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Gast, gastfrei, Gastfreiheit. In den meisten Stellen bezeichnet Gast einen solchen, der während längerer oder kürzerer Abwesenheit von der Heimat fremden Obdachs und fremder Bewirtung bedürftig ist (2Mos. 18, 3; Hiob 31, 32; Matth. 25, 35). So ist Israel ein Gast in Ägypten (Jes. 52, 4), ja auch in Kanaan ist es der Gast Jahwes, dem das Land gehört (3Mos. 25, 23). Die Fremden, die in Israels Mitte wohnen, heißen Gäste (3Mos. 25, 45) und werden der Schonung und Liebe des Volkes empfohlen (2Mos. 22, 21; 5Mos. 10, 19). In Jer. 14, 8 ist Gast so viel als Fremder, Unbekannter.
Hat so der Gast ohne Eigentumsrecht einen vorübergehenden Aufenthalt in einem fremden Hause oder Lande, so kann auch der Mensch überhaupt ein Gast auf Erden genannt werden (1Chr. 29, 15; Psa. 119, 19). Insbesondere gilt dies vom Gläubigen, der weiß, dass seine bleibende Heimat zukünftig ist (Hebr. 11, 13). So werden auch in Eph. 2, 19 die Gäste und Fremdlinge den Inhabern des vollen Eigentums und Bürgerrechts im Volke Gottes gegenübergestellt.
In anderen Stellen ist es = Tischgenosse (im Grundtext durch ein anderes Wort als oben ausgedrückt). Hier ist der Bewirtete kein Ortsfremder und die Bewirtung nicht sowohl eine Barmherzigkeit als eine Erweisung von Freundschaft und Ehre (Sir. 13, 8; Luk. 14, 7). Gerne wird auch die Herablassung und Freundlichkeit Gottes unter dem Bilde der Gastfreundschaft dargestellt (Psa. 23, 5; Matth. 22, 3).
— Gastfrei ist, wer einen Heimatlosen gerne aufnimmt. Die Übung der Gastfreundschaft war und ist noch jetzt im Morgenland bei dem Mangel an Herbergen von besonderer Bedeutung. Den Obdachlosen aufzunehmen, gilt als eine der vornehmsten Pflichten, den Gast zu verteidigen, als eine Sache der Ehre (Richt. 19, 20. Richt. 19, 21. Richt. 19, 23; Hiob 31, 32). Am besten zeigt uns 1Mos. 18 diese Gastfreundschaft. Der Fremde wird zur Einkehr aufgefordert (V. 1Mos. 18, 2f), ja fast genötigt (1Mos. 19, 2f); im Hause wird ihm Wasser zum Fußwaschen gereicht (1Mos. 18, 4, vergleiche Luk. 7, 44), eine Mahlzeit angeboten (V. 1Mos. 18, 5) und beim Abschied das Geleite gegeben (V. 1Mos. 18, 16). Noch neuere Reisende wissen von der weitgehenden Gastfreundschaft der Morgenländer namentlich in Gegenden, wo sich die alten Sitten erhalten haben, zu berichten. Doch zeigt Sir. 29, 28ff, dass das Los des Gastes nicht immer ein beneidenswertes war.
Juden und Samaritaner pflegten um des religiösen Zwiespalts willen einander die Gastfreundschaft zwar nicht unbedingt zu verweigern (Luk. 9, 52f), doch vermieden sie es möglichst, dieselbe zu gewähren oder in Anspruch zu nehmen (Joh. 4, 9).
— Beispiele von Gastfreundschaft werden im Alten und Neuen Testament vielfach erwähnt, 1Mos. 18, 3ff; 1Mos. 24, 25; 2Mos. 2, 20; Luk. 10, 38; Apg. 16, 15; Apg. 21, 17; Apg. 28, 7; 3Joh. 5. In den ersten christlichen Zeiten war es wichtig, dass durch gastlichen Verkehr das Bewusstsein der Gemeinschaft gestärkt wurde. Daher die Ermahnungen zur Gastfreundschaft, Röm. 12, 13; 1Petr. 4, 9; Hebr. 13, 2, welche sich noch besonders an die Bischöfe und die im Dienst der Gemeinde stehenden Witwen richten (1Tim. 3, 2; 1Tim. 5, 10). Aber auch für alle Zeiten, so lange es Obdachlose gibt, gelten diese Mahnungen, durch Gastfreundschaft eine christliche Liebespflicht zu erfüllen.
O. Kirn.
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About Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriertDas Calwer Bibellexikon ist einer der bekanntesten Namen unter den deutschsprachigen Bibellexika. Laut Vorwort ist es als ein Handbuch für den nachdenkenden Bibelleser, Geistlichen oder Religionslehrer gedacht. Das Nachschlagewerk soll es dem Leser ermöglichen, ein „eben gelesenes Bibelwort als ein Glied in das ganze Gebäude seiner biblischen Anschauungs- und Gedankenwelt“ einzufügen. Der Herausgeber Paul Zeller merkt zudem an, das Werk sei „in dem einen Geist demütiger Ehrfurcht vor dem Worte Gottes und herzlicher Liebe zu der heiligen Schrift“ entstanden (Vorwort 2. Aufl.). Das Calwer Bibellexikon erschien zum ersten Mal im Jahr 1884, die zweite Auflage 1893, beide erfreuten sich großer Nachfrage. Die hier verfügbare dritte Auflage (1912) ist das Ergebnis einer umfassenderen Umarbeitung und teils auch Verkürzung. Der Herausgeber und die Mitwirkenden stammten zumeist aus der Württembergischen Landeskirche und der Schweiz. Bekannt war es auch unter dem alternativen Titel „Biblisches Handwörterbuch, illustriert“. |
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