Das Matthäusevangelium
Restore columns
Exit Fullscreen

Peter Fiedler

Das Matthäusevangelium

W. Kohlhammer GmbH

Stuttgart

Umschlagbild entnommen aus

„Nestle-Aland – Novum Testamentum Graece“, S. 74

27. revidierte Auflage

© 1898, 1993 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

© 2006 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart

Umschlag: Data Images GmbH

Reproduktionsvorlage: Andrea Siebert, Neuendettelsau

Gesamtherstellung:

W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart

ISBN-10: 3-17-018792-9

ISBN-13: 978-3-17-018792-4

Theologischer Kommentar zum Neuen Testament

Herausgegeben von

Ekkehard W. Stegemann

Peter Fiedler

Luise Schottroff

Klaus Wengst

Band 1

Vorwort

Alle, die sich mit der Auslegung der Heiligen Schrift befassen, sollen aus dem Schatz, der ihnen anvertraut ist, „Neues und Altes“ hervor holen. Der unbekannte Verfasser des Matthäusevangeliums, den die altkirchliche Tradition mit dem Zöllner des Zwölferkreises identifiziert hat, kennzeichnet damit sein Selbstverständnis, wie es sich in seinem Werk niedergeschlagen hat. Die darin enthaltene Wertschätzung des „Alten“ trifft auch für den hier vorgelegten Kommentar zu. Denn ohne die Matthäus-Interpretationen anderer Autorinnen und Autoren hätte er nicht geschrieben werden können. Eben dadurch bin ich auch immer wieder dazu angeregt worden, Manches neu oder zumindest klarer als bisher zu sehen. Zwar wird das jüdische Profil des Mt in der letzten Zeit deutlicher wahrgenommen. Dennoch herrscht weiterhin die Tendenz vor, ihn mit der „christlichen Brille“ zu lesen. Auf diese Weise wird jedoch die Wirkung (in der heidenchristlichen Kirche) mit der ursprünglichen Ausrichtung (eines jüdischen Christus-Gläubigen auf eine Gemeinschaft vorwiegend jüdischer Christus-Anhänger/innen) verwechselt. Es ist mir selbst lange schwergefallen, mich auf diese neue Sicht, die vor allem im englischsprachigen Raum entwickelt worden ist, ohne Wenn und Aber einzustellen.

Die grundlegende Folgerung daraus besteht darin, dies anzuerkennen: Das Werk des Mt bezeugt nicht die Trennung seiner Gemeinschaft (oder gar „der Kirche“) von „dem“ Judentum; es stellt auch keinen Meilenstein auf dem Weg dorthin dar. Vielmehr gehört es in den jüdischen Konsolidierungsprozess nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels hinein. Daran beteiligten sich verschiedene Gruppen innerhalb und außerhalb Israels, von denen sich noch keine als bestimmend durchgesetzt hatte, sondern die um die führende Rolle beim Neuaufbau unter einander in Konkurrenz standen.

Wie Mt zeigt, war zwischen Mitgliedern von Gruppen des entstehenden pharisäisch-rabbinischen Judentums, mit denen es der Autor zu tun hat, und Mitgliedern von Jesus-Gruppen wie der des Evangelisten allein das Bekenntnis zu Jesus als Messias strittig. Denn in Fragen der Lebensführung bestand Übereinstimmung, ungeachtet des Dissenses in einzelnen Punkten, der sich aus der Tatsache ergab, dass die Einen wie die Anderen keine geschlossenen, einheitlichen Größen darstellten. Gerade wegen dieser engen Verwandtschaft reagiert Mt überaus polemisch auf die ...

Content not shown in limited preview…
ThKNT Mt

About Das Matthäusevangelium

Das Matthäusevangelium spiegelt die schwierige politische, gesellschaftliche und religiöse Situation im Judentum nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahr 70. An der Restitution des Judentums sind auch jüdische Christus-Gläubige beteiligt, darunter die Gemeinschaft, für die dieses Evangelium verfasst ist. Sie gehört zu einer Synagoge, in der pharisäische Schriftgelehrte den Ton angeben. Der Autor des Matthäusevangeliums stimmt mit ihnen in der Tora-Auslegung überein, setzt sich mit ihnen aber wegen ihrer Ablehnung der Christus-Botschaft polemisch auseinander. Der Kommentar arbeitet die jüdische Prägung des Evangeliums heraus, die losgelöst von dieser Polemik der Erneuerung des christlichen Verhältnisses zum Judentum starke Impulse geben kann.

Support Info

tkznt61mt

Table of Contents