Psalm 76–150
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Gott, der furchtbare Richter
761Dem Chorleiter. Mit Saitenspiel. Ein Psalmlied von Asaf.
2Bekannt ist Gott in Juda, sein Name ist in Israel groß. 3In Salem1 stand sein Zelt, auf dem Zion2 seine Wohnung. 4Dort zerbrach er alles Kriegsgerät: die Pfeile, Schwerter und Schilde. ♪
5Von Lichtglanz bist du umhüllt, herrlicher als Berge von Beute. 6Furchtlose Krieger sind beraubt, sie sinken in den letzten Schlaf. Allen Helden versagen die Hände. 7Wenn du drohst, Gott Jakobs, erstarren Pferde und Wagen.
8Furchtbar bist du. Wer kann vor dir bestehen, vor der Gewalt deines Zorns? 9Wenn du vom Himmel her das Urteil verkündest, erschrickt die Erde und wird ganz still. 10Dann erhebst du dich zum Gericht, um zu helfen allen Hilflosen der Welt. ♪
11Selbst das Wüten der Menschen vermehrt deinen Ruhm, mit ihrem Zorn umgürtest du dich. 12Legt Gelübde ab und erfüllt sie Jahwe, eurem Gott! Alle, die ihr um ihn seid, bringt eure Gaben dem, der zu fürchten ist! 13Er stutzt der Landesherren Übermut, ist furchtbar für die Herren der Welt.
Trost in großer Not
771Dem Chorleiter. Nach der Weise Jedutuns. Ein Psalmlied von Asaf.
2Ich schreie zu Gott, so laut ich kann. Ich schreie zu Gott, dass er mich hört. 3In meiner Not suche ich den Herrn. Die ganze Nacht strecke ich die Hand nach ihm aus. Ich finde einfach keinen Trost. 4Denk ich an Gott, dann stöhne ich nur, sinne ich nach, verlier ich den Mut. ♪
5Meine Augenlider hältst du mir offen, ich bin so verstört, dass ich nicht reden kann. 6Ich denke über Früher nach, die längst vergangenen Jahre, 7an mein Saitenspiel in der Nacht. Ich erwäge es im Herzen, durchforsche es mit meinem Geist.
8Wird der Herr denn für immer verwerfen? Wird er nicht wieder gnädig sein? 9Ist seine Güte für immer vorbei? Gilt sein Versprechen in Zukunft nicht mehr? 10Hat Gott vergessen, gnädig zu sein? Hat er im Zorn sein Erbarmen versperrt? ♪
11Da sagte ich: „Das ist mein Schmerz, dass der Höchste sich jetzt anders verhält!“ 12Ich will mich erinnern an die Taten Jahwes, an dein wunderbares Wirken von einst. 13Ich will dein Handeln bedenken, verstehen, was du bewirkst.
14Alles, was du tust, ist heilig, Gott! Wer ist ein so großer Gott wie du? 15Du bist der Gott, der Wunder vollbringt! Den Völkern hast du deine Macht gezeigt. 16Dein Volk hast du mit starker Hand befreit, die Nachkommen Jakobs und Josefs. ♪
17Die Wassermassen sahen dich, Gott, das Meer sah dich und erbebte. Auch in seinen Tiefen tobte es. 18Die Wolken gossen Regenfluten aus und ließen den Donner erdröhnen. Und deine Pfeile fuhren hin und her. 19Dein Donner rollte im Wirbelsturm, Blitze erhellten die Welt, es zitterte und bebte die Erde.
20Dein Weg führte durchs Meer, dein Pfad durch mächtige Wasser. Doch deine Spuren konnte niemand sehn. 21Wie eine Herde hast du dein Volk geführt, geleitet durch Mose und Aaron.
Gottes Geschichte mit seinem Volk
781Ein Lehrgedicht von Asaf.
Hör, mein Volk, auf meine Weisung! Gebt alle Acht auf das, was ich sage! 2Ich will euch Weisheitssprüche vermitteln, Rätsel der Vorzeit erklären. 3Was wir hörten und erkannten, was unsre Väter uns erzählten, 4wollen wir ihren Söhnen nicht verschweigen, das sollen auch künftige Generationen erfahren: die Ruhmestaten und die Stärke Jahwes und die Wunder, die er tat.
5Er stellte ein Gesetz in Jakob auf, eine Weisung in Israel, und gebot unseren Vätern, dies ihre Kinder zu lehren, 6damit auch die nächste Generation sie kennt, die Kinder, die noch geboren werden, und auch sie es ihren Kindern erzählen, 7damit sie auf Gott ihr Vertrauen setzen, die Taten Gottes nicht vergessen und seine Gebote befolgen. 8Denn sie sollen nicht ihren Vorfahren gleichen, einer launischen Generation voll Trotz und Empörung, deren Geist nicht treu zu Gott hielt.
9Die Männer vom Stamm Efraïm2, mit Pfeil und Bogen gerüstet, ergriffen am Kampftag die Flucht. 10Sie hielten sich nicht an Gottes Bund, sie weigerten sich, seiner Weisung zu folgen. 11Sie vergaßen seine machtvollen Taten, die Wunder, die er sie sehen ließ. 12Wunderbares hat er vor ihren Vätern getan im Land Ägypten, der Gegend von Zoan3. 13Er teilte das Meer, und sie gingen hindurch, er ließ das Wasser stehen wie einen Damm. 14Am Tag führte er sie mit einer Wolke, die ganze Nacht mit einem Feuerschein. 15Er spaltete Felsen in der Wüste, aus Wasserfluten durften sie trinken. 16Er ließ Bäche aus den Felsen kommen, das Wasser floss in Strömen herab.
17Doch sie hörten mit Sündigen in der Wüste nicht auf, zeigten dem Höchsten nur ihren Trotz. 18Sie forderten Gott heraus und verlangten Speise nach ihrem Geschmack. 19Sie redeten gegen Gott. „Ist Gott denn fähig“, sagten sie, „uns einen Tisch in der Wüste zu decken? 20Den Felsen hat er zwar geschlagen, da floss auch Wasser und Bäche strömten heraus. Aber kann er uns auch Brot besorgen, kann er Fleisch verschaffen seinem Volk?“ 21Als Jahwe das hörte, wurde er zornig. Feuer flammte gegen Jakob auf, ein Zorn entbrannte gegen Israel; 22denn sie hatten ihrem Gott nicht vertraut und nicht auf seine Hilfe gebaut.
23Trotzdem gab er den Wolken Befehl und öffnete die Tore des Himmels. 24Er ließ Manna auf sie regnen zur Speise, gab ihnen Himmels-Getreide. 25Sie alle aßen das Brot der Engel. Gottes Speise machte sie satt. 26Am Himmel setzte er den Ostwind frei und zwang den Südwind heran. 27Dann ließ er Fleisch auf sie regnen wie Staub und Vögel wie den Sand am Meer. 28Mitten ins Lager ließ er sie fallen, rings um Israels Zelte. 29Da aßen sie und wurden völlig satt. Er brachte ihnen, was sie verlangten. 30Doch ihre Gier war noch nicht gestillt, noch war die Speise in ihrem Mund, 31da wurde Gott zornig über sie. Er streckte ihre Stärksten nieder und brachte die jungen Männer Israels um.
32Aber trotzdem sündigten sie weiter und vertrauten seinen Wundern nicht. 33Da nahm er ihrem Leben den Sinn und ließ ihre Jahre in Schrecken vergehen. 34Doch wenn er tötete, fragten sie nach ihm; dann kehrten sie um und suchten nach Gott. 35Dann dachten sie, er sei doch ihr Fels, Gott, der Höchste, sei ihr Befreier. 36Doch wieder betrogen sie ihn mit ihrem Mund, belogen ihn weiter mit ihrer Zunge. 37Denn ihr Herz hing nicht an ihm, sie blieben seinem Bund nicht treu. 38Trotzdem blieb er voll Erbarmen, vergab ihre Schuld und tötete sie nicht. Oft hielt er seinen Zorn zurück und ließ seine Wut nicht erwachen. 39Er wusste ja, dass sie vergänglich sind, ein Hauch, der verweht und nicht wiederkehrt.
40Wie oft haben sie ihm in der Wüste getrotzt, wie oft ihn dort in der Steppe betrübt! 41Immer wieder provozierten sie Gott, kränkten den Heiligen Israels. 42Sie dachten nicht mehr an seine mächtigen Taten, als er sie vom Unterdrücker befreite; 43sie vergaßen seine Zeichen in Ägypten, seine Wunder in der Gegend von Zoan: 44Er verwandelte deren Ströme in Blut, ungenießbar wurde fließendes Wasser. 45Er schickte ihnen quälende Fliegen; Frösche verseuchten ihr Land. 46Den Heuschrecken gab er ihren Ernteertrag, den grässlichen Fressern, was sie erarbeitet hatten. 47Ihren Weinstock zerschlug er mit Hagel, ihre Maulbeerfeigen mit dem Wettersturz. 48Auch ihr Vieh gab er dem Hagel preis und ihre Herden den Blitzen.
49Er ließ seinen glühenden Zorn auf sie los, rasende Wut, furchtbare Plagen, eine Schar von Engeln des Unheils. 50Er ließ seinem Zorn freien Lauf, verschonte sie nicht vor dem Tod, sondern lieferte sie aus an die Pest. 51Jede Erstgeburt in Ägypten tötete er, die Erstlinge ihrer Kraft in den Zelten Hams. 52Wie Schafe führte er sein Volk weg, wie eine Herde brachte er sie durch die Wüste. 53Er führte sie sicher, sie mussten nichts fürchten, aber ihre Feinde bedeckte das Meer. 54Er brachte sie in sein heiliges Land, zu diesem Berg, den er ihnen erworben hat. 55Er vertrieb die Völker vor ihnen ‹aus dem Land› und verteilte dies mit der Messschnur als Erbbesitz. So ließ er die Stämme Israels in deren Zelten wohnen.
56Doch sie stellten Gott auf die Probe. Sie trotzten dem Höchsten und hielten seine Gebote nicht. 57Wie ihre Väter fielen sie treulos von ihm ab. Wie ein trügerischer Bogen schnellten sie herum. 58Durch ihre Opferhöhen erbitterten sie ihn, mit ihren Götzen reizten sie seine Eifersucht. 59Da entbrannte sein Zorn, und er verwarf Israel ganz. 60Er gab seine Wohnung in Schilo auf, das Zelt, in dem er bei ihnen wohnte. 61Seine Kraft gab er in Gefangenschaft, seine Herrlichkeit in die Hand der Bedränger. 62Sein Volk übergab er dem Schwert, so zornig war er über sein Erbe. 63Seine jungen Männer fraß das Feuer, den Mädchen sang keiner das Hochzeitslied. 64Seine Priester fielen durch das Schwert, und die Witwen konnten ihren Tod nicht betrauern.
65Da erwachte der Herr, als hätte er geschlafen wie ein Held, der sich aufrüttelt vom Wein. 66Er schlug seine Feinde zurück und bedeckte sie mit ewiger Schande. 67Doch die Nachkommen Josefs verwarf er, lehnte den Stamm Efraïm als Führer ab, 68wählte aber den Stamm Juda aus und den Zionsberg, den er liebte. 69Wie Himmelshöhen baute er sein Heiligtum, wie die Erde, die er auf Dauer gegründet hat. 70Als seinen Diener wählte er David, nahm ihn weg von den Pferchen der Schafe. 71Von den Muttertieren holte er ihn weg, dass er weiden sollte Jakob, sein Volk, und Israel, sein Eigentum. 72Aufrichtig sorgte David für sie und führte sie mit kluger Hand.
Gebet in schwerer Not
791Ein Psalm für Asaf.
Gott, Völker sind eingedrungen in deinen Besitz, haben deinen heiligen Tempel geschändet und Jerusalem zu einem Trümmerhaufen gemacht. 2Die Leichen deiner Diener gaben sie den Vögeln zum Fraß, das Fleisch deiner Getreuen warfen sie dem Raubwild hin.
3Sie haben ihr Blut wie Wasser vergossen im ganzen Umkreis von Jerusalem. Niemand war da, der die Toten begrub. 4Unseren Nachbarn wurden wir zum Hohn. Alle, die rings um uns wohnen, lachen und spotten über uns. 5Wie lange, Jahwe, willst du immerfort zürnen, brennt wie Feuer deine Eifersucht?
6Lass deinen Zorn an den Völkern aus, die sich weigern, dich anzuerkennen, an den…
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Footnotes
- 1Salem = Jerusalem
- 2Zion. Hügel in Jerusalem, oft als Bezeichnung für die ganze Stadt gebraucht.
- ♪steht für das hebräische Sela, das vielleicht mit Empor! wiedergegeben werden kann, aber nicht sicher zu übersetzen ist. Wahrscheinlich war es ein Zeichen für die Musik.
- 2Efraïm. Einflussreichster Stamm in Zentralisrael.
- 3Zoan ist wahrscheinlich mit Tanis identisch, das im nordöstlichen Teil des Nildeltas liegt.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden