Jeremia 22–23
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Gegen die Könige
221Jahwe sagte zu mir: „Geh hinunter in den Palast des Königs von Juda und rufe diese Botschaft aus: 2‚Höre, was Jahwe dir zu sagen hat, König von Juda, der auf dem Thron Davids sitzt. Höre es mitsamt deinen Dienern und dem Volk, das durch diese Tore kommt! 3So spricht Jahwe: Sorgt für Recht und Gerechtigkeit, befreit die Beraubten aus der Gewalt ihrer Unterdrücker! Bedrängt weder Fremde noch Waisen und Witwen, und misshandelt sie nicht! Vergießt hier kein unschuldiges Blut! 4Nur wenn ihr euch wirklich daran haltet, werden auch weiterhin Könige durch diese Tore einziehen, Könige, die auf dem Thron Davids sitzen; mit Pferd und Wagen werden sie fahren, sie und ihre Diener und das Volk. 5Wenn ihr aber nicht auf diese Worte hört, dann schwöre ich bei mir selbst: Dieser Palast wird zu einem Trümmerhaufen werden!‘ “
6Denn so spricht Jahwe über den Palast der Könige von Juda: „Du warst schön wie Gilead und wie der Gipfel des Libanon. Trotzdem mache ich eine Wüste aus dir, einen unbewohnten Ort. 7Ich schicke dir eine Abrisskolonne mit ihren Werkzeugen. Die werden deine herrlichen Zedernstämme herausbrechen und ins Feuer werfen. 8Menschen aus vielen Ländern werden dann hier vorüberziehen und sich fragen: ‚Warum hat Jahwe dieser großen Stadt das angetan?‘ 9Dann wird man ihnen antworten: ‚Weil sie den Bund mit Jahwe, ihrem Gott, gebrochen haben. Sie haben sich vor anderen Göttern niedergeworfen und sie verehrt.‘ “
Trauer um Schallum
10Weint nicht um den Toten, trauert nicht um ihn. Weint vielmehr über den, der fortziehen muss, denn er wird seine Heimat nie wiedersehen. 11Denn so spricht Jahwe über Schallum Ben-Joschija, den König von Juda, der seinem Vater auf dem Thron folgte und die Stadt verlassen musste: „Er wird niemals wieder hierher zurückkehren! 12Er wird dort sterben, wohin man ihn verschleppt hat. Dieses Land wird er nie wiedersehen!“
Gegen König Jojakim
13Wehe dem, der seinen Palast mit unrechten Mitteln erbaut, der ihn aufstockt mit Unrecht, der die Leute umsonst arbeiten lässt, sie nicht entlohnt, 14der sagt: „Ich baue mir einen Riesenpalast mit geräumigen Zimmern im Obergeschoss!“ Er setzt ihm hohe Fenster ein, täfelt ihn mit Zedernholz und streicht ihn mit roter Farbe an.
15Bist du dadurch König, dass du wetteifern kannst mit Prachtbauten aus Zedernholz? Hat dein Vater nicht auch gut gegessen und getrunken und trotzdem für Recht und Gerechtigkeit gesorgt? Ging es ihm damals nicht gut? 16Den Unterdrückten und Armen verhalf er zum Recht. Deshalb stand es gut! „Sieht man nicht gerade daran, ob jemand mich kennt?“, spricht Jahwe. 17Aber du hast nichts anderes im Sinn als deinen eigenen Vorteil. Dafür vergießt du das Blut unschuldiger Menschen, wendest Erpressung an und gebrauchst Gewalt. 18Darum spricht Jahwe über König Jojakim Ben-Joschija von Juda: „Für ihn wird es keine Totenklage geben: ‚Ach, Bruder, ach, Schwester!‘ Niemand wird um ihn klagen: ‚Ach, unser König, ach, seine Majestät!‘ 19Man wird ihn wie einen toten Esel verscharren; man schleift ihn fort und wirft ihn weit draußen vor den Toren Jerusalems hin.“
20„Ersteig den Libanon und schreie! Lass deine Stimme auf dem Baschan erschallen und rufe vom Gebirge Abarim4 herab, dass all deine Liebhaber zerschmettert sind. 21Als es dir noch gut ging, sprach ich dich an. Aber du sagtest: ‚Lass mich in Ruhe!‘ Das war schon immer deine Art, nie hörtest du auf mich! 22Der Wind wird deine Hirten weiden, und deine Liebhaber werden verbannt. Schmach und Schande wirst du ernten wegen all deiner Bosheit. 23Noch thronst du wie auf dem Libanon, wohnst in Palästen aus Zedern. Wie erbärmlich wirst du sein, wenn die Schmerzen über dich kommen wie die Wehen über die Frau!“
Gegen König Jojachin
24„So wahr ich lebe“, spricht Jahwe, „selbst wenn du ein Siegelring an meiner rechten Hand wärst, Konja Ben-Jojakim, König von Juda, würde ich dich doch von dort wegreißen. 25Ich werde dich deinen Todfeinden ausliefern, vor denen du Angst hast, und zwar den Chaldäern und ihrem König Nebukadnezzar von Babylon. 26Dich und deine Mutter werde ich in ein fremdes Land schleudern, aus dem keiner von euch beiden stammt. Dort werdet ihr sterben. 27Eure Heimat werdet ihr nie wiedersehen, so sehr ihr euch auch danach sehnt.“
28Ist dieser Konja denn ein zerbrochener Krug, ein Ding, das keinem gefällt? Warum werden er und seine Kinder in ein Land fortgeschleudert, das keiner von ihnen kennt? 29O Land, Land, Land! Höre das Wort Jahwes! 30So spricht Jahwe: „Halte diesen Mann als kinderlos in der Chronik fest, als einen, der sein Leben lang nur Misserfolg hat. Denn keinem seiner Nachkommen wird es gelingen, auf dem Thron Davids zu sitzen und Juda zu regieren.“
Ein König, der Gott gefällt
231„Wehe den Hirten, die meine Schafe auf der Weide zugrunde richten und sie zerstreuen!“, spricht Jahwe. 2„Darum sage ich, Jahwe, der Gott Israels, über die Hirten meines Volkes: ‚Ihr habt meine Schafe auseinandergetrieben, ihr habt sie zerstreut, ihr habt euch nicht um sie gekümmert! Jetzt ziehe ich euch für die Bosheit eurer Taten zur Rechenschaft!‘, spricht Jahwe. 3‚Ich selbst werde den Rest meiner Schafe aus allen Ländern zusammenholen, in die ich sie versprengt habe. Ich bringe sie auf ihre Weideplätze zurück. Dort werden sie gedeihen und sich vermehren. 4Ich werde ihnen Hirten geben, die wirklich für sie sorgen. Sie sollen keine Angst mehr haben, nicht mehr erschrecken und verloren gehen‘ “, spricht Jahwe.
5„Seht, es kommt der Tag“, spricht Jahwe, „da werde ich einen Nachkommen Davids zum König machen, der weise und gerecht regieren wird und der im Land für Recht und Gerechtigkeit sorgt. 6Dann wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit leben. ‚Jahwe, unsere Gerechtigkeit‘ wird man ihn nennen. 7Seht, es kommen Tage“, spricht Jahwe, „da wird man nicht mehr sagen: ‚So wahr Jahwe lebt, der Israel aus Ägypten herausgeführt hat‘, 8sondern: ‚So wahr Jahwe lebt, der die Israeliten aus dem Land im Norden herausgeführt hat und aus allen anderen Ländern, in die er sie vertrieben hatte.‘ Dann werden sie wieder in ihrem eigenen Land wohnen.“
Gegen die falschen Propheten
9Über die Propheten:
Es bricht mir das Herz, ich zittere am ganzen Leib vor Jahwe und seinen heiligen Worten. Ich bin wie ein Betrunkener, wie ein Mann, der vom Wein benommen ist. 10Das Land ist voll von Ehebrechern, und wegen des Fluchs vertrocknet der Boden, sind die Weideplätze der Steppe verdorrt. Alle haben nur Böses im Sinn, ihre Stärke liegt im Unrechttun. 11„Selbst Propheten und Priester sind gemein. Ihre Bosheit fand ich sogar in meinem Haus“, Ausspruch Jahwes. 12„Doch die Wege, die sie gehen, werden glatt und schlüpfrig sein; sie stürzen in der Dunkelheit und kommen alle zu Fall. Denn ich bringe Unheil über sie; das Jahr der Abrechnung kommt“, spricht Jahwe.
13„Was ich bei den Propheten Samarias gesehen habe, war schon abscheulich genug: Sie weissagten im Namen des Baal und haben mein Volk Israel in die Irre geführt. 14Aber bei den Propheten Jerusalems habe ich Schauderhaftes gesehen: Sie begehen Ehebruch und leben in der Lüge! Und dann bestärken sie die Gottlosen noch in ihrem Treiben, sodass niemand daran denkt, sein Leben zu ändern. Sie alle sind wie Sodomiter für mich und ihre Bewohner wie die von Gomorra.“ 15Darum spricht Jahwe, der Allmächtige, über die Propheten: „Passt auf! Ich werde ihnen Bitteres zu essen geben und Giftwasser zu trinken, denn die Propheten Jerusalems verbreiten die Gottlosigkeit im ganzen Land.“
16So spricht Jahwe, der Allmächtige: „Hört nicht auf die Worte dieser Propheten. Ihr Weissagen täuscht und die Vision kommt aus ihnen selbst und nicht aus dem Mund Jahwes. 17Zu denen, die mich verworfen haben, sagen sie: ‚Jahwe hat gesagt: Das Heil ist euch sicher!‘ Und zu denen, die eigensinnig ihrem bösen Herzen folgen, sagen sie: ‚Ihr habt nichts Schlimmes zu befürchten!‘ “
18Wer von ihnen stand je im Rat vor Jahwe? Wer schaute und hörte sein Wort? Wer lauschte und hörte überhaupt? 19Passt auf! Ein verheerender Sturm Jahwes bricht los: sein Grimm. Ein Wirbelsturm entlädt sich über dieser prophetischen Gottlosigkeit. 20Der Zorn Jahwes wird nicht nachlassen, bis Jahwe alles ausgeführt hat, was er sich vornahm. Ganz werdet ihr das erst verstehen, wenn es soweit ist.
21„Ich habe die Propheten nicht geschickt, und doch sind sie gelaufen. Ich habe nicht zu ihnen gesprochen, und doch haben sie geweissagt. 22Hätten sie im Rat vor mir gestanden, dann könnten sie meinem Volk meine Worte verkünden. Und dann würden sie es abbringen von seinem gottlosen Leben und boshaften Tun. 23Bin ich denn nur ein Gott in der Nähe“, spricht Jahwe, „und nicht auch einer in der Ferne? 24Oder kann sich jemand so verstecken, dass ich ihn nicht sehen könnte?“, spricht Jahwe. „Ich bin es doch, der den Himmel und die Erde erfüllt“, spricht Jahwe. 25„Ich habe gehört, was die Propheten reden, die in meinem Namen weissagen. ‚Ich träumte, ich träumte‘, sagen sie. Doch es ist nichts als Lug und Trug. 26Wie lange soll das noch gehen? Haben diese Propheten, die Lügen verbreiten und ihre Hirngespinste als Weissagung ausgeben, etwa im Sinn, 27meinen Namen bei meinem Volk in Vergessenheit zu bringen, so wie ihre Vorfahren mich über dem Baal vergaßen? Ist das ihre Absicht, wenn sie einander ihre Träume erzählen? 28Der Prophet, der einen Traum hatte, mag einen Traum erzählen. Wer aber mein Wort hat, richte mein Wort zuverlässig aus! Spreu hat doch nichts mit Weizen zu tun!“, spricht Jahwe. 29„Ist mein Wort nicht wie ein Feuer“, spricht Jahwe, „und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt?“
30„Darum passt auf“, spricht Jahwe, „jetzt gehe ich gegen die Propheten vor, die sich gegenseitig die Worte stehlen. 31Passt auf, jetzt gehe ich gegen die Propheten vor“, spricht Jahwe, „die ihr eigenes Gerede Botschaft nennen. 32Passt auf, jetzt gehe ich gegen die vor, die erlogene Träume erzählen“, spricht Jahwe, „und mein Volk mit ihren Lügen und ihrem Geflunker in die Irre führen. Ich habe sie weder…
Dieser Abschnitt wurde gekürzt. Jeremia 22–23 in Logos weiterlesen
Fußnoten
- 4Libanon – Baschan – Abarim sind Bergregionen; die erste ganz im Norden Israels, die zweite östlich vom See Gennesaret und die dritte südöstlich vom Toten Meer.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden