2. Könige 18,9–20,19
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Die Assyrer erobern Samaria
9Im vierten Regierungsjahr Hiskijas – es war das siebte Jahr des Königs Hoschea Ben-Ela von Israel – zog König Salmanassar von Assyrien nach Samaria und belagerte die Stadt. 10Nach fast drei Jahren eroberte er sie. Das war im sechsten Regierungsjahr Hiskijas und im neunten Hoscheas. 11Der Assyrerkönig verschleppte die Bevölkerung Israels nach Assyrien und siedelte sie in der Provinz Halach an, am Fluss Habor, in der Provinz Gosan und in den Städten Mediens. 12Das alles geschah, weil die Israeliten nicht auf Jahwe, ihren Gott, gehört hatten. Sie brachen seinen Bund und befolgten die Gebote nicht mehr, die Mose, der Diener Gottes, ihnen verkündet hatte.
Assyrer vor Jerusalem
13Im 14. Regierungsjahr Hiskijas marschierte der assyrische König Sanherib in Juda ein und eroberte alle befestigten Städte6. 14Da schickte König Hiskija Boten zum Assyrerkönig, der mit seinem Heer vor Lachisch7 stand, und ließ ihm ausrichten: „Ich habe einen schweren Fehler gemacht. Zieh bitte aus meinem Land wieder ab! Ich will auch alles tragen, was du mir auferlegst!“ Der Assyrerkönig verlangte von Hiskija 300 Talente Silber und 30 Talente Gold. 15So lieferte ihm Hiskija alles Silber ab, das sich im Haus Jahwes und in den Schatzkammern des Königs befand. 16Außerdem ließ er damals das Goldblech an den Türen und Pfosten vom Haus Jahwes abreißen, die er selbst erst hatte überziehen lassen, und übergab es dem Assyrerkönig.
17Doch dieser schickte von Lachisch aus den Tartan, seinen obersten Feldherrn, zusammen mit dem Rabsaris und dem Rabschake, seinen höchsten Würdenträgern, mit einem gewaltigen Heer zu Hiskija nach Jerusalem. Die Würdenträger stellten sich an der Straße auf, die zu dem Feld führt, wo die Tuchmacher ihre Stoffe bleichen, an das Ende der Wasserleitung beim oberen Teich. 18Dort riefen sie nach dem König. Da kamen Eljakim Ben-Hilkija, der Palastvorsteher, der Staatsschreiber Schebna und der Kanzler Joach Ben-Asaf zu ihnen hinaus. 19Der Rabschake trug ihnen eine Botschaft an Hiskija auf:
„Der Großkönig, der König von Assyrien, lässt dir sagen: Worauf vertraust du eigentlich, dass du dich so sicher fühlst? 20Meinst du, der Ausgang eines Krieges wird von Worten bestimmt? Auf wen vertraust du denn, dass du es wagst, gegen mich zu rebellieren? 21Verlässt du dich etwa auf Ägypten, dieses zerbrochene Bambusrohr, das jedem die Hand verletzt, der sich darauf stützt? Der Pharao von Ägypten ließ noch jeden im Stich, der sich auf ihn verließ. 22Vielleicht wirst du jetzt behaupten: Wir vertrauen auf Jahwe, unseren Gott! Aber hat Hiskija nicht gerade dessen Höhenheiligtümer und Altäre beseitigt? Hat er nicht den Leuten in Juda und Jerusalem befohlen, nur noch vor dem einen Altar in Jerusalem anzubeten? – 23Mein Herr, der König von Assyrien, bietet dir eine Wette an: ‚Ich will dir 2000 Pferde geben, wenn du die Reiter dazu stellen kannst!‘ 24Wie willst du auch nur einen einzigen Provinzstatthalter vertreiben, einen der geringsten Diener meines Herrn? Aber du verlässt dich ja auf die Macht der ägyptischen Pferde und Streitwagen! 25Und noch etwas: Bin ich etwa gegen den Willen Jahwes in dieses Land einmarschiert, um es in Schutt und Asche zu legen? Jahwe selbst hat mir gesagt: Greif dieses Land an und verwüste es!“
26Da unterbrachen Eljakim, Schebna und Joach den Würdenträger und baten ihn: „Sprich doch aramäisch mit uns! Wir verstehen es. Sprich bitte nicht judäisch, denn die Leute auf der Stadtmauer hören uns zu!“ 27Doch der Rabschake erwiderte: „Hat mich mein Herr etwa nur zu dir und deinem Herrn gesandt? Nein, gerade diese Männer, die da oben auf der Mauer sitzen, sollen es hören. Denn bald werden sie zusammen mit euch ihren eigenen Kot fressen und ihren Harn saufen.“
28Da trat der Rabschake noch ein Stück vor und rief laut auf Judäisch: „Hört, was der Großkönig, der König von Assyrien, euch sagen lässt: 29Lasst euch nicht von Hiskija täuschen! Er kann euch nicht retten. 30Lasst euch von ihm auch nicht auf Jahwe vertrösten: ‚Jahwe wird uns bestimmt retten; diese Stadt wird dem Assyrerkönig nicht in die Hände fallen!‘ 31Hört nicht auf Hiskija! Denn der König von Assyrien sagt euch: Kommt heraus und ergebt euch mir! Dann kann jeder von seinem Weinstock und Feigenbaum essen und aus seiner Zisterne trinken, 32bis ich euch in ein Land bringe, das ebenso gut wie eures ist, wo es Korn und Most, Brot und Weinberge gibt, Ölbäume und Honig. So werdet ihr am Leben bleiben und nicht umkommen. Lasst euch von Hiskija nicht verführen, wenn er behauptet: ‚Jahwe wird uns retten!‘ 33Hat denn irgendein Gott der anderen Völker sein Land vor dem König von Assyrien retten können? 34Wo sind denn die Götter von Hamat und Arpad? Wo sind die Götter von Sefarwajim, Hena9 und Awa? Haben sie etwa Samaria vor mir beschützt? 35Wer von allen Göttern hat sein Land vor mir retten können? Und dann soll Jahwe Jerusalem vor mir beschützen?“
36Die Männer auf der Mauer schwiegen und gaben ihm keine Antwort, wie es der König befohlen hatte. 37Die drei Unterhändler gingen mit eingerissenen Gewändern zu Hiskija und berichteten ihm, was der Rabschake gesagt hatte.
Jahwe ermutigt Hiskija
191Als der König Hiskija das hörte, riss er sein Obergewand ein, zog den Trauersack an und ging ins Haus Jahwes. 2Dann schickte er den Palastvorsteher Eljakim und den Staatsschreiber Schebna mit den Ältesten der Priesterschaft, ebenfalls im Trauersack, zu dem Propheten Jesaja Ben-Amoz. 3Im Namen des Königs sollten sie ihm sagen: „Heute ist ein schrecklicher Tag, wir sind gezüchtigt und geschmäht. Die Kinder sind bis an den Muttermund gekommen, aber zum Gebären ist keine Kraft mehr da. 4Wenn doch Jahwe, dein Gott, die Worte des Rabschake hören wollte, den der König von Assyrien geschickt hat, um ihn, den lebendigen Gott, zu verhöhnen. Vielleicht bestraft er den König wegen dieser Worte, die er gehört hat. Bete doch für die, die von Gottes Volk noch übrig geblieben sind.“
5Die Männer des Königs kamen zu Jesaja und erhielten folgende Antwort: 6„Sagt eurem Herrn: ‚So spricht Jahwe: Hab keine Angst vor den Drohungen, die du gehört hast! Fürchte dich nicht vor den Lästerungen der Boten des assyrischen Königs! 7Pass auf, ich werde dafür sorgen, dass er ein Gerücht hört und in sein Land zurückkehrt! Dort werde ich ihn umbringen lassen.‘ “
8Auch der Rabschake kehrte zum König von Assyrien zurück. Er hatte erfahren, dass dieser von Lachisch aufgebrochen war und inzwischen gegen Libna kämpfte. 9Sein König wiederum hatte gehört, dass der nubische1 König Tirhaka mit einem Heer gegen ihn heranrücken würde. Deshalb schickte er noch einmal Boten zu Hiskija 10und ließ ihm ausrichten: „Lass dich von deinem Gott nicht täuschen, auch wenn du ihm vertraust! Denke nicht, dass Jerusalem dem König von Assyrien niemals in die Hände fällt! 11Du hast ja gehört, was die Könige von Assyrien mit all den anderen Ländern gemacht haben, an denen sie den Bann3 vollstreckten. Und da willst ausgerechnet du verschont bleiben? 12Haben die Götter der Völker, die meine Vorfahren vernichtet haben, ihre Nationen etwa retten können: Gosan4, Haran, Rezef6 und die Bevölkerung Edens7 in Telassar8? 13Wo sind denn die Könige, die in Hamat und Arpad regierten? Wo sind die Könige von Sefarwajim, Hena und Awa?“
14Hiskija nahm das Schreiben der Boten in Empfang und las es. Dann ging er in den Tempel, breitete es vor Jahwe aus 15und betete: „Jahwe, du allmächtiger Gott Israels, der über den Cherubim9 thront, du allein bist Gott und Herr über alle Reiche der Welt. Du hast Himmel und Erde geschaffen. 16Schenk mir Gehör, Jahwe! Sieh doch, wie es uns geht! Hör doch, wie Sanherib dich, den lebendigen Gott, verhöhnt! 17Es ist wahr, Jahwe, die Könige von Assyrien haben alle diese Völker und Länder verwüstet.18Sie haben deren Götter ins Feuer geworfen. Aber das waren ja keine Götter, sondern Machwerke aus Holz und Stein. Die konnten sie vernichten. 19Doch jetzt, Jahwe, unser Gott, rette uns vor ihm, damit alle Königreiche der Welt erkennen, dass du, Jahwe, allein Gott bist.“
20Da ließ Jesaja Ben-Amoz Hiskija ausrichten: „So spricht Jahwe, der Gott Israels: Ich habe gehört, was du zu mir wegen Sanherib, dem König von Assyrien, gebetet hast. 21Höre nun, was Jahwe über ihn sagt:
Zion, die unberührte junge Frau, verachtet dich und spottet über dich, die Tochter Jerusalem schüttelt den Kopf. 22Wen hast du verhöhnt und geschmäht, gegen wen die Stimme erhoben? Mit wem ließest du dich ein? – Mit Israels heiligem Gott!
23Durch deine Boten verhöhntest du ihn. Du prahlst: ‚Mit den Streitwagen bezwang ich die Berge, ich stieg bis zum Gipfel des Libanon. Den Hochwald seiner Zedern habe ich gefällt, seine schönsten Zypressen dazu. Ich kam in das entlegenste Versteck, drang in jedes Dickicht vor. 24Ich grub nach fremdem Wasser und trank davon. Mit meiner Fußsohle trocknete ich Ägyptens Flüsse aus.‘
25Hast du es nicht gehört? Schon vor langer Zeit habe ich es gewollt. Seit uralten Tagen habe ich es geplant, jetzt ließ ich es kommen, dass du befestigte Städte zerstörst, sie zu öden Steinhaufen machst. 26Machtlos waren ihre Bewohner, von Schrecken erfüllt. In Schande sind sie gestoßen. Sie waren wie Kraut auf dem Feld, wie grünes Gras, wie Gras auf den Dächern, vom Ostwind verdorrt. 27Ich weiß, ob du ruhst oder gehst oder kommst. Ich kenne auch dein Toben gegen mich. 28Und weil du so gegen mich tobst, ziehe ich dir einen Ring durch die Nase und lege dir einen Zaum ins Maul und führe dich auf dem Weg zurück, auf dem du gekommen bist.
29Und du, Hiskija, wirst daran erkennen, dass es so geschieht: In diesem Jahr werdet ihr den Nachwuchs der Ernte essen, im nächsten Jahr den Wildwuchs, aber im dritten Jahr werdet ihr wieder säen und ernten, Weinberge pflanzen und ihre Früchte genießen. 30Und die Bewohner Judas, die mit dem Leben davongekommen sind, werden wieder Wurzeln schlagen und Früchte tragen. 31Denn ein Rest wird aus Jerusalem kommen, Übriggebliebene vom Berg Zion. Das wird Jahwe, der…
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Footnotes
- 6… Städte. In seinen Annalen rühmte sich Sanherib, 46 befestigte Städte in Juda eingenommen, zahllose Dörfer erobert und mehr als 200.000 Gefangene gemacht zu haben. Er habe Hiskija zu einem „Gefangenen in Jerusalem, seiner eigenen Residenz, gemacht wie einen Vogel im Käfig“.
- 7Lachisch. Stadt im Hügelland, 46 km südwestlich von Jerusalem. Sie wurde von König Rehabeam zur Festung ausgebaut.
- 9Hena. Vermutlich Stadt in Nordsyrien.
- 1Nubien. Land am Oberlauf des Nil.
- 3Bann. Das bedeutete die vollständige Vernichtung von Menschen, Tieren und Gütern.
- 4Gosan. Stadt in Nordmesopotamien, in die einige Israeliten von den Assyrern deportiert worden waren.
- 6Rezef. Stadt zwischen Haran und dem Euphrat.
- 7Eden. Aramäisches Fürstentum in der Nähe des oberen Euphrat-Tals.
- 8Telassar. Noch nicht identifizierte Stadt in Eden zwischen den Flüssen Euphrat und Balich.
- 9Cherubim. Majestätische (Engel-)Wesen, die Gottes Herrlichkeit repräsentieren. Geschnitzte Abbilder von ihnen breiteten ihre Flügel über die Bundeslade Israels aus und bildeten im Tempel die sichtbare Basis für den unsichtbaren Thron Gottes.
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden