Logos Bible Study

Richter 11–12

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111Nun gab es dort einen ausgezeichneten Krieger namens Jiftach. Allerdings war er der Sohn einer Prostituierten mit einem Mann namens Gilead. 2Dieser Gilead hatte auch Söhne von seiner Ehefrau. Als diese herangewachsen waren, vertrieben sie Jiftach: „Du hast keinen Anteil an unserem Familienbesitz“, sagten sie, „denn du stammst von einer anderen Frau.“ 3So war Jiftach von seinen Brüdern weggegangen und lebte im Land Tob1. Er sammelte Männer um sich, die nichts mehr zu verlieren hatten und ihm auf seinen Raubzügen folgten. 4Einige Zeit später hatten die Ammoniter den Krieg mit Israel angefangen. 5Da machten sich die führenden Männer von Gilead auf den Weg, um Jiftach aus dem Land Tob zurückzuholen. 6„Komm, sei du unser Anführer gegen die Ammoniter!“, sagten sie zu ihm. 7Doch Jiftach entgegnete: „Habt ihr mich nicht verachtet und aus dem Haus meines Vaters vertrieben? Und jetzt, wo ihr in Not seid, kommt ihr ausgerechnet zu mir?“ 8Doch die Ältesten von Gilead erwiderten: „Wir haben dich aufgesucht, damit du mit uns gegen die Ammoniter kämpfst. Du sollst unser Oberhaupt und Anführer aller Bewohner Gileads werden.“ 9„Ihr meint also, wenn Jahwe mir den Sieg über die Ammoniter schenkt, soll ich tatsächlich euer Oberhaupt werden?“, fragte Jiftach. 10„Ja“, sagten die Ältesten, „wir schwören es vor Jahwe! So soll es geschehen!“ 11Da ging Jiftach mit den Ältesten von Gilead. Das Volk setzte ihn auch als Oberhaupt und Anführer ein. Und in Mizpa brachte Jiftach noch einmal alle seine Anliegen vor Jahwe.

Verhandlung mit dem König von Ammon

12Dann schickte Jiftach Boten zum König der Ammoniter und ließ ihm sagen: „Warum führst du Krieg gegen mein Land? Was ist zwischen uns passiert?“ 13Der König ließ ihm antworten: „Weil Israel mir mein Land genommen hat, als es aus Ägypten kam, das ganze Gebiet zwischen den Flüssen Arnon2 und Jabbok3 und im Westen bis an den Jordan. Gebt mir das Land jetzt freiwillig zurück!“ 14Da schickte Jiftach noch einmal Boten an den ammonitischen König 15und ließ ihm sagen: „So spricht Jiftach: Israel hat weder das Land Moab noch das der Ammoniter an sich genommen. 16Es war vielmehr so: Als Israel Ägypten verlassen hatte, durchquerte es die Wüste bis zum Schilfmeer und kam bis nach Kadesch4. 17Von dort schickte Israel Boten zum König von Edom und bat ihn, durch sein Land ziehen zu dürfen. Doch der erlaubte es nicht. Auch zum König von Moab schickte Israel Boten. Aber auch der wollte nicht. So blieben die Israeliten in Kadesch. 18Später umgingen sie das Land der Edomiter5 und Moabiter auf dem Weg durch die Wüste und kamen dann von Osten wieder an die Grenze des Landes Moab, an den Arnon. Sie drangen jedoch nicht ins Land ein, sondern bezogen ihr Lager auf der anderen Seite des Arnon. 19Dann schickten sie Boten zum Amoriterkönig Sihon nach Heschbon6 und baten ihn, durch sein Land bis an ihren Bestimmungsort ziehen zu dürfen. 20Doch Sihon glaubte nicht, dass Israel nur durch sein Land ziehen wollte, und rief alle seine Truppen nach Jahaz7 zusammen und kämpfte gegen Israel. 21Aber Jahwe, Israels Gott, gab Sihon und sein ganzes Heer in Israels Hand. So konnte es das Land der Amoriter in Besitz nehmen, denn die Amoriter wohnten damals 22in diesem Gebiet, das vom Fluss Arnon bis an den Jabbok und von der Wüste bis an den Jordan reichte. 23Jahwe, der Gott Israels, hat die Amoriter vor seinem Volk vertrieben, und da willst du uns wieder aus diesem Land verdrängen? 24Wenn dein Gott Kemosch jemand vor dir vertreibt, dann nimmst du doch auch sein Land in Besitz. Und wenn unser Gott Jahwe irgendjemand vor uns vertreibt, machen wir es genauso. Wir nehmen sein Land in Besitz. 25Glaubst du wirklich, dass du besser bist als Balak Ben-Zippor der König von Moab? Hat er es vielleicht gewagt, einen Streit mit Israel anzufangen oder gar einen Krieg? 26Dreihundert Jahre lang wohnte Israel in Heschbon und Aroër9 und den dazugehörigen Ortschaften und in all den Städten am Arnon. Warum habt ihr uns diese in all den Jahren nicht weggenommen? 27Ich habe dir kein Unrecht getan, sondern du tust Unrecht, wenn du ohne Ursache Krieg anfängst. Jahwe ist Richter! Er soll jetzt zwischen Israel und Ammon entscheiden.“ 28Doch der König von Ammon hörte nicht auf die Botschaft Jiftachs.

Sieg über die Ammoniter

29Da kam der Geist Jahwes über Jiftach. Er durchzog das ganze Gebiet von Gilead und Manasse, um seine Truppen zu sammeln, und kehrte dann nach Mizpa zurück. Von dort aus zog er in den Kampf gegen die Ammoniter. 30Dabei gelobte er Jahwe: „Wenn du die Ammoniter wirklich in meine Hand gibst 31und ich wohlbehalten zurückkehre, dann soll derjenige, der mir als Erster aus meinem Zuhause entgegenkommt, Jahwe gehören; ich werde ihn Jahwe als Brandopfer darbringen.“ 32Dann zog Jiftach in den Kampf gegen die Ammoniter. Und Jahwe gab sie in seine Gewalt. 33Er besiegte sie von Aroër an bis nach Minnit10 und eroberte zwanzig Städte bis nach Abel-Keramim11. Das war eine vernichtende Niederlage für die Ammoniter, und sie mussten sich vor den Israeliten beugen. 34Dann kehrte Jiftach nach Mizpa zurück. Als er sich seinem Haus näherte, lief seine Tochter tanzend und das Tamburin schlagend heraus, ihm entgegen. Es war seine einzige; er hatte sonst kein Kind. 35Als er sie sah, zerriss er vor Schmerz sein Gewand12 und rief: „Ach, meine Tochter, du brichst mir das Herz! Dass gerade du es sein musst, die mich ins Unglück stürzt! Ich habe Jahwe mein Wort gegeben, und ich kann nicht zurück!“ 36Doch sie sagte zu ihm: „Mein Vater, wenn du Jahwe etwas versprochen hast, dann mach mit mir, was du gelobt hast! Jahwe hat dir ja auch den Sieg über deine Feinde, die Ammoniter, geschenkt.“ 37Dann fügte sie hinzu: „Nur eine Bitte habe ich: Gib mir noch zwei Monate Zeit. Ich möchte mit meinen Freundinnen in die Berge gehen und meine Jungfrauschaft betrauern.“ 38„Geh nur“, sagte ihr Vater und gab ihr zwei Monate Zeit. So ging sie mit ihren Freundinnen in die Berge und weinte darüber, nie verheiratet gewesen zu sein. 39Als die zwei Monate um waren, kehrte sie zu ihrem Vater zurück, und er erfüllte sein Gelübde an ihr. Sie hatte nie mit einem Mann geschlafen. Daraus entstand in Israel der Brauch, 40dass die jungen Frauen jedes Jahr vier Tage lang zusammen weggehen und die Tochter Jiftachs von Gilead besingen.

Jiftach gegen den Stamm Efraïm

121Die Männer des Stammes Efraïm sammelten sich1, zogen über den Jordan nach Norden und machten Jiftach schwere Vorwürfe: „Warum bist du ohne uns gegen die Ammoniter in den Krieg gezogen? Warum hast du uns nicht zu Hilfe gerufen? Wir werden dir das Haus über dem Kopf anzünden!“ 2Da sagte Jiftach: „Ich musste mit meinen Leuten einen schweren Kampf gegen die Ammoniter bestehen. Ich habe euch ja gerufen, aber ihr habt mir nicht geholfen. 3Als mir klar wurde, dass ich nicht mit euch rechnen konnte, wagte ich mein Leben. Ich zog gegen die Ammoniter und habe sie mit Jahwes Hilfe besiegt. Warum kommt ihr jetzt und bedroht mich?“ 4Jiftach rief die Männer Gileads zusammen und kämpfte mit ihnen gegen den Stamm Efraïm. Sie waren erbittert, weil die Männer von Efraïm gesagt hatten: „Ihr seid ja nur Flüchtlinge aus Efraïm! Gilead liegt doch mitten zwischen Efraïm und Manasse!“ Die Gileaditer besiegten die Efraïmiten 5und besetzten dann die Furten des Jordan. Wenn nun ein efraïmitischer Flüchtling bat: „Lasst mich hinüber!“, dann fragten sie ihn: „Stammst du aus Efraïm?“ Wenn er das verneinte, 6forderten sie ihn auf: „Sag doch einmal Schibbolet, Wasserschwall!“ Sagte er dann „Sibbolet“, weil er es nicht richtig aussprechen konnte, packten sie ihn und machten ihn an Ort und Stelle nieder. Auf diese Weise wurden damals 42.000 Männer2 aus Efraïm an den Jordanübergängen getötet.

7Sechs Jahre lang war Jiftach Israels Richter. Als er starb, wurde er in einer der Städte Gileads begraben.

Die Richter Ibzan, Elon und Abdon

8Nach ihm war Ibzan von Bethlehem3 der Richter Israels. 9Er hatte dreißig Söhne und dreißig Töchter. Alle Töchter verheiratete er nach auswärts, und dreißig Töchter führte er von auswärts seinen Söhnen zu. Sieben Jahre lang war er der Richter Israels, 10dann starb er und wurde in Bethlehem begraben. 11Nach ihm übernahm Elon aus dem Stamm Sebulon das Richteramt. Er war zehn Jahre Richter über Israel. 12Als er starb, wurde er in Ajalon, im Gebiet Sebulons, begraben. 13Sein Nachfolger war Abdon Ben-Hillel aus Piraton. 14Er hatte 40 Söhne und 30 Enkel, die auf 70 Eseln ritten. Acht Jahre war er Richter über Israel. 15Als er starb, wurde er in Piraton, im Gebiet Efraïms, am Amalekiterberg begraben.

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Footnotes

  1. 1Tob. Gebiet um die Stadt Tob, nördlich vom Königreich Ammon und östlich vom Stammesgebiet Manasses.
  2. 2Arnon. Fluss, etwa 44 km lang. Er mündet ins Tote Meer und bildete die Südgrenze Israels im Ostjordangebiet.
  3. 3Jabbok. Der Fluss mündet etwa 80 km nördlich vom Arnon in den Jordan.
  4. 4Kadesch. Im Süden des Negev an der Grenze zum Königreich Edom, etwa 80 km südwestlich von Beerscheba.
  5. 5Die Edomiter waren Nachkommen Esaus und bewohnten das Land östlich der Araba und südlich vom Toten Meer.
  6. 6Heschbon. Die Stadt liegt 25 km östlich der Jordanmündung ins Tote Meer, 19 km südwestlich von Rabba (heute Amman).
  7. 7Jahaz. Moabitische Stadt auf der Hochfläche des Ostjordanlandes, östlich vom Toten Meer.
  8. 9Aroër. Stadt am Nordufer des Arnon.
  9. 10Minnit. Ammonitischer Ort an der Straße von Heschbon nach Rabba.
  10. 11Abel-Keramim liegt 8 km südlich von Rabba.
  11. 12zerriss … Gewand. Trauerbrauch – man riss das Gewand vom Halssaum an auf und entblößte die Brust.
  12. 1sammelten sich. Sie strebten wahrscheinlich nach der Vorherrschaft über die Stämme Israels.
  13. 2n_N 2100 Männer.
  14. 3Bethlehem – Stadt im Gebiet des Stammes Juda, 8 km südlich von Jerusalem.