Psalm 72–83
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Der Friedefürst
721Für Salomo.
Gott, gib dein Richteramt dem König, dem Königssohn deine Gerechtigkeit, 2dass er dein Volk in Gerechtigkeit richte und helfe den Hilflosen zum Recht. 3Dann tragen die Berge Frieden, die Hügel Gerechtigkeit dem Volk. 4Er soll Recht verschaffen den Gebeugten im Land, Hilfe bringen den Kindern der Armen und den Bedränger zermalmen.
5Möge er leben, solange die Sonne bleibt und der Mond von Geschlecht zu Geschlecht. 6Er gleiche dem Regen, der auf gemähte Wiesen fällt, dem Regenschauer, der das Land erfrischt. 7In seiner Zeit blüht der Gerechte auf und Frieden in Fülle breitet sich aus, bis kein Mond mehr ist. 8Er wird herrschen von Meer zu Meer, vom Euphrat bis zu den Enden der Erde.
9Die Wüstenvölker knien vor ihm, und seine Feinde lecken den Staub. 10Die Könige von Tarschisch und den Inseln bringen Geschenke. Die Könige von Scheba2 und Saba bringen Tribut. 11Alle Herrscher huldigen ihm, und alle Völker werden ihm dienen.
12Denn er befreit den Armen, der um Hilfe ruft, den Gebeugten, dem niemand sonst hilft. 13Er erbarmt sich des Geringen und Schwachen, er rettet das Leben des Armen. 14Von Druck und Gewalt erlöst er ihre Seele, denn vor ihm hat ihr Leben einen Wert! 15Der König möge leben! Mit Gold aus Saba beschenke man ihn. Man bete beständig für ihn und segne ihn den ganzen Tag.
16Es sei Überfluss an Korn im ganzen Land, es gedeihe bis auf die Gipfel der Berge. Wie der Libanon möge seine Frucht erblühen. Es sprieße aus den Städten wie das Grün der Erde. 17Sein Name soll ewig bestehen, an der Sonne wachse sein Ruhm. In seinem Namen segnet man sich, glücklich preist ihn jede Nation.
18Gelobt sei Jahwe, Gott, Israels Gott! Er tut Wunder, er allein. 19Ewig gepriesen sei der Name seiner Majestät! Seine Herrlichkeit erfülle die ganze Welt! Amen, ja, so soll es sein!
20Hier enden die Gebete von David Ben-Isai.
Das scheinbare Glück der Gottlosen
731Ein Psalmlied von Asaf.
Ich weiß, Gott ist gut zu Israel, zu denen mit reinem Gewissen. 2Aber ich, ich wäre fast gestolpert, um ein Haar wäre ich gestürzt. 3Als ich sah, wie gut es den Gottlosen ging, wurde ich selbst auf die Maulhelden neidisch.
4Sie leiden keine Qualen, sie sind gesund und wohlgenährt. 5Sie sind frei von den Lasten gewöhnlicher Menschen und werden nicht mit den anderen geplagt. 6Darum tragen sie ihren Stolz wie eine Kette am Hals, Gewalt umhüllt sie wie ein Gewand.
7Aus dem Fett glotzt ihr Auge hervor, Einbildungen überfluten ihr Herz. 8Höhnisch und boshaft reden sie, setzen zynisch Menschen unter Druck. 9Sie reißen ihr Maul bis zum Himmel hin auf, ihre Zunge verschont nichts auf der Erde.
10Darum läuft selbst Gottes Volk ihnen nach und lauscht begierig auf ihr Geschwätz. 11„Gott merkt ja doch nichts“, sagen sie. „Wie will der Höchste das wissen?“ 12Ja, das sind die, die Gott verachten; ungestört mehren sie ihre Macht.
13Ganz umsonst hielt ich mein Herz rein, wusch in Unschuld meine Hände; 14war ich doch geplagt den ganzen Tag und bin jeden Morgen schon gestraft.
15Hätte ich gesagt: „Ich will ebenso reden!“, dann hätte ich die Generation deiner Kinder verraten. 16Da dachte ich nach, um das zu begreifen. Es war eine große Mühe für mich, 17bis ich in Gottes Heiligtum ging und dort ihr Ende bedachte.
18Ja, du stellst sie auf rutschigen Grund und stürzt sie in ihr Verderben. 19Wie plötzlich waren sie vor Entsetzen erstarrt, sie alle nahmen ein Ende mit Schrecken. 20Wie einen Traum nach dem Erwachen, so verachtest du, Herr, wenn du aufstehst, ihr Bild.
21Als mein Herz verbittert war und ich stechenden Schmerz in den Nieren verspürte, 22da war ich dumm und ohne Verstand, wie ein Stück Vieh stand ich vor dir. 23Trotzdem bleibe ich immer bei dir. Du hältst mich an der rechten Hand.
24Mit deinem Rat leitest du mich /und nimmst mich am Ende in Ehren auf. 25Wen hab ich im Himmel außer dir? Und neben dir wünsch ich mir nichts auf der Erde. 26Auch wenn ich Leib und Leben verliere, bleibt Gott auf ewig der Fels meines Herzens und mein Teil.
27Ja, wer sich fern von dir hält, geht zugrunde. Du bringst jeden zum Schweigen, der dir die Treue bricht. 28Doch mir tut Gottes Nähe gut. Ich fand meine Zuflucht bei Jahwe, dem Herrn. Nun will ich erzählen von all deinem Tun.
Klage über das zerstörte Heiligtum
741Ein Lehrgedicht. Für Asaf.
Gott, hast du uns für immer verstoßen? Warum ist dein Zorn auf deine Herde so groß? 2Denk an deine Gemeinde, die du einst erworben hast, die du als Stamm für dein Erbteil erlöstest! Denk an den Zionsberg, auf dem du wohnst! 3Komm doch und sieh dir diese ewigen Ruinen an! Alles hat der Feind im Heiligtum zerstört.
4In deiner Versammlungsstätte haben deine Feinde gebrüllt und dort ihre Siegeszeichen hingestellt. 5Sie haben sich benommen wie die Axt im Walddickicht.
6Und jetzt sind alle Schnitzereien zerschlagen mit Hacken und Beilen. 7In deinem Heiligtum haben sie Feuer gelegt, die Wohnung deines Namens bis auf den Grund entweiht. 8Sie sagten sich: „Lasst uns sie alle vernichten!“ Alle Gottesstätten im Land haben sie niedergebrannt.
9Wir sehen keine Zeichen für uns. Kein Prophet ist mehr da. Keiner weiß, wie lange das noch geht. 10Bis wann, Gott, darf der Bedränger noch höhnen, der Feind deinen Namen lästern immerfort? 11Warum hältst du deine Hand zurück und greifst nicht ein? Zieh sie doch aus deinem Gewand und mach ihnen endlich ein Ende!
12Dennoch ist Gott von alters her mein König, der Rettungstaten auf der Erde vollbringt. 13Mit deiner Macht hast du das Meer geteilt, zerschmettert die Köpfe der Seeungeheuer. 14Dem Leviatan2 hast du die Köpfe zerschlagen und gabst ihn den wilden Tieren zum Fraß.
15Du hast Quellen und Bäche sprudeln lassen und mächtige Ströme zum Versiegen gebracht. 16Dein ist der Tag, dein auch die Nacht. Mond und Sonne setztest du ein. 17Du hast die Grenzen der Erde bestimmt, Sommer und Winter hast du gemacht.
18Jahwe, denk doch daran: Der Feind hat dich verhöhnt. Ein gottloses Volk hat deinen Namen verachtet. 19Gib deine Taube doch nicht den Raubtieren preis! Vergiss dein armes Volk nicht für immer! 20Blick hin auf deinen Bund! Denn in den dunklen Winkeln im Land herrscht die rohe Gewalt.
21Lass den Bedrückten nicht beschämt weggehen! Lass den Gebeugten, lass den Armen deinen Namen loben! 22Steh auf, Gott, und verschaffe dir Recht! Bedenk, wie diese Toren dich täglich verspotten. 23Vergiss nicht das Geschrei deiner Gegner, ihr ständiges Getöse gegen dich!
Gott, der gerechte Richter
751Dem Chorleiter. Nach der Melodie: „Zerstöre nicht!“ Ein Psalmlied von Asaf.
2Wir danken dir, Gott, und loben dich sehr! Deine Wunder verkünden, dass dein Name nahe ist.
3„Zur Zeit, die ich selber bestimme, halte ich ein gerechtes Gericht. 4Mag auch die Erde wanken mit ihren Bewohnern, ich gebe ihren Grundpfeilern Halt.“ ♪
5Ich sagte zu den Großmäulern: „Haltet den Mund!“, den Gottlosen: „Brüstet euch nicht mit eurer Macht! 6Pocht nicht so auf eure Gewalt! Hört auf, so vermessen zu reden! 7Denn nicht der Osten, nicht der Westen, auch nicht die Wüste hat euch in die Stellung gebracht. 8Nein, Gott selbst ist der Richter, der den einen erniedrigt und den anderen erhöht.“
9Jahwe hält einen Becher in der Hand, gefüllt mit scharfem, gärendem Wein. Und von dem schenkt er den Gottlosen ein. Sie müssen ihn schlürfen und trinken bis zum letzten bitteren Rest.
10Ich aber will das immer verkünden. Dem Gott Jakobs lobsinge ich gern.
11„Ja, die Hörner der Gottlosen schlage ich ab, und die Kräfte der Gerechten werden gestärkt!“
Gott, der furchtbare Richter
761Dem Chorleiter. Mit Saitenspiel. Ein Psalmlied von Asaf.
2Bekannt ist Gott in Juda, sein Name ist in Israel groß. 3In Salem1 stand sein Zelt, auf dem Zion2 seine Wohnung. 4Dort zerbrach er alles Kriegsgerät: die Pfeile, Schwerter und Schilde. ♪
5Von Lichtglanz bist du umhüllt, herrlicher als Berge von Beute. 6Furchtlose Krieger sind beraubt, sie sinken in den letzten Schlaf. Allen Helden versagen die Hände. 7Wenn du drohst, Gott Jakobs, erstarren Pferde und Wagen.
8Furchtbar bist du. Wer kann vor dir bestehen, vor der Gewalt deines Zorns? 9Wenn du vom Himmel her das Urteil verkündest, erschrickt die Erde und wird ganz still. 10Dann erhebst du dich zum Gericht, um zu helfen allen Hilflosen der Welt. ♪
11Selbst das Wüten der Menschen vermehrt deinen Ruhm, mit ihrem Zorn umgürtest du dich. 12Legt Gelübde ab und erfüllt sie Jahwe, eurem Gott! Alle, die ihr um ihn seid, bringt eure Gaben dem, der zu fürchten ist! 13Er stutzt der Landesherren Übermut, ist furchtbar für die Herren der Welt.
Trost in großer Not
771Dem Chorleiter. Nach der Weise Jedutuns. Ein Psalmlied von Asaf.
2Ich schreie zu Gott, so laut ich kann. Ich schreie zu Gott, dass er mich hört. 3In meiner Not suche ich den Herrn. Die ganze Nacht strecke ich die Hand nach ihm aus. Ich finde einfach keinen Trost. 4Denk ich an Gott, dann stöhne ich nur, sinne ich nach, verlier ich den Mut. ♪
5Meine Augenlider hältst du mir offen, ich bin so verstört, dass ich nicht reden kann. 6Ich denke über Früher nach, die längst vergangenen Jahre, 7an mein Saitenspiel in der Nacht. Ich erwäge es im Herzen, durchforsche es mit meinem Geist.
8Wird der Herr denn für immer verwerfen? Wird er nicht wieder gnädig sein? 9Ist seine Güte für immer vorbei? Gilt sein Versprechen in Zukunft nicht mehr? 10Hat Gott vergessen, gnädig zu sein? Hat er im Zorn sein Erbarmen versperrt? ♪
11Da sagte ich: „Das ist mein Schmerz, dass der Höchste sich jetzt anders verhält!“ 12Ich will mich erinnern an die Taten Jahwes, an dein wunderbares Wirken von einst. 13Ich will dein Handeln bedenken, verstehen, was du bewirkst.
14Alles, was du tust, ist heilig, Gott! Wer ist ein so großer Gott wie du? 15Du bist der Gott, der Wunder vollbringt! Den Völkern hast du deine Macht gezeigt. 16Dein Volk hast du mit starker Hand befreit, die Nachkommen Jakobs und Josefs. ♪
17Die Wassermassen sahen dich, Gott, das Meer sah dich und erbebte. Auch in seinen Tiefen tobte…
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Footnotes
- 2Scheba war ein Land in der Nähe von Kusch (Nubien).
- 2Leviatan. Verkörperung einer gottfeindlichen Macht, besonders des ägyptischen Heeres, das die Israeliten verfolgte und im Roten Meer umkam.
- ♪steht für das hebräische Sela, das vielleicht mit Empor! wiedergegeben werden kann, aber nicht sicher zu übersetzen ist. Wahrscheinlich war es ein Zeichen für die Musik.
- 1Salem = Jerusalem
- 2Zion. Hügel in Jerusalem, oft als Bezeichnung für die ganze Stadt gebraucht.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden