Deuteronomium 32–34
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Das Lied Moses
321Höre, Himmel, ich will reden! Die Erde höre meinen Spruch! 2Meine Lehre ströme wie Regen, wie Tau sollen meine Worte fallen, wie Regentropfen auf das Gras, wie ein Guss auf welkes Kraut. 3Den Namen Jahwes rufe ich aus: Gebt unserem Gott die Ehre! 4Der Fels: Vollkommen ist sein Tun, ja, alle seine Wege sind recht! Ein treuer Gott, der niemals betrügt, gerecht und gerade ist er!
5Doch dieses Volk ist treulos und verkehrt, sie wollten nicht mehr seine Kinder sein. Eine Schande sind sie für sich selbst. 6Ist das euer Dank an Jahwe, du dummes, verblendetes Volk? Ist er nicht dein Vater, der dich erwarb, der dich geformt und hingestellt hat? 7Denk an die Tage der Vorzeit, an Generationen, die nicht mehr sind! Frag deinen Vater, dass er es dir sagt, denn deine Alten verkünden es dir!
8Als der Höchste Nationen einsetzte, als er Adams Kinder verteilte, bestimmte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels. 9Der Anteil Jahwes ist sein Volk, Jakob ist sein Erbbesitz. 10Er hat ihn im Land der Wüste gefunden, in der Einöde voll von grässlichem Geheul. Er hat ihn umringt, hat auf ihn geachtet, ihn wie seinen Augapfel beschützt. 11Wie der Adler sein Nest aufscheucht, wie er über seinen Jungen schwebt, seine Flügel unter sie breitet, sie aufnimmt und sie auf den Schwingen trägt, 12so leitete Jahwe dies Volk, kein fremder Gott war bei ihm.
13Er ließ es die Höhen der Erde ersteigen, die Früchte des Ackers verzehren, ließ es Honig aus dem Felsen saugen, Öl aus hartem Kieselstein, 14Rahm von Kühen, Milch von Ziegen, fette Lämmer, Baschans Böcke und den besten Weizen. Traubenblut hast du getrunken, feurigen Wein. 15Du wurdest fett und bockig, Jeschurun2, ja, fett bist du geworden, dick und feist. Und dann verließ er den Gott, der ihn schuf, verachtete den Fels seiner Rettung.
16Sie reizten ihn zur Eifersucht durch fremde Götter, durch Scheusale beleidigten sie ihn. 17Sie opferten Dämonen, die nicht Gott sind, Göttern, die sie früher nicht kannten, neuen, die erst vor kurzem aufgekommen sind, von denen eure Väter nichts wussten. 18Den Fels, der dich zeugte, hast du verlassen, vergaßest Gott, der dich zur Welt gebracht.
19Jahwe sah es und ergrimmte, gekränkt von seinen Söhnen und Töchtern. 20Er sagte: „Ich ziehe mich von ihnen zurück, will sehen, wohin sie das führt! Denn sie sind ein verkehrtes Geschlecht, Kinder, die Treue nicht kennen. 21Mit einem Gott, der gar keiner ist, haben sie mich zur Eifersucht gereizt, mit Nichtsen haben sie mich gekränkt. Genauso werde ich sie durch ein Nicht-Volk eifersüchtig machen und zornig über eine Nation, die gar nichts ‹von mir› weiß. 22Der helle Zorn hat mich gepackt, ein Feuer, das bis ins Totenreich brennt, es frisst den Boden und was darauf wächst, entzündet die Grundfesten der Berge. 23Ich will Unglück über Unglück auf sie häufen, verschieße meine Pfeile gegen sie. 24Sind sie vor Hunger verschmachtet, aufgezehrt von Fieber und giftiger Pest, dann lasse ich die Raubtierzähne auf sie los und das Gift der im Staube Kriechenden. 25Draußen rafft das Schwert sie dahin und drinnen die Todesangst: den jungen Mann, die junge Frau, den Säugling und den Greis.
26Ich dachte: ‚Ich will sie vernichten, ich lösche ihr Andenken unter den Menschen!‘ 27Doch ich scheute die Kränkung durch den Feind, die Gegner würden die Wahrheit verdrehen. Sie würden sagen: ‚Unsere Macht war groß! Jahwe hat das nicht getan.‘ 28Sie sind ein Volk, dem jeder Rat fehlt, Einsicht haben sie nicht. 29Wären sie weise, würden sie es verstehen, dann würden sie ihre Zukunft bedenken. 30Wie könnte einer Tausend jagen und zwei Zehntausend vertreiben, wenn ihr Fels sie nicht verkauft, wenn Jahwe sie nicht ausgeliefert hat? 31Ihr Fels ist nicht wie unser Fels, so urteilen selbst unsere Feinde. 32Sie sind ein Weinstock, der von Sodom stammt und von den Terrassen Gomorras. Ihre Beeren sind von giftiger Art, es sind ja vergiftete Trauben. 33Drachenspucke ist ihr Wein, grausame Galle von Ottern. 34Liegt dies nicht bei mir verborgen, bei meinen Schätzen versiegelt? 35Mein ist die Rache und das Vergelten wenn die Zeit kommt und ihr Fuß wankt. Denn ihr Unglückstag wird kommen, ihre Zukunft eilt herbei.“
36Wenn Jahwe seinem Volk zu Hilfe kommt, wenn er sich über seine Diener erbarmt, wenn er sieht, dass alle Kraft geschwunden ist, dass es aus ist mit Sklaven und Freien, 37dann wird er sagen: „Wo sind nun ihre Götter, wo ist der Fels, der ihre Zuflucht war? 38Wo sind nun die, die das Fett ihrer Schlachtopfer aßen und den Wein ihrer Trankopfer tranken? Sollen sie doch aufstehen und euch helfen, sollen sie ein Schirm über euch sein! 39Seht ihr nun, dass ICH es BIN, ich, und kein Gott neben mir? Ich bin es, der tötet, und ich mache lebendig! Ich habe verwundet und ich bin es, der wieder heilt! Aus meiner Hand rettet euch keiner! 40Ich hebe meine Hand zum Himmel empor und sage: ‚So wahr ich ewig lebe!‘ 41Habe ich erst mein Schwert geschliffen und nehme das Recht in die Hand, dann übe ich Rache an meinen Gegnern, vergelte es denen, die mich verachten. 42Meine Pfeile werden berauscht sein vom Blut, und mein Schwert frisst sich ins Fleisch, betrunken vom Blut derer, die erschlagen und gefangen sind, vom zerschmetterten Schädel des Feindes.“
43Ihr Nationen, preist glücklich sein Volk! Denn er rächt das Blut seiner Diener, nimmt Rache an seinen Feinden und nimmt den Fluch von Land und Volk.
Moses letzte Ermahnung
44Zusammen mit Josua Ben-Nun trug Mose dem Volk das Lied im vollen Wortlaut vor. 45Als Mose damit zu Ende war, 46sagte er zu ganz Israel: „Nehmt euch die Worte zu Herzen, mit denen ich euch heute ermahne! Verpflichtet eure Kinder darauf, dass sie sich an dieses Gesetz halten und nach diesem Wort handeln! 47Es ist kein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben. Durch dieses Wort könnt ihr lange in dem Land bleiben, wohin ihr jetzt über den Jordan zieht, um es in Besitz zu nehmen.“
Moses Vorbereitung auf den Tod
48Es war noch am selben Tag, als Jahwe zu Mose sagte: 49„Steig auf das Gebirge Abarim hier, auf den Berg Nebo7, der in Moab liegt, gegenüber von Jericho, und betrachte das Land Kanaan, das ich den Israeliten zum Besitz geben will! 50Dann wirst du auf dem Berg sterben, den du bestiegen hast, und mit deinen Vorfahren vereint werden, so wie auch dein Bruder Aaron auf dem Berg Hor gestorben ist und mit seinen Vorfahren vereint wurde. 51Denn ihr habt euch mitten unter den Israeliten gegen mich vergangen am Wasser von Meriba bei Kadesch in der Wüste Zin, und ihr habt mich nicht als den Heiligen geehrt mitten unter den Israeliten. 52Du darfst das Land sehen, das dir gegenüberliegt, du wirst aber nicht in das Land hineinkommen, das ich den Israeliten gebe.“
Der Segen Moses
331Folgenden Segen sprach Mose, der Mann Gottes, vor seinem Tod über die Israeliten aus:
2„Jahwe kam vom Sinai her und leuchtete ihnen von Seïr auf. Er strahlte aus dem Bergland Paran hervor, trat aus Millionen Engeln heraus, ein flammendes Gesetz in der Hand.1 3Ja, du bist es, der die Völker liebt, alle Geheiligten gehören dir. Sie haben sich dir zu Füßen geworfen und jeder achtet auf dein Wort. 4Ein Gesetz hat uns Mose gegeben, der Versammlung Jakobs einen Besitz. 5Da wurde er König über Jeschurun, als sich die Führer des Volkes versammelten, die Stämme Israels gesamt.“
6„Lass Ruben leben und nicht untergehen, dass seine Anzahl ihm erhalten bleibt.“
7Über Juda sagte er:
„Hör, Jahwe, die Stimme Judas, führ ihn heim zu seinem Volk! Seine Macht sei ihm genug, sei du ihm Hilfe gegen den Feind!“
8Über Levi sagte er:
„Seine Urim und Tummim2 sollen deinem Getreuen gehören, den du erprobt hast in Massa, mit dem du gestritten hast am Wasser von Meriba, 9der von Vater und Mutter sagte: ‚Ich habe sie nicht gesehen!‘, der seine Brüder nicht ansah, seine Kinder nicht kannte. Denn sie haben dein Wort geachtet und hielten treu zu deinem Bund. 10Sie lehren Jakob dein Recht und Israel dein Gesetz. Sie lassen Weihrauchdüfte zu dir kommen, legen Ganzopfer auf deinen Altar. 11Segne, Jahwe, seine Kraft und lass dir sein Tun gefallen. Zerschlag seinen Feinden die Hüften, lass die, die ihn hassen, nie mehr gegen ihn stehn!“
12Über Benjamin sagte er:
„Er ist der Liebling Jahwes. Durch ihn wohnt er in Sicherheit. Er beschirmt ihn jeden Tag, ihn, der sich an seine Schultern lehnt.“
13Über Josef sagte er:
„Sein Land ist von Jahwe gesegnet mit Segen vom Himmel, mit Tau, mit Wasser aus den Speichern der Tiefe, 14mit Köstlichkeiten, in der Sonne gereift, mit Früchten aus dem ganzen Jahr, 15mit dem Besten der uralten Berge, dem Köstlichsten der ewigen Hügel, 16mit den Köstlichkeiten eines gesegneten Landes und der Gnade dessen, der im Dornbusch erschien. Dies alles schmücke Josefs Haupt, / den Kopf des Besonderen unter den Brüdern. 17Er ist herrlich wie ein erstgeborener Stier, seine Hörner wie die eines Wildstiers. Mit ihnen durchbohrt er die Völker, selbst die am Ende der Welt. Das sind die Zehntausende von Efraïm und die Tausende des Stammes Manasse6.“
18Über Sebulon sagte er:
„Freu dich, Sebulon, wenn die Schifffahrt beginnt, und du, Issachar, über deine Zelte! 19Völker laden sie ein auf den Berg, gerechte Opfer bringen sie dort. Denn sie nähren sich vom Reichtum des Meeres und den verborgenen Schätzen des Sandes.“
20Über Gad sagte er:
„Gesegnet sei, wer Raum schafft für Gad! Wie eine Löwin legte er sich hin, Arm und Kopf reißt er seiner Beute ab. 21Das erste Stück hat er sich ausgesucht, denn wo der Anteil des Anführers war, sammelten sich die Häupter des Volkes. Er vollstreckte die Gerechtigkeit Jahwes, zusammen mit Israel seine Gerichte.“
22Über Dan sagte er:
„Dan ist wie ein junger Löwe, der aus dem Baschan hervorspringt.“
23Über Naftali sagte er:
„Naftali ist mit Gnade gesättigt, erfüllt mit dem Segen Jahwes. Westen und Süden nimmt er in Besitz.“
24Über Ascher sagte er:
„Auf Ascher blicken liebevoll die Brüder, er ist noch mehr gesegnet als sie. In Öl taucht er seinen Fuß. 25Deine Riegel…
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Footnotes
- 2Jeschurun ist ein Ehrenname für Israel und bedeutet vielleicht: der Redliche.
- 7Nebo. Berg in der Nähe der gleichnamigen Stadt, 15 km östlich vom Nordende des Toten Meeres. Er ist 808 m hoch und bietet eine Aussicht über das Jordantal bis nach Israel hinein.
- 1trat … Hand. Der hebräische Text ist in den letzten beiden Satzteilen nicht sicher zu deuten.
- 2Urim und Tummim waren die heiligen Lose, die bei schwierigen Entscheidungen den Schiedsspruch herbeiführten. Die Bedeutung der hebräischen Begriffe ist unsicher. Nach der bedeuteten sie Licht und Recht.
- 6Efraïm und Manasse waren die beiden Söhne Josefs.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden