Genesis 3,1–5,32
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Die erste Sünde und ihre Folgen
31Die Schlange war listiger als all die Tiere, die Jahwe-Gott gemacht hatte. Sie fragte die Frau: „Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?“ 2„Natürlich essen wir von den Früchten“, entgegnete die Frau, 3„nur von den Früchten des Baumes in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: ‚Davon dürft ihr nicht essen – sie nicht einmal berühren –, sonst müsst ihr sterben.‘ “ 4„Sterben?“, widersprach die Schlange, „sterben werdet ihr nicht. 5Aber Gott weiß genau, dass euch die Augen aufgehen, wenn ihr davon esst. Ihr werdet wissen, was Gut und Böse ist, und werdet sein wie Gott.“
6Als die Frau nun sah, wie gut von dem Baum zu essen wäre, was für eine Augenweide er war und wie viel Einsicht er versprach, da nahm sie eine Frucht und aß. Sie gab auch ihrem Mann davon, der neben ihr stand. Auch er aß. 7Da gingen beiden die Augen auf. Sie merkten auf einmal, dass sie nackt waren. Deshalb machten sie sich Lendenschurze aus zusammengehefteten Feigenblättern.
8Am Abend, als es kühler wurde, hörten sie Jahwe-Gott durch den Garten gehen. Da versteckten sich der Mann und seine Frau vor Jahwe-Gott zwischen den Bäumen. 9Doch Jahwe-Gott rief den Menschen: „Wo bist du?“ 10Der antwortete: „Ich hörte dich durch den Garten gehen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Deshalb habe ich mich versteckt.“ 11„Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?“, ‹fragte Gott›. „Hast du etwa von dem verbotenen Baum gegessen?“ 12Der Mensch erwiderte: „Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, gab mir etwas davon; da habe ich gegessen.“ 13„Was hast du da getan?“, fragte Jahwe-Gott die Frau. „Die Schlange hat mich verführt“, entgegnete sie. 14Da sagte Jahwe-Gott zur Schlange:
„Weil du das getan hast, sei mehr verflucht als alles Herdenvieh und mehr als alle wilden Tiere! Kriech auf dem Bauch und schlucke Staub2 dein Leben lang! 15Ich stelle Feindschaft zwischen dich und die Frau, deinem Nachwuchs und ihrem. Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihm die Ferse zerbeißen.“
16Zur Frau sagte er:
„Viele Unannehmlichkeiten werden über dich kommen und die Beschwerden deiner Schwangerschaft. Mit Schmerzen wirst du Kinder gebären. Dein Verlangen wird sein, deinen Mann zu besitzen, doch er wird herrschen über dich.“
17Zu Adam4 sagte er: „Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, obwohl ich dir das ausdrücklich verboten habe, vernimm das Folgende:
‚Deinetwegen sei der Acker verflucht! Um dich von ihm zu ernähren, musst du dich lebenslang mühen. 18Dornen und Disteln werden dort wachsen, doch bietet er dir auch Frucht. 19Mit Schweiß wirst du dein Brot verdienen, bis du zurückkehrst zur Erde5, von der du genommen bist. Denn Staub bist du, und zu Staub wirst du werden.‘ “
20Adam gab seiner Frau den Namen Eva, Leben, denn sie sollte die Mutter aller lebenden Menschen werden. 21Dann bekleidete Jahwe-Gott Adam und seine Frau mit Gewändern aus Fell 22und sagte: „Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden. Er erkennt Gut und Böse. Auf keinen Fall darf er jetzt auch noch vom Baum des Lebens essen, um ewig zu leben.“ 23Deshalb schickte Jahwe-Gott ihn aus dem Garten Eden hinaus. Er sollte den Ackerboden bearbeiten, von dem er genommen war. 24So vertrieb er den Menschen. Östlich vom Garten Eden stellte er Cherubim6 auf, dazu eine flammende umherwirbelnde Klinge, um den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.
Der erste Mord und seine Folgen
41Adam hatte mit seiner Frau Eva geschlafen. Nun wurde sie schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: „Ich habe einen Mann erworben:1 Jahwe.“2 2Danach bekam sie seinen Bruder Abel3. Abel wurde ein Schafhirt4, Kain ein Landwirt. 3Nach geraumer Zeit brachte Kain vom Ertrag seines Feldes Jahwe ein Opfer. 4Auch Abel brachte ihm eine Opfergabe, das Beste von den erstgeborenen Lämmern seiner Herde. Jahwe sah freundlich auf Abel und sein Opfer. 5Aber auf Kain und seine Opfergabe achtete er nicht. Da geriet Kain in heftigen Zorn und senkte finster sein Gesicht. 6Jahwe fragte ihn:
„Warum bist du so zornig? Was soll dein finsterer Blick? 7Hast du Gutes im Sinn, dann heb den Kopf hoch! Wenn aber nicht, dann liegt die Sünde schon vor der Tür und sie hat Verlangen nach dir. Aber du musst es sein, der über sie herrscht!“
8Doch Kain sprach seinen Bruder an.6 Und als sie auf dem Feld waren, fiel er über Abel her und schlug ihn tot. 9Da sagte Jahwe zu Kain: „Wo ist Abel, dein Bruder?“ Der entgegnete: „Ich weiß es nicht. Bin ich etwa sein Aufpasser?“ 10„Was hast du da getan!“, sagte Gott. „Hörst du nicht das Blut deines Bruders aus dem Ackerboden zu mir schreien? 11Verflucht sollst du sein, verbannt vom Ackerboden! Denn du hast ihn mit dem Blut deines Bruders getränkt. 12Wenn du ihn künftig bebaust, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Als ruheloser Flüchtling wirst du auf der Erde umherirren.“ 13Da sagte Kain zu Jahwe: „Diese Strafe ist zu schwer für mich. Ich werde sie nicht ertragen können. 14Du vertreibst mich vom fruchtbaren Land, und auch vor dir muss ich mich verstecken. Als ruheloser Flüchtling werde ich umherirren, und jeder, der mich findet, kann mich erschlagen.“ 15„Nein“, erwiderte Jahwe, „ich ordne an: Wer Kain erschlägt, wird siebenfach bestraft!“ Und er machte ein Zeichen an Kain, damit niemand es wagen würde, ihn zu erschlagen, wenn er ihm begegnete. 16So verließ Kain die Nähe Jahwes und siedelte sich östlich von Eden an, im Land der Heimatlosigkeit, in Nod.
17Als Kain mit seiner Frau schlief, wurde sie schwanger und gebar Henoch. Und als Kain dann eine Stadt gründete, benannte er sie nach seinem Sohn Henoch. 18Dem Henoch wurde Irad geboren. Irad zeugte Mehujaël und der wiederum Metuschaël. Metuschaël wurde der Vater von Lamech. 19Lamech aber nahm sich zwei Frauen: Eine hieß Ada, die andere Zilla. 20Ada gebar ihm Jabal. Das wurde der erste aller Nomaden, die in Zelten bei ihren Herden wohnen. 21Sein Bruder hieß Jubal. Er war der erste aller späteren Zither- und Flötenspieler. 22Auch Zilla bekam einen Sohn, Tubal-Kain, den Schmied. Er war der Erste, der Kupfer und Eisen bearbeitete. Seine Schwester hieß Naama. 23Lamech sagte zu seinen Frauen:
„Ada und Zilla, hört meine Rede! Lamechs Frauen, lauscht meinem Spruch! Ich habe den Mann erschlagen, der mich verwundet hat, und den Jungen getötet, der mich berührte. 24Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach!“
25Nachdem Adam wieder mit seiner Frau geschlafen hatte, gebar sie ihm einen Sohn und nannte ihn Set, Setzling. „Gott hat mir wieder einen Sprössling geschenkt“, sagte sie, „anstelle von Abel, weil Kain ihn erschlug.“ 26Auch Set wurde ein Sohn geboren. Enosch, sterblicher Mensch, nannte er ihn. Damals fing man an, den Namen Jahwes anzurufen.
Wie es nach Adam weiterging
51Es folgt das Verzeichnis der Nachkommen Adams.
Als Gott den Menschen schuf, gestaltete er ihn als Abbild von sich. 2Er schuf sie als Mann und Frau. Dann segnete er sie und gab ihnen noch am Tag ihrer Erschaffung den Namen „Mensch“.
3Als Adam 130 Jahre gelebt hatte, zeugte er einen Sohn nach seiner Gestalt und seinem Ebenbild. Er gab ihm den Namen Set. 4Nach der Geburt Sets lebte Adam noch 800 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 5bis er im Alter von 930 Jahren starb.
6Set war 105 Jahre alt, als er Enosch zeugte. 7Nach dessen Geburt lebte er noch 807 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 8bis er im Alter von 912 Jahren starb.
9Als Enosch 90 Jahre gelebt hatte, zeugte er Kenan. 10Nach dessen Geburt lebte er noch 815 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 11bis er im Alter von 905 Jahren starb.
12Kenan war 70 Jahre alt, als er Mahalalel zeugte. 13Nach dessen Geburt lebte er noch 840 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 14bis er im Alter von 910 Jahren starb.
15Als Mahalalel 65 Jahre alt war, zeugte er Jered. 16Nach dessen Geburt lebte er noch 830 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 17bis er im Alter von 895 Jahren starb.
18Jered war 162 Jahre alt, als er Henoch zeugte. 19Nach dessen Geburt lebte er noch 800 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 20bis er im Alter von 962 Jahren starb.
21Als Henoch 65 Jahre alt war, zeugte er Metuschelach. 22Danach lebte er 300 Jahre lang in Gemeinschaft mit Gott und zeugte noch weitere Söhne und Töchter. 23Die ganze Lebenszeit Henochs betrug 365 Jahre. 24Henoch hatte beständig mit Gott gelebt, und dann war er plötzlich nicht mehr da, weil Gott ihn weggenommen hatte.
25Metuschelach war 187 Jahre alt, als er Lamech zeugte. 26Nach dessen Geburt lebte er noch 782 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 27bis er im Alter von 969 Jahren starb.
28Als Lamech 182 Jahre alt war, zeugte er einen Sohn, 29den er Noah, Tröster, nannte, und sagte: „Der wird uns Trost verschaffen bei der harten Arbeit auf dem Ackerboden, den Jahwe verflucht hat.“ 30Nach Noahs Geburt lebte Lamech noch 595 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 31bis er im Alter von 777 Jahren starb.
32Von seinem 500. Lebensjahr an zeugte Noah Sem, Ham und Jafet.
Footnotes
- 2Das heißt nicht, dass sie sich vom Staub ernähren muss, sondern durch ihre Fortbewegungsart wird sie immer auch Staub aufnehmen müssen.
- 4Adam ist das hebräische Wort für Mensch und kann gleichzeitig als Eigenname des ersten Menschen verstanden werden.
- 5Erde. Aus dem hebräischen Wort für den Erdboden Adama ist Adam abgeleitet.
- 6Cherubim. Majestätische (Engel-)Wesen, die Gottes Herrlichkeit repräsentieren.
- 1erworben. Hebräisch: qanah. Wortspiel mit Kain (qajin).
- 2Eva meinte offenbar, sie hätte mit ihrem ersten Sohn schon den versprochenen Retter Jahwe geboren, der als erwachsener Mann der Schlange den Kopf zertreten wird. Andere übersetzen: durch Jahwe oder: mit Hilfe Jahwes.
- 3Abel. Hebräisch: habäl. Der Name klingt an Hauch, Nichtigkeit an (häbäl).
- 4Schafhirt. Eigentlich Kleinviehhirt. Kleinvieh meinte Schafe und Ziegen.
- 6sprach seinen Bruder an. Eine hebräische Handschrift und einige alte Übersetzungen fügen hier ein: Lass uns aufs Feld gehen!
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden