Jesaja 59–60
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Sünde, Buße und Verheißung
591Seht es doch: Jahwes Arm ist zum Helfen nicht zu kurz, sein Ohr ist zum Hören nicht zu taub! 2Nein, eure Vergehen haben die Mauer gebaut, die zwischen euch und eurem Gott steht. Eure Sünden verhüllten sein Gesicht, dass er euch auch nicht anhören will. 3Eure Hände sind mit Blut befleckt, Unrecht klebt an euren Fingern. Eure Lippen lügen, und eure Zunge zischt Boshaftigkeit. 4Keiner bringt gerechte Klagen vor, keiner hält ehrlich Gericht. Man vertraut auf Nichtigkeiten, redet gehaltloses Zeug, geht mit Unheil schwanger und bringt Unrecht zur Welt. 5Schlangeneier brüten sie aus, und Spinngewebe weben sie. Wer von ihren Eiern isst, wird sterben; und wenn man eins zerdrückt, fährt eine Giftschlange heraus. 6Ihre Fäden werden nie zum Gewand, und ihr Gewebe deckt keinen Menschen zu. Ihre Werke sind Handlungen des Unrechts, und ihre Hände sind voller Gewalt. 7Ihre Füße laufen dem Bösen nach, schnell vergießen sie unschuldiges Blut. Ihre Pläne sind von Unheil erfüllt, ihre Straßen von Scherben und Verderben. 8Was zum Frieden führt, kennen sie nicht; in ihren Spuren zeigt sich kein Recht. Bewusst schlagen sie krumme Wege ein. Wer ihnen folgt, kennt den Frieden nicht mehr.
9Darum gibt es bei uns kein Recht, und Gerechtigkeit erreicht uns nicht. Wir hoffen auf Licht und bekommen Finsternis; wir warten darauf, dass es hell wird, doch uns umgibt finstere Nacht. 10Wie Blinde tasten wir uns an der Wand entlang, wie Augenlose tappen wir herum. Am hellen Mittag stolpern wir wie in der Dämmerung, wie Tote sind wir mitten im Leben. 11Wie aufgeschreckte Bären brummen wir und gurren wie klagende Tauben. Wir hoffen auf das Recht, aber nichts geschieht, auf die Rettung, doch sie bleibt fern von uns.
12Denn vielfach haben wir uns gegen dich vergangen, unsere Sünden klagen uns an! Ja, unsere Vergehen sind uns bewusst, wir kennen unsere Schuld: 13Untreue und Verleugnung Jahwes, Abkehr von unserem Gott, Reden von Gewalttat und Aufruhr, mit Lügenworten schwanger gehen und von sich geben, was im Herzen steckt. 14So wurde das Recht verdrängt, und die Gerechtigkeit zog sich zurück. Die Wahrheit kommt auf dem Marktplatz zu Fall, die Redlichkeit ist nicht mehr gefragt. 15Deshalb fehlt die Wahrheit unter uns, und wer das Böse meidet, wird beraubt.
Das alles hat Jahwe gesehen, und ihm missfällt, dass es kein Recht mehr gibt. 16Er sieht, dass niemand sich regt, und wundert sich, dass keiner dazwischentritt. Da greift er mit eigener Hand ein, von eigener Gerechtigkeit gestützt. 17Er zog Gerechtigkeit wie einen Panzer an, den Helm des Heils auf seinem Kopf. Mit Vergeltung hüllte er sich ein und mit dem Mantel der Entschlossenheit. 18Jedem zahlt er es nach seinen Taten heim: seinen Gegnern Zorn, seinen Feinden Vergeltung. Auch den Meeresländern zahlt er den verdienten Lohn. 19Dann fürchtet man im Westen den Namen Jahwes und im Osten seine Herrlichkeit. Denn er kommt wie ein eingezwängter reißender Strom, den sein Atem vorwärtstreibt. 20Doch für Zion kommt er als Erlöser, und auch für die in Jakobs Nachkommenschaft, die umkehren von ihrer Abtrünnigkeit. Das sagt Jahwe.
21„Ich schließe einen Bund mit ihnen“, sagt Jahwe. „Mein Geist, der auf dir ruht, und die Worte, die ich dir anvertraut habe, sollen immer in dir bleiben, und genauso auch in deinen Nachkommen und in den Nachkommen deiner Nachkommen. Das gilt von jetzt an bis in Ewigkeit! Ich, Jahwe, habe es gesagt.“
Jerusalems künftige Herrlichkeit
601Steh auf, ‹Jerusalem›, und leuchte! Denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit Jahwes strahlt über dir! 2Noch hüllt Finsternis die Erde ein, tiefes Dunkel alle Völker. Doch über dir strahlt Jahwe auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. 3Ganze Völker ziehen zu deinem Licht hin, Könige zu deinem strahlenden Glanz. 4Schau dich um und sieh es dir an! Sie strömen von allen Seiten zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter trägt man auf den Armen herbei. 5Du wirst es sehen und strahlen vor Glück, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit. Die Schätze der Völker werden zu dir gebracht, der Reichtum des Meeres strömt dir zu. 6Kamelkarawanen bedecken dein Land, junge Dromedare von Efa und Midian. Von Saba2 kommen sie mit Weihrauch und Gold und verkündigen mit Freude das Lob Jahwes. 7Alle Schafherden Kedars sammeln sich bei dir, die Schafböcke von Nebajot stehen in deinem Dienst. Als angenehme Opfer kommen sie auf meinen Altar. So ehre ich mein herrliches Haus. 8Was kommt da wie eine Wolke geflogen, wie Tauben zu ihren Löchern in der steilen Wand? 9Ja, die Meeresländer hoffen auf mich, die Hochseeschiffe fahren voran und bringen deine Kinder von ferne herbei und mit ihnen ihr Silber und Gold. Das alles geschieht zur Ehre Jahwes, denn der heilige Gott Israels hat dich herrlich gemacht.
10Fremde werden deine Mauern wieder bauen, und ihre Könige werden dir dienstbar sein. In meinem Zorn habe ich dich zwar gestraft, doch in Gnade erbarme ich mich über dich. 11Stets hält man deine Tore offen, Tag und Nacht sind sie nicht zu. Den Reichtum der Völker bringt man zu dir, und ihre Könige führt man herbei. 12Denn jedes Volk und jedes Reich, das dir nicht dient, wird bald zugrunde gehen. Diese Stämme werden völlig verheert. 13Die Pracht des Libanon wird zu dir gebracht, Zypressen, Platanen und Wacholderbäume. Den Ort meines Heiligtums sollen sie schmücken, zieren den Platz wo meine Füße stehn. 14Die Söhne derer, die dich beugten, kommen nun gebückt zu dir. Die dich verspottet haben, bücken sich nun zu deinen Fußsohlen hin. Sie nennen dich „Zion Jahwes“, Stadt, die dem Heiligen Israels gehört! 15Du bist nicht mehr verlassen und verhasst, eine Stadt, die von allen gemieden wird. Ich mache dich zu einer ewigen Pracht, zur Freude von Generationen. 16Du wirst die Milch der Völker saugen, wirst trinken an der Brust von Königen. Du wirst erkennen, dass ich, Jahwe, dein Retter bin, dass der starke Gott Jakobs dein Befreier ist. 17Anstelle von Bronze bring ich dir Gold, statt des Eisens bringe ich Silber herbei, statt der Hölzer Erz und Eisen anstelle der Steine. Deine Verwaltung wird Frieden sein und deine Regierung Gerechtigkeit. 18Man hört nichts mehr von Gewalt in deinem Land, von Verwüstung und Zerstörung in deinem Gebiet. Du wirst deine Mauern „Rettung“ nennen und deine Tore „Lob“.
19Das Licht der Sonne wirst du künftig nicht mehr brauchen, auch nicht mehr den Mondschein in der Nacht, denn dein ewiges Licht wird Jahwe sein, dein Gott leuchtet dir in herrlichem Glanz. 20Darum wird deine Sonne niemals mehr untergehen, dein Mond nimmt niemals ab, denn Jahwe ist dann dein ewiges Licht. Und deine Trauerzeit ist für immer vorbei. 21Dein Volk wird nur aus Gerechten bestehen, und das Land wird für immer ihr Eigentum sein; ein blühender Garten, von Jahwe angelegt, ein Werk seiner Hände zu seinem Ruhm. 22Die kleinste Sippe wird eine Tausendschaft sein, der Geringste ein gewaltiger Stamm. Wenn die Zeit dafür gekommen ist, führe ich, Jahwe, das alles ganz schnell herbei.
Footnotes
- 2Saba war ein reiches Land im südlichen Arabien. Es entspricht vielleicht dem heutigen Jemen.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden