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Ester 1–10

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1–5: Die Bedrohung der Juden

Die Macht eines Weltherrschers

11Es war in der Zeit des Xerxes, jenes persischen Königs, der von Indien bis Nubien2 über 127 Provinzen regierte 2und dessen Thron in der befestigten Oberstadt von Susa3 stand. 3In seinem dritten Regierungsjahr gab er ein Fest5 für alle Fürsten und Beamten seines Reiches. Auch die höchsten Offiziere des Heeres von Persien und Medien waren erschienen, der hohe Adel und die Statthalter der Provinzen. 4Volle 180 Tage lang stellte der König ihnen die Herrlichkeit seines Königtums und die strotzende Pracht seiner Größe zur Schau. 5Danach lud er auch alle Bewohner der Residenz Susa, vom Vornehmsten bis zum Geringsten, zu einem Fest ein. Sieben Tage lang wurde auf dem Platz zwischen Palast und Park gefeiert. 6Weiße und violette Vorhänge aus Baumwolle waren mit weißen und roten Schnüren an silbernen Stangen aufgehängt, die von Marmorsäulen getragen wurden. Auf dem Mosaikboden aus verschiedenfarbigen kostbaren Marmorsteinen und Perlmutt waren goldene und silberne Ruhelager aufgestellt. 7Die Getränke reichte man in goldenen Gefäßen, von denen keins dem anderen glich. Der Wein aus den königlichen Kellern floss in Strömen. 8Bei dem Gelage sollte keinerlei Zwang herrschen. Der König hatte seine Palastbeamten angewiesen, sich ganz nach den Wünschen der Gäste zu richten. 9Gleichzeitig veranstaltete Königin Waschti im Palast des Königs ein Fest für die Frauen.

10Am siebten Tag rief König Xerxes in einer Weinlaune die sieben Eunuchen6 zu sich, die ihn persönlich bedienten. Es waren Mehuman, Biseta, Harbona, Bigta und Abagta, Sethar und Karkas. 11Er befahl ihnen, die Königin im Schmuck ihrer Krone herzubringen. Das ganze Volk und die Fürsten sollten ihre außerordentliche Schönheit bewundern. 12Doch Königin Waschti weigerte sich, der Aufforderung zu folgen. Da erboste sich der König sehr; Zorn loderte in ihm auf. 13Gleich darauf besprach er sich mit den Weisen, die sich in der Geschichte auskannten, denn er pflegte seine Angelegenheiten vor die Gesetzes- und Rechtskundigen zu bringen. 14Seine engsten Vertrauten, die zu ihm Zutritt hatten und den ersten Rang im Königreich einnahmen, waren die sieben Fürsten von Persien und Medien: Karschena, Schetar, Admata, Tarschisch, Meres, Marsena und Memuchan. 15Er fragte sie: „Was soll nach dem Gesetz mit Königin Waschti geschehen? Sie hat sich einem durch die Eunuchen überbrachten Befehl7 von König Xerxes widersetzt.“ 16Da sagte Memuchan vor dem König und den Fürsten: „Die Königin Waschti hat sich nicht nur am König vergangen, sondern auch an allen Fürsten und am ganzen Volk in allen Provinzen des Königreiches. 17Was sie getan hat, wird sich unter allen Frauen herumsprechen. Sie werden die Achtung vor ihren Ehemännern verlieren, wenn man erzählt, dass die Königin Waschti sich weigerte, einem ausdrücklichen Befehl von König Xerxes zu folgen. 18Und wenn unsere Frauen von dem Verhalten der Königin gehört haben, werden sie es auch uns vorhalten. Das wird viel Ärger und Verdruss geben. 19Wenn es dem König recht ist, sollte ein unwiderruflicher königlicher Erlass herausgegeben werden, der ins Gesetz der Perser und Meder aufgenommen wird, dass Waschti nie wieder vor ihm erscheinen darf. Der König möge eine andere Frau zur Königin machen, die diese Würde auch verdient. 20Wenn man diesen Erlass des Königs in seinem ganzen Reich – so groß es auch ist – bekannt macht, werden alle Frauen, von den vornehmsten bis zu den geringsten, ihren Ehemännern den schuldigen Respekt erweisen.“ 21Der Vorschlag gefiel dem König und den Fürsten. Wie Memuchan vorgeschlagen hatte, 22schickte der König Schreiben in alle Provinzen seines Reiches, jeweils in der Schrift und Sprache des betreffenden Landes. Jeder Mann sollte Herr in seinem Haus sein, und in jeder Familie sollte die Sprache des Mannes gesprochen werden.

Eine neue Königin

21Einige Zeit nach diesem Geschehen hatte sich der Zorn des Königs gelegt. Er dachte an das, was Waschti getan hatte und wie sie von ihm getrennt worden war. 2Seine jungen Diener bemerkten es und schlugen ihm vor: „Man sollte für den König schöne, unberührte junge Mädchen suchen. 3Der König könnte Beamte in allen Provinzen seines Reiches beauftragen, diese Mädchen in seinen Harem nach Susa zu bringen. Der königliche Eunuch Hegai, der für die Frauen des Königs verantwortlich ist, kann sie in seine Obhut nehmen und dafür sorgen, dass sie alle Mittel zur Schönheitspflege bekommen. 4Das Mädchen, das dem König am besten gefällt, sollte dann an Waschtis Stelle Königin werden.“ Der König fand den Vorschlag gut und gab die entsprechenden Anordnungen.

5Nun lebte im Palastbezirk von Susa ein jüdischer Mann namens Mordechai1 Ben-Jaïr aus dem Stamm Benjamin. Er war ein Nachkomme von Schimi und Kisch. 6Seine Vorfahren waren unter den Verschleppten gewesen, die vom babylonischen König Nebukadnezzar mit König Jojachin von Juda in die Verbannung geführt worden waren. 7Mordechai hatte nun die Tochter seines Onkels nach dem Tod ihrer Eltern als Pflegetochter angenommen. Sie hieß Hadassa, wurde aber auch Ester3 genannt und war außerordentlich schön. 8Als der königliche Erlass bekannt gemacht war und viele Mädchen in den Palastbezirk von Susa gebracht wurden, war auch Ester unter ihnen. Sie wurde in den Königspalast geholt und kam unter die Obhut Hegais, dem Aufseher über den Frauenbereich. 9Das Mädchen fiel ihm auf und gewann seine Gunst. Er sorgte dafür, dass ihre Schönheitspflege sofort begann und sie die beste Ernährung erhielt. Sieben ausgewählte Dienerinnen aus dem königlichen Haushalt stellte er ihr zur Verfügung und ließ sie im schönsten Teil des Frauenpalastes wohnen. 10Ester verschwieg jedoch ihre jüdische Herkunft, wie Mordechai es ihr eingeschärft hatte. 11Jeden Tag ging Mordechai vor dem Hof des Frauenpalastes vorbei, um zu erfahren, wie es Ester ging und was mit ihr geschah.

12Wenn nun eins der Mädchen an die Reihe kam, zum König zu gehen, nachdem es ein Jahr lang darauf vorbereitet worden war – denn so lange dauerte ihre Schönheitspflege: sechs Monate mit Myrrhenöl und sechs Monate mit Balsamöl und anderen Pflegemitteln –, 13wenn es also dann zum König ging, wurde ihm alles, was es verlangte, aus dem Frauenhaus mitgegeben. 14Am Abend ging es in den Palast des Königs, und am Morgen kehrte die junge Frau in den zweiten Frauenpalast zurück und kam unter die Aufsicht des königlichen Eunuchen Schaaschgas. Keine von ihnen durfte noch einmal zum König kommen, es sei denn, sie hatte dem König besonders gefallen und wurde namentlich gerufen. 15Als nun die Reihe an Ester kam, verlangte sie nur das, was Hegai, der königliche Eunuch, ihr empfahl. Sie gewann die Zuneigung bei allen, die sie sahen. Ester war übrigens die Tochter von Abihajil. Das war der Onkel von Mordechai, der Ester später als Tochter angenommen hatte. 16Es war im Januar des siebten Regierungsjahrs von Xerxes, als Ester zum König gebracht wurde. 17Und sie erlangte seine Gunst; der König gewann sie einfach lieb. Seine Zuneigung zu ihr war größer als zu allen anderen jungen Frauen. Deshalb setzte er ihr die Krone auf und machte sie an Waschtis Stelle zur Königin. 18Dann veranstaltete er zu Ehren von Ester für alle seine Fürsten und Beamten ein großes Festmahl. Den Provinzen gewährte er einen Steuernachlass5 und teilte mit königlicher Großzügigkeit Geschenke aus.

19Als die jungen Frauen in das zweite Frauenhaus gebracht worden waren6, hatte Mordechai einen Posten am Königshof inne. 20Und wie er es Ester eingeschärft hatte, erzählte sie niemand von ihrer jüdischen Herkunft. Sie gehorchte ihm genauso wie damals, als sie noch seine Pflegetochter war.

21Zu dieser Zeit verschworen sich Bigtan und Teresch, zwei königliche Eunuchen, gegen Xerxes. Sie befehligten die Torwache und planten einen Anschlag auf den König. 22Mordechai hörte davon und teilte es der Königin Ester mit, die es in seinem Auftrag sofort dem König meldete. 23Die Sache wurde untersucht und für richtig befunden. Daraufhin wurden beide Eunuchen gepfählt7. Den Vorfall trug man in die königliche Chronik ein.

Der Anschlag gegen die Juden

31Einige Zeit später erhob König Xerxes Haman Ben-Hammedata aus Agag1 zu höchsten Ehren und Würden. Er gab ihm einen Rang über allen anderen Fürsten in seiner Umgebung. 2Sämtliche Beamte am Königshof mussten sich vor Haman hinknien und tief niederbeugen. So hatte es der König befohlen. Mordechai jedoch kniete sich nicht hin, er beugte sich nicht. 3Da fragten ihn die anderen Beamten: „Warum übertrittst du dauernd das Gebot des Königs?“ 4„Weil ich Jude bin“, sagte er. Als sie ihm dennoch Tag für Tag zusetzten und er nicht darauf reagierte, zeigten sie ihn bei Haman an. Sie wollten sehen, ob er mit seiner Begründung durchkam. 5Haman wurde wütend, als er erfuhr, dass Mordechai sich nicht hinkniete und vor ihm beugte. 6Doch er hielt es unter seiner Würde, sich an Mordechai allein zu rächen. Deshalb beschloss er, alle Juden im ganzen Reich des Xerxes zu vernichten. Man hatte ihm nämlich mitgeteilt, dass Mordechai ein Jude wäre.

7Im April2 des zwölften Regierungsjahrs von König Xerxes loste man vor Haman den günstigsten Zeitpunkt für die Aktion aus. Das Pur, das Los, fiel auf den 13. März des folgenden Jahres. 8Danach sagte er zum König: „Da gibt es ein Volk, das über alle Provinzen verstreut lebt und sich von allen anderen Völkern in deinem Reich absondert. Ihre Gesetze unterscheiden sich von denen aller anderen Völker, und die königlichen Gesetze befolgen sie nicht. Das darf sich der König nicht bieten lassen. 9Wenn der König zustimmt, soll durch einen Erlass befohlen werden, sie auszurotten. Ich werde dann den Verwaltern der Staatskasse 10.000 Talente4 Silber aushändigen.“ 10Der König zog seinen Siegelring vom Finger, gab ihn Haman, dem Judenfeind, 11und sagte: „Das Silber kannst du behalten, und mit dem Volk kannst du machen, was du willst.“

12Am 13. April5 ließ Haman die Schreiber des Königs rufen und diktierte ihnen einen Erlass an die…

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Footnotes

  1. 2Nubien. Hebräisch: Kusch. Land am Oberlauf des Nil, südlich von Ägypten.
  2. 3Darius I. hatte Susa zur Hauptstadt des persischen Weltreiches gemacht. Die Oberstadt mit dem befestigten Palastquartier lag 24 Meter über der Stadt und der eigentliche Palast noch einmal 16 Meter höher.
  3. 5Fest. Es war eine Art Siegesfeier, nachdem er alle Aufstände in seinem Reich niedergeschlagen hatte.
  4. 6Eunuchen. Nur solche Hofbeamte hatten auch Zutritt zum Harem.
  5. 7Das war ein offizieller Befehl und keine private Bitte.
  6. 1Mordechai. Babylonischer Name: Mann des Marduk.
  7. 3Hadassa kommt aus dem Hebräischen und bedeutet Myrte oder Braut; Ester kommt vermutlich aus dem Persischen und bedeutet Stern.
  8. 5Steuernachlass. Oder eine Amnestie, vielleicht auch eine zeitweilige Befreiung von Zwangsarbeiten und vom Kriegsdienst.
  9. 6Frauenhaus … waren. Es ist nicht anzunehmen, dass der König, nachdem er seine Königin gefunden hatte, eine zweite Sammlung von Mädchen anordnete, wie das einige Übersetzungen nahelegen.
  10. 7gepfählt. Das heißt, sie wurden mit dem Bauch über einen oben angespitzten Pfahl gehängt.
  11. 1In einer Inschrift Sargons wird Agag als ein Bezirk im persischen Weltreich erwähnt.
  12. 2April. Wörtlich: im Nisan, dem 1. Monat.
  13. 4Die jährliche Steuersumme der persischen Untertanen wird mit 7.740 Talenten angegeben.
  14. 5April. Wörtlich: des 1. Monats. Das war ein Tag vor dem jüdischen Passafest.