Ester 3–5
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Der Anschlag gegen die Juden
31Einige Zeit später erhob König Xerxes Haman Ben-Hammedata aus Agag1 zu höchsten Ehren und Würden. Er gab ihm einen Rang über allen anderen Fürsten in seiner Umgebung. 2Sämtliche Beamte am Königshof mussten sich vor Haman hinknien und tief niederbeugen. So hatte es der König befohlen. Mordechai jedoch kniete sich nicht hin, er beugte sich nicht. 3Da fragten ihn die anderen Beamten: „Warum übertrittst du dauernd das Gebot des Königs?“ 4„Weil ich Jude bin“, sagte er. Als sie ihm dennoch Tag für Tag zusetzten und er nicht darauf reagierte, zeigten sie ihn bei Haman an. Sie wollten sehen, ob er mit seiner Begründung durchkam. 5Haman wurde wütend, als er erfuhr, dass Mordechai sich nicht hinkniete und vor ihm beugte. 6Doch er hielt es unter seiner Würde, sich an Mordechai allein zu rächen. Deshalb beschloss er, alle Juden im ganzen Reich des Xerxes zu vernichten. Man hatte ihm nämlich mitgeteilt, dass Mordechai ein Jude wäre.
7Im April2 des zwölften Regierungsjahrs von König Xerxes loste man vor Haman den günstigsten Zeitpunkt für die Aktion aus. Das Pur, das Los, fiel auf den 13. März des folgenden Jahres. 8Danach sagte er zum König: „Da gibt es ein Volk, das über alle Provinzen verstreut lebt und sich von allen anderen Völkern in deinem Reich absondert. Ihre Gesetze unterscheiden sich von denen aller anderen Völker, und die königlichen Gesetze befolgen sie nicht. Das darf sich der König nicht bieten lassen. 9Wenn der König zustimmt, soll durch einen Erlass befohlen werden, sie auszurotten. Ich werde dann den Verwaltern der Staatskasse 10.000 Talente4 Silber aushändigen.“ 10Der König zog seinen Siegelring vom Finger, gab ihn Haman, dem Judenfeind, 11und sagte: „Das Silber kannst du behalten, und mit dem Volk kannst du machen, was du willst.“
12Am 13. April5 ließ Haman die Schreiber des Königs rufen und diktierte ihnen einen Erlass an die Satrapen6, die Statthalter der Provinzen und die Fürsten der Völker, jeweils in der Schrift und Sprache des einzelnen Volkes. Der Erlass wurde im Namen von König Xerxes verfasst und mit seinem Siegelring versiegelt. 13Eilboten sollten die Schreiben in alle Provinzen des Königs befördern. Sie enthielten den Befehl, alle Juden zu vernichten, umzubringen und zu beseitigen, Jung und Alt, Männer, Frauen und Kinder. Ihr Besitz sollte zur Plünderung freigegeben werden. Und das alles sollte am 13. März des folgenden Jahres7 geschehen. 14Eine Abschrift davon sollte in jeder Provinz als Gesetz erlassen werden, die allen Völkern eröffnete, sich für diesen Tag bereitzuhalten. 15Auf Anordnung des Königs machten sich die Eilboten sofort auf den Weg. Auch im Palastbezirk von Susa wurde der Erlass bekannt gemacht. Während die ganze Stadt in Aufregung geriet, ließen sich der König und Haman zu einem Trinkgelage nieder.
Ein Plan zu Rettung der Juden
41Als Mordechai erfuhr, was geschehen war, zerriss er sein Gewand, zog sich den Trauersack an und streute Asche auf den Kopf. Er ging durch die Stadt und stieß laute, durchdringende Klagerufe aus. 2So kam er bis an das Tor zum Königspalast, durch das man im Trauersack nicht gehen durfte. 3Auch in den Provinzen herrschte große Trauer unter den Juden, sobald dort der Erlass des Königs bekannt gemacht wurde. Die Juden fasteten, weinten und klagten. Die meisten schliefen sogar in Sack und Asche. 4Esters Dienerinnen und Eunuchen berichteten ihrer Herrin, was sich vor dem Tor abspielte. Sie erschrak heftig und ließ Mordechai Kleidung bringen, damit er den Trauersack ausziehen konnte. Doch er nahm sie nicht an. 5Da rief Ester den Eunuchen Hatach, den der König zum Dienst für sie abgestellt hatte, und schickte ihn zu Mordechai hinaus. Er sollte in Erfahrung bringen, was überhaupt los sei und warum er sich so seltsam verhalte. 6Hatach ging zu Mordechai auf den Platz vor dem Königstor. 7Dieser berichtete ihm alles, was geschehen war, und nannte ihm auch die genaue Silbermenge, die Haman dem König für die Staatskasse versprochen hatte, damit er die Juden vernichten könne. 8Außerdem übergab er ihm eine Abschrift des Erlasses zur Vernichtung der Juden, der in Susa veröffentlicht worden war. Er sollte ihn Ester zeigen, ihr alles berichten und sie dringend auffordern, zum König zu gehen und für ihr Volk um Gnade zu bitten. 9Als Hatach zurückkam und Ester berichtete, was Mordechai ihm aufgetragen hatte, 10schickte sie ihn ein zweites Mal und ließ Mordechai sagen: 11„Alle Diener des Königs und alle seine Untertanen in den Provinzen kennen das unumstößliche Gesetz: Wer ungerufen zum König in den inneren Hof kommt, wird hingerichtet, egal ob Mann oder Frau. Nur wenn der König ihm das goldene Zepter entgegenstreckt, darf er am Leben bleiben. Und ich bin schon seit 30 Tagen nicht mehr zum König hineingerufen worden.“ 12Als man Mordechai die Worte Esters mitgeteilt hatte, 13ließ er ihr antworten: „Bilde dir nicht ein, dass du als einzige Jüdin dein Leben retten kannst, nur weil du im Königspalast wohnst. 14Denn wenn du in diesem Augenblick schweigst, wird von anderswoher Hilfe und Rettung für die Juden kommen. Doch du und deine Verwandtschaft, ihr werdet zugrunde gehen. Wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese zur Königin erhoben worden bist.“ 15Da ließ Ester Mordechai antworten: 16„Geh und rufe alle Juden, die sich in Susa finden lassen, zusammen. Fastet für mich! Esst und trinkt drei Tage lang nichts, weder am Tag noch in der Nacht! Ich werde mit meinen Dienerinnen dasselbe tun. Und dann will ich zum König hineingehen, auch wenn es gegen das Gesetz ist. Und wenn ich umkomme, komme ich eben um.“ 17Da ging Mordechai los und tat, was Ester ihm aufgetragen hatte.
Ester vor dem König
51Am dritten Tag legte Ester ihre königlichen Gewänder an und betrat den inneren Hof vor dem Königspalast. Der König saß gerade auf seinem Thron, der dem Eingang gegenüberstand. 2Als er die Königin Ester im Hof stehen sah, fand sie seine Gunst und er streckte ihr das goldene Zepter entgegen, das er in der Hand hielt. Ester trat heran und berührte die Spitze des Zepters. 3Der König fragte sie: „Was hast du, Königin Ester? Was ist dein Wunsch? Auch wenn es die Hälfte meines Reiches kosten würde, soll er dir erfüllt werden!“ 4Da sagte Ester: „Wenn es dem König recht ist, möge er heute mit Haman zu dem Festmahl kommen, das ich für ihn vorbereitet habe.“ 5„Holt Haman!“, sagte der König. „Beeilt euch, damit wir Esters Einladung folgen können!“ So kamen der König und Haman zu dem Mahl, das Ester vorbereitet hatte. 6Als sie dann Wein tranken, fragte der König: „Was ist nun dein Wunsch? Ich erfülle ihn dir. Fordere, was du willst, bis zur Hälfte meines Reiches!“ 7„Ja, ich habe eine große Bitte“, erwiderte Ester. 8„Wenn ich die Gunst des Königs gefunden habe und wenn es dem König gefällt, meinen Wunsch zu erfüllen, dann möge er morgen noch einmal mit Haman zu dem Mahl kommen, das ich vorbereitet habe. Dann werde ich die Frage des Königs beantworten.“
9Haman ging an diesem Tag voller Freude und guter Laune hinaus. Doch als er im Tor an Mordechai vorbeikam und sah, dass der nicht aufstand und ihm keinerlei Ehrerbietung erwies, wurde er von Wut gepackt. 10Doch er beherrschte sich und ging nach Hause. Dann ließ er seine Freunde und seine Frau Seresch kommen. 11Vor ihnen prahlte er mit seinem großen Reichtum und der Menge seiner Söhne. Voller Stolz strich er heraus, wie der König ihn zu einem mächtigen Mann gemacht und über alle Fürsten und Beamten des Königs gestellt habe. 12„Sogar die Königin Ester“, fuhr er fort, „hat außer dem König niemand zu ihrem Festmahl kommen lassen als mich. Und morgen bin ich wieder mit dem König zu ihr eingeladen. 13Aber das alles bedeutet mir nichts, solange ich den Juden Mordechai noch im Palastbezirk des Königs sehen muss.“ 14Da sagten seine Frau Seresch und alle seine Freunde: „Lass einen 25 Meter hohen Pfahl aufrichten! Und besorge dir morgen früh vom König die Erlaubnis, Mordechai daran hängen zu lassen. Dann kannst du vergnügt mit dem König zum Mahl gehen.“ Der Vorschlag gefiel Haman so gut, dass er gleich Befehl gab, den Pfahl aufzustellen.
Footnotes
- 1In einer Inschrift Sargons wird Agag als ein Bezirk im persischen Weltreich erwähnt.
- 2April. Wörtlich: im Nisan, dem 1. Monat.
- 4Die jährliche Steuersumme der persischen Untertanen wird mit 7.740 Talenten angegeben.
- 5April. Wörtlich: des 1. Monats. Das war ein Tag vor dem jüdischen Passafest.
- 6Satrapen. Das persische Reich war in mehr als 20 Satrapien eingeteilt, von denen jede im Schnitt sechs Provinzen umfasste.
- 7März des folgenden Jahres. Wörtlich: des Adar, des 12. Monats.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden