Logos Bible Study

Jeremia 7–8

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Auf Heuchelei folgt Götzendienst (7–10)

Jeremias erste Tempelrede

71Wort Jahwes, das zu Jeremia kam: 2Stell dich ins Tor vom Haus Jahwes und rufe: „Hört das Wort Jahwes, ihr Judäer! Hört her, die ihr durch diese Tore kommt, weil ihr Jahwe anbeten wollt! 3So spricht Jahwe, der allmächtige Gott Israels: ‚Ändert euer Leben und Tun! Nur dann lasse ich euch an diesem Ort bleiben. 4Verlasst euch nicht auf solche Lügenworte wie: »Das hier ist der Tempel Jahwes! Es ist der Tempel Jahwes! Jahwes Tempel ist das!«5Denn nur, wenn ihr euer Leben und Tun von Grund auf bessert, wenn ihr wirklich ‹nach Gottes› Recht miteinander lebt, 6wenn ihr Fremde, Waisen und Witwen nicht ausnutzt und hier nicht das Blut unschuldiger Menschen vergießt und wenn ihr nicht den fremden Göttern nachlauft zu eurem eigenen Schaden, 7nur dann werde ich euch für immer an diesem Ort wohnen lassen, in dem Land, das ich euren Vorfahren gegeben habe.

8Seht doch ein, dass ihr euch nur auf Lügen verlasst, die euch gar nichts nützen! 9Wie? Ihr stehlt und mordet, ihr brecht die Ehe, schwört Meineide, bringt dem Baal Räucheropfer und lauft anderen Göttern nach, die euch gar nichts angehen! 10Und dann kommt ihr her und tretet in diesem Haus vor mich hin – in diesem Haus, das meinen Namen trägt – und sagt: »Wir sind doch gerettet!«, um dann weiter all diese Gräuel zu verüben. 11Ist denn dieses Haus, das meinen Namen trägt, für euch zu einer Räuberhöhle geworden? – Gut, dann sehe ich es auch so an, spricht Jahwe.

12Geht doch zu meiner Stätte in Schilo, wo ich früher meinen Namen wohnen ließ, und seht euch an, was ich ihr angetan habe wegen der Bosheit meines Volkes Israel! 13Nun denn, ihr habt genau das Gleiche getan‘, spricht Jahwe. ‚Ich habe zu euch geredet, habe mich beizeiten aufgemacht, geredet und geredet, aber ihr habt einfach nicht gehört. Ich habe euch gerufen, aber ihr habt nicht geantwortet. 14Darum werde ich jetzt mit diesem Haus, das meinen Namen trägt und auf das ihr euch verlasst, genauso verfahren wie mit Schilo. Ich werde diesem Ort, den ich euch und euren Vorfahren gegeben habe, dasselbe Schicksal bereiten. 15Und ich werde euch aus meiner Gegenwart wegschleudern, so wie ich es mit euren Brüdern, den Leuten von Efraïm, getan habe.‘ “

Jeremia darf nicht für sein Volk beten

16„Du aber, hör auf für dieses Volk zu bitten! Kein Gebet mehr, kein Flehen! Hör auf, in mich zu dringen, denn ich werde nicht auf dich hören! 17Siehst du nicht, was sie in den Städten Judas und auf den Straßen Jerusalems treiben? 18Die Kinder lesen das Holz zusammen, die Väter zünden das Feuer an und die Frauen kneten den Teig und backen Kuchen als Opfer für die Himmelskönigin3. Und anderen Göttern spendet man Trankopfer, nur um mich zu kränken. 19Doch kränken sie denn mich damit?“, spricht Jahwe. „Bringen sie nicht Schande über sich selbst?“ 20Darum spricht Jahwe, der Herr: „Passt auf! Ich werde meinen grimmigen Zorn über diesen Ort gießen, über Menschen und Tiere, über die Bäume und die ganze Ernte. Er brennt wie ein Feuer, das niemand löschen kann.“

Ein Volk, das nicht hört

21So spricht Jahwe, der allmächtige Gott Israels: „Esst ruhig auch das Fleisch eurer Brandopfer4, wie ihr es bei den Freudenopfern macht. 22Denn als ich eure Vorfahren aus Ägypten herausführte, habe ich ihnen nicht befohlen, mir Brand- oder Freudenopfer darzubringen, 23sondern ich habe ihnen gesagt: ‚Gehorcht mir, dann will ich euer Gott sein und ihr seid mein Volk! Lebt nach meinen Weisungen, dann geht es euch gut!‘ 24Aber sie wollten nicht gehorchen, ja, sie hörten noch nicht einmal zu, sondern machten eigensinnig, was aus ihrem bösen Herzen kam, und drehten mir den Rücken zu. 25Von dem Tag an, als eure Vorfahren aus Ägypten zogen, bis heute habe ich immer wieder von neuem meine Diener, die Propheten, zu euch geschickt. 26Aber keinen von euch kümmerte das. Niemand hörte auf mich. Alle blieben stur und trieben es schlimmer als ihre Väter.

27Wenn du ihnen das alles vorhältst, werden sie auch auf dich nicht hören. Dein Rufen wird ohne Antwort bleiben. 28Sag dann zu ihnen: ‚Das ist das Volk, das nicht auf Jahwe, seinen Gott, hört und das sich gar nichts sagen lässt. Treue und Wahrheit sind verschwunden, es ist keine Rede mehr davon.‘ “

Das Tal der Toten

29„Schneid ab dein langes Haar und wirf es weg. Stimm Trauerlieder auf den kahlen Höhen an, denn Jahwe zürnt dieser Generation. Verworfen und verstoßen hat er sie. –30Ja, die Judäer taten, was mir missfällt“, spricht Jahwe. „Sie haben ihre Scheusale in das Haus gestellt, das meinen Namen trägt, und haben es so entweiht. 31Im Hinnomtal haben sie die Opferhöhe des Tofet6 errichtet, um ihre Söhne und Töchter dort zu verbrennen, was ich ihnen nie befohlen habe. Niemals ist mir so etwas in den Sinn gekommen! 32Darum passt auf! Es wird die Zeit kommen“, spricht Jahwe, „da wird man diesen Ort nicht mehr Tofet oder Hinnomtal nennen, sondern Mordtal. Man wird die Toten im Tofet begraben müssen, weil man sonst keinen Platz mehr dazu hat. 33Die Leichen dieses Volkes werden den Vögeln und den wilden Tieren zum Fraß dienen, und niemand wird sie verscheuchen. 34In den Städten Judas und den Straßen von Jerusalem wird jeder Jubelruf verstummen. Ich lasse alles Freudengeschrei enden, auch den Ruf von Bräutigam und Braut, denn das Land wird ein einziges Trümmerfeld sein.“

81„Wenn das geschieht“, spricht Jahwe, „wird man die Knochen der Könige von Juda und die ihrer hohen Beamten, die Knochen der Priester, der Propheten und die der Bewohner von Jerusalem aus ihren Gräbern herausholen. 2Man wird sie ausbreiten vor Sonne, Mond und dem ganzen Sternenheer, die sie geliebt und denen sie gedient haben, denen sie nachgelaufen sind, die sie befragt haben und vor denen sie sich niederwarfen. Niemand wird die Knochen wieder einsammeln. Sie sollen zum Dünger für die Äcker werden. 3Und für den Rest von dieser bösen Sippschaft wird der Tod besser als das Leben sein, und zwar überall, wohin ich sie vertreiben werde“, spricht Jahwe, der Allmächtige.

Beispiellose Sturheit

4„Und sage ihnen: So spricht Jahwe: Fällt man denn und steht nicht gleich wieder auf? Wendet man sich ab und dreht sich nicht wieder um? 5Warum wendet das Volk Jerusalems sich ab und bleibt in dauernder Abkehr? Ihren Irrtum geben sie nicht auf, einer Umkehr verweigern sie sich. 6Ich habe gehört, was sie sagen – die Wahrheit ist es nicht. Keiner bereut seine Bosheit und sagt: Was habe ich nur getan? Alle stürzen auf ihrem falschen Weg weiter, stürmen wie Pferde in die Schlacht.

7Selbst der Storch am Himmel kennt seine Zeiten, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Frist ihres Heimkommens ein. Nur mein Volk kennt die Ordnung Jahwes nicht. 8Wie könnt ihr sagen: Wir wissen Bescheid, wir haben doch Jahwes Gesetz! Gewiss! Aber deine Gelehrten, sie haben es völlig verfälscht. 9Eure Weisen werden beschämt, ertappt und bestürzt. Ja, sie haben Jahwes Wort verworfen. Und was für eine Weisheit haben sie nun?

10Darum gebe ich Fremden ihre Frauen, ihre Felder neuen Besitzern. Denn vom Kleinsten bis zum Größten, alle raffen sie Raub, vom Propheten bis zum Priester, alle täuschen das Volk. 11Die schwere Wunde meines Volkes behandeln sie nur äußerlich. ‚Heile, heile, Segen‘, sagen sie, aber nichts und niemand ist heil.“

12„Schämen müssten sie sich wegen ihres schändlichen Treibens. Aber sie denken gar nicht daran. Sie kennen keine Scham. Deshalb werden sie fallen, wenn alles fällt. Und wenn ich komme, um sie zur Rechenschaft zu ziehen, werden sie stürzen“, spricht Jahwe.

13„Will ich bei ihnen ernten“, spricht Jahwe, „so sind keine Trauben am Weinstock, keine Feigen am Baum und alle Blätter verwelkt. Da gebe ich sie denen hin, die sie zertreten!“

14„Wozu sitzen wir herum? Sammelt euch! Gehen wir los! Hinein in die befestigten Städte! Sterben wir dort! Denn Jahwe, unser Gott, beschloss unseren Tod. Vergiftetes Wasser gab er uns zu trinken, denn wir haben gegen Jahwe gesündigt. 15Wir warteten auf Frieden, doch es kam nichts Gutes. Wir hofften auf Heilung – und nun das Entsetzen! 16Von Dan1 vernimmt man schon das Schnauben der Pferde, das Wiehern der Starken erschüttert das Land. Sie kommen und fressen alles auf, auch die Städte und ihre Bewohner.“

17„Passt auf!“, spricht Jahwe. „Ich lasse Schlangen auf euch los, Vipern, die man nicht beschwören kann, und sie werden euch beißen!“

Jeremia leidet mit seinem Volk

18Mein fröhliches Gesicht verbirgt meinen Kummer. Er lastet auf mir und macht mein Herz krank. 19Hört, wie mein Volk aus fernem Land schreit: „Ist Jahwe nicht in Zion? Ist sein König nicht darin?“ – „Warum haben sie mich denn mit ihren Bildern provoziert, mit geschnitzten Nichtigkeiten fremder Religion?“

20„Die Ernte ist vorüber, der Herbst ist vorbei, und es ist keine Hilfe gekommen!“

21Dass meine Tochter zusammenbrach, mein Volk, das hat auch mich gebrochen. Ich bin in Trauer, mich packt das Entsetzen. 22Gibt es in Gilead keine Salbe mehr? Gibt es dort keinen Arzt? Gibt es keine Heilung für mein Volk? Weshalb wächst die Wunde nicht zu? 23Wäre mein Kopf ein Gewässer und meine Augen Tränenquellen, dann würde ich unsere Toten beweinen Tag und Nacht.

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Footnotes

  1. 3Himmelskönigin war ein babylonischer Name für die Göttin Ischtar (Astarte), eine Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin, deren Verehrung auch kultische Prostitution einschloss.
  2. 4Brandopfer. Normalerweise musste es vollständig verbrannt werden.
  3. 6Tofet heißt Feuerstelle und meint eine Feuergrube, in die hilflose Kinder geworfen wurden.
  4. 1Dan war eine Stadt an der Nordgrenze Israels.