Sprüche 7,6–23
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6Einmal stand ich am Fenster meines Hauses und blickte durch das Gitter hinaus. 7Da bemerkte ich unter den Grünschnäbeln dort einen jungen Burschen ohne Verstand. 8Er ging über die Straße, bog um die Ecke und nahm den Weg zu ihrem Haus. 9Es war schon in der Dämmerung, beim Einbruch der Nacht, wenn es dunkel wird. 10Schau, da kommt eine Frau ihm entgegen, wie eine Hure aufgemacht, ihre Absicht versteckt. 11Leidenschaftlich ist sie und hemmungslos; es hält sie nicht in ihrem Haus. 12Bald ist sie draußen, bald auf den Plätzen, an allen Straßenecken lauert sie. 13Da greift sie ihn und küsst ihn ab und spricht ihn herausfordernd an:
14„Ich musste heute ein Freudenopfer1 bringen, nun habe ich mein Versprechen erfüllt. 15Darum kam ich heraus, dir zu begegnen, dich habe ich gesucht und gefunden. 16Ich habe mein Bett neu bezogen. Es ist buntes ägyptisches Leinen, 17und ich habe es mit Myrrhe besprengt, mit Aloë und Zimt. 18Komm, wir lieben uns die ganze Nacht, wir berauschen uns an Liebeslust! 19Denn mein Mann ist nicht zu Hause, er ist auf Reisen, sehr weit fort. 20Den Geldbeutel hat er mit sich genommen. Zum Vollmondtag erst kommt er zurück.“
21Mit solchen Worten verleitet sie ihn, verführt ihn mit schmeichelnden Lippen. 22Er folgt ihr sofort, wie ein Ochse, den man zum Schlachten führt, wie ein Hirsch, den das Fangseil umschlingt, 23bis ein Pfeil seine Leber zerreißt und er wie ein Vogel im Fangnetz hängt. Er weiß nicht, dass es um sein Leben geht.
Footnotes
- 1Beim Freudenopfer wurde im Gegensatz zum Brandopfer nur das Fett auf dem Altar verbrannt. Der größte Teil des Tieres durfte bei einer fröhlichen Opfermahlzeit gemeinsam mit Verwandten und Freunden verzehrt werden.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden