Der Brief an die Epheser
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Calvins Auslegung der Heiligen Schrift

Der Brief an die Epheser

Johannes Calvin

2024

Übersetzung: Richard Stokmann († 1931)

Bearbeitung: Anja Zürn

EINLEITUNG

Ephesus war früher eine in vieler Beziehung berühmte Stadt in Kleinasien. Lukas berichtet uns in der Apostelgeschichte (Apg. 18, 24 ff.; 19), wie der Herr hier durch die Arbeit des Paulus ein Volk gewann, wie diese Gemeinde entstand und sich entwickelte. Ich will mich indessen auf eine Inhaltsübersicht unseres Briefes beschränken. Paulus hatte die Epheser in der reinen Lehre des Evangeliums unterrichtet. Als er nun in Rom in der Gefangenschaft war und sah, dass sie Stärkung nötig hatten, schrieb er zu diesem Zweck den vorliegenden Brief.

Die ersten drei Kapitel enthalten vor allem eine Empfehlung der göttlichen Gnade. Nach dem Gruße handelt gleich der Anfang des ersten Kapitels von der Erwählung Gottes aus Gnaden: Wir sollen erkennen und bedenken, dass wir nur deshalb zum Reiche Gottes berufen wurden, weil wir schon vor unserer Geburt zum ewigen Leben bestimmt waren. Das ist ja das glänzendste Zeugnis der Barmherzigkeit Gottes, dass er uns in freier Gnade zu seinen Kindern annahm und so den wahren Quell der Seligkeit uns erschloss. Da aber der menschliche Geist zu stumpf ist, um ein solch erhabenes Geheimnis zu fassen, so betet der Apostel, Gott möge die Epheser erleuchten, damit sie zur vollen Erkenntnis Christi gelangen. – Das zweite Kapitel erinnert die Leser an ihre unglückliche Lage vor ihrer Berufung zu Christo: so soll sich die Herrlichkeit der Gnade umso klarer abheben. Denn wenn uns nicht vorgehalten wird, wie traurig unsere Lage ohne Christus sein würde, fühlen wir es nie genug, wie viel wir ihm verdanken, und würdigen seine Wohltaten nicht nach Gebühr. Insbesondere stellt Paulus seinen Lesern vor Augen, wie sie als Heiden früher von den Verheißungen des ewigen Lebens fern waren, deren Gott nur die Juden gewürdigt hatte. – Im dritten Kapitel hebt er dann hervor, dass sein Apostelamt besonders für die Heiden bestimmt sei, damit diese, die lange Zeit fern waren, jetzt in Gottes Volk aufgenommen würden. Weil dieses aber etwas Ungewohntes war und wie alles Neue leicht die Gemüter beunruhigen konnte, so nennt er die Berufung der Heiden ein Geheimnis, das in den vorigen Zeiten verborgen gewesen, und dessen Offenbarung ihm übertragen ward. Ungefähr am Schluss bittet er Gott noch einmal, dass Er die Epheser mit der gewissen Erkenntnis Christi erfülle, dass sie nicht danach trachten, etwas anderes zu wissen. Dieses tut er nicht nur, damit die Erinnerung an so viel göttliche Wohltaten sie antreibe, sich dankbar gegen Gott zu erweisen und ihre Dankbarkeit dadurch zu bezeugen, dass sie sich ihm ganz weihen, sondern besonders, um ihnen dadurch jeden Zweifel an ihrer Berufung zu nehmen. Denn Paulus befürchtete wahrscheinlich, die falschen Apostel möchten den Glauben der Epheser dadurch wankend machen, dass sie behaupteten, sie seien nur halb unterrichtet. Als Heidenchristen hatten sie nämlich nur ...

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About Der Brief an die Epheser

Johannes Calvin gilt als einer der bedeutendsten Bibelausleger aller Zeiten. Bis heute werden seine Kommentare von vielen Christen auf der ganzen Welt mit großem Gewinn gelesen. Sie zeichnen sich aus durch ihre klare Sprache, ihr Festhalten am ursprünglichen Wortsinn der biblischen Schriften und ihren tiefen geistlichen Gehalt. Calvins Kommentar zum Epheserbrief wird hier in der deutschen Übersetzung von Karl Müller (†1935) zugänglich gemacht, die für diese Logos-Ausgabe an zahlreichen Stellen sprachlich überarbeitet wurde.

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