Hiob 1–2
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1–2: Vorwort des Autors
Hiob und seine Söhne
11Im Land Uz lebte ein Mann namens Hiob. Dieser Mann war aufrichtig und vollständig Gott ergeben. Er fürchtete Gott und mied das Böse. 2Ihm wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren. 3Er besaß 7000 Schafe, 3000 Kamele, 500 Rindergespanne, 500 Eselinnen und sehr viele Sklaven. Er hatte das größte Ansehen von allen Männern im Nahen Osten.
4Seine Söhne pflegten ‹ausgelassene› Feste in ihren Häusern zu feiern, wenn sie Geburtstag3 hatten. Dann luden sie auch ihre drei Schwestern ein, um mit ihnen zu essen und zu trinken. 5Wenn diese Festlichkeiten dann vorbei waren, ließ Hiob seine Söhne holen und heiligte sie. Dann stand er früh am Morgen auf und brachte Gott für jeden von ihnen ein Brandopfer. Er sagte sich nämlich: „Vielleicht haben sie gesündigt und sich in ihrem Herzen von Gott losgesagt.“ So machte es Hiob jedes Mal.
Gott und seine „Söhne“
6Eines Tages kamen die Söhne Gottes, um sich vor Jahwe einzufinden. Unter ihnen war auch der Satan6. 7Da sagte Jahwe zum Satan: „Wo kommst du denn her?“ – „Ich habe die Erde durchstreift“, erwiderte der Satan, „und bin auf ihr hin und her gezogen.“ 8Da sagte Jahwe zum Satan: „Hast du auf meinen Diener Hiob geachtet? Auf der Erde gibt es keinen zweiten wie ihn. Er ist mir aufrichtig und vollständig ergeben. Er fürchtet Gott und meidet das Böse.“ 9Der Satan erwiderte Jahwe: „Ist Hiob etwa umsonst so gottesfürchtig? 10Du beschützt ihn doch von allen Seiten, sein Haus und alles, was er hat! Du lässt ja all sein Tun gelingen, und seine Herden breiten sich im Land aus. 11Versuch es doch einmal und lass ihn alles verlieren, was er hat! Ob er dir dann nicht ins Gesicht hinein flucht?“ 12Da sagte Jahwe zum Satan: „Pass auf! Alles, was er hat, ist in deiner Hand. Nur ihn selbst taste nicht an!“ Da entfernte sich der Satan aus der Gegenwart Jahwes.
Hiob und seine Söhne
13Eines Tages saßen Hiobs Söhne und Töchter im Haus ihres erstgeborenen Bruders, um zu essen und Wein zu trinken. 14Da kam ein Bote zu Hiob und berichtete ihm: „Wir pflügten gerade mit den Rindern und die Eselinnen weideten nebenan, 15da fielen die Sabäer7 über uns her und raubten alle Tiere. Alle Knechte haben sie erschlagen. Nur ich bin entkommen, ich allein, um es dir zu berichten.“
16Während dieser noch redete, kam ein anderer und berichtete: „Ein Feuer Gottes ist vom Himmel gefallen. Es hat das Kleinvieh und die Knechte verbrannt und alles völlig aufgezehrt. Nur ich bin entkommen, ich allein, um es dir zu berichten.“
17Während dieser noch redete, kam ein anderer und berichtete: „Drei Horden der Chaldäer8 haben unsere Kamelherden überfallen und weggetrieben. Alle Knechte haben sie erschlagen. Nur ich bin entkommen, ich allein, um es dir zu berichten.“
18Während dieser noch redete, kam ein anderer und berichtete: „Deine Söhne und Töchter aßen miteinader und tranken Wein im Haus ihres ältesten Bruders. 19Da kam ein Sturm von jenseits der Wüste her und packte das Haus an allen vier Ecken. Es stürzte über den jungen Leuten zusammen und hat sie alle erschlagen. Nur ich bin entkommen, ich allein, um es dir zu berichten.“
20Da stand Hiob auf, riss sein Obergewand ein9 und schor sich den Kopf. Dann ließ er sich zur Erde sinken und beugte sich nieder.
21„Nackt bin ich aus dem Leib meiner Mutter gekommen, nackt gehe ich wieder dahin. Jahwe hat gegeben und hat es wieder genommen. Gelobt sei der Name Jahwes.“
22Bei alldem sündigte Hiob nicht und schrieb Gott nichts Ungebührliches zu.
Gott und seine „Söhne“
21Eines Tages kamen die Söhne Gottes, um sich vor Jahwe einzufinden. Unter ihnen war auch der Satan. 2Da sagte Jahwe zum Satan: „Wo kommst du denn wieder her?“ „Ich habe die Erde durchstreift“, erwiderte dieser, „und bin auf ihr hin und her gezogen.“ 3Da sagte Jahwe zum Satan: „Hast du auf meinen Diener Hiob geachtet? Auf der Erde gibt es keinen Zweiten wie ihn. Er ist mir aufrichtig und vollständig ergeben. Er fürchtet Gott und meidet das Böse. Und noch immer hält er an seiner Rechtschaffenheit fest. Du hast mich aufgereizt, ihn ohne Grund zu verderben.“ 4Da erwiderte der Satan Jahwe: „Haut um Haut! Alles, was der Mensch hat, gibt er für sein Leben. 5Taste ihn doch einmal selber an! Ob er dir dann nicht ins Gesicht hinein flucht?“ 6Da sagte Jahwe zum Satan: „Pass auf! Er ist in deiner Hand. Nur das Leben musst du ihm lassen!“
Hiob und seine Frau
7Da entfernte sich der Satan aus der Gegenwart Jahwes und ließ an Hiob von Kopf bis Fuß böse Geschwüre aufbrechen. 8Der setzte sich in einen Aschehaufen, nahm eine Scherbe in die Hand und begann, sich damit zu schaben.
9Da sagte seine Frau zu ihm: „Hältst du immer noch an deiner Gottergebenheit fest? Fluche Gott und stirb!“ 10Doch er sagte zu ihr: „Was redest du für dummes Zeug! Das Gute nehmen wir von Gott an, sollten wir da nicht auch das Böse annehmen?“ Bei alldem kam kein sündiges Wort über seine Lippen.
Hiobs Freunde kommen
11Hiob hatte drei Freunde: Elifas von Teman2, Bildad von Schuach und Zofar von Naama4. Sie hörten von dem Unglück, das Hiob getroffen hatte, und verabredeten sich, ihn gemeinsam zu besuchen. Sie wollten ihm ihr Beileid bezeugen und ihn trösten. 12Schon von fern sahen sie ihn, aber sie erkannten ihn nicht wieder. Da weinten sie laut. Sie rissen ihre Obergewänder ein und warfen Staub in die Luft, dass er auf ihre Köpfe fiel. 13Dann setzten sie sich zu Hiob auf die Erde. Sieben Tage und Nächte lang blieben sie so sitzen. Keiner sagte ein Wort zu ihm, denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.
Footnotes
- 3Geburtstag. Wörtlich: jeder an seinem Tag.
- 6Satan. Hebräisch: der Widersacher. Er hat die gleiche Natur wie die Engel, aber sein Charakter ist völlig anders geworden.
- 7Die Sabäer kamen vielleicht aus dem Gebiet um Saba bei Dedan im nördlichen Teil Arabiens.
- 8Chaldäer. Hier sind wohl die nomadischen Vorfahren der späteren Eroberer Babylons gemeint, die dann den Kern von Nebukadnezzars Imperium bildeten.
- 9riss … ein. Als Zeichen von Trauer und Entsetzen riss man vom Halsausschnitt an das Gewand mit einem heftigen Ruck etwa eine Handlänge ein.
- 2Elifas von Teman. Beides sind edomitische Namen. Teman war auch ein Ort im späteren Edom.
- 4Zofar von Naama. Diese Namen kommen in der Bibel sonst nicht vor und sind auch außerbiblisch bisher nicht bekannt.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden