Genesis 20–24
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Abraham bei Abimelech
201Abraham brach nun auf und zog weiter in den Negev. Er schlug sein Lager zwischen Kadesch und Schur auf und lebte dann eine Zeitlang in Gerar3. 2Dort gab er seine Frau Sara wieder als seine Schwester aus. Da ließ Abimelech4, der König von Gerar, Sara zu sich holen. 3Aber in der Nacht kam Gott im Traum zu Abimelech und sagte: „Du musst sterben, weil du dir diese Frau genommen hast, denn sie ist verheiratet und gehört einem anderen.“ 4Abimelech hatte sie noch nicht berührt und erwiderte: „Herr, willst du denn unschuldige Leute umbringen? 5Er hat doch selbst zu mir gesagt: ‚Sie ist meine Schwester.‘ Und auch sie hat das bestätigt und mir gesagt: ‚Er ist mein Bruder.‘ Ich habe das mit reinem Gewissen und unschuldigen Händen getan.“ 6„Das weiß ich auch“, sagte Gott im Traum zu ihm. „Ja, du hast das mit reinem Gewissen getan. Deshalb habe ich dich auch davon abgehalten, vor mir schuldig zu werden, und dir nicht gestattet, sie zu berühren. 7Doch jetzt gib die Frau dem Mann zurück! Er ist nämlich ein Prophet und wird für dich beten, damit du am Leben bleibst. Wenn du sie aber behältst, wirst du sterben, du und alles, was zu dir gehört.“
8Am nächsten Morgen stand Abimelech früh auf, rief seine Leute zusammen und berichtete ihnen, was geschehen war. Da bekamen es alle mit der Angst zu tun. 9Abimelech ließ Abraham rufen und sagte zu ihm: „Was hast du uns da angetan? Womit habe ich mich an dir versündigt, dass du mich und mein Volk in diese schwere Schuld gestürzt hast? Du hast mir etwas angetan, was man einfach nicht tun darf! 10Was hast du dir dabei nur gedacht?“ 11Abraham entgegnete: „Ich dachte, an diesem Ort hat man bestimmt keine Ehrfurcht vor Gott, und man wird mich umbringen wegen meiner Frau. 12Außerdem ist sie wirklich meine Schwester. Sie ist die Tochter meines Vaters, hat aber eine andere Mutter. Darum konnte ich sie heiraten. 13Als Gott mich dann aus meiner Heimat in die Fremde schickte, sagte ich zu ihr: ‚Tu mir den Gefallen und gib mich überall, wohin wir kommen, als deinen Bruder aus!‘ “
14Da machte Abimelech Abraham ein Geschenk und ließ Kleinvieh, Rinder, Sklaven und Sklavinnen zu ihm bringen. Auch seine Frau Sara gab er ihm zurück. 15Dabei sagte er: „Mein ganzes Land steht dir offen. Du kannst dich niederlassen, wo es dir gefällt.“ 16Und an Sara gewandt, sagte er: „Ich gebe deinem Bruder 1000 ‹Schekel› Silber.5 Damit sei vor allen Leuten bestätigt, dass deine Ehre nicht angetastet worden ist und niemand dir etwas nachsagen kann.“ 17Nun betete Abraham zu Gott. Daraufhin nahm Gott die Strafe von Abimelech, seiner Frau und allen seinen Sklavinnen weg, dass sie wieder Kinder bekommen konnten. 18Denn wegen Abrahams Frau Sara hatte Jahwe im ganzen Haushalt Abimelechs jeden Mutterleib verschlossen.
Das Leben Isaaks (21–26)
Die Geburt Isaaks
211Jahwe dachte an Sara und tat an ihr, was er zugesagt hatte. 2Sie wurde schwanger und gebar Abraham in seinem Alter noch einen Sohn. Es war genau zu der Zeit, die Gott angegeben hatte. 3Abraham nannte den Sohn, den Sara ihm geboren hatte, Isaak. 4Als sein Sohn acht Tage alt geworden war, beschnitt Abraham ihn, wie Gott es angeordnet hatte. 5Hundert Jahre alt war er bei der Geburt Isaaks. 6Sara sagte: „Gott hat mir ein Lachen geschenkt! Jeder, der es hört, wird mit mir lachen. 7Wer hätte Abraham je zugeraunt: ‚Sara wird ein Söhnchen stillen!‘ Und doch habe ich ihm in seinem Alter noch einen Sohn geboren!“
8Das Kind wuchs heran. Als Isaak dann von der Mutterbrust entwöhnt wurde, feierte Abraham ein großes Fest.
Hagar und Ismaël müssen fort
9Eines Tages bemerkte Sara, wie Ismaël, der Sohn der Ägypterin Hagar, den diese Abraham geboren hatte, verächtlich lachte. 10Da sagte sie zu Abraham: „Jag mir die Sklavin und ihren Sohn weg! Der Sohn dieser Sklavin soll nicht mit meinem Sohn das Erbe teilen, nicht mit Isaak!“ 11Abraham missfiel das sehr, denn es ging ja um seinen Sohn. 12Aber Gott sagte zu ihm: „Gräm dich nicht wegen des Jungen und wegen deiner Sklavin. Hör auf alles, was Sara dir sagt! Denn nur Isaaks Nachkommen werden als die deinen gelten. 13Doch auch den Sohn der Sklavin mache ich zu einem Volk, weil er von dir abstammt.“ 14Am frühen Morgen stand Abraham auf, nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser, packte Hagar alles auf die Schulter, übergab ihr das Kind und schickte sie fort. Hagar ging weg, doch verirrte sie sich in der Wüste von Beerscheba3. 15Als ihnen das Wasser im Schlauch ausgegangen war, legte sie den Jungen unter einen der Sträucher 16und setzte sich einen Bogenschuss weit entfernt auf die Erde, weil sie es nicht ertragen konnte, das Sterben des Jungen mit ansehen zu müssen. So saß sie ihm dort gegenüber und weinte. 17Aber Gott hörte den Jungen. Da rief der Engel Gottes4 Hagar vom Himmel aus zu: „Was ist mit dir, Hagar? Hab keine Angst! Gott hat den Jungen gehört, wo er jetzt liegt. 18Steh auf und nimm ihn bei der Hand! Ich werde ihn zu einem großen Volk werden lassen.“ 19Dann öffnete Gott ihr die Augen, und sie sah einen Wasserbrunnen. Da ging sie hin, füllte den Schlauch mit Wasser und gab dem Jungen zu trinken. 20Gott kümmerte sich auch weiter um ihn. Er wuchs in der Wüste heran und wurde ein Bogenschütze. 21Es war die Wüste Paran5, in der er lebte und wo seine Mutter ihm eine Ägypterin zur Frau gab.
Der Vertrag mit Abimelech
22Um diese Zeit kam Abimelech mit seinem Heerführer Pichol zu Abraham und sagte zu ihm: „Gott ist mit dir und lässt dir alles gelingen, was du tust. 23So schwöre mir jetzt bei Gott, dass du weder mich noch meine Kinder und Kindeskinder treulos behandeln wirst. Ich habe dir nur Gutes erwiesen. Handle du ebenso an mir und dem Land, in dem du als Fremder lebst!“ 24„Ja, ich schwöre es“, sagte Abraham.
25Er beklagte sich aber bei Abimelech, dass dessen Leute ihm gewaltsam einen Brunnen weggenommen hatten. 26„Ich weiß nicht, wer das war“, sagte Abimelech. „Du hast mir bis heute nichts davon gesagt, und ich habe auch sonst noch nichts davon gehört.“ 27Da übergab Abraham Abimelech eine Anzahl Kleinvieh und Rinder, und die beiden schlossen einen Bund. 28Abraham hatte aber noch sieben Schaflämmer aus seiner Herde ausgesondert. 29„Was sollen diese sieben Lämmer?“, fragte Abimelech. 30Abraham erwiderte: „Die musst du extra von mir annehmen, damit du auf diese Weise bestätigst, dass der Brunnen mir gehört.“ 31Deshalb nennt man diesen Ort Beerscheba, ‘Brunnen des Siebenschwurs‘, weil beide dort ihren Vertrag beschworen hatten. 32Nachdem sie so einen Bund in Beerscheba geschlossen hatten, kehrten Abimelech und sein Heerführer Pichol ins Land der Philister zurück. 33Abraham aber pflanzte dort eine Tamariske6 und rief den Namen Jahwes, des ewigen Gottes, an. 34Er hielt sich noch lange als Fremder im Land der Philister auf.
Abrahams Opfergang
221Einige Zeit danach stellte Gott Abraham auf die Probe. „Abraham“, sagte er zu ihm. „Ja, hier bin ich“, antwortete er. 2„Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak! Zieh ins Land Morija und opfere ihn als Brandopfer auf dem Berg, den ich dir zeigen werde!“
3Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf. Er spaltete Holz für das Brandopfer und sattelte seinen Esel. Dann nahm er zwei seiner Leute und seinen Sohn Isaak und machte sich mit ihnen auf den Weg zu dem Ort, den Gott ihm genannt hatte. 4Am dritten Tag erblickte er den Berg aus der Ferne. 5Da sagte er zu seinen Leuten: „Ihr bleibt mit dem Esel hier! Ich werde mit dem Jungen dort hinaufgehen, um anzubeten. Dann kommen wir wieder zurück.“
6Abraham lud seinem Sohn die Holzscheite auf den Rücken. Er selbst nahm den Topf mit den glühenden Kohlen und das Messer. So gingen beide miteinander. 7Da sagte Isaak: „Vater!“ – „Ja, mein Sohn?“ – „Schau, wir haben Feuer und Holz. Aber wo ist das Lamm zum Brandopfer?“ 8„Gott wird schon für ein Lamm sorgen, mein Sohn.“ So gingen beide miteinander.
9Als sie die Stelle erreichten, die Gott ihm genannt hatte, baute Abraham den Altar. Dann schichtete er das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10Und dann griff er nach dem Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11Da rief der Engel Jahwes vom Himmel her: „Abraham! Abraham!“ – „Ja?“, erwiderte er. 12„Halt ein! Tu dem Jungen nichts zuleide! Jetzt weiß ich, dass du Gott gehorchst, denn du hast mir deinen einzigen Sohn nicht verweigert.“ 13Als Abraham dann aufblickte, sah er einen Schafbock, der sich mit seinen Hörnern im Gebüsch hinter ihm verfangen hatte. Er holte das Tier und opferte es anstelle seines Sohnes auf dem Altar. 14Und den Ort nannte er „Jahwe sorgt vor“. Noch heute sagt man: „Auf dem Berg Jahwes ist vorgesorgt.“
15Noch einmal rief der Engel Jahwes Abraham vom Himmel herab zu: 16„Ich schwöre bei mir selbst, sagt Jahwe: Weil du das getan und mir deinen einzigen Sohn nicht verweigert hast, 17werde ich dich mit Segen überschütten und deine Nachkommen überaus zahlreich machen, so wie die Sterne am Himmel und die Sandkörner4 am Strand. Sie werden ihre Feinde besiegen und ihre Städte erobern. 18Und durch deinen Nachkommen werden alle Völker der Erde gesegnet sein, weil du mir gehorcht hast.“
19Abraham kehrte wieder zu seinen Leuten zurück, und sie gingen miteinander nach Beerscheba. Dort blieb Abraham wohnen.
Die Nachkommen Nahors
20Einige Zeit später erhielt Abraham die Nachricht: „Milka hat deinem Bruder Nahor Söhne geboren!“ 21Es waren Uz, sein Erstgeborener, dann Bus und Kemuël, von dem die Syrer abstammen, 22Kesed und Haso, Pildasch, Jidlaf und Betuël, der Vater von Rebekka. 23Diese acht Söhne hatte Milka Nahor, dem Bruder Abrahams, geboren. 24Auch von seiner Nebenfrau Rëuma hatte Nahor Kinder: Tebach, Gaham, Tahasch und Maacha.
Saras Tod und Begräbnis
231Sara wurde 127 Jahre alt, 2dann starb sie in Kirjat-Arba, dem späteren Hebron, im Land Kanaan. Da ging Abraham hinein, trauerte und weinte um sie. 3Dann ging er von seiner Toten weg und redete mit den Hetitern: 4„Ich bin ein Ausländer und lebe nur als Gast…
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Footnotes
- 3Die alte Kanaaniterstadt Gerar lag 15 km südöstlich von Gaza.
- 4Abimelech heißt „mein Vater ist König“. Das war der Titel vieler kanaanäischer Stadtkönige.
- 5Nach 1. Mose 23,15 Etwa 11 Kilogramm.
- 3Beerscheba wurde später die wichtigste Stadt im Negev und galt als die südlichste Stadt Israels.
- 4Der Engel Gottes (oder auch: Jahwes) war kein gewöhnlicher Engel, sondern der Messias vor seiner Menschwerdung.
- 5Als Wüste Paran wurde ein Gebiet westlich des Golfs von Akaba bezeichnet.
- 6Die Tamariske ist ein reich verzweigter immergrüner Baum, der bis zu 10 m hoch wird. Er ist im Sandgebiet des Negev verbreitet.
- 4Sterne … Sandkörner. Die Zahl der Sterne, die man mit bloßem Auge erkennen kann, beträgt etwa 5000. Die Gesamtzahl der Sterne, die man prinzipiell mit modernen Teleskopen sichtbar machen kann, schätzt man heute auf 70 Trilliarden. Das entspricht der Zahl 7 mit 22 Nullen. Die Zahl aller Sandkörner der Erde dürfte nach neueren Abschätzungen noch weit höher sein.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden