Genesis 12–13
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12–50: Die Vätergeschichte
Das Leben Abrahams (12–24)
Abrams Berufung
121Da sagte Jahwe zu Abram: „Zieh aus deinem Land weg! Verlass deine Sippe und auch die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde! 2Ich will dich zu einer großen Nation werden lassen; ich werde dich segnen und deinen Namen bekannt machen. Du wirst ein Segen für andere sein. 3Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dir fluchen. Alle Völker2 der Erde werden durch dich gesegnet sein.“
Abram in Kanaan
4Abram gehorchte dem Befehl Jahwes und brach auf. Lot zog mit ihm. Abram war 75 Jahre alt, als er Haran verließ. 5Seine Frau Sarai und sein Neffe Lot begleiteten ihn. Sie nahmen alle Menschen, die sie in Haran erworben hatten, und ihren ganzen Besitz mit. So zogen sie nach Kanaan. 6Abram durchzog das Land bis zu einem Platz bei Sichem4 in der Nähe des Wahrsagebaums5. Damals waren ja noch die Kanaaniter im Land. 7Dort ließ sich Jahwe von Abram sehen und sagte zu ihm: „Dieses Land will ich deinen Nachkommen geben!“ Da baute Abram an dieser Stelle einen Altar für Jahwe, der ihm erschienen war. 8Später zog er in das Bergland östlich von Bet-El und schlug seine Zelte so auf, dass er Bet-El im Westen und Ai im Osten hatte. Auch dort baute er Jahwe einen Altar und machte so den Namen Jahwes bekannt7. 9Dann brach er wieder auf und zog immer weiter in den Negev8 hinein.
Abram und Sarai in Ägypten
10Als eine schwere Hungersnot im Land ausbrach, suchte Abram Zuflucht in Ägypten. 11Kurz vor der ägyptischen Grenze sagte er zu seiner Frau Sarai: „Ich weiß, dass du eine sehr schöne Frau bist. 12Wenn die Ägypter dich sehen, werden sie sagen: ‚Das ist seine Frau!‘, und sie werden mich totschlagen, um dich zu bekommen. 13Sag doch, dass du meine Schwester bist, dann werden sie mich deinetwegen gut behandeln und am Leben lassen!“
14Tatsächlich geschah es so, als Abram nach Ägypten kam. Überall fiel seine Frau durch ihre Schönheit auf. 15Die Hofleute rühmten sie vor dem Pharao, und der ließ sie in seinen Palast holen. 16Ihretwegen überhäufte er Abram mit Geschenken. Er ließ ihm Schafe, Ziegen, Rinder und Esel zukommen, Sklaven und Sklavinnen, Eselstuten und Kamele. 17Doch weil der Pharao Abrams Frau zu sich genommen hatte, schlug Jahwe ihn und seine Familie mit schweren Krankheiten. 18Da ließ der Pharao Abram zu sich rufen. „Was hast du mir da angetan?“, warf er ihm vor. „Warum hast du mir nicht gesagt, dass sie deine Frau ist? 19Du hast sie als deine Schwester ausgegeben, und nur deshalb habe ich sie mir zur Frau genommen! Nun, hier ist deine Frau! Nimm sie und geh!“ 20Dann gab der Pharao seinen Männern Befehl, Abram und seinen Besitz sicher aus dem Land zu bringen.
Abram und Lot
131Von Ägypten kehrte Abram mit seiner Frau, seinem Besitz und seinem Neffen Lot wieder in das Südland Kanaans zurück. 2Abram war sehr reich. Eine Menge Vieh und Silber und Gold gehörten ihm. 3Er zog von einem Lagerplatz zum anderen, bis er wieder an die Stelle kam, wo sein Zelt zuerst gestanden hatte, zwischen Bet-El und Ai, 4wo er früher den Altar gebaut hatte. Dort rief er den Namen Jahwes an.
5Auch Lot, der mit Abram gezogen war, hatte viele Schafe, Ziegen, Rinder und Zelte. 6Doch das Weideland reichte nicht für beide aus. Ihr Herdenbesitz war zu groß. So konnten sie unmöglich beisammenbleiben. 7Es gab immer Streit zwischen den Hirten von Abrams und Lots Vieh. Damals wohnten ja auch noch die Kanaaniter und Perisiter1 im Land. 8Abram besprach das mit Lot. Er sagte: „Es soll kein Streit zwischen uns sein, auch nicht zwischen unseren Hirten. Wir sind doch Brüder! 9Steht dir nicht das ganze Land offen? Trenn dich doch von mir! Willst du nach links, dann gehe ich nach rechts, und willst du nach rechts, dann gehe ich nach links.“
10Lot schaute sich um und sah, dass es im Umkreis des Jordan reichlich Wasser gab. Bevor Jahwe nämlich Sodom und Gomorra zerstörte, war diese Gegend bis nach Zoar hin wie der Garten Jahwes und wie Ägypten. 11Damals entschied sich Lot für die Gegend im Umkreis des Jordan. So trennten sich beide: 12Abram blieb im Land Kanaan, und Lot zog ins Gebiet der Jordanstädte und kam mit seinen Zelten bis nach Sodom. 13Doch die Einwohner von Sodom waren sehr böse und sündigten schwer gegen Jahwe.
14Nachdem Lot weggezogen war, sagte Jahwe zu Abram: „Blick auf und schau dich nach allen Seiten gründlich um! 15Das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen für immer geben. 16Und deine Nachkommen werde ich zahlreich machen wie den Staub der Erde. Nur wenn jemand die Staubkörner zählen könnte, können auch deine Nachkommen gezählt werden. 17Mach dich auf, und durchziehe das Land nach allen Richtungen! Denn dir will ich es geben.“ 18Abram zog mit seinen Zelten weiter und nahm seinen Wohnsitz unter den Terebinthen2 von Mamre bei Hebron. Dort baute er Jahwe einen Altar.
Fußnoten
- 2Völker. Das Wort meint auch Stämme, Sippen, Familien.
- 4Sichem war eine strategisch und religiös bedeutende Stadt auf dem Pass (Sichem = Schulter) zwischen den Bergen Ebal im Norden und Garizim im Süden.
- 5Wahrsagebaum. Wörtlich: Orakelterebinthe. Unter solchen Bäumen vernahmen die Wahrsager angeblich die Stimme Gottes im Rauschen der Zweige.
- 7machte bekannt. Das hebräische Wort kann anrufen (= beten) oder ausrufen (= bekannt machen) bedeuten.
- 8Negev bezeichnet das Südland Kanaans.
- 1Perisiter. Bewohner Kanaans; manche verstehen sie nicht als eigenen Stamm, sondern als die Dorfbewohner.
- 2Terbinthe. Belaubter Baum mit breitem Wipfel, der nur 7 m hoch wird und als Schattenspender geschätzt war.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden