Hesekiel 24–26
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Der rostige Topf
241Am 10. Januar im neunten Jahr unserer Verbannung kam das Wort Jahwes zu mir. 2„Mensch, schreib dir das Datum dieses Tages auf, genau den heutigen Tag! Heute hat der König von Babylon seinen Angriff auf Jerusalem begonnen. 3Trag dem widerspenstigen Volk ein Gleichnis vor. Sag zu ihnen: ‚So spricht Jahwe, der Herr:
Stell hin den Topf, stell hin und gieße auch Wasser hinein! 4Lege Fleisch in den Topf, lauter gute Stücke von Lende und Schulter. Gib die besten Knochen dazu. 5Nimm auserlesene Schafe! Das Holz ist darunter zu schichten! Lass die Fleischstücke sieden mit den Knochen darin!‘
6Darum spricht Jahwe, der Herr:
‚Wehe der blutbefleckten Stadt! Wehe dem rostigen Topf, dessen Rost nicht abgehen will! Stück für Stück nimm wahllos heraus! 7Denn das Blut, das sie vergoss, ist noch mitten in ihr. Auf die Felsplatte hat sie es geschüttet und es nicht einmal mit Erde bedeckt. 8Um Zorn heraufzuführen, um Rache zu nehmen, gebe ich auf kahlen Fels ihr Blut; es wird nicht mit Erde bedeckt.‘
9Darum spricht Jahwe, der Herr:
‚Wehe der blutbefleckten Stadt! Auch ich schichte einen großen Holzstoß auf. 10Trage nur viel Holz herbei! Entzünde das Feuer! Siede das Fleisch! Verkoche die Brühe, bis selbst die Knochen anglühen! 11Dann stell ihn leer auf seine Kohlen, dass der Topf sich erhitzt, seine Bronze erglüht, der Rost ausgebrannt wird, der ihn besudelt hat. 12Vergebliche Mühe! Er ist so mit Rost bedeckt, dass auch die Glut ihn nicht reinigen kann.‘
13Ich wollte dich reinigen, aber du warst nicht rein zu bekommen. Nun wirst du besudelt bleiben, bis ich meinen ganzen Zorn an dir ausgelassen habe. 14Ich, Jahwe, habe es gesagt. Es kommt und ich werde es tun! Ich lasse nicht nach, ich schone nicht, habe keine Bedenken. Nach deinem Verhalten und nach deinen Taten wird man dich richten, spricht Jahwe, der Herr.“
Tod ohne Trauer
15Das Wort Jahwes kam zu mir. Er sagte: 16„Du Mensch, ich nehme dir jetzt dein Liebstes weg, die Freude deiner Augen durch plötzlichen Tod. Doch du sollst nicht klagen und weinen. Keine Träne soll dir kommen, 17hemme das Seufzen! Unterlass die Totenklage! Binde deinen Kopfbund um und ziehe deine Schuhe an! Verhülle deinen Bart nicht und iss nichts von dem Trauerbrot, das man dir bringt!“
18Am Morgen darauf redete ich zum Volk. Am Abend starb meine Frau. Und am anderen Morgen verhielt ich mich so, wie mir befohlen war. 19Da fragten mich die Leute: „Willst du uns nicht erklären, was dein Verhalten für uns zu bedeuten hat?“
20Ich sagte zu ihnen: „Das Wort Jahwes kam zu mir: 21Sag den Leuten von Israel: So spricht Jahwe, der Herr: Passt auf! Ich entweihe mein Heiligtum, den Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid, die Freude eurer Augen und das Ziel eurer Sehnsucht. Eure Söhne und Töchter, die ihr verlassen musstet, werden umkommen unter dem Schwert. 22Da werdet ihr tun, was ich getan habe; ihr werdet den Bart nicht verhüllen und kein Trauerbrot von den Nachbarn annehmen. 23Ihr werdet den Kopfbund aufbehalten und die Schuhe an den Füßen. Ihr werdet nicht klagen und weinen, sondern hinmodern in euren Sünden und einer den anderen anstöhnen. 24So wird Hesekiël für euch zum Wahrzeichen sein. Wenn es kommt, werdet ihr euch genauso verhalten wie er. Dann werdet ihr erkennen, dass ich, Jahwe, der Herr bin.“
25„Aber du, Mensch, pass auf! An dem Tag, an dem ich ihnen ihre Zuflucht wegnehme, ihre Pracht und Wonne, die Freude ihrer Augen, das Ziel ihrer Sehnsucht und ihre Söhne und Töchter dazu; 26an dem Tag wird ein Flüchtling zu dir kommen, sodass du es mit eigenen Ohren hören kannst. 27Dann wird deine Zunge gelöst werden, du wirst mit ihm reden können und nicht länger stumm sein. Dann bist du ihnen zum Wahrzeichen geworden, und sie werden erkennen, dass ich Jahwe bin.“
Das Gericht über die Nachbarn von Juda (25–32)
Ammon
251Das Wort Jahwes kam zu mir. Er sagte: 2„Du Mensch, blick in Richtung der Ammoniter1 und weissage Folgendes gegen sie: 3‚Hört das Wort Jahwes, des Herrn! So spricht Jahwe, der Herr: Du lachst und spottest über mein Heiligtum, weil es entweiht ist, und über das Land Israel, weil es verwüstet wurde, und über das Volk der Juden, weil sie in die Gefangenschaft verschleppt sind. 4Deshalb gebe ich dich und dein Land den Beduinen des Ostens zum Besitz. Sie werden ihre Zelte bei euch aufschlagen und ihre Siedlungen in deinem Land errichten, sie werden deine Früchte essen und deine Milch trinken. 5Rabba mache ich zu einem Weideplatz für Kamele und eure Ortschaften zum Lagerplatz für Kleinvieh. Dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin – Jahwe! 6Denn so spricht Jahwe, der Herr: Weil du in die Hände geklatscht und vor Freude mit den Füßen gestampft hast, weil du voller Schadenfreude auf das Land Israel herabgesehen hast, 7deshalb gehe ich jetzt gegen dich vor. Ich gebe dich fremden Völkern preis und rotte dich aus der Völkergemeinschaft aus. Ich werde dich vernichten. Dann wirst du erkennen, dass ich Jahwe bin.‘ “
Moab
8So spricht Jahwe, der Herr: „Weil Moab2 und Seïr3 sagen: ‚Das Haus Juda ist so wie alle anderen Nationen‘, 9darum lege ich Moabs Schulter frei, seine Berghänge werden von all seinen Städten entblößt sein, von der Zierde des Landes über Bet-Jeschimot, Baal-Meon bis nach Kirjatajim. 10Ich gebe das Land und auch das der Ammoniter den Beduinen des Ostens, damit sich niemand mehr an die Ammoniter erinnern wird. 11So vollstrecke ich mein Strafgericht an den Moabitern; und sie werden erkennen, dass ich Jahwe bin.“
Edom
12So spricht Jahwe, der Herr: „Weil Edom4 grausam Rache am Haus Juda genommen und dabei schwere Schuld auf sich geladen hat, 13deshalb, spricht Jahwe, der Herr, gehe ich jetzt gegen Edom vor. Ich rotte Menschen und Vieh in ihm aus. Von Teman bis nach Dedan5 lege ich es in Trümmer, und alle seine Bewohner werden durchs Schwert umkommen. 14Meine Rache an Edom lasse ich durch mein Volk Israel vollziehen. Sie werden Edom meinen Zorn und Grimm spüren lassen, dass sie meine Rache erkennen, spricht Jahwe, der Herr.“
Die Philister
15So spricht Jahwe, der Herr: „Weil die Philister sich grausam gerächt haben mit hämischer Lust und voller Hass, um Juda aus uralter Feindschaft zu vernichten, 16darum spricht Jahwe, der Herr: ‚Passt auf, ich gehe gegen die Philister vor, diese Leute aus Kreta, und rotte die Bewohner der Küstenebene bis auf den letzten Rest aus. 17Mit grimmigen Strafen nehme ich gewaltige Rache an ihnen. Und wenn ich meine Rache über sie bringe, wird man erkennen, dass ich Jahwe bin.‘ “
Das Gericht über Tyrus
261Am 1. des Monats im elften Jahr unserer Verbannung kam das Wort Jahwes zu mir. Er sagte:
2„Du Mensch, weil Tyrus2 über Jerusalem sagte: ‚Ha! Zerbrochen ist das Tor der Völker! Jetzt fällt mir sein Reichtum zu, denn verwüstet ist die Stadt‘,
3darum spricht Jahwe, der Herr: ‚Jetzt gehe ich gegen dich vor, Tyrus! Wie das Meer gegen deine Klippen brandet, werde ich viele Völker gegen dich anstürmen lassen! 4Sie werden deine Mauern schleifen, Tyrus, und deine Türme niederreißen. Ich fege deine Erde von dir weg und mache dich zu einem kahlen Felsen im Meer, 5zu einem Trockenplatz für Fischernetze. Ich habe das gesagt‘, spricht Jahwe, der Herr. ‚Völker werden Tyrus ausplündern, 6seine Tochterstädte auf dem Festland zerstören und deren Einwohner töten. Daran wird man erkennen, dass ich Jahwe bin.‘ “
7So spricht Jahwe, der Herr: „Ich werde den Großkönig Nebukadnezzar, den König von Babylon, über Tyrus kommen lassen. Er kommt vom Norden her mit Pferden, Streitwagen, Reitern und einem riesigen Heer. 8Er wird deine Tochterstädte zerstören und einen Wall gegen dich aufschütten, Angriffsrampen gegen deine Mauern vorantreiben und ein Schutzdach aus Langschilden gegen dich aufstellen. 9Der Stoß seiner Rammböcke wird deine Mauern treffen. Mit Brecheisen reißt er deine Türme ein. 10Eine Staubwolke wird dich bedecken, wenn er anrückt mit der Masse seiner Pferde. Der Lärm seiner Reiter, Räder und Wagen lässt deine Mauern erbeben, wenn er durch deine Tore einfährt, wie man in eine aufgebrochene Stadt einzieht. 11Die Hufe seiner Pferde zerstampfen deine Straßen, dein Volk erschlägt er mit dem Schwert. Die stolzen Steinsäulen, die du verehrst, sinken in Trümmer. 12Sie plündern deinen Besitz, sie rauben deine Waren, sie schleifen deine Mauern und zerstören deine Paläste. Und deine Steine, dein Holz und deinen Schutt schütten sie ins Meer. 13Ich lasse den Klang deiner Lieder verstummen, und die Musik deiner Harfen wird nicht mehr gehört. 14Ich mache dich zu einem kahlen Felsen, zu einem Trockenplatz für Fischernetze. Du wirst nicht wieder aufgebaut werden, denn ich, Jahwe, habe das gesagt!“, spricht Jahwe, der Herr.
15So spricht Jahwe, der Herr, gegen Tyrus: „Vom Donnergetöse deines Falls werden die Inseln erbeben, wenn Mörder in dir wüten und jeder Durchbohrte stöhnt. 16Dann sinken die Fürsten des Meeres von ihren Thronen. Sie legen ihre Mäntel ab, ziehen ihre buntgewirkten Kleider aus und kleiden sich in zitternde Angst. Vor Entsetzen kauern sie auf dem Boden und erschaudern wegen dir. 17Dann stimmen sie die Totenklage über dich an:
‚Ach, wie bist du zerstört, du ruhmreiche Stadt, du Festung am Meer! Du hattest solche Macht auf der See, hast ihre Anwohner in Schrecken versetzt. 18Nun zittern die Küsten am Tag deines Falls; über dein Ende sind die Inseln entsetzt.‘ “
19Denn so spricht mein Herr, Jahwe: „Wenn ich dich zu einer verwüsteten und menschenleeren Stadt mache, wenn ich die Flut über dich kommen lasse, sodass du darin untergehst, 20dann musst du in die Totenwelt hinab zu den längst Verstorbenen, in die tiefste Tiefe zu den uralten Ruinen. Dann wirst du nie mehr bewohnt und hast keinen Platz mehr im Land der Lebendigen. 21Tödlichem Terror gebe ich dich preis, du wirst nicht mehr sein! Man wird dich suchen, aber nicht mehr finden. Das gilt für alle Zeit, spricht Jahwe, der Herr.“
Footnotes
- 1Das Stammland der Ammoniter umfasste das Gebiet um Rabba-Ammon (heute Amman) vor allem östlich davon und nördlich bis zum Oberlauf des Jabbok.
- 2Die Moabiter lebten östlich des Toten Meeres zwischen den Flüssen Arnon und Zered.
- 3Seïr. Gebirge südlich des Toten Meeres, das von Edomitern bewohnt wurde.
- 4Edom. Land östlich der Araba und südlich vom Toten Meer, bewohnt von den Nachkommen Esaus.
- 5Teman ist ein Gebiet mitten in Edom, in der Nähe von Petra. Dedan ist ein Stamm und ein Gebiet im Süden Edoms.
- 2Tyrus war die wichtigste Hafenstadt an der phönizischen Küste, 56 km nördlich vom Berg Karmel. Zu dieser Zeit lag die Stadt schon auf einer Felseninsel vor dem Festland.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden