Lukas 14–21
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Unterwegs in Peräa (14–19)
Bei einem Pharisäer zu Gast
141An einem Sabbat ging Jesus zum Essen in das Haus eines führenden Pharisäers. Er wurde aufmerksam beobachtet. 2Da stand auf einmal ein Mann vor ihm, der an Wassersucht1 litt. 3Jesus fragte die anwesenden Gesetzeslehrer und Pharisäer: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht?“ 4Als sie ihm keine Antwort gaben, berührte er den Kranken, heilte ihn und ließ ihn gehen. 5Dann sagte er zu den Anwesenden: „Wenn einem von euch das eigene Kind in den Brunnen stürzt oder auch nur ein Rind, zieht er es dann nicht sofort wieder heraus, auch wenn Sabbat ist?“ 6Sie konnten ihm nichts darauf antworten.
7Als er bemerkte, wie die Eingeladenen sich die Ehrenplätze aussuchten, gab er ihnen den folgenden Rat: 8„Wenn du von jemand zur Hochzeit eingeladen wirst, dann besetze nicht gleich den Ehrenplatz. Es könnte ja sein, dass noch jemand eingeladen ist, der angesehener ist als du. 9Der Gastgeber, der euch beide eingeladen hat, müsste dann kommen und dir sagen: ‚Mach ihm bitte Platz!‘ Dann müsstest du beschämt ganz nach unten rücken. 10Nimm lieber von vornherein den letzten Platz ein. Wenn dann der Gastgeber kommt und zu dir sagt: ‚Mein Freund, nimm doch weiter oben Platz!‘, wirst du vor allen Gästen geehrt sein. 11Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
12Dann wandte er sich an seinen Gastgeber: „Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, dann lade nicht deine Freunde, deine Brüder oder deine Verwandten ein, auch nicht deine reichen Nachbarn. Denn sie würden dich wieder einladen, und das wäre dann deine Belohnung. 13Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Behinderte, Gelähmte und Blinde ein! 14Dann wirst du dich freuen können, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten. Gott aber wird es dir bei der Auferstehung der Gerechten ersetzen.“
15Da sagte einer von den Gästen zu Jesus: „Was für ein Glück muss es sein, im Reich Gottes zum Essen eingeladen zu werden!“ 16Ihm antwortete Jesus folgendermaßen: „Ein Mann plante ein großes Festessen für den Abend und lud viele dazu ein. 17Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Eingeladenen sagen: ‚Kommt, es ist schon alles bereit!‘ 18Doch jetzt begann sich einer nach dem anderen zu entschuldigen. Der erste erklärte: ‚Ich habe einen Acker gekauft, den ich mir unbedingt ansehen muss. Bitte entschuldige mich.‘ 19Ein anderer meinte: ‚Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft, die ich gleich prüfen muss. Bitte entschuldige mich.‘ 20Und ein dritter sagte: ‚Ich habe gerade erst geheiratet, darum kann ich nicht kommen.‘ 21Als der Diener zurückkam und das seinem Herrn berichtete, wurde dieser zornig. Er befahl ihm: ‚Lauf schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hole die Armen, die Behinderten, die Blinden und die Gelähmten herein!‘ 22Bald meldete der Diener: ‚Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast, aber es ist noch Platz für weitere Gäste.‘ 23Da befahl ihm der Herr: ‚Geh schnell auf die Landstraßen und an die Zäune und dränge alle, die du dort findest, hereinzukommen, damit mein Haus voll wird. 24Denn das eine sage ich euch: Keiner von denen, die ich zuerst eingeladen hatte, wird an meinen Tisch kommen!‘ “
Kosten der Nachfolge
25Als Jesus weiterzog, begleiteten ihn viele Menschen. Er drehte sich zu ihnen um und sagte: 26„Wenn jemand zu mir kommen will, muss ich ihm wichtiger sein als sein eigener Vater, seine Mutter, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister und selbst sein eigenes Leben; sonst kann er nicht mein Jünger sein. 27Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein.
28Wenn jemand von euch ein hohes Haus bauen will, muss er sich doch vorher hinsetzen und die Kosten überschlagen, um zu sehen, ob sein Geld dafür reicht. 29Sonst hat er vielleicht das Fundament gelegt, kann aber nicht weiterbauen. Und alle, die das sehen, fangen an zu spotten. 30‚Das ist der‘, sagen sie, ‚der groß bauen wollte und es nicht weitergebracht hat.‘
31Oder stellt euch einen König vor, der gegen einen anderen König Krieg führen muss. Wird er sich nicht vorher hinsetzen und überlegen, ob er mit zehntausend Mann stark genug ist, sich seinem Gegner zu stellen, der mit zwanzigtausend Mann anrückt? 32Wenn nicht, wird er, solange der andere noch weit weg ist, eine Gesandtschaft schicken und Friedensbedingungen aushandeln.
33Darum kann auch keiner von euch mein Jünger sein, der nicht von allem Abschied nimmt, was er hat. 34Salz ist etwas Gutes. Wenn es aber seinen Geschmack verliert, wie bekommt es dann seine Würze zurück? 35Es ist nicht einmal mehr als Dünger für den Acker tauglich. Man kann es nur noch wegschütten.
Wer Ohren hat und hören kann, der höre zu!“
Verloren und wiedergefunden
151Immer wieder hielten sich auch Zolleinnehmer und andere Leute mit schlechtem Ruf in der Nähe von Jesus auf; auch sie wollten ihn hören. 2Die Pharisäer und die Gesetzeslehrer waren darüber empört. „Der nimmt Sünder auf“, sagten sie, „und isst sogar mit ihnen!“ 3Da erzählte Jesus ihnen folgendes Gleichnis:
4„Wenn jemand von euch hundert Schafe hat und eins davon sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe weitergrasen und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? 5Und wenn er es gefunden hat, trägt er es voller Freude auf seinen Schultern nach Hause. 6Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ‚Freut euch mit mir! Ich habe mein verlorenes Schaf wiedergefunden!‘ 7Ich sage euch: Im Himmel wird man sich genauso freuen. Die Freude über einen Sünder, der zu Gott umkehrt, ist größer als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben, umzukehren.
8Oder wenn eine Frau zehn Drachmen1 hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze wiederfindet? 9Und wenn sie sie dann gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt zu ihnen: ‚Freut euch mit mir! Ich habe die verlorene Drachme wiedergefunden!‘ 10Ich sage euch: Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen Sünder, der umkehrt zu Gott.“
11Jesus fuhr fort: „Ein Mann hatte zwei Söhne. 12Der Jüngere sagte zu seinem Vater: ‚Ich möchte schon jetzt den Teil der Erbschaft haben, der mir zusteht.‘ Da teilte der Vater seinen Besitz unter seine Söhne auf.2 13Wenige Tage später hatte der Jüngere seinen ganzen Anteil zu Geld gemacht und reiste in ein fernes Land. Dort lebte er in Saus und Braus und vergeudete sein ganzes Vermögen. 14Als er alles ausgegeben hatte, brach in jenem Land eine große Hungersnot aus, und es ging ihm schlecht. 15Da ging er zu einem Bürger jenes Landes und drängte sich ihm auf. Der schickte ihn zum Schweinehüten aufs Feld. 16Gern hätte er seinen Hunger mit den Schoten3 für die Schweine gestillt. Aber er bekam nichts davon. 17Jetzt kam er zur Besinnung. ‚Alle Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen‘, sagte er sich, ‚aber ich komme hier vor Hunger um. 18Ich will mich aufraffen und zu meinem Vater gehen. Dann werde ich ihm sagen: Vater, ich habe mich versündigt – gegen den Himmel und auch gegen dich. 19Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Mach mich doch zu einem deiner Tagelöhner!‘ 20So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater. Er war noch weit entfernt, als der Vater ihn kommen sah. Das bewegte sein Herz, er lief seinem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21‚Vater‘, sagte der Sohn, ‚ich habe mich gegen den Himmel versündigt und auch gegen dich; ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.‘ 22Doch der Vater befahl seinen Dienern: ‚Bringt schnell das beste Gewand heraus und zieht es ihm an! Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm ein Paar Sandalen! 23Holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen ein Fest feiern und uns freuen. 24Denn dieser mein Sohn war tot und ist ins Leben zurückgekehrt. Er war verloren und ist wiedergefunden worden.‘ Dann begannen sie zu feiern.
25Der ältere Sohn war noch auf dem Feld. Als er zurückkam, hörte er schon von weitem Musik und Reigentanz. 26Er rief einen Diener herzu und erkundigte sich, was das sei. 27‚Dein Bruder ist zurückgekommen‘, sagte dieser, ‚und dein Vater hat das gemästete Kalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederhat.‘ 28Da wurde der ältere Sohn zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater kam heraus und redete ihm zu. 29Doch er hielt seinem Vater vor: ‚So viele Jahre habe ich wie ein Sklave für dich geschuftet und mich nie deinen Anordnungen widersetzt. Aber mir hast du nie auch nur einen Ziegenbock gegeben, dass ich mit meinen Freunden hätte feiern können. 30Und nun kommt der da zurück, dein Sohn, der dein Geld mit Huren durchgebracht hat, und du schlachtest ihm gleich das Mastkalb!‘ 31‚Aber Kind‘, sagte der Vater zu ihm, ‚du bist doch immer bei mir, und alles, was mir gehört, gehört auch dir! 32Jetzt mussten wir doch feiern und uns freuen! Denn dein Bruder war tot und ist ins Leben zurückgekommen, er war verloren und ist nun wiedergefunden.‘ “
Der kluge Verwalter
161Dann wandte sich Jesus seinen Jüngern zu: „Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Der wurde bei ihm angeklagt, er würde sein Vermögen verschwenden. 2Sein Herr stellte ihn zur Rede: ‚Was muss ich von dir hören? Leg die Abrechnung über deine Arbeit vor! Denn du wirst nicht länger mein Verwalter sein.‘ 3Der Verwalter sagte sich: ‚Was soll ich machen, wenn mein Herr mir die Verwaltung abnimmt? Für schwere Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. 4Doch! Jetzt weiß ich, was ich tun muss, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich entlassen bin.‘ 5Er rief nacheinander alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. ‚Wie viel schuldest du meinem Herrn?‘, fragte er den Ersten. 6‚Hundert Bat1 Olivenöl‘, sagte dieser. ‚Hier ist dein Schuldschein‘, sagte der Verwalter, ‚setz dich hin und schreib fünfzig!‘ 7Dann fragte er den Nächsten: ‚Und du,…
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Fußnoten
- 1Wassersucht. Abnorme, krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit im Körper.
- 1Drachme. Griechische Silbermünze vom gleichen Wert wie der römische Denar.
- 2Besitz … auf. Bei zwei Söhnen bekam der ältere Sohn normalerweise zwei Drittel, der jüngere ein Drittel des Erbes.
- 3Schoten. Die Früchte des Johannesbrotbaums wurden wohl auch von armen Menschen verzehrt.
- 1100 Bat, etwa 1000 Liter.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden