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Jeremia 2–6

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Auf Untreue folgt Gericht (2–6)

Das treulose Volk

21Das Wort Jahwes kam zu mir. Er sagte: 2„Geh und ruf es Jerusalem in die Ohren: So spricht Jahwe:

‚Ich denke an deine Jugendtreue, an die Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, in dem Land, wo nichts gesät werden kann. 3Israel war Jahwe geweiht, es war die Erstfrucht seiner Ernte. Wer davon aß, machte sich schuldig, Unglück kam über ihn‘, spricht Jahwe.

4Hört das Wort Jahwes, ihr Nachkommen Jakobs, ihr Sippen vom Haus Israel! 5So spricht Jahwe: Welches Unrecht fanden eure Väter an mir, dass sie sich von mir entfernten, dass sie dem Nichts nachliefen und so selbst zu Nichts geworden sind. 6Sie fragten nicht: ‚Wo ist Jahwe, der uns aus Ägypten geführt, der uns den Weg wies durch die Wüste, durch ein wildes, zerklüftetes Land, ein Land des Durstes und des Dunkels, das niemand bewohnt und niemand durchzieht?‘

7Ich brachte euch ins Gartenland, damit ihr dessen Frucht und Güter genießt. Doch kaum wart ihr dort, habt ihr es besudelt, habt mir mein Eigentum zum Abscheu gemacht. 8Die Priester fragten nicht: ‚Wo ist Jahwe?‘ Die Hüter des Gesetzes kannten mich nicht, die Hüter des Volkes brachen mit mir. Die Propheten weissagten in Baals1 Diensten und liefen denen nach, die ohne Nutzen sind.

9Darum klage ich euch weiterhin an, spricht Jahwe. Auch eure Enkel verklage ich noch! 10Fahrt doch zu den Inseln der Kittäer2, schaut euch dort um! Schickt Leute nach Kedar3, erkundigt euch genau! Ist jemals so etwas geschehen? 11Hat je ein Volk die Götter ausgetauscht? Dabei sind es nicht einmal Götter! Doch mein Volk tauscht seine Herrlichkeit ein gegen das, was gar nichts nützt! 12Schaudert, ihr Himmel, bebt vor Entsetzen, spricht Jahwe. 13Denn mein Volk hat doppelt Unrecht getan: Mich verließen sie, die Quelle lebendigen Wassers, um sich Regengruben auszuhauen, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten.

14Ist Israel denn ein Sklave, gar ein Sklave von Geburt? Warum ist es zur Beute geworden? 15Junglöwen brüllten über ihm. Sie haben sein Land zur Wüste gemacht. Seine Städte sind verbrannt und menschenleer. 16Nun kommen auch noch die Ägypter von Memphis4 und Tachpanhes5 und weiden dir den Scheitel ab. 17Das hast du dir selbst zuzuschreiben, denn du hast Jahwe, deinen Gott, verlassen, als er dich noch auf seinem Weg führte. 18Was nützt es jetzt, nach Ägypten zu laufen? Willst du das Nilwasser trinken? Was nützt es, nach Assyrien zu gehen? Willst du aus dem Euphrat schöpfen? 19Deine Bosheit bringt dich ins Unglück, dein treuloses Treiben führt die Strafe herbei. Sieh doch ein, wie schlimm und bitter es ist, Jahwe, deinen Gott, zu verlassen und keine Ehrfurcht zu haben vor mir, spricht Jahwe, der Herr aller Heere.

20Denn von jeher zerbrachst du dein Joch6, sprengtest deine Fesseln. ‚Ich will nicht dienen!‘, sagtest du und legtest dich als Hure auf jeden hohen Hügel und unter jeden grünen Baum. 21Ich hatte dich als Edelrebe gepflanzt, du warst ein erlesenes Gewächs. Wie hast du dich verwandelt! Ich sehe nur noch entartete Reben, einen fremden, verwilderten Weinstock. 22Auch wenn du dich mit Lauge wäschst, wenn du noch so viel Waschpaste nimmst, der Schmutz deiner Schuld bleibt immer vor mir, spricht Jahwe, der Herr.

23Wie kannst du nur sagen: ‚Ich bin nicht befleckt, hatte nichts mit Götzen7 zu tun!‘? Schau auf dein Treiben im Tal8, denk über deine Taten nach! Du brünstiges Kamel läufst ständig hin und her. 24Die wilde Eselin, an die Wüste gewöhnt: Vor lauter Gier schnappt sie nach Luft, ihre Brunst ist nicht zu bremsen. Wer sie sucht, muss sich nicht müde laufen, in ihrer Brunstzeit findet er sie. 25Erspare deinem Fuß die Blöße, deiner Kehle den Durst! Doch du sagst: ‚Nein, auf keinen Fall! Ich liebe diese Fremden und laufe ihnen nach!‘

26Wie ein ertappter Dieb beschämt dasteht, so muss sich das Haus Israel schämen: alle, die dazu gehören, ihre Könige und hohen Beamten, ihre Priester und ihre Propheten. 27Sie sagen zum Holzstück: ‚Du bist mein Vater!‘, und zur Steinfigur: ‚Du brachtest mich zur Welt!‘ Mir kehren sie den Rücken zu und nicht das Gesicht. Doch wenn das Unglück sie trifft, dann schreien sie: ‚Steh auf und rette uns!‘ 28Wo sind denn deine Götter, die du dir selber machst? Lass sie doch aufstehen, falls sie helfen können, wenn dann dein Unglück kommt. Denn so zahlreich wie deine Städte sind deine Götter, Juda!

29Warum klagt ihr mich an? Ihr habt doch mit mir gebrochen, spricht Jahwe. 30Vergeblich schlug ich eure Söhne, sie ließen sich nicht erziehen. Euer eigenes Schwert fraß eure Propheten wie ein Löwe, der alles ins Verderben reißt. 31O gegenwärtiges Geschlecht! Beachtet doch das Wort Jahwes! War ich für Israel denn eine Wüste, war ich ein finsteres Land? Warum sagt mein Volk: ‚Los, wir gehen! Wir kommen nicht zu dir zurück.‘ 32Vergisst ein Mädchen seinen Schmuck, eine Braut ihren prächtigen Gürtel? Doch mein Volk vergaß mich schon seit so langer Zeit. 33In der Jagd nach Liebhabern bist du unübertrefflich. So hast du dich an deine Verbrechen gewöhnt. 34Ja, an deinen Säumen findet sich das Lebensblut schuldloser Armer, und die hast du nicht beim Einbruch ertappt! Ja, es fand sich sogar noch mehr. 35Und bei allem sagst du immer noch: / ‚Ich bin doch ohne Schuld! Er ist ja nicht mehr zornig auf mich!‘ Gerade deshalb mache ich dir den Prozess. 36Warum beeilst du dich so und wechselst die Seiten? Ägypten wird dich genauso enttäuschen, wie dich Assyrien ernüchtert hat. 37Auch von dort kommst du ratlos zurück, die Hände vorm Gesicht. Jahwe hat die verworfen, auf die du vertraust. Mit ihnen gelingt es dir nicht.“

Bundesbruch ist Ehebruch

31Weiter sagte er: „Wenn ein Mann seine Frau verstößt und sie geht von ihm weg und wird die Frau eines anderen, darf sie dann wieder zu ihm zurück? Würde dieses Land nicht ganz und gar entweiht? Doch du hast viele Liebhaber gehabt! Und du willst zu mir zurück?“, spricht Jahwe. 2„Schau doch die kahlen Höhen an: Wo trieb man es noch nicht mit dir? An allen Wegen hast du auf sie gewartet wie ein Araber in der Wüste auf Reisende. Dein Huren hat das Land entweiht und deine Bosheit ebenfalls. 3Darum fiel kein Regen im Herbst und auch im Frühjahr nicht. Doch du hattest die Stirn einer Hure, du wolltest dich nicht schämen. 4Jetzt freilich rufst du mir zu: ‚Du bist doch mein Vater, mein Freund aus meiner Jugendzeit! 5Willst du denn ewig böse und immer nachtragend sein?‘ Ja, so hast du geredet und Böses getan und hast dich durchgesetzt.“

6Als König Joschija regierte, sagte Jahwe zu mir: „Hast du gesehen, was Israel, diese treulose Frau, getan hat? Sie ist auf jede Anhöhe gestiegen, hat sich unter jeden grünen Baum gelegt und sich dort mit anderen eingelassen. 7Ich dachte: ‚Wenn sie genug davon hat, wird sie wieder zu mir zurückkehren.‘ Aber sie kam nicht zurück. Und ihre treulose Schwester Juda sah zu. 8Ich gab Israel, dieser treulosen Frau, deshalb den Scheidebrief und schickte sie weg. Doch ihre treulose Schwester Juda schreckte das nicht ab. Sie ließ sich selbst mit anderen ein. 9So kam es, dass sie durch ihre leichtfertige Unmoral das Land entweihte. Mit Steinmalen und Holzfiguren hat sie Ehebruch getrieben. 10Und nach all dem ist Juda, die treulose Schwester, immer noch nicht mit ihrem ganzen Herzen zu mir zurückgekehrt. Es war nur geheuchelt, spricht Jahwe.“

11Weiter sagte Jahwe zu mir: „Das abtrünnige Israel steht gerechter da als das treulose Juda. 12Geh und rufe folgende Worte in Richtung Norden:

‚Du treuloses Israel, kehre zurück!‘, spricht Jahwe. ‚Ich blicke nicht mehr finster auf dich, denn ich bin gütig‘, spricht Jahwe. ‚Ich werde nicht ewig nachtragend sein. 13Doch du musst deine Schuld einsehen: Du hast Jahwe, deinem Gott, die Treue gebrochen und bist fremden Göttern nachgelaufen. Unter jedem grünen Baum hast du es getan, aber auf meine Stimme hast du nicht gehört‘, spricht Jahwe.“

14„Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder!“, spricht Jahwe, „denn ihr gehört doch zu mir! Ich hole euch, einen aus einer Stadt und zwei aus einer Sippe, und werde euch nach Zion bringen. 15Dann werde ich euch Hirten geben, die nach meinem Herzen sind. Sie werden euch hüten mit Einsicht und Verstand.“ 16Weiter sagte Jahwe: „Wenn ihr euch dann im Land wieder vermehrt und fruchtbar seid, wird man nicht mehr nach der Bundeslade Jahwes fragen. Sie wird keinem mehr in den Sinn kommen, niemand denkt mehr an sie, und keiner vermisst sie. Man stellt auch keine neue wieder her. 17Dann wird man Jerusalem als Jahwes Thron bezeichnen, und alle Völker werden sich dort versammeln, weil Jahwes Name Jerusalem erfüllt. Und sie werden nicht mehr dem Trieb ihres bösen Herzens folgen. 18Dann werden die Leute von Juda sich mit denen von Israel zusammenschließen. Miteinander werden sie aus dem Land im Norden in das Land zurückkehren, das ich euren Vorfahren als bleibenden Besitz gegeben habe.“

Ruf zur Umkehr

19„Ich war entschlossen, dir die Ehrenstellung eines Sohnes zu geben, dazu ein wunderschönes Land, den herrlichsten Besitz, den die Völker nur kennen. Ich dachte, ihr würdet mich nun Vater nennen, euch nie wieder abwenden von mir. 20Doch wie eine Frau ihren Mann betrügt, so habt ihr mir die Treue gebrochen, Volk Israel“, spricht Jahwe.

21Auf kahlen Höhen hört man eine Stimme, ein Weinen, ein Flehen der Israeliten. Sie haben ihren Weg verfehlt und Jahwe, ihren Gott, vergessen. 22„Kehrt doch um, ihr abtrünnigen Kinder! Ich will eure Untreue heilen!“ „Hier sind wir, Jahwe, wir kommen zu dir; denn du bist unser Gott. 23Ja, es war alles Betrug, was von den Hügeln her kam, das Toben auf den Bergen. Ja, die Rettung Israels kommt nur von Jahwe, unserem Gott. 24Der schändliche Götze hat alles gefressen, was unsere Väter erarbeitet haben: ihre Schafe und Rinder, ihre Söhne und Töchter. Es geschah von unserer Jugend an. 25Wir liegen in unserer Schmach und unsere Schande bedeckt uns. Wir haben uns versündigt an Jahwe, unserem Gott, wir und unsere Väter, von unserer Jugend an bis jetzt. Wir haben nicht auf ihn…

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Fußnoten

  1. 1Baal bedeutet „Herr“ oder „Gebieter“. Er wurde als Fruchtbarkeitsgott in Kanaan verehrt.
  2. 2Die Kittäer bewohnten Zypern und die griechischen Inseln.
  3. 3Kedar. Arabischer Stamm südöstlich von Israel. Nomadisierende Händler, als Kämpfer gefürchtet.
  4. 4Memphis war die alte Hauptstadt Ägyptens, 21 km südlich vom heutigen Kairo.
  5. 5Tachpanhes war eine Grenzfestung gegen Syrien und Israel in der Nähe von Pelusium im äußersten Nordosten von Ägypten.
  6. 6Ein Joch war der Holzrahmen, mit dem zwei Rinder vor Wagen oder Pflug gespannt wurden. Im übertragenen Sinn bedeutet es die Herrschaft, unter der man steht.
  7. 7Götzen. Wörtlich: Baalen. Baal bedeutet „Herr“ oder „Gebieter“ und war der Name des kanaanäischen Fruchtbarkeitsgottes. In der Mehrzahlform sind allgemein die fremden Götter gemeint oder die vielen Baalsheiligtümer im Land.
  8. 8im Tal. Gemeint ist wohl das Hinnom-Tal bei Jerusalem, ein Zentrum götzendienerischen Treibens.