2. Samuel 21–22
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21–24: Davids letzte Kämpfe und Anordnungen
Die Sühnung einer Blutschuld von König Saul
211Während der Regierungszeit Davids gab es einmal eine schwere Hungersnot, die drei Jahre lang dauerte. Da suchte David die Gegenwart Jahwes, und Jahwe sagte ihm den Grund: „Es ist wegen der Blutschuld, die auf Saul und seinem Haus lastet, weil er so viele Gibeoniten umgebracht hat.“ 2Die Gibeoniten gehörten nicht zu Israel, sondern zum Rest der Amoriter im Land. Die Israeliten hatten ihnen geschworen, sie zu verschonen. Aber Saul in seinem Eifer für Israel und Juda hatte versucht, sie alle umzubringen. David ließ die Gibeoniten herbeirufen 3und fragte sie: „Was soll ich für euch tun? Womit kann ich Sühne leisten, damit ihr das Erbe Jahwes segnet?“ 4Die Gibeoniten erwiderten: „Es geht uns nicht um das Silber und Gold der Nachkommen Sauls, und es ist uns auch nicht erlaubt, jemand in Israel zu töten.“ – „Was soll ich dann für euch tun?“, fragte David. 5Sie erwiderten: „Von dem Mann, der geplant hat, uns auszurotten, der uns vernichten wollte, sodass wir in Israel keinen Platz mehr zum Leben gehabt hätten, 6aus dessen Nachkommenschaft liefere man uns sieben Männer aus. Wir wollen sie vor Jahwe hinrichten, und zwar in Gibea, der Heimatstadt Sauls, dem Erwählten Jahwes.“ Der König sagte: „Ich will sie euch geben.“ 7Er verschonte jedoch Mefi-Boschet, den Sohn Jonatans und Enkel Sauls, weil er Jonatan, dem Sohn Sauls, vor Jahwe geschworen hatte, seine Nachkommen nicht auszurotten. 8So nahm der König die beiden Söhne, die Rizpa Bat-Aja Saul geboren hatte: Armoni und Mefi-Boschet, und die fünf Söhne der Saulstochter Merab, die sie Adriël Ben-Barsillai aus Mehola geboren hatte. 9Er lieferte sie den Gibeoniten aus. Alle sieben wurden am selben Tag auf dem Berg vor Jahwe hingerichtet. So starben sie in den ersten Tagen der Erntezeit, als die Gerste eingebracht wurde. 10Da nahm Rizpa Bat-Aja Sackleinwand, breitete sie auf dem Felsen aus und setzte sich darauf. Sie blieb dort vom Beginn der Ernte, bis der erste Regen fiel. Tagsüber verscheuchte sie die Vögel und nachts hielt sie die wilden Tiere von den Leichen fern.
11Als David hörte, was Rizpa Bat-Aja, die Nebenfrau Sauls, tat, 12ging David nach Jabesch in Gilead und ließ sich die Gebeine von Saul und dessen Sohn Jonatan aushändigen. Die Bürger von Jabesch in Gilead hatten sie einst vom Markt in Bet-Schean gestohlen, wo die Philister sie nach ihrem Sieg auf dem Gilboa aufgehängt hatten. 13Als David die Gebeine Sauls und seines Sohnes Jonatan überführt hatte, ließ er die Gebeine der Hingerichteten einsammeln 14und alle zusammen in Zela im Gebiet von Benjamin im Grab von Sauls Vater Kisch beisetzen. Danach ließ Gott sich für das Land erbitten.
Davids Helden und ihre Taten
15Wieder einmal kam es für Israel zu einer Schlacht mit den Philistern. David zog ihnen mit seinem Heer entgegen und kämpfte gegen sie. Als er vom Kampf ermüdet war, 16griff ihn Jischbi-Benob an, ein Nachkomme des Rafa, und wollte ihn erschlagen. Allein das Gewicht seiner Lanzenspitze aus Bronze betrug mehr als drei Kilogramm und er trug eine neue Rüstung. 17Doch Abischai Ben-Zeruja kam David zu Hilfe und erschlug den Philister. Damals beschworen Davids Männer den König: „Du darfst nicht wieder mit uns in den Kampf ziehen, denn wenn wir dich verlieren, erlischt die Leuchte Israels.“
18Später kam es bei Gob wieder zum Kampf mit den Philistern. Damals erschlug Sibbechai aus Huscha den Saf, der auch zu den Nachkommen des Rafa gehörte. 19Bei einem weiteren Kampf in Gob erschlug der Weber Elhanan Ben-Jaïr aus Bethlehem den Philister Goliat aus Gat, dessen Speer so dick wie ein Weberbaum8 war. 20Wieder kam es zum Kampf bei Gat. Da trat ein streitsüchtiger Mann hervor, der an jeder Hand sechs Finger und an jedem Fuß sechs Zehen hatte, insgesamt also 24. Auch er war ein Nachkomme Rafas. 21Er verhöhnte Israel. Da erschlug ihn Jonatan Ben-Schima, der Neffe Davids. 22Diese vier waren Nachkommen von Rafa in Gat und wurden von David und seinen Männern erschlagen.
Davids Danklied
221David dichtete dieses Lied für Jahwe, nachdem dieser ihn vor Saul und allen anderen Feinden gerettet hatte. An dem Tag sang er:
2Jahwe, mein Fels, mein Schutz und mein Retter, 3mein Gott, meine Burg, in der ich mich berge, mein Schild und mein sicheres Heil! Er ist mir Zuflucht und Festung, mein Retter, der mich schützt vor Gewalt. 4„Jahwe, sei gelobt!“, rufe ich aus. Ich bin gerettet vor meinen Feinden. 5In Fesseln des Todes war ich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich. 6Mit Stricken des Todes war ich gebunden, die Todesfalle schlug über mir zu. 7Ich rief zu Jahwe in meiner Angst, schrie um Hilfe zu meinem Gott.
Er hörte mich in seinem Tempel, mein Hilfeschrei drang an sein Ohr. 8Da wankte und schwankte die Erde, es bebten die Gründe des Himmels. Sie zitterten, denn er wurde zornig. 9Rauch stieg auf von seiner Nase und Feuer schoss aus seinem Mund, glühende Kohlen sprühten hervor. 10Er neigte den Himmel tief auf die Erde und fuhr auf dunklen Wolken herab. 11Er flog auf einem Cherub2, er schwebte auf den Schwingen des Sturms.
12Er hüllte sich in Finsternis wie in ein Zelt, in Regendunkel und schwarzes Gewölk. 13Durch seinen Glanz flammten Kohlen glühend auf. 14Am Himmel ließ Jahwe den Donner erdröhnen, laut krachte die Stimme des Höchsten. 15Er schoss seine Pfeile und verjagte die Feinde, er schleuderte Blitze und verwirrte sie. 16Da zeigte sich der Grund der Gewässer, die Fundamente der Welt wurden entblößt vor dem Drohen Jahwes, vor dem Schnauben seines zornigen Atems.
17Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, sie fasste mich und zog mich aus der Flut. 18Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich und mich hassten. 19Sie überfielen mich am Tag meines Unglücks, doch Jahwe wurde mein Halt. 20Er führte mich hinaus ins Weite, befreite mich, weil er mich mochte.
21Jahwe hat mir mein rechtes Tun vergolten, mich nach der Reinheit meiner Hände beschenkt. 22Denn ich hielt mich an die Wege Jahwes, fiel nicht schuldig von meinem Gott ab. 23Ja, seine Entscheide hielt ich mir vor, seine Gesetze wies ich nicht ab. 24Ich lebte ohne Tadel vor ihm und nahm mich vor der Sünde in Acht. 25So hat Jahwe mich für mein rechtes Tun belohnt, denn in seinen Augen waren meine Hände rein.
26Einem Gütigen zeigst du dich gütig, einem treuen Mann treu. 27Dem Reinen zeigst du dich rein, doch dem Falschen bist du verdreht. 28Ja, du rettest das verarmte Volk, doch stolze Augen zwingst du nieder. 29Ja, du bist meine Leuchte, Jahwe. Jahwe macht das Dunkel mir hell. 30Ja, mit dir überrenn ich ein Heer, mit meinem Gott überspring ich die Mauer.
31So ist Gott: sein Weg ist tadellos, Jahwes Wort ist unverfälscht. Ein Schild ist er für alle, die Schutz bei ihm suchen. 32Ja, wer ist Gott, wenn nicht Jahwe! Wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott! 33Dieser Gott ist meine Festung, er macht meinen Weg tadellos. 34Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen. 35Er lehrt meine Hände das Kämpfen und meine Arme, den Bogen zu spannen.
36Du gabst mir den Schild deines Heils, und dass du mich erhörtest, machte mich groß! 37Du schafftest meinen Schritten Raum, meine Knöchel blieben fest. 38Ich jagte meinen Feinden nach und überwältigte sie. Erst als sie vernichtet waren, kehrte ich um. 39Zerschmettert habe ich sie, sie stehen nicht wieder auf. Tot fielen sie vor meine Füße. 40Du versorgtest mich mit Kraft zum Kampf, zwangst meine Gegner unter mich nieder.
41Du hast meine Feinde zur Flucht gezwungen, ich konnte meine Hasser vernichten. 42Sie blickten umher, aber da war kein Retter, zu Jahwe, doch er hörte sie nicht. 43Ich zerrieb sie wie Staub auf der Erde, zerstampfte sie wie Straßendreck. 44Du hast mich den Streitigkeiten des Volkes entrissen, hast mich zum Haupt über Völker gesetzt. Ein Volk, das ich nicht kannte, dient mir. 45Ausländer kamen und krochen vor mir. Sie hörten mir zu und gehorchten sofort. 46Zitternd kamen sie aus ihren Burgen und gaben ihren Widerstand auf.
47Jahwe lebt! Gepriesen sei mein Fels, erhoben der Gott meines Heils! 48Denn Gott hat mir Rache verschafft, hat mir die Völker unterworfen 49und mich meinen Feinden entrissen. Du hast mich über meine Gegner erhoben, mich vom Mann der Gewalttat befreit. 50Darum will ich dir danken, Jahwe, deinen Ruhm vor den Völkern besingen, 51der seinem König große Siege verschafft, der seinem Gesalbten Gnade erweist, David und seinen Nachkommen für alle Zeit.
Fußnoten
Copyright 2018 Karl-Heinz Vanheiden