Schwerter von Helden erbarmungsloser Völker. Sie verwüsten den Stolz von Ägypten und seine ganze lärmende Pracht. 13Auch sein Vieh bringe ich um, entferne es von seinem Gewässer. Kein Menschenfuß wird das Wasser mehr trüben, und kein Huf wühlt es mehr auf. 14Ihr Gewässer wird sich klären, ihre Flüsse fließen wie Öl, spricht Jahwe, der Herr. 15Wenn ich Ägypten zur Einöde mache, das Land von seiner Fülle veröde und alle seine Bewohner erschlage, wird man erkennen, dass ich Jahwe bin.‘
16Das ist ein Klagelied, und man soll es als Totenklage singen. Die Frauen aller Völker sollen es anstimmen und damit über Ägypten und seine lärmende Menge klagen, spricht Jahwe, der Herr.“
Ägypten im Totenreich
17Am 15. April im 12. Jahr unserer Verbannung kam das Wort Jahwes zu mir. Er sagte: 18„Du Mensch, stimm schon die Totenklage an über die lärmende Menge Ägyptens und schick sie so – zusammen mit den Töchtern mächtiger Völker – unter die Erde zu denen, die schon in die Grube gefahren sind. 19‚Wen hast du an Schönheit übertroffen? Stürze hinab und lege dich zu den Unbeschnittenen!‘ 20Sie soll unter den vom Schwert Gefällten liegen. Für das Schwert ist Ägyptens ganze lärmende Menge bestimmt. 21Aus dem Totenreich heraus reden die mächtigen Führer mit Ägypten und seiner lärmenden Menge. Sie liegen schon da, die Unbeschnittenen und Schwertgefällten.
22Dort liegt Assur und sein ganzes Heer, alle erschlagen, vom Schwert gefällt. Rings um ihn her sind seine Gräber. 23Als sie noch lebten, haben sie Schrecken verbreitet. Nun sind ihnen Gräber in der tiefsten Grube gegeben.
24Dort liegt Elam mit seiner lärmenden…
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Footnotes
- 1Memphis, Hebräisch Nof, war die alte Hauptstadt Ägyptens, 21 km südlich vom heutigen Kairo.
- 2Patros ist Oberägypten, das Land links und rechts des Nil vom heutigen Kairo bis Assuan.
- 3Zoan ist eine Stadt im nordöstlichen Nildelta, am Menzale-See. Die Griechen nannten sie Tanis, heute heißt sie San-el-Hagar.
- 4Theben, Hebräisch No, war die Hauptstadt Oberägyptens, heute: Luxor und Karnak, 530 km stromaufwärts von Kairo entfernt.
- 5Sin wird gewöhnlich mit der Hafenstadt Pelusium gleichgesetzt, die östlich vom Nildelta am Mittelmeer liegt.
- 6Bubastis war eine Zeit lang Hauptstadt von Unterägypten. Die Stadt, in der die katzenköpfige Göttin Bastet verehrt wurde, lag 64 km nordöstlich von Kairo.
- 7Tachpanhes war eine Grenzfestung gegen Syrien und Israel in der Nähe von Pelusium, im äußersten Nordosten von Ägypten.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden